
Gertrude Klara Frankenberg, geborene Goldschmidt
geboren am 2. Januar 1907 in Frankfurt/M, Hessen, Deutschland
ermordet am 23. Juli 1943 in Sobibor
Familie
Lebensdaten


Gertrude Klara mit Ehemann Hans-Lion

Familienfotos der Familie Frankenberg, Sohn Hans-Lion mit Gertrude Klara und den beiden Kindern Eva und Loius

Tochter Eva und Sohn Hans

Biografie
Gertrude Klara Goldschmidt wurde 1907 in Frankfurt/M geboren. 1931 heiratete sie Hans-Lion Frankenberg in Alkmaar. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Eva, die 1933 zur Welt kam, und Louis, der 1936 geboren wurde. Ihr Mann besaß einen Buchladen, den er 1936 nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte. Die Familie Frankenberg wohnte in einem Haus in der Juliana van Stolberglaan 12.
Antisemitische Übergriffe
Als 1940 die Deutsche Wehrmacht die Niederlande besetzte, wurde die Buchhandlung sehr bald arisiert. Ein Jahr später mussten die Frankenbergs auch ihre Wohnung verlassen, die nunmehr ein deutscher Arzt bezog.
Im März 1941 erhielt die Familie, wie alle anderen jüdischen Haushalte in Alkmaar, die Aufforderung des Jüdischen Rates in Amsterdam, binnen zweier Tage ihre Wohnung zu verlassen, um nach Amsterdam umgesiedelt zu werden. Dort wurden sie, gemeinsam mit Gertrudes Schwiegermutter Cäcillie Frankenberg und deren Eltern im Jüdischen Viertel untergebracht, in engen Wohnverhältnissen und unter immer schwieriger werdenden Lebensbedingungen.
Immerhin gelang es ihnen, ihre beiden Kinder, Eva und Louis, über Kontakte mit dem niederländischen Kinderschutzbund in einem Kinderheim in Hilversum unterzubringen, wo sie mit einer nichtjüdischen Identität untertauchen konnten. Mit gefälschten Papieren war beiden ein Schulbesuch möglich.
Verschleppung und Deportationen
Die Familie Frankenberg lebte im Jüdischen Viertel in einem Versteck, das am 14. Juli 1943 verraten wurde. Sie wurden verhaftet und kurzfristig in ein Amsterdamer Gefängnis verbracht. Wenige Tage später wurden sie nach Westerbork verschleppt.
Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor.
Am 20.Juli 1943 wurde Gertrude mit ihrer Familie nach Sobibor deportiert, wo sie drei Tage später ankamen und ermordet wurden.
Die Rettung der Kinder
Im Februar 1944 wurde Louis aufgrund eines anonymen Verrats im Kinderheim festgenommen und nach Westerbork verschleppt. Eva war zu diesem Zeitpunkt in der Schule, wodurch sie einer Verhaftung entging. Für sie wurde auf einem Bauernhof ein Versteck gefunden, in dem sie die Zeit der Verfolgung überleben konnte.
Der damals erst siebenjährige Louis fand in Westerbork Unterstützung von seinem Cousin, der Mitglied im Jüdischen Rat Amsterdam war. Seine unmittelbare Deportation konnte allerdings nur verzögert werden. Im September 1944 wurde Louis in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Dort gelangte er in die Obhut eines Ehepaares, dem es gelang, Teil eines Transportes von 1.200 Jüdinnen und Juden zu werden, den das Internationale Rote Kreuz nach langen Verhandlungen durchsetzte, und die Bedrohten in die Schweiz brachte. Louis lebte dort ein Jahr lang in einem Kinderheim in Caux, bevor er im April 1946 wieder in die Niederlande zurückkehrte.
Dort traf er seine Schwester wieder. Beide emigrierten 1947 nach Brasilien, wo Verwandte lebten. Eva lebte zuletzt in der Schweiz, Hans blieb in Brasilien, lebte in Sao Paulo.
Verwendete Dokumente und Literatur