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Yvonne Seelenfreund

geboren am 22. November 1936 in Leipzig, Sachsen, Deutschland
ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor

Familie

Mutter: Gertrud Seelenfreund, geborene Marcus geboren am 2. Mai 1899 in Wien, Österreich ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Vater: Fritz Seelenfreund geboren am 14. Oktober 1901 in Leipzig, Sachsen, Deutschland geflüchtet 1939 nach Shanghai eingewandert 1947 in die USA gestorben im März 1983 in den USA Bruder: Robert-Hermann Seelenfreund geboren am 18. Januar 1935 in Leipzig, Sachsen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor

Lebensdaten

1936 Geburt 1938 Kindertransport in die Niederlande zusammen mit ihrem Bruder 1939 Scheidung der Eltern 1939 Flucht der Mutter in die Niederlande 1939 Vater flieht nach Shanghai ab 1940 Familie wohnt mit den Kindern in Amsterdam 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor zusammen mit Mutter und Bruder
Porträtfoto
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Biografie

Yvonne Seelenfreund wurde 1936 in Leipzig geboren. Sie verbrachte die ersten Lebensjahre im Borkumerweg 7 in Leipzig, wo sie zusammen mit ihrem Bruder Robert-Hermann und ihren Eltern Fritz und Gertrud wohnte.


Erste Ansiedlungen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern gab es in Leipzig bereits im Mittelalter. Ab 1430 war es für Jüdinnen und Juden auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten verboten in der Stadt zu wohnen, sie durften die Stadt nur zum Handeln betreten. Dies blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts so. Erst dann war es jüdischen Bürgerinnen und Bürgern erlaubt sich dauerhaft in der Stadt niederzulassen. Es wurden Synagogen und jüdische Schulen errichtet und es entwickelte sich ein vielfältiges jüdisches Leben in der Stadt. In den 1920ger Jahren zählte die Gemeinde mit 13.000 Mitgliedern zu den sechs größten in Deutschland.




1938

Yvonne und ihr kleiner Bruder erlebten die Schrecken der Reichspogromnacht im November 1938 noch in Leipzig. Ihr Vater Fritz und ihr Onkel Benno wurde festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Erst einige Wochen später wurden sie wieder entlassen.

Nach den gewalttätigen Vorkommnissen in der Reichspogromnacht versuchten viele Eltern, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

Zehntausend Kinder wurden von November 1938 bis zu Kriegsbeginn im September 1939 – man hoffte nur für vorübergehend - in Gebiete außerhalb des damaligen Deutschen Reiches verschickt.10.000 Kinder kamen so u.a. nach Großbritannien. In den Niederlanden wurden 1.500 jüdische Kinder aufgenommen. Allerdings gerieten mit der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 diese Kinder erneut in Gefahr. Die meisten Kinder der Kindertransporte sahen ihre Eltern das letzte Mal, wenn sie am Bahnhof von ihnen Abschied nahmen. Viele der Kinder dieser Hilfsaktion wurden durch die Trennung von ihren Familien und dem Verlust der Eltern traumatisiert.


Fritz und Gertrud Seelenfreund wollten ihre Kinder ebenfalls nicht länger in dieser bedrohlichen Situation in Deutschland leben lassen. Bereits am 6. Dezember 1938 wurden die beiden kleinen Geschwister, zwei und drei Jahre alt, mit einem Kindertransport in die Niederlande verschickt. In den Unterlagen der niederländischen Archive befindet sich der Hinweis, dass sich die Mutter in psychiatrischer Behandlung befände und der Vater nach Shanghai ausgewandert sei. Yvonne und ihr Bruder Robert Hermann waren zusammen in jüdischen Kinderheimen in Amsterdam, Rotterdam und Scheveningen untergebracht. Yvonne und Hermann-Robert sahen ihre Mutter Gertrud im Herbst 1939 wieder, als auch sie in die Niederlande flüchtete. Sie hatte sich vorher scheiden lassen. Über die genaueren Umstände dieser Scheidung ist nichts bekannt.


1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Niederlande und die erhoffte Sicherheit war verloren. Gertrud und ihre beiden Kinder wohnten in einer Wohnung im Amsterdamer Süden. Der Vater bemühte sich um Visa für Japan. Das bestätigen Unterlagen des Judenrates von Amsterdam. Denen ist zu entnehmen, dass sich Fritz Seelenfreund um Auswanderungspapiere für seine Kinder und seine geschiedene Frau bemühte. Leider vergeblich, denn Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert wurden Anfang März 1943 verhaftet und in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork verschleppt.




Deportation nach Sobibor

Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor.


Am 20 Juli mussten auch Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert einen der Waggons eines Deportationszuges besteigen, der sie und weitere 2006 Jüdinnen und Juden in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen brachte. Nach einer dreitägigen Fahrt in den engen und überfüllten Waggons erreichte der Zug am 23. Juli Sobibor. Gertrud, ihr 8-jähriger Sohn Hermann-Robert und ihre 6-jährige Tochter Yvonne, wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet.




Curt Marcus

Yvonnes Onkel Curt Marcus, Bruder von Gertrud, geboren am 10. Juli 1896, wurde im September 1942 nach Theresienstadt und von dort weiter in die Mordstätte Auschwitz-Birkenau verschleppt. Er kam dort am 20. Januar 1944 ums Leben.




Überleben im Ausland

Vater Fritz Seelenfreund flüchtete 1939 zusammen mit seinem Bruder Benno nach Shanghai. Während der Zeit in Shanghai starb sein Bruder 1943. Seine Bemühungen, Tochter, Sohn und Exfrau zu sich zu holen, blieben vergebens
Fritz emigrierte 1947 in die USA.  Er heiratete 1950 in Kalifornien erneut, seine Frau Margaret stammte aus Wroclaw, dem früheren Breslau. Er starb 1983 in Kalifornien.


Drei Familienangehörige mütterlicherseits überlebten die Shoa. Ihre Großmutter Ida Herzfeld wurde 1875 in Wien geboren und wanderte über Lissabon/Portugal nach Montevideo/Uruguay aus. Ihr Onkel Helmut Marcus, 1907 in Berlin geboren, verstarb am 10. Mai 1992 in Montevideo/Uruguay. Ihre Tante Käthe Schoeninger, geboren 1905 in Berlin, verstarb in Brasilien.




Verwendete Dokumente und Literatur

Website des Archivs ITS Arolsen

Website Gedenkbuch des Bundesarchivs

Website Joods Monument 

Susanne Heim (Hg,), Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, München, 2009




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