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  • Benedik, geborene Bruckheimer | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Johanna Benedik geboren am 18. Oktober 1875 in Kühlsheim, Baden-Württemberg, Deutschland ermordet am 14. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann Jacob Benedik geboren am 27. Januar 1870 in Schimmert, Niederlande ermordet am 14. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Tochter Selma Benedik geboren am 25. Juni 1900 in Beek, Niederlande ermordet am 11. Dezember 1942 im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Sohn Leo Benedik geboren am 25. Januar 1902 in Beek, Niederlande deportiert am 28.8.1942 ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gilt mit Datum 30. April 1943 als verschollen in Mitteleuropa Tochter Bertha Benedik geboren am 4. Juli 1903 in Beek, Niederlande ermordet am 19. November 1943 in Auschwitz-Birkenau Sohn Alfred Benedik geboren am 18. Juli 1911 in Beek, Niederlande gestorben 1974 in Sittard, Niederlande Lebensdaten 1875 Geburt in Kühlsheim 1899 Heirat mit Jacob Benedik 1900 Geburt der Tochter Selma 1902 Geburt des Sohnes Leo 1903 Geburt der Tochter Bertha 1911 Geburt des Sohnes Alfred 1943 Verschleppung in das Konzentrationslager Vught/NL 1943 Verschleppung nach Westerbork 1943 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Jacob Benedik, Johannas Ehemann Der Gedenkstein für Johanna und Jacob Benedik Biografie Johanna Bruckheimer wurde am 18. Oktober 1875 in Kühlsheim, Baden-Württemberg, geboren. Sie heiratete 1899 den Kaufmann Jacob Benedik im niederländischen Beek. Das Ehepaar bekam vier Kinder: Selma (1900), Leo (1902), Bertha (1903) und Alfred, genannt Fred, (1911). Verfolgung und Deportation Im August 1942 erfolgte ein Aufruf an alle Jüdinnen und Juden in der Provinz Limburg, die jünger als 60 Jahre alt waren, sich am 25. August in Maastricht zu melden. Dies betraf Jacob und Johanna zunächst nicht, wohl aber ihre Kinder. Während Fred mit Hilfe von Freunden untertauchte, folgte Leo dem Aufruf. Er wurde nach Schlesien deportiert, wo er Zwangsarbeit verrichten musste. Er starb 1943 an einem unbekannten Ort, taucht allerdings anderen Quellen zufolge auch in den Sterbebüchern von Auschwitz auf – mit dem Datum der Ermordung 30. April 1943. Tochter Bertha wurde mit ihrem Ehemann Joseph Sassen und den beiden Kindern Jaques und Carla im November 1942 bei einer großen Verhaftungswelle in der Provinz Limburg aufgegriffen und nach Westerbork verschleppt. Während der Vater Zwangsarbeit in Schlesien verrichten musste, die 1944 zu seinem Tod führte, wurden die restlichen Familienangehörien nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden sie am 18. November 1942 ermordet. Selma Benedik heiratete 1926 Abraham Niekerk, der seinen Lebensunterhalt als Büroangestellter verdiente. Das kinderlose Paar wurde 1941 gezwungen, Beek zu verlassen und in das Jüdische Viertel in Amsterdam umzuziehen. Dort wurden sie im Herbst 1942 verhaftet und über Westerbork am 8. Dezember in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden sie am 11. Dezember 1942 ermordet. Fred überlebte als einziges Kind Krieg und Verfolgung. Johanna und Jacob 1943 gab es in der Provinz Limburg nur noch alte Jüdinnen und Juden. Jacob und Johanna Benedik hatten erlebt, dass alle ihre Kinder und Enkelkinder bis auf Leo verschleppt worden waren. Sie selbst wurden am 8. April 1943 in das Konzentrationslager Vught verbracht, einen Monat später nach Westerbork. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Jacob und Johanna Benedik wurden am 11. Mai 1943 in die Mordstätte Sobibor deportiert und dort am 14. Mai ermordet. Von der kleinen jüdischen Gemeinde in Beek wurden acht Familien ermordet, zwölf überlebten in Verstecken. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Joods Monument Website Stichting Sobibor van Reens, Herman, Verfolgung in Limburg. Juden und Sinti in der Provinz Limburg zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, Hilversum 2013

  • Biografien-a-g | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück Biografien a - g a b c d e f g Ruth Eva Asch Next 1. Oktober 1923 Hoechst - D 23. Juli 1943 Sobibor Abraham Baruch Next 9. April 1875 Bellingwolde - NL 14. März 1943 Sobibor Bertha Baruch, geborene Jacobsohn Next 8. Mai 1871 Northeim - D 14. März 1943 Sobibor Marianne Bastheim Next 7. März 1927 Dortmund - D 4. Juni 1943 Siegfried Bastheim Next 5. Januar 1877 Hofgeismar - D 4. Juni 1943 Sobibor Walter Beck Next 6. April 1932 Magdeburg - D 28. Mai 1943 Sobibor Johanna Benedik, geborene Bruckheimer Next 18. Oktober 1875 Kühlsheim - D 14. Mai 1943 Sobibor Familie Blatt Next Izbica/ Lublin - PL 28. April 1943 Sobibor Viktor Braunsberg Next 29. März 1887 Breuna - D 3. Juni 1942 Sobibor Emilie Braunsberg, geborene Stern Next 1. Juni 1892 Betziesdorf - D 3. Juni 1942 Sobibor Albert Samuel Braunschild Next 3. Februar 1875 Nieheim - D 5. März 1943 Sobibor Emilie Braunschild, geborene Löwenstein Next 9. April 1887 Peckelsheim - D 5. März 1943 Sobibor Julius Dalberg Next 21. Mai 1882 Essentho - D 23. Juli 1943 Sobibor Bella Dalberg, geborene Nussbaum Next 28 Januar 1883 Hersfeld - D 23. Juli 1943 Sobibor Eugenie Goldstern Next 1. März 1884 Odessa - UA 8. Juni 1942 Sobibor a b c d e f g

  • Nemeth-Trachtenberg | Gedenkweg in Sobibor

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  • Löb | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück Löb Ida vorherige nächste

  • Ticho | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Max Ticho geboren am 22. April 1878 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau Paula Ticho, geborene Steiner geboren am 27. Dezember 1890 in Uhorska Ves, Slowakei ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Sohn Kurt Ticho geboren am 11. April 1914 in Brno, Tschechien verstorben am 2009 in Columbus/Ohio, USA Tochter Marianne Ticho geboren am 24. Juli 1919 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Schwägerin Rosa Ticho, geborene Ascher geboren am 15. Oktober 1876 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Neffe Erwin Ticho geboren am 26. Mai 1913 in Brno, Tschechien umgekommen am 17. Juni 1942 im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek Lebensdaten 1878 Geburt in Boskovice 1913 Heirat mit Paula Steiner 1914 Geburt des Sohnes Kurt, später Kurt Thomas genannt 1919 Geburt der Tochter Marianne 1942 Einrichtung des Ghettos in Boskovice 1942 Verschleppung der gesamten Familie nach Theresienstadt 1942 Verschleppung von Max, Paula, Kurt und Marianne nach Piaski 1942 Verschleppung der Schwägerin Rosa nach Piaski 1942 Verschleppung des Neffen Erwin nach Majdanek 1942 Ermordung des Neffen Erwin in Majdanek 1942 Verschleppung nach Sobibor und Ermordung von Max, Paula, Marianne und Rosa 1942 Einteilung von Sohn Kurt an der Rampe von Sobibor zur Zwangsarbeit 1943 Teilnahme von Sohn Kurt am Häftlingsaufstand in Sobibor 1948 Emigration von Sohn Kurt in die USA und Annahme des Namens Kurt Thomas nächste 3 Stolpersteine erinnern seit Sommer 2025 vor dem Wohnhaus in Boskovice an die Familie Ticho Marianne Ticho, Max Tochter Paula Ticho, Max Ehefrau Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Boskovice für die Familie Ticho, aufgestellt von Kurt Thomas Der Gedenkstein für die Familie Ticho Biografie Die Familie Ticho stammte aus dem mährischen Städtchen Boskovice im heutigen Tschechien. Die Stadt blickt auf eine reiche jüdische Geschichte seit dem 14. Jahrhundert zurück, bereits im 17. Jahrhundert existierte eine Synagoge. Später gab es eine jüdische Schule, eine Mikwe, eine angesehene Jeschiwa, zahlreiche wohltätige Einrichtungen und einen großen jüdischen Friedhof. Mitte des 19. Jahrhunderts waren knapp die Hälfte der Einwohner der Stadt Jüdinnen und Juden, 1930 lebten noch etwa 400 in der Stadt. Unter der nationalsozialistischen Besatzung wurde in Boskovice die jüdische Bevölkerung konzentriert und dann in die deutschen Mordstätten verschleppt. Weit über 400 Jüdinnen und Juden aus Boskovice wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrten 14 Boskovicer Jüdinnen und Juden in ihren Heimatort zurück. Die Familie Max Ticho war der Sohn von Rosalie und Josef Ticho. Seine Frau Paula stammte ursprünglich aus einer streng gläubigen Familie, ihre Eltern hießen Johanna und Josef Steiner. Max Ticho kämpfte im 1. Weltkrieg für die Doppelmonarchie-Österreich-Ungarn. Kurz vor Kriegsbeginn hatte er am 30. März 1913 Paula Steiner in Uhorska Ves geheiratet. Die Familie von Max Ticho in Boskovice lebte nicht religiös, Max Ticho selbst verstand sich als Atheist. Paula Ticho jedoch besuchte auch nach ihrer Verheiratung regelmäßig die Synagoge, ihr Ehemann Max begleitete sie bis vor die Tür der Synagoge und traf sich dort mit Freunden zum Spazierengehen. Sohn Kurt beschrieb später mit großer Zuneigung und berührenden Sätzen seine Mutter und seine Familie: „…- Oh, my mother, she was a loving, caring person….] For her-- to her, nothing mattered but family. And I have just … the fondest memories of my mother. And when I think how much patience and love and care she gave us, and then some brutal people killed her daughter, my sister, and her and my father, I-- it's revolting to me. And I can't express my feelings, because I was absolutely impotent to do anything about it. Well, we had a very nice family life. My mother was the most loving mother I could imagine. They were tolerant people, liberal people, understanding people. …I had a very nice relationship with my sister. It was a -- We were a very nice family. And we were five years apart. She was born 1919 …, I was born in 1914, five years apart.” Max Ticho verdiente als Handelsvertreter den Unterhalt für die Familie. Die Familie pflegte den Umgang mit einem großen Freundeskreis, immer wieder traf man sich zum Kartenspiel. Sohn Kurt begann mit 16 Jahren eine Ausbildung in einer Konfektionsfabrik, die er später selbst leitete. 1936 musste er seinen Militärdienst in der tschechoslowakischen Armee antreten. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in der Tschechoslowakei wurde Kurt im März 1939 aus dem Militärdienst entlassen und ging zurück nach Boskovice. Ghettoisierung und Deportation Die deutschen Besatzer etablierten sich ab März 1939 schnell in Boskovice und erließen zügig ihre antijüdischen Gesetze. Es gab bereits einen jüdischen Wohnbezirk, in dem die meisten jüdischen Familien lebten. Die Familie Ticho musste sich nun bei jüdischen Mitbürgern einquartieren und mit ihnen ihre Wohnung teilen. Im März 1942 wurden die jüdischen Einwohner von Boskovice über Brno nach Theresienstadt verschleppt, auch die Familie Ticho war betroffen. Am 1. April 1942 wurden 1000 Jüdinnen und Juden in Theresienstadt aufgerufen, zum wenige Kilometer entfernten Bahnhof zu gehen, darunter auch die Familie Ticho. Sie mussten einen Zug besteigen, das Ziel des Zuges war die kleine Bahnstation Trawniki im heutigen Ostpolen. Unter Bewachung mussten sie zu Fuß von Trawniki aus in das zehn Kilometer entfernte Durchgangsghetto von Piaski laufen. In Piaski angekommen, teilte sich die Familie eine kleine Wohnung mit einem anderen Ehepaar. In der Wohnung selbst befanden sich keine Möbel, sie schliefen auf dem Boden. Nach einer Woche fanden sie Platz in einem Haus, dessen Bewohner vermutlich bereits in die Mordstätte Belzec deportiert worden waren. Dreizehn Personen teilten sich nun die beiden Zimmer in diesem Haus. Die hygienischen Bedingungen im Ghetto Piaski waren schlecht. Wasser konnte man nur aus einem entfernt gelegenen Brunnen zapfen, der nur stundenweise zugänglich war. In dieser schwierigen Situation erblindete die Tochter Marianne. Sohn Kurt arbeitete auf einem Bauernhof außerhalb von Piaski, was ihm ermöglichte mit geschmuggelten Lebensmitteln die Familie zu versorgen. Wenige Wochen nach der Familie von Max und Paula Ticho war auch die Schwägerin Rosa aus Theresienstadt nach Piaski gekommen. Ihr Sohn Erwin war beim Zwischenhalt des Zuges in Lublin in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin eingewiesen worden. Er starb wenige Wochen später im Konzentrationslager Majdanek. Die Nationalsozialisten begannen im Frühjahr 1942 mit den Deportationen und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus den Ghettos im Generalgouvernement. Ab März 1942 fuhren die Deportationszüge nach Belzec, ab Anfang Mai in das Mordlager Sobibor. Am 22. Juni 1942 wurden Max, seine Frau Paula, seine Tochter Marianne und die Schwägerin Rosa zu Fuß nach Trawniki getrieben. Sohn Kurt beobachtete von seinem Arbeitsplatz aus heimlich diese Kolonne, die sich auf den Bahnhof zu bewegte, allerdings ohne jemanden erkennen zu können. Als er am Abend zurück ins Ghetto kam, war seine Familie nicht mehr da. Die Menschen aus der Kolonne – so erfuhr er später - mussten in Trawniki in den Zug steigen, der sie direkt in das Mordlager Sobibor brachte. Paula, Max, Marianne und Rosa Ticho wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Sohn Kurt Der einzige Überlebende war nun Sohn Kurt. Später berichtete er darüber, was weiter geschah: Der Zug ins Mordlager war so überfüllt, dass einige Jüdinnen und Juden nicht einsteigen konnten. Sie mussten zwei Tage in einer Scheune am Bahnhof hausen und wurden dann zurück ins Ghetto getrieben. Da erfuhr Kurt, was seiner Familie und den anderen geschehen war. Er suchte sich eine Arbeit bei einem Bauern, wo er auch schlafen konnte. Das Bauernpaar behandelte ihn respektvoll. An den Sonntagen besuchte er regelmäßig seine Freundin im Ghetto. Im Oktober wurde er aufgefordert, zurück ins Ghetto von Piaski zu ziehen. In der Nacht zum 5. November klopfte jemand an die Tür und forderte dazu auf, sich zu verstecken. Zwanzig Jüdinnen und Juden versteckten sich darauf im Keller des Hauses. Am nächsten Tag begann die Ghettoräumung, das Versteck wurde verraten und die Ghettobewohner wurden nach Trawniki zum Bahnhof getrieben und in einen Zug gepfercht. Wenige Stunden später stand auch Kurt Ticho auf der Rampe des Mordlagers Sobibor, wo er zur Arbeit ausgewählt wurde. Fast ein Jahr lang musste er unter Aufsicht der SS- und von Trawniki Männern im Mordlager arbeiten. Er wurde bei der Kleidersortierung eingesetzt und später als Sanitäter in der provisorischen Krankenbaracke. Hautnah sah er nun tausendfach das gewaltsame Ende von Jüdinnen und Juden, das auch seiner Familie widerfahren war. Beim Häftlingsaufstand am 14. Oktober 1943 gelang ihm die Flucht und er kehrte zu jenem ihm bekannten polnischen Bauernpaar in der Nähe von Piaski zurück, die ihn bis zur Befreiung bei sich versteckten. Später sagte er in verschiedenen Prozessen gegen die Täter von Sobibor aus. In seiner Wahlheimat USA nannte er sich Kurt Thomas. Seine Erinnerungen über die Zeit der Verfolgung veröffentlichte er unter dem Titel „My Legacy“. Er verstarb 2009 in Columbus/Ohio. Verwendete Dokumente und Literatur Interviews: Interviews Archive USHMM, Kurt Thomas, 9.11.1990 und 23.6.1999 Interview Shoah Foundation, Kurt Thomas, 15.4.1997 Verwendete Literatur und Dokumente: Muzeum Pojezierza Łęczyńsko-Włodawskiego, Kurt Thomas: My Legacy, 2008

  • Ticho | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Marianne Ticho geboren am 24. Juli 1919 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter Paula Ticho, geborene Steiner geboren am 27. Dezember 1890 in Uhorska Ves, Slowakei ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Vater Max Ticho geboren am 22. April 1878 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Bruder Kurt Ticho, später nannte er sich Kurt Thomas geboren am 11. April 1914 in Brno, Tschechien verstorben am 2009 in Columbus/Ohio, USA Tante Rosa Ticho, geborene Ascher geboren am 15. Oktober 1876 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Cousin Erwin Ticho geboren am 26. Mai 1913 in Brno, Tschechien ermordet am 17. Juni 1942 im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek Lebensdaten 1914 Geburt des Bruders Kurt 1919 Geburt 1942 Einrichtung des Ghettos in Boskovice 1942 Verschleppung der gesamten Familie nach Theresienstadt 1942 Verschleppung von Vater Max, Mutter Paula, Bruder Kurt nach Piaski 1942 Verschleppung der Tante Rosa nach Piaski 1942 Verschleppung des Cousins Erwin nach Majdanek 1942 Ermordung des Cousins Erwin in Majdanek 1942 Verschleppung nach Sobibor und Ermordung von Marianne, ihren Eltern und ihrer Tante Rosa 1942 Verschleppung ihres Cousins nach Majdanek, wo er umkommt 1942 Bruder Kurt wird an der Rampe von Sobibor zur Zwangsarbeit ausgesucht 1943 Bruder Kurt nimmt am Häftlingsaufstand in Sobibor teil und überlebt 1948 Emigration des Bruders Kurt in die USA und Annahme des Namens Kurt Thomas nächste 3 Stolpersteine erinnern seit Sommer 2025 vor dem Wohnhaus in Boskovice an die Familie Ticho Paula Ticho, Mariannes Mutter Max Ticho, Mariannes Vater Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Boskovice für die Familie Ticho, aufgestellt von Kurt Thomas Der Gedenkstein für die Familie Ticho Biografie Die Familie Ticho stammte aus dem mährischen Städtchen Boskovice im heutigen Tschechien. Die Stadt blickt auf eine reiche jüdische Geschichte seit dem 14. Jahrhundert zurück, bereits im 17. Jahrhundert existierte eine Synagoge. Später gab es eine jüdische Schule, eine Mikwe, eine angesehene Jeschiwa, zahlreiche wohltätige Einrichtungen und einen großen jüdischen Friedhof. Mitte des 19. Jahrhunderts waren knapp die Hälfte der Einwohner von Boskovice Jüdinnen und Juden, 1930 lebten etwa 400 Jüdinnen und Juden in der Stadt. Unter der nationalsozialistischen Besatzung wurden in Boskovice die jüdische Bevölkerung konzentriert und dann in die deutschen Mordstätten verschleppt. Weit über 400 Menschen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrten 14 Boskovicer Jüdinnen und Juden in ihren Heimatort zurück. Die Familie Die Familie Ticho lebte nicht religiös, ihr Vater Max Ticho selbst verstand sich als Atheist. Die Mutter stammte ursprünglich aus einer streng gläubigen Familie, sie besuchte auch nach ihrer Verheiratung regelmäßig die Synagoge, ihr Ehemann Max begleitete sie bis vor die Tür der Synagoge und traf sich dort mit Freunden zum Spazierengehen. Sohn Kurt beschrieb mit großer Zuneigung und berührenden Sätzen seine Mutter und seine Familie und zu seiner Schwester Marianne: „…- Oh, my mother, she was a loving, caring person. … For her-- to her, nothing mattered but family. And I have just … the fondest memories of my mother. And when I think how much patience and love and care she gave us, and then some brutal people killed her daughter, my sister, and her and my father, I-- it's revolting to me. And I can't express my feelings, because I was absolutely impotent to do anything about it. Well, we had a very nice family life. My mother was the most loving mother I could imagine. They were tolerant people, liberal people, understanding people. …I had a very nice relationship with my sister. It was a -- We were a very nice family. And we were five years apart. She was born 1919 …, I was born in 1914, five years apart .” Der Vater Max Ticho verdiente als Handelsvertreter den Unterhalt für die Familie. Die Familie hatte einen großen Freundeskreis, immer wieder traf man sich zum Kartenspiel mit Freunden. Ihr Bruder Kurt begann mit 16 Jahren eine Ausbildung in einer Konfektionsfabrik, die er später selbst leitete. 1936 trat ihr Bruder seinen Militärdienst für die Tschechoslowakei an. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei wurde Kurt im März 1939 aus dem Militärdienst entlassen und kehrte zurück nach Boskovice. Ghettoisierung und Deportation Die deutschen Besatzer etablierten sich ab März 1939 schnell in Boskovice und erließen zügig ihre antijüdischen Gesetze. Es gab bereits einen jüdischen Wohnbezirk, in dem die meisten jüdischen Familien lebten. Die Familie Ticho musste nun bei sich jüdische Mitbürger einquartieren und mit ihnen ihre Wohnung teilen. Im März 1942 wurden die jüdischen Einwohner von Boskovice über Brno nach Theresienstadt verschleppt, auch die Familie Ticho war betroffen. Am 1. April 1942 wurden 1000 Jüdinnen und Juden in Theresienstadt aufgerufen, zum wenige Kilometer entfernten Bahnhof zu gehen, darunter wiederum Marianne Ticho und ihre Familie. Sie mussten einen Zug besteigen, das Ziel des Zuges war die kleine Bahnstation Trawniki im heutigen Ostpolen. Zu Fuß und bewacht mussten sie von Trawniki aus in das zehn Kilometer entfernte Durchgangsghetto von Piaski laufen. In Piaski teilte sich die Familie eine kleine Wohnung mit einem anderen Ehepaar. In der Wohnung selbst befanden sich keine Möbel, sie schliefen auf dem Boden. Nach einer Woche fanden sie einen Platz in einem Haus, dessen Bewohner vermutlich bereits in die Mordstätte Belzec deportiert worden waren. Dreizehn Personen teilten sich die beiden Zimmer in diesem Haus. Die hygienischen Bedingungen im Ghetto Piaski waren schlecht. Wasser konnte man nur aus einem entfernt gelegenen Brunnen zapfen, der nur stundenweise zugänglich war. In dieser schwierigen Situation erblindete Marianne. Ihr Bruder Kurt arbeitete auf einem Bauernhof außerhalb von Piaski, was ihm ermöglichte mit geschmuggelten Lebensmitteln die Familie zu versorgen. Wenige Wochen nach der Ankunft in Piaski kam auch die Tante Rosa Ticho aus Theresienstadt nach Piaski. Ihr Sohn Erwin war beim Zwischenhalt des Zuges in Lublin in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin eingewiesen worden. Er starb wenige Wochen später in den Gaskammern von Majdanek. Die Nationalsozialisten begannen im Frühjahr 1942 mit den Deportationen und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus den Ghettos des Generalgouvernement. Ab März fuhren die Deportationszüge nach Belzec, ab Anfang Mai in das Mordlager Sobibor. Am 22. Juni 1942 wurden Marianne und ihre Familie zusammen mit ihrer Tante Rosa zu Fuß nach Trawniki getrieben. Ihr Bruder Kurt beobachtete von seinem Arbeitsplatz aus heimlich diese Kolonne, die sich auf den Bahnhof zu bewegte, allerdings ohne jemanden erkennen zu können. Als er am Abend zurück ins Ghetto kam, war seine Familie nicht mehr da. Die Menschen aus der Kolonne – so erfuhr er später - mussten in Trawniki in den Zug steigen, der sie direkt in das Mordlager Sobibor brachte. Marianne, Vater, Mutter und Tante wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Der Bruder Kurt Ihr Bruder Kurt war nun der letzte Überlebende der Familie. Er berichtete später, was mit seiner Familie und ihm geschah: Der Zug ins Mordlager war so überfüllt, dass einige Jüdinnen und Juden nicht einsteigen konnten. Sie mussten zwei Tage in einer Scheune am Bahnhof hausen und wurden dann zurück ins Ghetto getrieben. Erst da erfuhr Sohn Kurt, was mit seiner Familie geschehen war. Er suchte sich eine Arbeit bei einem Bauern, wo er auch schlafen konnte. Das Bauernpaar behandelte ihn respektvoll. An den Sonntagen besuchte er regelmäßig seine Freundin im Ghetto. Im Oktober wurde er aufgefordert, zurück ins Ghetto von Piaski ziehen. In der Nacht zum 5. November klopfte jemand an die Tür und forderte dazu auf, sich zu verstecken. Zwanzig Jüdinnen und Juden versteckten sich nun im Keller des Hauses. Am nächsten Tag begann die Ghettoräumung, das Versteck wurde verraten und die Ghettobewohner wurden nach Trawniki zum Bahnhof getrieben und in einen Zug gepfercht. Wenige Stunden später stand auch Kurt Ticho auf der Rampe des Mordlagers Sobibor, wo er zur Arbeit ausgewählt wurde. Fast ein Jahr lang musste er unter Aufsicht der SS- und von Trawniki Männern im Mordlager arbeiten. Er wurde bei der Kleidersortierung eingesetzt und später als Sanitäter in der Krankenbaracke. Hautnah sah er nun tausendfach das gewaltsame Ende von Jüdinnen und Juden mit an, das auch seiner Familie widerfahren war. Beim Häftlingsaufstand am 14. Oktober 1943 gelang ihm die Flucht und er kehrte zu jenem ihm bekannten polnischen Bauernpaar in der Nähe von Piaski zurück, die ihn bis zur Befreiung bei sich versteckten. Später sagte er in verschiedenen Prozessen gegen die Täter von Sobibor aus. In seiner Wahlheimat USA nannte er sich Kurt Thomas. Seine Erinnerungen über die Zeit der Verfolgung veröffentlichte er unter dem Titel „My Legacy“. Er starb 2009 in Columbus/Ohio. Verwendete Dokumente und Literatur Interviews: Interviews Archive USHMM, Kurt Thomas, 9.11.1990 und 23.6.1999 Interview Shoah Foundation, Kurt Thomas, 15.4.1997 Verwendete Literatur und Dokumente: Muzeum Pojezierza Łęczyńsko-Włodawskiego, Kurt Thomas: My Legacy, 2008

  • Ticho, geborene Ascher | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Rosa Ticho geboren am 15. Oktober 1876 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni.1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann Richard Ticho geboren am 5. November 1879 in Boskovice, Tschechien gestorben am 9. Mai 1941 in Boskovice Sohn Erwin Ticho geboren am 26. Mai 1913 in Brno, Tschechien umgekommen am 17. Juni 1942 im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek Schwager Max Ticho geboren am 22. April 1878 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Schwägerin Paula Ticho, geborene Steiner geboren am 27. Dezember 1890 in Uhorska Ves, Slowakei ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Neffe Kurt Ticho geboren am 11. April 1914 in Brno, Tschechien verstorben 2009 in Columbus/Ohio, USA Nichte Marianne Ticho geboren am 24. Juli 1919 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1876 Geburt in Boskovice Heirat mit Richard Ticho 1913 Geburt des Sohnes Erwin 1914 Geburt des Neffen Kurt, später Kurt Thomas genannt 1919 Geburt der Nichte Marianne 1941 Tod ihres Ehemannes Richard Ticho in Boskovice 1942 Verschleppung der gesamten Familie nach Theresienstadt 1942 Verschleppung von Max, Paula, Kurt und Marianne Ticho nach Piaski 1942 Verschleppung nach Piaski 1942 Verschleppung ihres Sohnes Erwin nach Majdanek 1942 Tod des Sohnes Erwin in Majdanek 1942 Verschleppung und Ermordung in der Mordstätte Sobibor 1942 Verschleppung und Ermordung von Max, Paula, Marianne Ticho in Sobibor 1942 Neffe Kurt wird an der Rampe von Sobibor zur Zwangsarbeit ausgesucht 1943 Neffe Kurt nimmt am Häftlingsaufstand in Sobibor teil und überlebt 1948 Emigration des Neffen Kurt in die USA und Annahme des Namens Kurt Thomas nächste Der Gedenkstein für die Familie Ticho Biografie Die Familie lebte in dem Städtchen Boskovice im heutigen Tschechien. Die Stadt blickt auf eine reiche jüdische Geschichte seit dem 14. Jahrhundert zurück, bereits im 17. Jahrhundert existierte eine Synagoge. Später gab es eine jüdische Schule, eine Mikwe, eine angesehene Jeschiwa, zahlreiche wohltätige Einrichtungen und einen großen jüdischen Friedhof. Mitte des 19. Jahrhunderts waren knapp die Hälfte der Einwohner von Boskovice Jüdinnen und Juden, 1930 lebten noch etwa 400 von ihnen in der Stadt. Unter der nationalsozialistischen Besatzung wurde in Boskovice die jüdische Bevölkerung konzentriert und dann in die deutschen Mordstätten verschleppt. Weit über 400 von ihnen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrten 14 Boskovicer Jüdinnen und Juden in ihren Heimatort zurück. Über ihre Familie ist nicht viel bekannt. Bekannt ist, dass ihr Ehemann Richard Ticho am 9. Mai 1941 im Alter von 61 Jahren in seiner Wohnung in Boskovice verstarb. Ghettoisierung und Deportation Die deutschen Besatzer etablierten sich ab März 1939schnell in Boskovice und erließen zügig ihre antijüdischen Gesetze. Es gab bereits einen jüdischen Wohnbezirk, in dem die meisten jüdischen Familien lebten. Die Familie ihres Schwagers musste nun bei sich jüdische Mitbürger einquartieren und mit ihnen ihre Wohnung teilen. Im März 1942 wurden die jüdischen Einwohner, auch Rosa Ticho, von Boskovice über Brno nach Theresienstadt verschleppt. Am 1. April 1942 wurden 1000 Jüdinnen und Juden in Theresienstadt aufgerufen zum wenige Kilometer entfernten Bahnhof zu gehen, betroffen war sie an diesem Tag vermutlich nicht, aber die Familie ihres Schwagers Max Ticho. Diese mussten einen Zug besteigen, das Ziel des Zuges war die kleine Bahnstation Trawniki im heutigen Ostpolen. Zu Fuß und bewacht mussten sie von Trawniki aus in das zehn Kilometer entfernte Durchgangsghetto von Piaski laufen. In Piaski teilte sich die Familie eine kleine Wohnung mit einem anderen Ehepaar. Nach einer Woche fanden sie einen Platz in einem Haus, dessen Bewohner vermutlich bereits in die Mordstätte Belzec deportiert worden waren. Dreizehn Personen teilten sich die beiden Zimmer in diesem Haus. Die hygienischen Bedingungen im Ghetto Piaski waren schlecht. Wasser konnte man nur aus einem entfernt gelegenen Brunnen zapfen, der stundenweise zugänglich war. In dieser schwierigen Situation erblindete ihre Nichte Marianne. Ihr Neffe Kurt arbeitete auf einem Bauernhof außerhalb von Piaski, was ihm ermöglichte mit geschmuggelten Lebensmitteln die Familie zu versorgen. Wenige Wochen nach der Familie von Max Ticho kam auch Rosa Ticho von Theresienstadt nach Piaski. Ihr Sohn Erwin war beim Zwischenhalt des Zuges in Lublin in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin eingewiesen worden. Er starb wenige Wochen später in Majdanek. Die Nationalsozialisten begannen im Frühjahr 1942 mit den Deportationen und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus den Ghettos des Generalgouvernements. Ab März 1942 fuhren die Deportationszüge nach Belzec, ab Anfang Mai in das Mordlager Sobibor. Am 22. Juni 1942 wurden Rosa, ihr Schwager Max, seine Frau Paula und ihre Nichte Marianne zu Fuß nach Trawniki getrieben. Ihr Neffe Kurt beobachtete von seinem Arbeitsplatz aus heimlich diese Kolonne, die sich auf den Bahnhof zu bewegte, allerdings ohne jemanden erkennen zu können. Als er am Abend zurück ins Ghetto kam, war seine Familie nicht mehr da. Die Menschen aus der Kolonne – so erfuhr er später - mussten in Trawniki in den Zug steigen, der sie direkt in das Mordlager Sobibor brachte. Rosa, Paula, Max und Marianna Ticho wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Der Neffe Kurt Der letzte Überlebende der Familie war ihr Neffe Kurt. Er berichtete, was sich damals zutrug. Der Zug ins Mordlager war so überfüllt gewesen, dass einige Jüdinnen und Juden nicht einsteigen konnten. Sie mussten zwei Tage in einer Scheune am Bahnhof hausen und wurden dann zurück ins Ghetto getrieben. Da erfuhr Kurt, was geschehen war. Er suchte sich eine Arbeit bei einem Bauern, wo er auch schlafen konnte. Das Bauernpaar behandelte ihn respektvoll. An den Sonntagen besuchte er regelmäßig seine Freundin im Ghetto. Im Oktober wurde er aufgefordert, zurück ins Ghetto von Piaski zu ziehen. In der Nacht zum 5. November klopfte jemand an die Tür und forderte dazu auf, sich zu verstecken. Zwanzig Jüdinnen und Juden versteckten sich nun im Keller des Hauses. Am nächsten Tag begann die Ghettoräumung, das Versteck wurde verraten und die Ghettobewohner wurden nach Trawniki zum Bahnhof getrieben und in einen Zug gepfercht. Wenige Stunden später stand auch er auf der Rampe des Mordlagers Sobibor, wo er zur Arbeit ausgewählt wurde. Fast ein Jahr lang musste er unter Aufsicht der SS- und von Trawniki Männern im Mordlager arbeiten. Er wurde bei der Kleidersortierung eingesetzt und später als Sanitäter in der Krankenbaracke. Hautnah sah er nun tausendfach das gewaltsame Ende von Jüdinnen und Juden, das auch seiner Familie widerfahren war. Beim Häftlingsaufstand am 14. Oktober 1943 gelang ihm die Flucht und er kehrte zu jenem ihm bekannten polnischen Bauernpaar in der Nähe von Piaski zurück, die ihn bis zur Befreiung bei sich versteckten. Später sagte er in verschiedenen Prozessen gegen die Täter von Sobibor aus. In seiner Wahlheimat USA nannte er sich Kurt Thomas. Seine Erinnerungen über die Zeit der Verfolgung veröffentlichte er unter dem Titel „My Legacy“. Er starb 2009 in Columbus/Ohio. Verwendete Dokumente und Literatur Interviews: Interviews Archive USHMM, Kurt Thomas, 9.11.1990 und 23.6.1999 Interview Shoah Foundation, Kurt Thomas, 15.4.1997 Verwendete Literatur und Dokumente: Muzeum Pojezierza Łęczyńsko-Włodawskiego, Kurt Thomas: My Legacy, 2008

  • Biografien-o-z (List) | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück Biografien o - z o p q r s t u v w Next Next Next Next Rosi Hanna Ochs Next 26. Juni 1929 Herleshausen - D 7. Mai 1943 Sobibor Albert Pappenheim Next 21. Juni 1870 Eschwege - D 23. Juli 1943 Sobibor Dorothea Pappenheim, geborene Klein Next 22. Oktober 1875 Sobernheim - D 23. Juli 1943 Sobibor Selma Pardis Next 24. April 1880 Hannover - D 17. Juni 1942 Sobibor Walter Poppert Next 26. März 1914 Dortmund - D nach dem 13. Oktober 1943 Sobibor Gertrud `Trude´ Poppert, geborene Schönborn Next 29. Juni 1914 Dortmund - D nach dem 13. Oktober 1943 Sobibor Rosa Rosenstock Next 1. April 1882 Volkmarsen - D 3. Juni 1942 Sobibor Alma Rosenthal Next 15. März 1895 Lage - D 11. Juni 1943 Sobibor Rosalie Rosa Rosenthal Next 15. November 1886 Lage - D 14. Mai 1943 Sobibor Hermine Rothschild, geborene Katz Next 4. August 1877 Korbach - D 3. Juni 1942 Sobibor Paula Schwarzenberger, geborene Weisner Next 27. Mai 1879 Kassel - D 3. Juni 1942 Sobibor Yvonne Seelenfreund Next 22. November 1936 Leipzig - D 23. Juli 1943 Sobibor Heinrich Peter Selowsky Next 8. Oktober 1925 Dresden - D 13. März 1943 Sobibor Karin Friedel Selowsky Next 1. August 1931 Delft - NL 13. März 1943 Sobibor Oskar Selowsky Next 19. Dezember 1891 Dresden - D 13. März 1943 Sobibor Eleonora Selowsky, geborene Eichenberg Next 1. April 1902 Düsseldorf - D 13. März 1943 Sobibor Werner Simon Next 7. Februar 1920 Bodenfelde - D 7. Mai 1943 Sobibor Anna Spanjer, geborene Cossmann Next 9. Mai 1904 Bielefeld - D 30. April 1943 Sobibor Flora Speier, geborene Abt Next 23. Oktober 1873 Melsungen - D 21. Mai 1943 Sobibor Marianne Ticho Next 24. Juli 1919 Boskovice - CZ 23. Juni 1942 Sobibor Max Ticho Next 22. April 1878 Boskovice - CZ 23. Juni 1942 Sobibor Rosa Ticho, geborene Ascher Next 15. Oktober 1876 Boskovice - CZ 23. Mai 1942 Sobibor Paula Ticho, geborene Steiner Next 27. Dezember 1890 Uhorska Ves - SK 23. Juni 1942 Sobibor 'Leni' Magdalena Valk Next 28. September 1933 Goch - D 21. Mai 1943 Sobibor Erna Verständig Next 16. August 1924 Kassel - D 16. Juli 1943 Sobibor Samuel Weksler Next 6. Oktober 1940 Stary Święciany - LT September 1943 Sobibor Batia Wekslera, geborene Wojkunska Next 10. April 1908 Stary Święciany - LT September 1943 Sobibor o p q r s t u v w

  • Wekslera, geborene Wojkunska | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Batia Wekslera, geborene Wojkunska Familie Lebensdaten 1908 Geburt in Stary Święciany ? Heirat mit Jakub Weksler 1940 Geburt des Sohnes Samuel 1941 zwangsweiser Umzug der Familie ins Ghetto Święciany 1943 Geburt des Sohnes Ramuald 1943 Unterbringung des Sohnes Ramuald bei Pflegeeltern 1943 Verlegung ins Ghetto Wilna 1943 Verschleppung ihres Ehemanns nach Riga und später Stutthof 1943 Deportation und Ermordung in der deutschen Mordstätte Sobibor zusammen mit ihrem Sohn Samuel 1945 Ermordung des Ehemannes auf dem Todesmarsch von Stutthof nächste Romauld Weksler, Batias Sohn Biografie Batia Wojkunska wurde 1908 in Stary Święciany, einer Kleinstadt in der Nähe von Wilno, heute Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, geboren. Ihre Eltern besaßen ein Kolonialwarengeschäft in der Stadt. Batia Wojkunska heiratete Jakub Weksler. Jakub Weksler war ein angesehener Schneider in der Stadt. Batia Wekslera kümmerte sich vermutlich um den Haushalt. Sie bekamen zwei Söhne. Der Ältere hieß Samuel. Der jüngere Ramuald wurde bereits nach ihrer Verschleppung ins Ghetto von Święciany geboren, das nach Kriegsbeginn eingerichtet worden war. 1939 fiel das Gebiet um Wilna an Litauen, das sich 1940 an die UdSSR anschloss und sich nun Litauische Sozialistische Republik nannte. Dazu gehörte auch die Stadt Stary Święciany. Schon nach der Eingliederung in die UdSSR, noch vor dem Einmarsch der Deutschen, wurden im Land über vierzig Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung durch antisemitische litauische Banden und Organisationen verübt. Im Ghetto Święciany Zu Beginn der Deutschen Besatzung 1941 lebten etwa 220.000 Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet von Litauen. Im Juni begannen die Deutschen mit Unterstützung von litauischen Helfern ihre brutalen Mordaktionen gegen die jüdische Bevölkerung. Diesen Aktionen fielen bis Ende des Jahres weit über 150.000 Jüdinnen und Juden zum Opfer. In einer makabren Liste eines deutschen Kommandoführers., dem sogenannten „Jäger-Bericht“, listete dieser auch die Ermordeten aus dem Bezirk „Svenciani“ auf: 1169 jüdische Männer, 1840 Frauen, 717 Kinder. Die deutschen Besatzer ließen vorerst etwa 560 arbeitsfähige, für sie nützliche jüdische Menschen am Leben, die im Ghetto in Święciany eingesperrt wurden. Jakub Weksler war einer von ihnen. Er musste für die deutschen Besatzer schneidern und konnte so seine Familie vorerst vor dem Tod bewahren. Im Ghetto Wilna In den ersten Monaten des Jahres 1943 wurde das Ghetto Święciany aufgelöst und die wenigen übriggebliebenen jüdischen Menschen wurden in die großen Ghettos oder Arbeitslager in Wilna und Kaunas verbracht. Ein Großteil der aus Święciany Verschleppten wurde allerdings in den Wäldern von Ponar ermordet, einer großen Erschießungsstätte außerhalb Wilnas. Die Familie Weksler wurde ins Ghetto Wilna gebracht. Ein anderer Überlebender des Wilnaer Ghettos erinnerte sich später an die Familie Weksler: Sein Vater Jakub lebte zusammen mit seiner Mutter und ihm, dem dreijährigen Sohn, in derselben Wohnung wie er im Ghetto. Bevor die Familie Weksler im April 1943 nach Vilnius verschleppt wurde, gab Batia ihren wenige Wochen alten Sohn Ramuald an das polnische Ehepaar Pjotr und Emilia Waszkinel. Sie appellierte an das polnische Ehepaar mit den überlieferten Worten: „Retten sie dieses jüdische Baby im Namen des Juden Jesus, an den Sie glauben. Wenn der Kleine groß ist, werden Sie erleben, dass er Priester wird.“ Verschleppung und Tod des Ehemanns Jakub Im Juli 1943 wurde ihr Ehemann Jakub Weksler aus dem Wilnaer Ghetto in das im März desselben Jahres errichtete deutsche Konzentrationslager Riga-Kaiserwald verbracht. Im September 1944 wurden die Häftlinge des Lagers wegen der vorrückenden Roten Armee in das deutsche Konzentrationslager Stutthof bei Danzig verschleppt. Dort wurde Jakub Weksler Anfang 1945, vermutlich auf einem der Todesmärsche kurz vor Befreiung, ermordet. Ermordung in Sobibor Batia Weksler und ihr 3-jähriger Sohn Samuel wurden wahrscheinlich im September 1943 aus dem Ghetto von Wilna in die deutsche Mordstätte Sobibor verschleppt. Dort wurden sie unmittelbar nach Ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. Der überlebende Sohn Ramuald Ramuald, der jüngste Sohn der Familie Weksler, überlebte den Krieg bei dem polnischen Ehepaar Piotr und Emilia Waszkinel, die ihn im März 1943 aufgenommen hatten. Für sie war er wie ein eigener Sohn. Er ergriff tatsächlich den Beruf des Priesters. Bis ins Jahr 1978 wusste er nichts von seinen jüdischen Wurzeln. Die Ziehmutter konnte sich allerdings nicht an den Namen der Eltern erinnern. Aber sie erinnerte sich daran, dass sein Vater Schneider war und er einen Bruder namens Samuel hatte. Erst nach dem politischen Umbruch in Polen war es möglich weitere Nachforschungen anzustellen. Eine befreundete Ordensfrau Klara Jaroszyńska, arrangierte bei einem Israelbesuch ein Treffen von Überlebenden aus Swiecany. Bei diesem Anlass fand sie einen Bruder und eine Schwester von Jakub Weksler, die beide in Israel lebten. Das Museum „Polin“ in Warschau, das die Geschichte der polnischen Juden behandelt, verfügt über zwei Ausstellungsstücke aus dem Eigentum der Familie Weksler. Es handelt sich um eine Waage und einen Samowar. Verwendete Dokumente und Literatur Website TeatrNN Lublin

  • Ticho, geborene Steiner | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Paula Ticho geboren am 27. Dezember 1890 in Uhorska Ves, heute Slowakei ermordet am 23. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann Max Ticho geboren am 22. April 1878 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Sohn Kurt Ticho geboren am 11. April 1914 in Brno, Tschechien verstorben am 2009 in Columbus/Ohio, USA Tochter Marianne Ticho geboren am 24. Juli 1919 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Schwägerin Rosa Ticho, geborene Ascher geboren am 15. Oktober 1876 in Boskovice, Tschechien ermordet am 23. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Neffe Ticho Erwin geboren am 26. Mai 1913 in Brno, Tschechien ermordet am 17. Juni 1942 im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek Lebensdaten 1890 Geburt in Uhorska Ves 1913 Heirat mit Max Ticho in Boskovice 1914 Geburt des Sohnes Kurt, später Kurt Thomas genannt 1919 Geburt der Tochter Marianne 1942 Einrichtung des Ghettos in Boskovice 1942 Verschleppung der gesamten Familie nach Theresienstadt 1942 Verschleppung von Paula, Max, Kurt und Marianne Ticho nach Piaski 1942 Verschleppung der Schwägerin Rosa nach Piaski 1942 Verschleppung des Neffen Erwin nach Majdanek 1942 Tod des Neffen Erwin in Majdanek 1942 Verschleppung nach Sobibor und Ermordung von Paula, Ehemann Max, Tochter Marianne und Schwägerin Rosa 1942 Verschleppung von Sohn Kurt, er wird an der Rampe von Sobibor zur Zwangsarbeit ausgesucht 1943 Sohn Kurt nimmt am Häftlingsaufstand in Sobibor teil und überlebt 1948 Emigration von Sohn Kurt in die USA und Annahme des Namens Kurt Thomas nächste 3 Stolpersteine erinnern seit Sommer 2025 vor dem Wohnhaus in Boskovice an die Familie Ticho Marianne Ticho, Paulas Tochter Max Ticho, Paulas Ehemann Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Boskovice für die Familie Ticho, aufgestellt von Kurt Thomas Der Gedenkstein für die Familie Ticho Biografie Paula Steiner stammte aus Uhorska Ves in der heutigen Slowakei. In der Stadt gab es eine gut funktionierende jüdische Gemeinde mit einer Synagoge, einer jüdischen Schule und einem jüdischen Friedhof. Das wirtschaftliche Leben von Uhorska Ves war v.a. bestimmt von größeren jüdischen Betrieben, einer Öl- und einer Zuckerfabrik. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten über 80 Jüdinnen und Juden im Ort, 1942 waren es noch 69. Laut einer Erklärung des Bezirksgerichts Malacky vom 30. Juni 1948 starben 37 von ihnen in Konzentrationslagern, vor allem in Auschwitz-Birkenau. Der jüdische Friedhof wurde während der Besatzungszeit von den Nationalsozialisten als militärisches Übungsgelände geschändet. Nach 1945 wurde der verlassene Friedhof verwüstet. In den frühen 1960er Jahren wurde mit dem Gelände das Areal der landwirtschaftlichen Genossenschaft erweitert. Den Friedhof gibt es nicht mehr. Das örtliche Museum besitzt nur ein Fragment eines Grabsteins mit der Inschrift Štefánia Foltýnová, das im Fluss Morava gefunden wurde. Leben der Familie Paula Steiner heiratete am 30. März 1913 Max Ticho aus Boskovice. Dieser verdiente als Handelsvertreter den Unterhalt, Paula versorgte ihre Familie. Die Familie hatte einen großen Freundeskreis, man traf sich immer wieder zum Kartenspiel. Sohn Kurt begann mit 16 Jahren eine Ausbildung in einer Konfektionsfabrik, bis er 1936 seinen Militärdienst für die Tschechoslowakei antreten musste, er war vor allem in Brno stationiert. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei im März 1939 wurde Kurt aus dem Militärdienst entlassen und ging zurück nach Boskovice. Die Familie Ticho lebte nicht religiös, Ehemann Max verstand sich als Atheist. Paula Steiner selbst kam ursprünglich aus einer streng gläubigen Familie. Auch nach ihrer Verheiratung besuchte sie regelmäßig die Synagoge, ihr Ehemann Max begleitete sie bis vor die Tür der Synagoge und traf sich dort mit Freunden zum Spazierengehen. Kurt beschrieb mit berührenden Sätzen seine Mutter und seine Familie: „…- Oh, my mother, she was a loving, caring person….] For her-- to her, nothing mattered but family. And I have just … the fondest memories of my mother. And when I think how much patience and love and care she gave us, and then some brutal people killed her daughter, my sister, and her and my father, I-- it's revolting to me. And I can't express my feelings, because I was absolutely impotent to do anything about it. Well, we had a very nice family life. My mother was the most loving mother I could imagine. They were tolerant people, liberal people, understanding people. …I had a very nice relationship with my sister. It was a -- We were a very nice family. And we were five years apart. She was born 1919 …, I was born in 1914, five years apart .” Ghettoisierung und Deportation Die deutschen Besatzer etablierten sich ab März 1939schnell in Boskovice und erließen zügig ihre antijüdischen Gesetze. Es gab bereits einen jüdischen Wohnbezirk, in dem die meisten jüdischen Familien lebten. Die Familie Ticho musste sich nun bei fremden jüdischen Mitbürgern einquartieren und mit ihnen ihre Wohnung teilen. Im März 1942 wurden die jüdischen Einwohner von Boskovice über Brno nach Theresienstadt verschleppt, auch Paula Ticho und ihre Familie war betroffen. Am 1. April 1942 wurden 1000 Jüdinnen und Juden in Theresienstadt aufgerufen zum wenige Kilometer entfernten Bahnhof zu gehen, unter ihnen die Familie Ticho. Sie mussten einen Zug besteigen, das Ziel des Zuges war die kleine Bahnstation Trawniki im heutigen Ostpolen. Zu Fuß mussten sie von Trawniki aus in das zehn Kilometer entfernte Durchgangsghetto von Piaski laufen. In Piaski teilte sich die Familie eine kleine Wohnung mit einem anderen Ehepaar. In der Wohnung selbst befanden sich keine Möbel, sie schliefen auf dem Boden. Nach einer Woche fanden sie einen Platz in einem Haus, dessen Bewohner vermutlich bereits in die Mordstätte Belzec deportiert worden waren. Dreizehn Personen teilten sich die beiden Zimmer in diesem Haus. Die hygienischen Bedingungen im Ghetto Piaski waren schlecht. Wasser konnte man nur aus einem entfernt gelegenen Brunnen zapfen, der stundenweise zugänglich war. In dieser schwierigen Situation erblindete die Tochter Marianne. Sohn Kurt arbeitete auf einem Bauernhof außerhalb von Piaski, was ihm ermöglichte mit geschmuggelten Lebensmitteln die Familie zu versorgen. Wenige Wochen nach der Familie von Paula und Max Ticho kam auch die Schwägerin Rosa aus Theresienstadt nach Piaski. Ihr Sohn Erwin war beim Zwischenhalt des Zuges in Lublin in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin eingewiesen worden. Er starb wenige Wochen später im Lager. Die Nationalsozialisten begannen im Frühjahr 1942 mit den Deportationen und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus den Ghettos im Generalgouvernement. Ab März 1942 fuhren die Deportationszüge nach Belzec, ab Anfang Mai in das Mordlager Sobibor. Am 22. Juni 1942 wurden Paula, ihr Ehemann Max, ihre Tochter Marianne und ihre Schwägerin Rosa zu Fuß nach Trawniki getrieben. Sohn Kurt beobachtete von seinem Arbeitsplatz aus heimlich diese Kolonne, die sich auf den Bahnhof zu bewegte, allerdings ohne jemanden erkennen zu können. Als er am Abend zurück ins Ghetto kam, war seine Familie nicht mehr da. Die Menschen aus der Kolonne – so erfuhr er später - mussten in Trawniki in den Zug steigen, der sie direkt in das Mordlager Sobibor brachte. Paula, Max, Marianne und Rosa Ticho wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Sohn Kurt Sohn Kurt war nun der letzte Überlebende der Familie. Später berichtete er über das was weiter geschehen war: Der Zug ins Mordlager war so überfüllt, dass einige Jüdinnen und Juden nicht einsteigen konnten. Sie mussten zwei Tage in einer Scheune am Bahnhof hausen und wurden dann zurück ins Ghetto getrieben. Da erfuhr Sohn Kurt, was mit ihrer Familie passiert war. Er suchte sich eine Arbeit bei einem Bauern, wo er auch schlafen konnte. Das Bauernpaar behandelte ihn respektvoll. An den Sonntagen besuchte er regelmäßig seine Freundin im Ghetto. Im Oktober wurde er aufgefordert, zurück ins Ghetto von Piaski zu ziehen. In der Nacht zum 5. November klopfte jemand an die Tür und forderte dazu auf, sich zu verstecken. Die zwanzig Jüdinnen und Juden versteckten sich nun im Keller des Hauses. Am nächsten Tag begann die Ghettoräumung, das Versteck wurde verraten und die Ghettobewohner wurden nach Trawniki zum Bahnhof und in einen Zug getrieben. Wenige Stunden später stand auch Kurt Ticho auf der Rampe des Mordlagers Sobibor, wo er zur Arbeit ausgewählt wurde. Fast ein Jahr lang musste er unter Aufsicht der SS- und von Trawniki Männern im Mordlager arbeiten. Er wurde bei der Kleidersortierung eingesetzt und später als Sanitäter in der provisorischen Krankenbaracke. Hautnah sah er nun tausendfach das gewaltsame Ende von Jüdinnen und Juden, das auch seiner Familie widerfahren war. Beim Häftlingsaufstand am 14. Oktober 1943 gelang ihm die Flucht und er kehrte zu jenem ihm bekannten polnischen Bauernpaar in der Nähe von Piaski zurück, die ihn bis zur Befreiung bei sich versteckten. Später sagte er in verschiedenen Prozessen gegen die Täter von Sobibor aus. In seiner Wahlheimat USA nannte er sich Kurt Thomas. Seine Erinnerungen über die Zeit der Verfolgung veröffentlichte er unter dem Titel „My Legacy“. Er verstarb 2009 in Columbus/Ohio. Verwendete Dokumente und Literatur Interviews: Interviews Archive USHMM, Kurt Thomas, 9.11.1990 und 23.6.1999 Interview Shoah Foundation, Kurt Thomas, 15.4.1997 Verwendete Literatur und Dokumente: Muzeum Pojezierza Łęczyńsko-Włodawskiego, Kurt Thomas: My Legacy, 2008 Nowak, Gerhard, Jüdische Unternehmer im österreichisch – slowakischen Grenzgebiet Angern an der March – Záhorská Ves im 20. Jahrhundert, Diplomarbeit an der Universität Wien, 2012

  • Biografien-l-n (List) | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück Biografien l - n l m n Pierre Salomon Simon Lanzenberg Next 3. Juli 1900 Colmar - F 30. März 1943 Sobibor Louis Leviticus Next 18. Juli 1918 Dordrecht - NL 30. April 1943 Sobibor Beate Hildegard Leviticus-Mansbach Next 4. Februar 1916 Gudensberg - D 30. April 1943 Sobibor `Lina´ Caroline Lewandowski, geborene Mecca Next 2. Februar 1875 Kassel - D 3. Mai 1943 Sobibor Inge Lichtenstein Next 4. Februar 1930 Volkmarsen - D 3. Juni 1942 Sobibor Meinhard Lichtenstein Next 5. Juni 1886 Volkmarsen - D 3. Juni 1942 Sobibor Käthe Lichtenstein, geborene Frankenthal Next 18. März 1892 Altenlotheim - D 3. Juni 1942 Sobibor Ralf Michael Lieberg Next 16. Mai 1933 Kassel - D 3. Juni 1942 Sobibor Wilhelm Lieberg Next 19. Dezember 1893 Kassel - D 8. September 1942 Majdanek Hertha Lieberg, geborene Hirsch Next 26. Oktober 1898 Berlin - D 3. Juni 1942 Sobibor Leopold Louis Mansbach Next 7. Januar 1877 Gudensberg - D 21. Mai 1943 Sobibor Rosa Rosalie Mansbach, geborene Eichengrün Next 18. Februar 1885 Beringhausen - D 21. Mai 1943 Sobibor Isidor Merländer Next 3. Juli 1872 Lüdinghausen - D 9. Juli 1943 Sobibor Berta "Bertl" Meyer Next 21. April 1927 Kassel - D 28. Mai 1943 Sobibor Levi Meyer Next 4. Juli 1890 Grebenau - D 28. Mai 1943 Sobibor Siegbert Meyer Next 3. April 1898 Hamburg - D 22. Juni 1942 Majdanek Berta Meyer, geborene Neuhaus Next 12. September 1898 Kassel - D 3. Juni 1942 Sobibor Sophie Meyer, geborene Stern Next 28. Dezember 1892 Allendorf - D 28. Mai 1943 Sobibor Lieselotte Michel Next 5. Juli 1926 Volkmarsen - D 26. März 1943 Sobibor Erna Rosa Michel, geborene Meyerhoff Next 4. November 1894 Volkmarsen - D 3. Juni 1942 Sobibor Ludwig Neu Next 27. November 1865 Fürth - D 28. Mai 1943 Sobibor Therese Neu, geborene Bauer Next 21. Juni 1876 Ermreuth - D 28. Mai 1943 Sobibor Nathan Nordhäuser Next 9. August 1880 Wüstensachsen - D 30. April 1943 Sobibor l m n

  • Biografien-h-k (List) | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück Biografien h - k h i j k Susanne Hamberg Next 11. August 1929 Breuna - D 3. Juni 1942 Sobibor Moritz Hamberg Next 15. Juli 1885 Breuna - D 3. Juni 1942 Sobibor Frida Hecht Next 23. Juli 1888 Herford - D 28. Mai 1943 Sobibor Bernhard Wolfgang Hellmann Next 7. November 1903 Wien - A 2. April 1943 Sobibor Ella Hohenberg, geborene Levy Next 13. Mai 1882 Kassel - D 3. Juni 1942 Sobibor Berend Hoorn van Next 10. Januar 1931 Delft - NL 26. März 1943 Sobibor Emma Hoorn van Next 27. August 1928 Delft - NL 26. März 1943 Sobibor Maurits Hoorn van Next 27. Januar 1891 t´Zandt - NL 26. März 1943 Sobibor Hilda Hoorn van, geborene Katz Next 15. Januar 1895 Langenholzhausen - D 26. März 1943 Sobibor Gerda Höflich Next 7. Juni 1932 Melsungen - D 3. Juni 1942 Sobibor Emilie Isenberg Next 18. August 1883 Volkmarsen - D 3. Juni 1942 Sobibor Gertrude Emilie Jastrow Next 25. Dezember 1895 Döbeln - D 4. Juni 1942 Sobibor Jenny Jeidels-Stamm, geborenen Stamm Next 8. Juni 1870 Darmstadt - D 13. März 1943 Sobibor Simon Sigismund Jonas Next 13. Februar 1866 Jastrow 23. Juli 1943 Sobibor Laura Jonas, geborene Loewental Next 23. Oktober 1867 Jastrow 23. Juli 1943 Sobibor Moses Karlsberg Next 26. April 1865 Fränkisch Crumbach - D 23. Juli 1943 Sobibor Bertha Emilie Karlsberg, geborene Simon Next 12. November 1872 Mainz - D 23. Juli 1943 Sobibor Nathan Katz Next 24. Juli 1873 Bodenfelde - D 23. Juli 1943 Sobibor Rosa Katz , geborene Aschoff Next 7. Juni 1879 Horn an der Lippe - D 23. Juli 1943 Sobibor Anna Klein, geborene Klaremeier Next 13. Juni 1903 Bielefeld - D 21. Mai 1943 Sobibor Dina Kratzenstein, geborene Strauß Next 14. April 1867 Eimelrod - D 30. April 1943 Sobibor h i j k

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