
Hans-Lion Frankenberg
geboren am 8. Januar 1904 in Alkmaar, Niederlande
ermordet am 23. Juli 1943 im deutschen Mordlager Sobibor
Familie
Lebensdaten


Hans-Lion und Ehefrau Gertrude Klara

Familienfotos der Familie Frankenberg, Hans-Lion mit Gertrude Klara und den beiden Kindern Eva und Loius

Tochter Eva und Sohn Hans

Biografie
Hans-Lion Frankenberg wurde 1904 in Alkmaar geboren. Dort heiratete er 1931 Gertrude Klara Goldschmidt, die aus Frankfurt/Main stammte. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Eva, die 1933 zur Welt kam, und Louis, der 1936 geboren wurde. Die Familie wohnte in einem Haus in der Juliana van Stolberglaan 12.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1936 übernahm Hans-Lion die Buchhandlung seines Vaters, die zu den größten in Nordholland gehörte.
Antisemitische Übergriffe
Als 1940 die Deutsche Wehrmacht die Niederlande besetzte, wurde sehr bald die Buchhandlung arisiert. Ein Jahr später mussten sie ihre Wohnung zwangsweise räumen, die nunmehr ein deutscher Arzt bezog.
Im März 1941 erhielt die Familie, wie alle anderen jüdischen Haushalte in Alkmaar, eine Aufforderung des Jüdischen Rates in Amsterdam, binnen zweier Tage ihre Wohnungen zu verlassen, um nach Amsterdam umgesiedelt zu werden. Dort wurden sie, gemeinsam mit Hans-Lions Mutter Cäcillie Frankenberg und deren Eltern, im Jüdischen Viertel untergebracht, in dem die Lebensbedingungen immer schwieriger wurden. Immerhin gelang es ihnen 1942, ihre beiden Kinder, Eva und Louis über Kontakte beim niederländischen Kinderschutzbund, in einem Kinderheim in Hilversum unterzubringen, wo sie mit einer nichtjüdischen Identität untertauchen konnten. Mit gefälschten Papieren war beiden ein Schulbesuch möglich.
Verschleppung und Deportation
Die Familie Frankenberg lebte im Jüdischen Viertel in einem Versteck, das allerdings am 14. Juli 1943 verraten wurde. Sie wurden verhaftet und kurzfristig in ein Amsterdamer Gefängnis verbracht. Wenige Tage später wurden sie nach Westerbork verschleppt.
Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. jüdischer Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor.
Am 20. Juli 1943 wurden sie nach Sobibor deportiert, wo sie drei Tage später ankamen und ermordet wurden.
Die Rettung der Kinder
Im Februar 1944 wurde Louis aufgrund eines anonymen Verrats im Kinderheim festgenommen und nach Westerbork verschleppt. Eva war zu diesem Zeitpunkt in der Schule, wodurch sie einer Verhaftung entging. Für sie wurde auf einem Bauernhof ein Versteck gefunden, in dem sie die Zeit der Verfolgung überleben konnte.
Der damals erst siebenjährige Louis fand in Westerbork Unterstützung von seinem Cousin, der Mitglied im Jüdischen Rat Amsterdam war. Seine unmittelbare Deportation konnte allerdings nur verzögert werden. Im September 1944 wurde Louis in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Dort gelangte er in die Obhut eines Ehepaares, dem es gelang, Teil eines Transportes von 1.200 Jüdinnen und Juden zu werden, den das Internationale Rote Kreuz nach langen Verhandlungen durchsetzte, und die Bedrohten in die Schweiz brachte. Louis lebte dort ein Jahr lang in einem Kinderheim in Caux, bevor er im April 1946 wieder in die Niederlande zurückkehrte.
Dort traf er seine Schwester wieder. Beide emigrierten 1947 nach Brasilien, wo Verwandte lebten. Eva lebte zuletzt in der Schweiz, Hans blieb in Brasilien, lebte in Sao Paulo.
Verwendete Dokumente und Literatur