
Therese Bauer
geboren am 21. Juni 1876 in Ermreuth, Bayern, Deutschland
ermordet am 28.Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor
Familie
Lebensdaten


letzte bekannte Postkarte von Therese aus Westerbork vom April 1943

letzte bekannte Postkarte von Therese aus Westerbork vom April 1943

Ludwig Neu, Thereses Ehemann


Gedenkstein für Therese und Ludwig Neu
Biografie
Therese Neu wurde 1876 als zweites Kind des Viehhändlers Salomon Bauer (geb. 1842) und seiner Ehefrau Babette in Ermreuth in Oberfranken geboren. Die Familie zog später zusammen mit Sohn Josef (geb.1872) und Tochter Therese nach Erlangen.
Dort lernte Therese ihren späteren Ehemann Ludwig Neu aus Fürth kennen. Am 10.Mai 1898 heirateten die beiden. Sie wohnten kurze Zeit in Fürth und zogen 1899 zusammen nach Nürnberg in den Spittlertorgraben 13. Hier kam ihr Sohn Kurt Max am 19. Oktober 1899 zur Welt. In der Nürnberger Höfnerstraße 53 betrieb Ludwig Neu eine Produktionsstätte und einen Großhandel für Buntpapier und Pappen.
Sohn Kurt
Der Sohn Kurt Max Neu legte 1918 seine Reifeprüfung ab. Daran anschließend nahm er noch für kurze Zeit aktiv am 1. Weltkrieg teil. Nach seinem Studium arbeitete er in gehobener Position in einer der Regierungsbanken in Berlin. Nach 1933 war er Manager eines großen Eisenerzkonzerns. Kurt Max Neu heiratete am 3. Juni 1930 Anna Ruth Warburg in Berlin. Die Tochter des Paares, Eva Renée Elly Neu, erblickte am 7. Februar 1932 in Berlin Charlottenburg das Licht der Welt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Kurt Max aus seiner Position bei der Bank entlassen. Er floh mit seiner Familie im Sommer 1936 in die Niederlande nach Den Haag. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 versuchten sie mit ihrer Tochter ein weiteres Mal ins sichere Ausland zu entkommen. Über Lissabon konnten sie mit dem Schiff „Carvalho Araujo“ im Frühjahr 1941 in die USA entkommen.
Flucht in die Niederlande
Therese und Ludwig Neu blieben vorerst in Nürnberg wohnen. Kurz nach der Pogromnacht 1938 beschloss das nun schon ältere Ehepaar ebenfalls in die Niederlande zu emigrieren. Sie wohnten in Bussum, einer kleinen Stadt im Südosten von Amsterdam. Während ihrer Zeit in den Niederlanden schrieb Therese oft Briefe an ihre Enkelin Renée, die zu dieser Zeit in Den Haag wohnte.
In dieser Zeit lebten bis zu 50.000 deutsche Jüdinnen und Juden in den Niederlanden, sie waren seit 1933 legal oder illegal eingewandert. Mit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 verschärfte sich die Situation für Flüchtlinge zusehends. Die Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung und Verfolgung, die die deutschen Juden und Jüdinnen bereits im Deutschen Reich mitgemacht hatten, mussten sie nun ein zweites Mal in den Niederlanden erleben.
Für das Jahr 1941 ist der Wohnsitz der Familie Neu mit Lepenlaan 37 in Bussum angegeben, ihre letzte Meldeadresse ist in Amsterdam die Rompotstraat 3. Vermutlich zu Beginn des Jahres 1943 wurden Therese und Ludwig Neu verhaftet und nach Westerbork gebracht. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor.
Bereits am 20. März 1943 wurde ihr Schwager Martin Neu (geb. 10.1.1862) und dessen Ehefrau Hermine – beide hatten bei ihnen in der Rompotstraat in Amsterdam gewohnt – nach Sobibor deportiert und dort ermordet.
Letztes Lebenszeichen aus Westerbork
Thereses letztes Lebenszeichen ist eine Karte, die sie mit dem Absender „Baracke 55 Westerbork“ am 16. April 1943 an die Schwester ihrer Schwiegertochter Ruth verschickte. In dieser Karte bedankte sie sich für die Lebensmittel, die sie von ihr erhalten hatte.
Am 25. Mai 1943 mussten Ludwig und Therese Neu, mit weiteren 2860 jüdischen Kindern, Frauen und Männern, den Deportationszug besteigen. Es war der 13. Transport, der Westerbork in Richtung des deutschen Vernichtungslagers Sobibor im heutigen Polen verließ. Nach einer dreitägigen Fahrt in den Viehwaggons erreichte der Zug am 28. Mai 1943 Sobibor. Die 66-jährige Therese Neu und ihr 77-jähriger Ehemann Ludwig wurden direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Keiner der jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus diesem Transport überlebte die Zeit des Krieges.
Verwendete Dokumente und Literatur
Website des Archivs ITS Arolsen
Website Gedenkbuch des Bundesarchivs
Jules Schelvis, Vernietigingskamp Sobibor – De transportlijsten, Amsterdam 2001