
Cäcilie Frankenberg, geb. Wolf
geboren am 9. Oktober 1875 in Wuppertal, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor
Familie
Lebensdaten


Sohn Hans-Lion und Schwiegertochter Gertrude Klara

Familienfotos der Familie Frankenberg, Sohn Hans-Lion mit Gertrude Klara und den beiden Kindern Eva und Loius

Cäcilias Enkel Eva und Hans

Biografie
Cäcillie Frankenberg wurde 1875 in Wuppertal geboren. Nach ihrer Auswanderung in die Niederlande heiratete sie 1903 Louis Frankenberg aus Höxter, der 1900 nach Alkmaar ausgewandert war. 1904 kam ihr Sohn Hans-Lion und fünf Jahre später ihre Tochter Else Ada zur Welt.
Die Familie wohnte in Alkmaar im Kennermerpark 12. Louis hatte dort eine der größten Buchhandlungen in Nordholland aufgebaut und engagierte sich in verschiedenen sozialen Projekten. Er starb 1936.
Antisemitische Übergriffe
Die Buchhandlung, die nach seinem Tod sein Sohn Hans-Lion weiterführte, wurde nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht 1940 im selben Jahr arisiert. Die Familie des Sohnes, zu der auch Cäcillie Frankenberg gehörte, musste ihre Wohnung 1941 zwangsweise räumen. Sie wurde einem deutschen Arzt zugewiesen.
Im März 1941 erhielt die Familie Frankenberg vom Jüdischen Rat in Amsterdam die Aufforderung, binnen zweier Tage ihre Wohnung zu verlassen, um von Alkmaar nach Amsterdam umgesiedelt zu werden.
Verschleppung und Deportation
Mit nur zwei Koffern als erlaubtes Gepäck wurde Cäcillie Frankenberg mit ihrer Familie im Jüdischen Viertel in Amsterdam untergebracht, wo sie versuchte unterzutauchen. Am 14. Juli 1943 wurde ihr Aufenthaltsort verraten. Sie wurde gemeinsam mit ihren Eltern verhaftet und in ein Amsterdamer Gefängnis verbracht. Wenige Tage später wurde sie nach Westerbork verschleppt.
Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor.
Am 20. Juli 1943 wurde Cäcillie Frankenberg mit 2.006 weiteren Jüdinnen und Juden in überfüllten Waggons nach Sobibor deportiert. Sie kam dort drei Tage später an und wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.
Tochter Else und ihre Familie
Cacilie Frankenbergs Tochter Else Ada war mit dem Kaufmann Frans Grunwald verheiratet. Er führte einen Großhandel für Backwaren. Sie lebten mit ihren beiden Kindern Leonard und Jetty in Den Helder.
Die ganze Familie wurde in das Vernichtungslager Auschwitz verbracht. Cäcilie Frankenbergs Tochter und ihre beiden kleinen Enkel wurden dort am 11. Februar 1944 ermordet, ihr Schwiegersohn Frans am 1. April 1944.
Die Rettung der Kinder von Hans-Lion
Im Februar 1944 wurde Louis aufgrund eines anonymen Verrats im Kinderheim festgenommen und nach Westerbork verschleppt. Eva war zu diesem Zeitpunkt in der Schule, wodurch sie einer Verhaftung entging. Für sie wurde auf einem Bauernhof ein Versteck gefunden, in dem sie die Zeit der Verfolgung überleben konnte.
Der damals erst siebenjährige Louis fand in Westerbork Unterstützung von seinem Cousin, der Mitglied im Jüdischen Rat Amsterdam war. Seine unmittelbare Deportation konnte allerdings nur verzögert werden. Im September 1944 wurde Louis in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Dort gelangte er in die Obhut eines Ehepaares, dem es gelang, Teil eines Transportes von 1.200 Jüdinnen und Juden zu werden, den das Internationale Rote Kreuz nach langen Verhandlungen durchsetzte, und die Bedrohten in die Schweiz brachte. Louis lebte dort ein Jahr lang in einem Kinderheim in Caux, bevor er im April 1946 wieder in die Niederlande zurückkehrte.
Dort traf er seine Schwester wieder. Beide emigrierten 1947 nach Brasilien, wo Verwandte lebten. Eva lebte zuletzt in der Schweiz, Hans blieb in Brasilien, lebte in Sao Paulo.
Verwendete Dokumente und Literatur