
Sara Cukierman
geboren 1902 in Kurów, Woiwodschaft Lublin, Polen
ermordet im Mai 1942 in Sobibor
Familie
Lebensdaten


Ehemann Hersz und Sohn Josef Cukierman, Foto kurz nach dem Krieg




Biografie
Sara Cukiermann lebte mit ihrem Ehemann Hershel in Kurów, einer Gemeinde nordöstlich von Lublin in der Nähe von PuƗawy. Ihr Mann arbeitete als fahrender Händler in den Dörfern der Umgebung. Das Ehepaar bekam vier Kinder: Josef (1930), Baruch (1935), Khanale (1936) und Rivka (1937).
Besatzung, Verschleppung und Deportation
Der Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen im September 1939 führte zunächst dazu, dass das Dorf, in dem sie lebten, bombardiert wurde. Die Familie musste in das nur wenige Kilometer entfernte Wólka Kątna umziehen.
In den folgenden Jahren wurden nach und nach die antijüdischen Repressionen spürbar, die im Jahre 1941 dazu führten, dass die Familie in das Ghetto Opole Lubelski verschleppt wurde. Dort lebten auf engstem Raum etwa 100.000 Menschen. Im März 1942 begannen die ersten Deportationen in das Vernichtungslager Belzec. Im Mai 1942 erfolgte eine weitere Deportation in das Mordlager Sobibor. Zu den 2.000 Deportierten gehörte auch die Familie Cukierman. Sie wurden zunächst in das dreissig Kilometer entfernte NaƗęczów verschleppt, die Männer zu Fuß, die Frauen und Kinder auf Fuhrwerken. Vom dortigen Bahnhof aus wurden sie in Viehwaggons nach Sobibor transportiert.
Bei der Ankunft an der Rampe des Vernichtungslagers wurde die Familie getrennt. Sara und die drei Kinder im Alter von sieben, sechs und fünf Jahren wurden sofort in die Gaskammern gebracht und ermordet.
Das Schicksal von Ehemann Hershel und Sohn Josef
Josef und sein Vater mussten zunächst im Lager I in Sobibor warten. Als einer der SS-Männer nach einem Koch fragte, meldete sich Hershel Cukierman und bat darum, seinen 12-jährigen Sohn als Gehilfen mitzunehmen, was ihm erlaubt wurde. Beide arbeiteten anderthalb Jahre im Lager, Hershel als Koch, Josef in der Kantine der SS und als Schuhputzer für die Aufseher.
Beim Aufstand in Sobibor im Oktober 1943 gelang beiden die Flucht aus dem Lager, sie schlugen sich bis zu ihrem Heimatort Kurów durch. Dort konnten sie sich gegen Bezahlung bei ihnen bekannten polnischen Bauern verstecken. Josef schloss sich 1944 der Partisanenbewegung an.
Nach dem Krieg trafen sich Vater und Sohn in Lublin wieder. Sie gingen später zusammen nach Ƚódż und weiter nach Deutschland. Beide sagten in Prozessen gegen die Verbrecher von Sobibor aus. Hershel, der in den 1950er Jahren in die USA ausgewandert war, kam 1965 kurzzeitig als Zeuge zum Hagener Sobiborprozess nach Deutschland zurück. Josef wohnte in Karlsruhe, wo er im Juni 1963 starb. Sein Vater starb 1979 in New Jersey.
Verwendete Dokumente und Literatur