
Albert Pappenheim
geboren am 21. Juni 1870 in Eschwege, Hessen, Deutschland
ermordet am 23. Juli 1943 im deutschen Mordlager Sobibor
Familie
Lebensdaten


Dorothea und Albert Pappenheim

Dorothea Pappenheim



Gedenkstein für Albert und Dorothea Pappenheim
Biografie
Albert Pappenheim wurde1870 als Sohn von Lazarus und Betty Pappenheim in Eschwege geboren. Ein halbes Jahr nach Alberts Geburt starb seine Mutter. Er hatte vier ältere Geschwister, drei von ihnen verstarben bereits im Kleinkindalter. Sein älterer Bruder Leopold wanderte in die Schweiz aus, wo er 1933 verstarb. Sein Vater heiratete zwei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, Emma Pappenheim. Aus dieser Ehe stammten Alberts vier Halbgeschwister. Der Vater Lazarus Pappenheim war Tabakhändler in Eschwege und verdiente damit den Lebensunterhalt für die Familie.
Eschwege gehörte zu den ältesten jüdischen Ansiedlungen, bereits im Mittelalter wohnten Jüdinnen und Juden in der Stadt. Zusammen mit der neuen Synagoge wurde 1839 auch das neue Schulgebäude der jüdischen Schule in der Schulstraße 3 eingerichtet. Als Albert geboren wurde, lebten in der Stadt rund 500 Jüdinnen und Juden, was etwa sechs Prozent der Bevölkerung der Stadt ausmachte.
Nach dem Krieg diente das Schulgebäude als Sitz der jüdischen Displaced-Persons-Gemeinde, die sich 1952 wieder auflöste, als die meisten Jüdinnen und Juden Deutschland verlassen hatten.
Nach seinem Gymnasialabschluss und seiner Ausbildung meldete sich Albert 1892 von Eschwege ab und verzog erst nach Paris und später nach Trier.
1900 heiratete Albert Pappenheim in Neustadt Dorothea Klein aus Sobernheim. Aus der Ehe gingen die Söhne Helmuth-Louis, geboren 1901, und Carl-Heinz, geboren 1913, hervor. Beide wurden in Trier geboren. Albert Pappenheim gründete 1896 zusammen mit Felix Kaufmann in Trier ein neues Bankhaus. Albert Pappenheim sorgte dafür, dass das Bankhaus von der Darmstädter Bank übernommen wurde, er blieb Geschäftsführer. Albert engagierte sich in einem jüdischen Wohltätigkeitsverein in Trier. Religiöses Leben spielte in der Familie allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Nur an wichtigen Feiertagen besuchte man die Synagoge. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, wurden Juden aus führenden Positionen verdrängt. Albert Pappenheim verlor seine Anstellung bei der Bank.
Nach 1938
Nach der Reichspogromnacht im November 1938 mussten Albert und Dorothea ihr Haus verlassen. Ihre Einrichtungsgegenstände durften sie nicht mitnehmen. Albert verlor nach einer schweren Entzündung im Fuß ein Bein und trug eine Prothese.
Im Januar 1939, zwei Monate nach der Pogromnacht, emigrierten Albert und Dorothea Pappenheim in die Niederlande. Sie wohnten in Amsterdam im Willemsparkweg, unweit der Wohnung ihres Sohnes Helmuth-Louis und ihrer Schwiegertochter Else. Ihr Sohn war bereits 1925 nach Amsterdam ausgewandert und arbeitete als Bankier. Auch ihr jüngster Sohn Carl-Heinz wohnte schon seit 1933 in Amsterdam.
Die Sicherheit, in der sie sich in den Niederlanden wähnten, hielt nicht lange an. Im Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande und führte sukzessive auch dort die antijüdischen Gesetze ein. Alberts Sohn Carl-Heinz gilt in den Archiven von 1940 bis 1945 als „unbekannt verzogen“, erst im Dezember 1946 ist er wieder in Amsterdam gemeldet. Ob er während dieser Zeit mit falschen Papieren lebte oder die Niederlande verließ, ist nicht nachvollziehbar. Sohn Helmuth-Louis arbeitete 1942 für den Jüdischen Rat Amsterdam als Referent im Polizeilichen Durchgangslager Westerbork.
Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. 65 Deportationszüge fuhren zwischen 1942 und 1944 in die Mordstätte Auschwitz – Birkenau. Trotz seiner Stellung im Lager gelang es ihm nicht, seine Eltern Albert und Dorothea Pappenheim vor der Deportation zu bewahren.
Deportation nach Sobibor
Albert und Dorothea Pappenheim wurden Anfang Juli 1943 in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork verschleppt. Wenige Tage später, am 20. Juli, mussten sie in Westerbork in einen der Viehwaggons steigen. Der Zug mit weiteren 2207 Jüdinnen und Juden erreichte nach drei Tagen das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen. Albert Pappenheim und seine Frau Dorothea wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet.
Die Söhne
Sohn Helmuth-Louis und seine Ehefrau Else gelang es die Zeit der Verfolgung zu überleben. Sie blieben in den Niederlanden wohnen. Allerdings wurden Elses Eltern Louise und Abraham Emanuel Joachimsthal am 28. Mai 1943 ebenfalls in Sobibor ermordet.
Carl-Heinz Pappenheim, Alberts jüngster Sohn, heiratete nach dem Krieg in Amsterdam Gabrielle van Perlstein. Carl-Heinz Pappenheim verstarb 2003 in Haarlem in den Niederlanden.
Verwendete Dokumente und Literatur