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  • Goldstern | Gedenkweg in Sobibor

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  • Verdooner | Gedenkweg in Sobibor

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  • Schuitvoerder-Coini | Gedenkweg in Sobibor

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  • Gerritse-Peereboom | Gedenkweg in Sobibor

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  • Seelenfreund | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Yvonne Seelenfreund geboren am 22. November 1936 in Leipzig, Sachsen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Gertrud Seelenfreund, geborene Marcus geboren am 2. Mai 1899 in Wien, Österreich ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Vater: Fritz Seelenfreund geboren am 14. Oktober 1901 in Leipzig, Sachsen, Deutschland geflüchtet 1939 nach Shanghai eingewandert 1947 in die USA gestorben im März 1983 in den USA Bruder: Robert-Hermann Seelenfreund geboren am 18. Januar 1935 in Leipzig, Sachsen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1936 Geburt 1938 Kindertransport in die Niederlande zusammen mit ihrem Bruder 1939 Scheidung der Eltern 1939 Flucht der Mutter in die Niederlande 1939 Vater flieht nach Shanghai ab 1940 Familie wohnt mit den Kindern in Amsterdam 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor zusammen mit Mutter und Bruder nächste Biografie Yvonne Seelenfreund wurde 1936 in Leipzig geboren. Sie verbrachte die ersten Lebensjahre im Borkumerweg 7 in Leipzig, wo sie zusammen mit ihrem Bruder Robert-Hermann und ihren Eltern Fritz und Gertrud wohnte. Erste Ansiedlungen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern gab es in Leipzig bereits im Mittelalter. Ab 1430 war es für Jüdinnen und Juden auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten verboten in der Stadt zu wohnen, sie durften die Stadt nur zum Handeln betreten. Dies blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts so. Erst dann war es jüdischen Bürgerinnen und Bürgern erlaubt sich dauerhaft in der Stadt niederzulassen. Es wurden Synagogen und jüdische Schulen errichtet und es entwickelte sich ein vielfältiges jüdisches Leben in der Stadt. In den 1920ger Jahren zählte die Gemeinde mit 13.000 Mitgliedern zu den sechs größten in Deutschland. 1938 Yvonne und ihr kleiner Bruder erlebten die Schrecken der Reichspogromnacht im November 1938 noch in Leipzig. Ihr Vater Fritz und ihr Onkel Benno wurde festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Erst einige Wochen später wurden sie wieder entlassen. Nach den gewalttätigen Vorkommnissen in der Reichspogromnacht versuchten viele Eltern, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Zehntausend Kinder wurden von November 1938 bis zu Kriegsbeginn im September 1939 – man hoffte nur für vorübergehend - in Gebiete außerhalb des damaligen Deutschen Reiches verschickt.10.000 Kinder kamen so u.a. nach Großbritannien. In den Niederlanden wurden 1.500 jüdische Kinder aufgenommen. Allerdings gerieten mit der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 diese Kinder erneut in Gefahr. Die meisten Kinder der Kindertransporte sahen ihre Eltern das letzte Mal, wenn sie am Bahnhof von ihnen Abschied nahmen. Viele der Kinder dieser Hilfsaktion wurden durch die Trennung von ihren Familien und dem Verlust der Eltern traumatisiert. Fritz und Gertrud Seelenfreund wollten ihre Kinder ebenfalls nicht länger in dieser bedrohlichen Situation in Deutschland leben lassen. Bereits am 6. Dezember 1938 wurden die beiden kleinen Geschwister, zwei und drei Jahre alt, mit einem Kindertransport in die Niederlande verschickt. In den Unterlagen der niederländischen Archive befindet sich der Hinweis, dass sich die Mutter in psychiatrischer Behandlung befände und der Vater nach Shanghai ausgewandert sei. Yvonne und ihr Bruder Robert Hermann waren zusammen in jüdischen Kinderheimen in Amsterdam, Rotterdam und Scheveningen untergebracht. Yvonne und Hermann-Robert sahen ihre Mutter Gertrud im Herbst 1939 wieder, als auch sie in die Niederlande flüchtete. Sie hatte sich vorher scheiden lassen. Über die genaueren Umstände dieser Scheidung ist nichts bekannt. 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Niederlande und die erhoffte Sicherheit war verloren. Gertrud und ihre beiden Kinder wohnten in einer Wohnung im Amsterdamer Süden. Der Vater bemühte sich um Visa für Japan. Das bestätigen Unterlagen des Judenrates von Amsterdam. Denen ist zu entnehmen, dass sich Fritz Seelenfreund um Auswanderungspapiere für seine Kinder und seine geschiedene Frau bemühte. Leider vergeblich, denn Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert wurden Anfang März 1943 verhaftet und in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork verschleppt. Deportation nach Sobibor Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Am 20 Juli mussten auch Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert einen der Waggons eines Deportationszuges besteigen, der sie und weitere 2006 Jüdinnen und Juden in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen brachte. Nach einer dreitägigen Fahrt in den engen und überfüllten Waggons erreichte der Zug am 23. Juli Sobibor. Gertrud, ihr 8-jähriger Sohn Hermann-Robert und ihre 6-jährige Tochter Yvonne, wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Curt Marcus Yvonnes Onkel Curt Marcus, Bruder von Gertrud, geboren am 10. Juli 1896, wurde im September 1942 nach Theresienstadt und von dort weiter in die Mordstätte Auschwitz-Birkenau verschleppt. Er kam dort am 20. Januar 1944 ums Leben. Überleben im Ausland Vater Fritz Seelenfreund flüchtete 1939 zusammen mit seinem Bruder Benno nach Shanghai. Während der Zeit in Shanghai starb sein Bruder 1943. Seine Bemühungen, Tochter, Sohn und Exfrau zu sich zu holen, blieben vergebens Fritz emigrierte 1947 in die USA. Er heiratete 1950 in Kalifornien erneut, seine Frau Margaret stammte aus Wroclaw, dem früheren Breslau. Er starb 1983 in Kalifornien. Drei Familienangehörige mütterlicherseits überlebten die Shoa. Ihre Großmutter Ida Herzfeld wurde 1875 in Wien geboren und wanderte über Lissabon/Portugal nach Montevideo/Uruguay aus. Ihr Onkel Helmut Marcus, 1907 in Berlin geboren, verstarb am 10. Mai 1992 in Montevideo/Uruguay. Ihre Tante Käthe Schoeninger, geboren 1905 in Berlin, verstarb in Brasilien. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Susanne Heim (Hg,), Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, München, 2009

  • Metz de | Gedenkweg in Sobibor

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  • Herschel | Gedenkweg in Sobibor

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  • Lichtenstein, geborene Frankenthal | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Käthe Lichtenstein geboren am 18. März 1892 in Altenlotheim, Hessen, Deutschland ermordet am 03. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Meinhard Lichtenstein geboren am 05. Juni 1886 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Sohn: Arthur Lichtenstein geboren am 7. Februar 1920 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert 1938 in die USA gestorben am 8. September 1971 in den USA Tochter: Ilse Lichtenstein geboren am 24. Februar 1923 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert im Frühjahr 1940 in die USA gestorben am 26. April 2006 in den USA Tochter: Inge Lichtenstein geboren am 4. Februar 1930 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1892 Geburt in Altenlotheim 1916 Kriegstod ihres Bruders Siegfried 1919 Heirat mit Meinhard Lichtenstein aus Kassel 1920 Tod ihres Bruders Levy als Kriegsfolge 1920 Geburt ihres Sohnes Arthur 1923 Geburt ihrer Tochter Ilse 1930 Geburt ihrer Tochter Inge 1936 Flucht ihres Bruders Adolf in die USA 1937 Flucht ihrer Eltern in die USA 1938 Flucht ihres Bruders Julius in die USA 1938 Flucht des Sohnes Arthur in die USA 1938 Inhaftierung in Volkmarsen zusammen mit der Tochter Ilse 1938 Zerstörung ihrer Schneiderwerkstatt und Berufsverbot 1938 Inhaftierung ihres Ehemannes im Konzentrationslager Buchenwald 1939 Beschlagnahme ihres Hauses und Zwangseinquartierung in die Volksschule 1939 Verschickung ihrer Töchter mit einem Kindertransport in die Niederlande 1940 Flucht ihrer Tochter Ilse in die USA 1941 Rückkehr der jüngeren Tochter Inge nach Volkmarsen zurück 1942 Verschleppung und Ermordung in Sobibor nächste Familienfoto mit den Töchter und ihren Eltern Foto zur Bar Mitzwah von Sohn Arthur Telegram von Meinhard an die Kinder in den USA vom 3. Juni 1942 -dem Tag ihrer Deportation von Kassel Ilse, Inge und Arthur Lichtenstein, ca 1936 Biografie Käthe Lichtenstein, geborene Frankenthal, wuchs im hessischen Altenlotheim bei Frankenau auf. Die Familie Lichtenstein lebte seit Anfang des 19. Jahrhunderts in der kleinen Gemeinde. Käthe Lichtensteins Eltern waren Selig und Rosa Frankenthal, sie hatten neben der Tochter Käthe noch vier Söhne: Levy, Siegried, Adolf und Julius. Käthe Lichtenstein und ihre Familie hatten schwere Schläge zu verkraften. Siegfried fiel 1916, da war sie 24 Jahre alt. Ihr Bruder Levy kam krank aus dem 1. Weltkrieg zurück und verstarb in den 20er Jahren in einer psychiatrischen Klinik. Adolf wanderte 1936 mit seiner Familie in die USA aus. Julius floh 1938 über England ebenfalls in die USA. Sogar ihre alten Eltern flohen mit über 70 Jahren 1937 in die USA. Nach ihrer Heirat verzog Käthe Lichtenstein nach Volkmarsen. 1933 hatte Volkmarsen insgesamt 2650 Einwohner, davon 34 jüdischen Glaubens. Sie trieben Handel oder waren Handwerker. Beide Ehepartner waren in die dortige jüdische Gemeinde eingebunden. Es gab zwei Wohltätigkeitsvereine. Käthe Lichtenstein war aktiv in der Gemeindearbeit tätig. Ihr Ehemann war 2. Vorsitzender der Gemeinde und Thora-Vorleser in der Synagoge, bis 1936 die Synagoge verkauft werden musste. Meinhard und Käthe Lichtenstein wohnten mit ihren drei Kindern Arthur, Ilse und der jüngsten Tochter Inge in Volkmarsen in ihrem eigenen Haus an der Oberen Stadtmauer 33.Die zwei älteren Kinder von Meinhard und Käthe Lichtenstein besuchten die Volksschule in Volkmarsen Am Mönchepfuhl, vermutlich wurde auch die Jüngste noch in Volkmarsen eingeschult. Meinhard Lichtenstein erteilte seinen Kindern an Schabbat Religionsunterricht. Er war ein angesehener Schneidermeister und betrieb zusammen mit seiner Frau eine eigene Werkstatt mit Laden in ihrem Wohnhaus. Käthe Lichtenstein gab Klavierunterricht. Die Eheleute Lichtenstein besuchten hin und wieder Aufführungen im Opernhaus Kassel. Nach 1933 Ab 1933 nahm die Hetze, Ausgrenzung, Verfolgung und der Raubzug gegen die jüdische Bevölkerung ständig zu. Der Laden der Familie Lichtenstein wurde bereits 1933 im Zuge der Aktion „Kauft nicht bei Juden“ angegriffen. Im Mai 1938 floh der älteste Sohn Arthur, in die USA, 1941 ging er zur US-Armee und baute sich später eine Schneiderwerkstatt auf. Die zurückgebliebene Familie in Volkmarsen sah für sich keine Zukunft mehr in Deutschland und bemühte sich ebenfalls um Ausreisepapiere. In der Reichspogromnacht waren der Vater und die ältere Tochter nicht in Volkmarsen. Käthe Lichtenstein und ihre achtjährige Tochter wurden in Schutzhaft genommen. Die Wohnung und die Schneiderwerkstatt der Familie Lichtenstein wurden völlig ausgeraubt und demoliert. Auch Stammkunden beteiligten sich daran. Am nächsten Tag erlitt die Mutter, Käthe Lichtenstein, eine Herzattacke, Tochter Ilse kümmerte sich in der Folgezeit um die Mutter und die jüngere Schwester. Meinhard Lichtenstein kam nach seiner Rückkehr in Schutzhaft und wurde im örtlichen Gefängnis im Kellergewölbe des Rathauses eingesperrt, vollzogen von einem Polizisten, der sein bester Freund und Nachbar – selbst kein Freund der Nationalsozialisten und heimlicher Helfer der Familie - war. Zwei Tage später wurde Meinhard Lichtenstein ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, von wo er sechs Wochen später von Misshandlungen gezeichnet, abgemagert und erschöpft zurückkehrte. Das Geschäft durfte nicht wiedereröffnet werden, zusätzlich mussten sie eine „Judenvermögensabgabe“ an den Fiskus entrichten. Die Familie lebte vorerst vom Ersparten und den Erträgen ihres Gartens. Neben dem Wohnhaus, das 1942 beschlagnahmt wurde, besaß die Familie ein Gartengrundstück, das sie bereits Anfang 1939 verkauften, allerdings gestattete ihnen der Käufer – eben jener wohlgesonnene erwähnte Nachbar - das halbe Nutzungsrecht. Die Familie Lichtenstein verarmte weitestgehend. Nach der Reichspogromnacht mussten die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Volkmarsens und mit ihnen die Familie Lichtenstein im jüdischen Schulhaus wohnen - diese Maßnahme zielte schon auf die späteren Deportationen. Es wurden ihnen knappe Lebensmittelmarken zugeteilt, für sie gab es weder Milch, noch Fleisch, noch Eier. Einige wenige christliche Volkmarser Bürgerinnen und Bürger unterstützten sie heimlich. Verschickung der Kinder in die Niederlande Am 3. Januar 1939 verschickten die Eltern schweren Herzens ihre beiden Töchter zu ihrer Sicherheit in ein Kinderheim ins niederländische Bergen aan Zee. Ein Jahr später, am 4. April 1940 verließ die 17-jährige Tochter Ilse die Niederlande ebenfalls in Richtung USA, ihr Bruder hatte das Visum besorgt. Die jüngste Tochter Inge fand Unterschlupf bei einer jüdischen Familie in Rotterdam, sie wurde Ende Juni 1941 nach Volkmarsen zurückgebracht. Der Familie Lichtenstein gelang es nicht, rechtzeitig Ausreisepapiere für die USA zu bekommen. Die Deportation von Kassel nach Sobibor Für die zweite von den drei großen zentral organisierten Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel standen sechs Personen aus Volkmarsen auf der Deportationsliste. Zum 31.5.1942 wurde die Familie Lichtenstein in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren 50 Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte noch vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Einige für die Lichtensteins wichtige Dinge – Stoffe, Bücher, Nähmaschine und Porzellan – verwahrten Nachbarn vierzig Jahre lang, bis sie diese der überlebenden Tochter Ilse Meyer übergeben konnten. Die Lichtensteins wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Geheimen Staatspolizei-Bezirk Kassel von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohnern, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und hier wurden die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Dieser Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor weiter, wo er am 3. Juni 1942 ankam; ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto. Die Familie Lichtenstein wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. In Volkmarsen erinnert seit 1999 ein Straßenname an die mit 12 Jahren in Sobibor ermordete Inge Lichtenstein. Brief von Ilse Lichtenstein an ihren Bruder Arthur Ilse Lichtenstein hielt sich zu der Zeit auf Initiative eines jüdischen Wohltätigkeitsvereins in einem Kinderheim in den Niederlanden auf, ihr Bruder Arthur war bereits in die USA ausgewandert: Bergen, den 10.1.1939 Meine Lieben! Heute will ich euch ein paar Zeilen senden. Wir sind hier in Bergen in einem Kinderheim. Am Mittwoch, dem 4. sind wir hierhergekommen. Es gefällt uns sehr gut. 91 Kinder sind wir hier. Jungens und Mädels. Wir haben es gut hier. Stehen morgens um 7 Uhr auf und gehen abends um 8 Uhr zu Bett. Jeden Morgen und auch oft nachmittags gehen wir spazieren. Jetzt haben wir Wolle bekommen für Pullover zu stricken. Jeden Abend werden wir gebadet. Jetzt will ich euch in bisschen von Deutschland erzählen. Aber nicht viel. Wie ihr ja wisst, sind alle Männer im KZ gewesen. Der liebe Papa und Friedel* waren auch da. Papa war 4 Wochen und Friedel 5 Wochen dort. Natürlich kamen sie mit kahlgeschorenen Köpfen zurück. Auch dort haben sie es nicht besonders gehabt. 3 Tage nichts zu essen und überhaupt kein Wasser. Viele Leute sind meschugge geworden. Auch Lehrer Stern aus Frankenberg. Er ist in die Latrine gesprungen. Onkel Isaak ist einen Tag zurückgekommen und dann gleich irr gewesen. Er hatte Eiter in Mund und Nase und konnte gar nicht sprechen. Hugo Wertheim hatte Blutvergiftung und ist verbrannt worden. Die Urne ist zurückgekommen. Auch der Vater von Walter Steinmann ist 3 Tage zu Hause gewesen, hat Lungenentzündung bekommen und ist gestorben. Ach, so manches könnte ich Euch schreiben. Jeden Tag hat man nur andere Todesanzeigen gelesen. Ihr könnt euch ja gar nicht denken, was wir alles mitgemacht haben. An die Demolierung zu Hause darf ich gar nicht denken. Du. Lieber Arthur, würdest die Zimmer kaum wiedererkennen. In Friedels Zimmer ist nichts mehr ganz. Schränke, Betten, Kommode, Stühle und alles was im Zimmer war, sind kaputt. Die langen Matratzen haben auf der Straße gelegen. Auch die Federbetten und Friedels ganze Wäsche. Die Schränke haben auch umgelegen. Keine Tasse und kein Teller waren ganz. Gelee und Eier sind zusammengelaufen. 3 große Fässer Scherben haben wir gehabt. Nur in meinem Zimmer ist der Spiegel noch ganz. Die Wäsche aus den Schränken musste alle gewaschen werden, denn sie war schmutzig und nass. Acht Tage vorher, Ihr werdet es noch wissen, hatten wir Würste gemacht. Von 30 Stück sind noch 5 übriggeblieben. Im Wohnzimmer hat es bunt ausgesehen. Kein Bild, kein Teller und keine Tasse waren mehr ganz. Die Schabbeslampe ist auch kaputt. Der Teppich war mit Mehl, Himbeersaft und Erdbeeren verziert. Daß keine Scheibe im Haus mehr heil war, könnt ihr euch ja denken. Dieses war der Donnerstagabend und des Morgens ist der liebe Papa geholt worden. In der Nacht waren die Lieben noch alle zusammen und am anderen Morgen ist Papa nach Buchenwald gekommen. Was alles gestohlen ist kann ich gar nicht sagen. Friedels 2 Anzüge und Mantel, Papas schwarzer Anzug, meine ganze Wäsche und Kleider. Vom Lager sind 18 Anzüge, 6 gestreifte Hosen, Winterulster und viele Futtersachen. Und dann noch das schönste, 1600 Reichsmark Vermögensabgabe als Buße. Ist das nicht allerhand? Wenn der liebe Papa jetzt arbeiten dürfte, könnte er sich 5 Gesellen halten. Wenn nur das Konsulat schneller arbeiten würde, daß wir fort könnten, denn die ganze Ungewissheit ist entsetzlich. Seht bitte mal zu, ob Ihr nicht etwas machen könnt, denn die lieben Eltern können unmöglich länger in Deutschland bleiben. Denn käme noch einmal eine Trennung, so wäre es sehr schlimm. Auch sorgt bitte dafür, dass wir bald weiter können, denn wir wollen den Leuten hier nicht zur Last fallen. Schreibt bitte mal an das Hilfskomitee in Amsterdam oder in New York, ob nichts zu machen ist. … Ich glaube Euch nun genug geschrieben zu haben, antwortet bald und seid herzlich gegrüßt von Eurer Ilse. *Friedel ist Siegfried Meyer, Schneidergeselle; er lebte und arbeitete im Haus der Lichtensteins Quelle: Ernst Klein, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012, S. 109f Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Statistik des Holocaust Website Alemannia Judaica Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Magistrat der Stadt Kassel – Stadtarchiv, Hg., Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945,ein Gedenkbuch, 1986 Ernst Klein in: Waldecksche Landeszeitung vom 16.8.2012 (Verhaftung durch Nachbarn) Interviews: Interview mit Ilse Meyer, geb. Lichtenstein; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA Interview mit Meinhardt Meyer; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA

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