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- Wekslera, geborene Wojkunska | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Batia Wekslera, geborene Wojkunska Familie Lebensdaten 1908 Geburt in Stary Święciany ? Heirat mit Jakub Weksler 1940 Geburt des Sohnes Samuel 1941 zwangsweiser Umzug der Familie ins Ghetto Święciany 1943 Geburt des Sohnes Ramuald 1943 Unterbringung des Sohnes Ramuald bei Pflegeeltern 1943 Verlegung ins Ghetto Wilna 1943 Verschleppung ihres Ehemanns nach Riga und später Stutthof 1943 Deportation und Ermordung in der deutschen Mordstätte Sobibor zusammen mit ihrem Sohn Samuel 1945 Ermordung des Ehemannes auf dem Todesmarsch von Stutthof nächste Biografie Batia Wojkunska wurde 1908 in Stary Święciany, einer Kleinstadt in der Nähe von Wilno, heute Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, geboren. Ihre Eltern besaßen ein Kolonialwarengeschäft in der Stadt. Batia Wojkunska heiratete Jakub Weksler. Jakub Weksler war ein angesehener Schneider in der Stadt. Batia Wekslera kümmerte sich vermutlich um den Haushalt. Sie bekamen zwei Söhne. Der Ältere hieß Samuel. Der jüngere Ramuald wurde bereits nach ihrer Verschleppung ins Ghetto von Święciany geboren, das nach Kriegsbeginn eingerichtet worden war. 1939 fiel das Gebiet um Wilna an Litauen, das sich 1940 an die UdSSR anschloss und sich nun Litauische Sozialistische Republik nannte. Dazu gehörte auch die Stadt Stary Święciany. Schon nach der Eingliederung in die UdSSR, noch vor dem Einmarsch der Deutschen, wurden im Land über vierzig Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung durch antisemitische litauische Banden und Organisationen verübt. Im Ghetto Święciany Zu Beginn der Deutschen Besatzung 1941 lebten etwa 220.000 Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet von Litauen. Im Juni begannen die Deutschen mit Unterstützung von litauischen Helfern ihre brutalen Mordaktionen gegen die jüdische Bevölkerung. Diesen Aktionen fielen bis Ende des Jahres weit über 150.000 Jüdinnen und Juden zum Opfer. In einer makabren Liste eines deutschen Kommandoführers., dem sogenannten „Jäger-Bericht“, listete dieser auch die Ermordeten aus dem Bezirk „Svenciani“ auf: 1169 jüdische Männer, 1840 Frauen, 717 Kinder. Die deutschen Besatzer ließen vorerst etwa 560 arbeitsfähige, für sie nützliche jüdische Menschen am Leben, die im Ghetto in Święciany eingesperrt wurden. Jakub Weksler war einer von ihnen. Er musste für die deutschen Besatzer schneidern und konnte so seine Familie vorerst vor dem Tod bewahren. Im Ghetto Wilna In den ersten Monaten des Jahres 1943 wurde das Ghetto Święciany aufgelöst und die wenigen übriggebliebenen jüdischen Menschen wurden in die großen Ghettos oder Arbeitslager in Wilna und Kaunas verbracht. Ein Großteil der aus Święciany Verschleppten wurde allerdings in den Wäldern von Ponar ermordet, einer großen Erschießungsstätte außerhalb Wilnas. Die Familie Weksler wurde ins Ghetto Wilna gebracht. Ein anderer Überlebender des Wilnaer Ghettos erinnerte sich später an die Familie Weksler: Sein Vater Jakub lebte zusammen mit seiner Mutter und ihm, dem dreijährigen Sohn, in derselben Wohnung wie er im Ghetto. Bevor die Familie Weksler im April 1943 nach Vilnius verschleppt wurde, gab Batia ihren wenige Wochen alten Sohn Ramuald an das polnische Ehepaar Pjotr und Emilia Waszkinel. Sie appellierte an das polnische Ehepaar mit den überlieferten Worten: „Retten sie dieses jüdische Baby im Namen des Juden Jesus, an den Sie glauben. Wenn der Kleine groß ist, werden Sie erleben, dass er Priester wird.“ Verschleppung und Tod des Ehemanns Jakub Im Juli 1943 wurde ihr Ehemann Jakub Weksler aus dem Wilnaer Ghetto in das im März desselben Jahres errichtete deutsche Konzentrationslager Riga-Kaiserwald verbracht. Im September 1944 wurden die Häftlinge des Lagers wegen der vorrückenden Roten Armee in das deutsche Konzentrationslager Stutthof bei Danzig verschleppt. Dort wurde Jakub Weksler Anfang 1945, vermutlich auf einem der Todesmärsche kurz vor Befreiung, ermordet. Ermordung in Sobibor Batia Weksler und ihr 3-jähriger Sohn Samuel wurden wahrscheinlich im September 1943 aus dem Ghetto von Wilna in die deutsche Mordstätte Sobibor verschleppt. Dort wurden sie unmittelbar nach Ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. Der überlebende Sohn Ramuald Ramuald, der jüngste Sohn der Familie Weksler, überlebte den Krieg bei dem polnischen Ehepaar Piotr und Emilia Waszkinel, die ihn im März 1943 aufgenommen hatten. Für sie war er wie ein eigener Sohn. Er ergriff tatsächlich den Beruf des Priesters. Bis ins Jahr 1978 wusste er nichts von seinen jüdischen Wurzeln. Die Ziehmutter konnte sich allerdings nicht an den Namen der Eltern erinnern. Aber sie erinnerte sich daran, dass sein Vater Schneider war und er einen Bruder namens Samuel hatte. Erst nach dem politischen Umbruch in Polen war es möglich weitere Nachforschungen anzustellen. Eine befreundete Ordensfrau Klara Jaroszyńska, arrangierte bei einem Israelbesuch ein Treffen von Überlebenden aus Swiecany. Bei diesem Anlass fand sie einen Bruder und eine Schwester von Jakub Weksler, die beide in Israel lebten. Das Museum „Polin“ in Warschau, das die Geschichte der polnischen Juden behandelt, verfügt über zwei Ausstellungsstücke aus dem Eigentum der Familie Weksler. Es handelt sich um eine Waage und einen Samowar. Verwendete Dokumente und Literatur Website TeatrNN Lublin
- Lieberg, geborene Hirsch | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Hertha Lieberg geboren am 26. Oktober 1898 in Berlin, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Wilhelm Lieberg geboren am 19. Dezember 1893 in Kassel, Hessen, Deutschland umgekommen am 8. September 1942 im Konzentrations- und Todeslager Majdanek Tochter: Marion Lieberg geboren am 16. Februar 1924 in Kassel, Hessen, Deutschland ausgewandert im Mai 1939 nach Groß England gestorben am 19. Juni 1996 in den USA Sohn: Wolfgang Lieberg geboren am 5. Juni 1927 in Kassel, Hessen, Deutschland gestorben am 5. Juni 1929 in Kassel, Hessen, Deutschland Sohn: Ralf Michael Lieberg geboren am 16. Juni 1933 in Kassel, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im Mordlager Sobibor Lebensdaten 1898 Geburt in Berlin 1922 Heirat mit dem Unternehmersohn Wilhelm Lieberg aus Kassel 1924 Geburt der Tochter Marion 1927 Geburt des Sohnes Wolfgang 1927 Übernahme des Betriebs durch ihren Ehemann 1929 Tod des Sohnes Wolfgang 1933 Geburt des Sohnes Ralf-Michael 1938 Inhaftierung ihres Ehemannes im Konzentrationslager Buchenwald 1938 Zwangsverkauf des Betriebes und Berufsverbot für den Ehemann 1938 Flucht der beiden Schwägerinnen in die Schweiz bzw. Palästina 1938 Schulverbot für die Tochter Marion 1939 Tochter Marion geht mit einem Kindertransport nach England 1940 Zwangsarbeit des Ehemannes im eigenen ehemaligen Betrieb 1942 Deportation gemeinsam mit Ihrem Ehemann und Sohn 1942 Inhaftierung und Tod ihres Ehemannes im KZ Majdanek 1942 Ermordung, gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn in Sobibor nächste Hertha mit den beiden Kindern Marion und Wolfgang, 1927 Hertha Lieberg 1920 auf Norderney Herthas Kinder Marion und Ralf Ralf Lieberg, 1935 Biografie Hertha Lieberg, geborene Hirsch, wuchs in Berlin auf. Am 28. Juni 1922 heiratete sie den in einer gutbürgerlichen Unternehmerfamilie aufgewachsenen Wilhelm Lieberg aus Kassel. Kassel war eine der größten städtischen jüdischen Gemeinden des Reiches, Ende des 19. Jahrhunderts mit fast 3000 Mitgliedern. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner trugen entscheidend zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Das städtische Judentum setzte sich vor allem aus assimilierten und liberalen, aber auch streng gläubigen Juden zusammen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine große Synagoge und eine kleine für orthodox orientierte Juden. Viele Gemeindemitglieder engagierten sich in zahlreichen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen und Einrichtungen. Zum jüdischen Leben in Kassel gehörten u.a. ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderhort. Im Ersten Weltkrieg fielen 62 jüdische Männer. 1933 lebten noch 2300 Jüdinnen und Juden in Kassel. Die jüdische Schule besuchten in diesem Jahr 176 Kinder. Bis 1936 wanderten 400 Kasseler Jüdinnen und Juden aus. Die Familie Lieberg lebte bis 1926 in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße 78 und zog dann in die Lessingstraße 18 um. Sie bekamen drei Kinder, die älteste Tochter Marion wurde 1924 geboren, der Sohn Wolfgang 1927, der an seinem zweiten Geburtstag verstarb, 1933 wurde der Sohn Ralf Michael geboren. Der Familienbetrieb der Liebergs war in der Metallverarbeitung tätig und hatte seinen Firmensitz im Messinghof im Industriegebiet Bettenhausen, das Anfang des 20. Jahrhunderts nach Kassel eingemeindet worden war. Wilhelm Lieberg übernahm nach dem Tod seines Vaters Moritz Lieberg 1927 den Messinghof; Mitgesellschafterinnen waren seine beiden Schwestern Erna, verheiratete Sander, und Margarethe, verheiratete Garthe. Ein weiterer Gesellschafter und Geschäftsführer war der schweizerische Verwandte Kurt Kaufmann. Verfolgung und Raub, Vertreibung Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten begann die sukzessive Ausgrenzung und Verfolgung und der Raub an den jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern. Wilhelm Liebergs Familie und das Unternehmen erfuhren von Anfang an eine besondere Aufmerksamkeit durch die Nationalsozialisten. Schon am 26. August 1933 wurde ein Neffe ihres Ehemannes Wilhelm Lieberg wegen „Kontakte zu deutschen Frauen“ von einer aufgebrachten Menschenmenge durch Kassels Straßen geführt. Sein Teilhaber und Mitgeschäftsführer Kurt Kaufmann kehrte nach diesen Übergriffen dem Deutschen Reich den Rücken und zog in die Schweiz zurück, die Geschäfte leitete er von dort aus. Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde Wilhelm Lieberg - wie weitere 250 Kasseler jüdische Männer - verhaftet und in das 200 Kilometer entfernte Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und für mehrere Wochen festgehalten. Während seiner Haftzeit wurde der Messinghof enteignet und „arisiert“ und weit unter Wert verkauft. (In einem Entschädigungsverfahren nach dem Krieg wurde der Verkaufspreis als fair eingestuft, Treuhänder in diesem Verfahren war allerdings der Geschäftsführer des Nachfolgebesitzers.) Zudem wurde Wilhelm Lieberg 1938 eine beträchtliche Judenvermögensabgabe von annähernd 50.000 Reichsmark auferlegt. Die wertvolle Gemäldesammlung des Onkels von Wilhelm Lieberg wurde mit dem übrigen Vermögen des Unternehmers 1939 einer Sicherungsanordnung unterworfen und später versteigert. Die beiden Schwestern und Mitgesellschafterinnen waren bereits 1938 in die Schweiz und nach Palästina ausgewandert. Nach dem Schulverbot für jüdische Kinder vom November 1938 konnte die Tochter Marion in Kassel keine entsprechende Schulausbildung mehr machen. Dem Ehepaar Lieberg gelang es, für die Fünfzehnjährige einen Platz in einem der Kindertransporte nach Großbritannien zu bekommen. So konnte sie im Mai 1939 in das rettende Ausland flüchten. 1946 heiratete sie einen US-Bürger und emigrierte in die USA. Hertha Liebergs Ehemann Wilhelm arbeitete ab Beginn des 2. Weltkrieges als einfacher Arbeiter gegen ein geringes Entgelt in seiner ehemaligen eigenen Firma. Deportation nach Majdanek und Sobibor Zum 31.5.1942 wurden Hertha, ihr Ehemann Wilhelm und der 9-jährige Sohn Ralf in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße zur „Aussiedlung in den Osten“ bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Es waren fünfzig Kilogramm Gepäck und an Geldwert fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Die Familie Lieberg wurde am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Bezirk Kassel der Geheimen Staatspolizei von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohnern, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Jüdinnen und Juden für die geplante Ermordung konzentriert und in neuen Transporten zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt. Unter diesen Männern befand sich auch der Ehemann von Hertha Lieberg. Unter der Häftlingsnummer 10177 wurde der Tod von Wilhelm Lieberg am 8. September 1942 im Todes- und Konzentrationslager Majdanek registriert. Der Sonderzug „Da 57“ fuhr vom Anschlussgleis „Alter Flughafen“ direkt nach Sobibor weiter. Ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto, auch nicht nach Izbica. “Da 57“ kam am 3. Juni 1942 in Sobibor an; Hertha Lieberg und ihr Sohn Ralf wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Website Stolpersteine Kassel Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kammler, Jörg u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933-1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986 Lilienthal, Marion u.a. Hg., Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Matthäus, Wolfgang, Kaiserstraße 13. Geschichten vom jüdischen Leben im Vorderen Westen, in Kassel und Region, 2014
- Lichtenstein | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Meinhard Lichtenstein geboren am 05. Juni 1886 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau: Käthe Lichtenstein geboren am 18. März 1892 in Altenlotheim, Hessen, Deutschland ermordet am 03. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Sohn: Arthur Lichtenstein geboren am 7. Februar 1920 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert 1938 in die USA gestorben am 8. September 1971 in den USA Tochter: Ilse Lichtenstein geboren am 24. Februar 1923 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert im Frühjahr 1940 in die USA gestorben am 26. April 2006 in den USA Tochter: Inge Lichtenstein geboren am 4. Februar 1930 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1892 Geburt in Volkmarsen ab 1914 Kriegstod ihres Bruders Siegfried 1919 Heirat mit Käthe Lichtenstein aus Altenlotheim 1920 Geburt ihres Sohnes Arthur 1923 Geburt ihrer Tochter Ilse 1930 Geburt ihrer Tochter Inge 1938 Flucht des Sohnes Arthur in die USA 1938 Inhaftierung in Volkmarsen zusammen mit der Tochter Ilse 1938 Zerstörung ihrer Schneiderwerkstatt und Berufsverbot 1938 Inhaftierung im Konzentrationslager Buchenwald 1939 Beschlagnahme ihres Hauses und Zwangseinquartierung in die Volksschule 1939 Zwangsarbeit beim Autobahnbau 1939 Verschickung ihrer Töchter mit einem Kindertransport in die Niederlande 1940 Flucht ihrer Tochter Ilse in die USA 1941 Rückkehr der jüngeren Tochter Inge nach Volkmarsen zurück 1942 Verschleppung und Ermordung in Sobibor nächste Familienfoto mit den Töchtern und den Schwiegereltern Foto zur Bar Mitzwah von Sohn Arthur Telegram von Meinhard an die Kinder in den USA vom 3. Juni 1942 -dem Tag ihrer Deportation von Kassel Käthe und Meinhard Lichtenstein Biografie Die Familie Lichtenstein lebte spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts im nordhessischen Volkmarsen. Seit den 1830er Jahren gab es am Ort eine Synagoge, die 1936 verkauft wurde. 1932 existierten zwei jüdische Wohltätigkeitsvereine und es gab einen Lehrer für jüdische Religion. 1933 hatte Volkmarsen insgesamt 2650 Einwohner, davon waren 34 jüdischen Glaubens. Sie trieben Handel oder waren Handwerker. Meinhard Lichtenstein war ein aktives Mitglied seiner jüdischen Gemeinde, er war der 2. Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und Thora-Vorleser in der Synagoge. Meinhard und Käthe Lichtenstein wohnten mit ihren drei Kindern Arthur, Ilse und der jüngsten Tochter Inge in Volkmarsen in ihrem eigenen Haus an der Oberen Stadtmauer 33. Die zwei älteren Kinder von Meinhard und Käthe Lichtenstein besuchten die Volksschule in Volkmarsen Am Mönchepfuhl, vermutlich wurde auch die Jüngste noch in Volkmarsen eingeschult. Meinhard Lichtenstein erteilte seinen Kindern am Schabbat Religionsunterricht. Er war ein angesehener Schneidermeister und betrieb zusammen mit seiner Frau einen eigenen Laden in ihrem Wohnhaus. Meinhard Lichtenstein war Weltkriegsteilnehmer, die jüdische Gemeinde Volkmarsen hatte fünf Weltkriegsopfer zu beklagen. Die Eheleute Lichtenstein waren kulturell interessiert und besuchten Aufführungen im Opernhaus Kassel. Ab 1933 nahm die Hetze, Ausgrenzung, Verfolgung und der Raubzug gegen die jüdische Bevölkerung ständig zu. Der Laden der Familie Lichtenstein wurde bereits 1933 im Zuge der Aktion ‚Kauft nicht bei Juden‘ angegriffen. Reichspogromnach 1938 Im Mai 1938 floh der älteste Sohn in die USA und baute sich dort eine Schneiderwerkstatt auf, 1941 ging er zur US-Armee. Die zurückgebliebene Familie sah für sich keine Zukunft mehr im Deutschen Reich und bemühte sich ebenfalls um Ausreisepapiere. In der Reichspogromnacht waren der Vater und die ältere Tochter nicht in Volkmarsen. Die Wohnung und die Schneiderwerkstatt der Familie Lichtenstein wurden völlig ausgeraubt und demoliert. Auch Stammkunden beteiligten sich daran. Am nächsten Tag erlitt die Mutter, Käthe Lichtenstein, eine Herzattacke, Tochter Ilse kümmerte sich in der Folgezeit um die Mutter und die jüngere Schwester. Meinhard Lichtenstein, seine Frau und die achtjährige Tochter kamen in Schutzhaft und wurden im örtlichen Gefängnis im Kellergewölbe des Rathauses eingesperrt, vollzogen von einem Polizisten, der sein Freund und Nachbar war. Zwei Tage später wurde Meinhard Lichtenstein ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, von wo er sechs Wochen später von Misshandlungen gekennzeichnet, abgemagert und erschöpft zurückkehrte. In der Folgezeit musste Meinhard Lichtenstein Zwangsarbeit beim Autobahnbau leisten. Das Geschäft durfte nicht wiedereröffnet werden. Die Familie lebte vorerst vom Ersparten und den Erträgen ihres Gartens. Neben dem Wohnhaus, das 1942 beschlagnahmt wurde, besaß die Familie ein Gartengrundstück, das sie Anfang 1939 verkaufen mussten. Allerdings gestattete ihnen der Käufer – eben jener erwähnte Nachbar - das halbe Nutzungsrecht. Meinhard Lichtenstein hatte 600 Reichsmark zur „Wiederherstellung des Straßenbildes“ nach den Zerstörungen der Pogromnacht zu zahlen. Durch das Gewerbe- und Berufsverbot, weitere steuerliche Belastungen und Vermögensabgaben verarmte die Familie Lichtenstein weitestgehend. Nach der Reichspogromnacht wurden die jüdischen Bewohner*innen Volkmarsens, auch die Lichtensteins beengt im jüdischen Schulhaus konzentriert - diese Maßnahme zielte schon auf die späteren Deportationen. Es gab ein Nachtausgehverbot. Den jüdischen Familien wurden knappe Lebensmittelmarken zugeteilt, für sie gab es weder Milch, noch Fleisch, noch Eier. Einige wenige christliche Volkmarser Bürgerinnen und Bürger unterstützten sie heimlich. Verschickung der Kinder in die Niederlande Am 3. Januar 1939 verschickten die Eltern schweren Herzens ihre beiden Töchter zu deren Sicherheit in ein Kinderheim ins niederländische Bergen aan Zee. Am 4. April 1940 verließ die 17-jährige Tochter Ilse die Niederlande ebenfalls in Richtung USA, laut Ilses Angaben, hatte ihr Bruder das Visum besorgt. Später heiratete sie Meinhard Meyer – ebenfalls Immigrant und ein alter Schulfreund aus Kassel. Die Odyssee der jüngsten Tochter Inge war noch nicht beendet, sie kam bei Pflegeeltern in Rotterdam unter. Die jüdische Pflegefamilie brachte Inge Ende Juni 1941 per Bahn zurück nach Volkmarsen – sie fürchteten Repressionen der deutschen Besatzer. Da jüdische Kinder keinen Zugang mehr zu öffentlichen Schulen hatten, pendelte die Tochter Inge nun täglich von Volkmarsen nach Kassel zur Jüdischen Schule. Die Deportation nach Sobibor Für die zweite von den drei großen zentral organisierten Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel standen sechs Personen aus Volkmarsen auf der Deportationsliste. Zum 31.5.1942 wurde die Familie Lichtenstein in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren fünfzig Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte noch vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Einige für die Lichtensteins wichtige Dinge – Stoffe, Bücher, Nähmaschine und Porzellan – verwahrten Nachbarn vierzig Jahre lang, bis sie diese der überlebenden Tochter Ilse Meyer übergeben konnten. Die Lichtensteins wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Geheimen Staatspolizei-Bezirk Kassel von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohnerinnen und Einwohner, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und hier wurden die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Dieser Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor weiter, wo er am 3. Juni 1942 ankam; ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto. Die Familie Lichtenstein wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. In Volkmarsen erinnert ein Straßenname an die mit 12 Jahren in Sobibor ermordete Inge Lichtenstein. Brief von Ilse Lichtenstein an ihren Bruder Arthur Ilse Lichtenstein hielt sich zu der Zeit auf Initiative eines jüdischen Wohltätigkeitsvereins in einem Kinderheim in den Niederlanden auf, ihr Bruder Arthur war bereits in die USA ausgewandert: Bergen, den 10.1.1939 Meine Lieben! Heute will ich euch ein paar Zeilen senden. Wir sind hier in Bergen in einem Kinderheim. Am Mittwoch, dem 4. sind wir hierhergekommen. Es gefällt uns sehr gut. 91 Kinder sind wir hier. Jungens und Mädels. Wir haben es gut hier. Stehen morgens um 7 Uhr auf und gehen abends um 8 Uhr zu Bett. Jeden Morgen und auch oft nachmittags gehen wir spazieren. Jetzt haben wir Wolle bekommen für Pullover zu stricken. Jeden Abend werden wir gebadet. Jetzt will ich euch in bisschen von Deutschland erzählen. Aber nicht viel. Wie ihr ja wisst, sind alle Männer im KZ gewesen. Der liebe Papa und Friedel* waren auch da. Papa war 4 Wochen und Friedel 5 Wochen dort. Natürlich kamen sie mit kahlgeschorenen Köpfen zurück. Auch dort haben sie es nicht besonders gehabt. 3 Tage nichts zu essen und überhaupt kein Wasser. Viele Leute sind meschugge geworden. Auch Lehrer Stern aus Frankenberg. Er ist in die Latrine gesprungen. Onkel Isaak ist einen Tag zurückgekommen und dann gleich irr gewesen. Er hatte Eiter in Mund und Nase und konnte gar nicht sprechen. Hugo Wertheim hatte Blutvergiftung und ist verbrannt worden. Die Urne ist zurückgekommen. Auch der Vater von Walter Steinmann ist 3 Tage zu Hause gewesen, hat Lungenentzündung bekommen und ist gestorben. Ach, so manches könnte ich Euch schreiben. Jeden Tag hat man nur andere Todesanzeigen gelesen. Ihr könnt euch ja gar nicht denken, was wir alles mitgemacht haben. An die Demolierung zu Hause darf ich gar nicht denken. Du. Lieber Arthur, würdest die Zimmer kaum wiedererkennen. In Friedels Zimmer ist nichts mehr ganz. Schränke, Betten, Kommode, Stühle und alles was im Zimmer war, sind kaputt. Die langen Matratzen haben auf der Straße gelegen. Auch die Federbetten und Friedels ganze Wäsche. Die Schränke haben auch umgelegen. Keine Tasse und kein Teller waren ganz. Gelee und Eier sind zusammengelaufen. 3 große Fässer Scherben haben wir gehabt. Nur in meinem Zimmer ist der Spiegel noch ganz. Die Wäsche aus den Schränken musste alle gewaschen werden, denn sie war schmutzig und nass. Acht Tage vorher, Ihr werdet es noch wissen, hatten wir Würste gemacht. Von 30 Stück sind noch 5 übriggeblieben. Im Wohnzimmer hat es bunt ausgesehen. Kein Bild, kein Teller und keine Tasse waren mehr ganz. Die Schabbeslampe ist auch kaputt. Der Teppich war mit Mehl, Himbeersaft und Erdbeeren verziert. Daß keine Scheibe im Haus mehr heil war, könnt ihr euch ja denken. Dieses war der Donnerstagabend und des Morgens ist der liebe Papa geholt worden. In der Nacht waren die Lieben noch alle zusammen und am anderen Morgen ist Papa nach Buchenwald gekommen. Was alles gestohlen ist kann ich gar nicht sagen. Friedels 2 Anzüge und Mantel, Papas schwarzer Anzug, meine ganze Wäsche und Kleider. Vom Lager sind 18 Anzüge, 6 gestreifte Hosen, Winterulster und viele Futtersachen. Und dann noch das schönste, 1600 Reichsmark Vermögensabgabe als Buße. Ist das nicht allerhand? Wenn der liebe Papa jetzt arbeiten dürfte, könnte er sich 5 Gesellen halten. Wenn nur das Konsulat schneller arbeiten würde, daß wir fort könnten, denn die ganze Ungewissheit ist entsetzlich. Seht bitte mal zu, ob Ihr nicht etwas machen könnt, denn die lieben Eltern können unmöglich länger in Deutschland bleiben. Denn käme noch einmal eine Trennung, so wäre es sehr schlimm. Auch sorgt bitte dafür, dass wir bald weiter können, denn wir wollen den Leuten hier nicht zur Last fallen. Schreibt bitte mal an das Hilfskomitee in Amsterdam oder in New York, ob nichts zu machen ist. … Ich glaube Euch nun genug geschrieben zu haben, antwortet bald und seid herzlich gegrüßt von Eurer Ilse. *Friedel ist Siegfried Meyer, Schneidergeselle; er lebte und arbeitete im Haus der Lichtensteins Quelle: Ernst Klein, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012, S. 109 f. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Statistik des Holocaust Website Alemannia Judaica Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Magistrat der Stadt Kassel – Stadtarchiv, Hg., Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945,ein Gedenkbuch, 1986 Ernst Klein in: Waldecksche Landeszeitung vom 16.8.2012 (Verhaftung durch Nachbarn) Interviews: Interview mit Ilse Meyer, geb. Lichtenstein; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA Interview mit Meinhardt Meyer; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA
- Rosenthal | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Alma Rosenthal geboren am 15. März 1895 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 11. Juni 1943 in der Mordstätte Sobibor Familie Vater: David Rosenthal geboren am: 12. Juli 1854 in Neuenhaus, Niedersachsen, Deutschland gestorben am 4.12.1931 in Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Mutter: Elka Rosenthal, geborene Werthan geboren am 1. März 1852 in Rotenburg an der Fulda, Hessen, Deutschland gestorben 1932 in Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Schwester: Hulda Rosenthal geboren am 24. Juli 1880 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland verstorben 14. August 1887 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Bruder: Siegfried Rosenthal geboren am 5. November 1881 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland verstorben am 11. Juli 1918 an Kriegsverletzungen aus dem 1. Weltkrieg Schwester: Dina Zilversmit, geborene Rosenthal geboren am 10. Mai 1883 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 19. Februar 1943 in der deutschen Mordstätte Auschwitz-Birkenau Bruder: Karl Rosenthal geboren am 16. Juli 1885 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland emigrierte 1939 über England in die USA verstorben 1952 in Wilmington, USA Schwester: Rosalie Rosa Rosenthal geboren am 15. November 1886 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 14. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Bruder: Hugo Rosenthal geboren am 14. Dezember 1887 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland emigriert 1938 nach Israel verstorben 6. Dezember 1989 in Israel Bruder: Georg Rosenthal geboren am 21. August 1889 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gefallen 1916 im Ersten Weltkrieg Bruder: Leopold Rosenthal geboren am 21. August 1889 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland emigrierte 1939 in die USA verstorben 1960 in Los Angeles, USA Schwester: Grete Rosenthal, Rufname Gretchen geboren am 24. Juli 1891 in Lage, Nordrhein-Westfalen, Deutschland überlebte in einem Versteck in den Niederlanden verstorben 1955 in den Niederlanden Schwager:Zilversmit, David geboren am 11. Dezember 1888 in Losser, Overijssel, Niederlande ermordet am 19. Februar 1943 in der Mordstätte Auschwitz-Birkenau Lebensdaten 1895 Geburt ihrer acht Geschwister 189x Umzug nach Herford 189x Aufenthalt des Vaters in den USA 1997 Umzug der Familie zurück nach Lage 189x Rückkehr des Vaters aus den USA 1898 Umzug der Familie nach Bielefeld 191x Ausbildung zur Stenotypistin ab 1914 fünf Brüder sind Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg 1916 Tod von Bruder Georg im Ersten Weltkrieg 1918 Tod des Bruders Siegfried an Spätfolgen der Kriegsteilnahme 1931/32 Tod der Eltern 1938 Flucht der Schwester Dina in die Niederlande 1938 Inhaftierung des Bruders Leopold im Konzentrationslager Buchenwald 1938 Inhaftierung des Bruders Karl im Konzentrationslager Sachsenhausen 1939 Flucht in die Niederlande zusammen mit Schwester Rosalie 1939 Flucht des Bruders Leopold in die USA 1939 Flucht des Bruders Karl nach Großbritannien 1939 Flucht des Bruders Hugo mit seiner Familie nach Israel 1939 Flucht der Schwester Grete in die Niederlande 1942 Inhaftierung der Schwester Dina und des Schwagers David in Westerbork 1943 Verhaftung und Verschleppung zusammen mit Schwester Rosalie nach s’Hertogenbosch 1943 Verschleppung und Ermordung ihrer Schwester Dina und des Schwagers David in der Mordstätte Auschwitz-Birkenau 1943 Verschleppung von Alma und Rosalie nach Westerbork 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor 1943 Verschleppung und Ermordung der Schwester Alma in Sobibor nächste Rosa Rosenthal, Almas Schwester Almas Name auf dem Holocaust Monument der Namen in Amsterdam Biografie Alma Rosenthal wurde in Lage in Westfalen als jüngstes von neun Kindern von Elka und David Rosenthal geboren. Sie waren vier Mädchen und fünf Jungen. Die ersten Lebensjahre verbrachte sie mit der Familie im Haus in der Heidenschen Straße in der kleinen westfälischen Stadt Lage. Am Haus gab es einen großen Garten und es gab auch eine kleine Landwirtschaft. Vater David verdiente den Lebensunterhalt als Textilhändler, die Mutter versorgte die riesige Familie. Der Vater war gut in das gesellschaftliche Leben des Ortes integriert. Er war Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem dem örtlichen Schützenverein und dem Männer-Gesangsverein. Die Liebe zur Musik verband die Familie und spielte im Alltag eine große Rolle, es wurde viel gesungen und musiziert. Kurz nach der Geburt der jüngsten Tochter Alma zog die Familie nach Herford um, wo die Familie nun in einer Stadtwohnung lebte. Der Vater ging Ende des 19. Jahrhunderts in die USA, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Mit seinem Weggang brach das Einkommen der Familie weg. Mutter Elka kehrte mit ihren Kindern zurück nach Lage, ins Armenhaus. Die schwierige Situation der Familie verschärfte sich noch durch Krankheit. Mutter Elka und einige der Kinder erkrankten an Typhus. Im darauffolgenden Jahr kehrte der Vater aus den USA zurück und die Familie zog in eine Wohnung in Bielefeld. Der Vater ging verschiedenen Gelegenheitsarbeiten nach und erzielte nur ein spärliches Einkommen. Rosalie und Hugo verdienten für die Familie etwas Geld mit Heimarbeit, der sie nach der Schule nachgingen. Trotz des geringen Einkommens der großen Familie machten alle Kinder eine gute Ausbildung. Drei Brüder besuchten das jüdische Lehrerseminar in Münster. Karl Rosenthal studierte in Münster, Berlin und Köln und wurde später Rabbiner in Dortmund und Berlin. Alma, die Jüngste, ließ sich zur Stenotypistin ausbilden. Nachdem Rosalie ihre Schulausbildung abgeschlossen hatte, machte sie eine Ausbildung zur Schneiderin in Celle. Dina Rosenthal machte eine Ausbildung als Verkäuferin und fand eine gute Anstellung, mit der sie die Familie finanziell unterstützen konnte. Grete erlernte den Beruf der Buchhalterin und war in verschiedenen Firmen tätig. Alle fünf Söhne waren Weltkriegsteilnehmer. 1916 fiel der Bruder Georg im Krieg im Beisein des Bruders Hugo. Der Bruder Siegfried verstarb kurz nach dem Krieg an seinen Kriegsverletzungen. Anfang der dreißiger Jahre verstarben die Eltern, beide weit über 70 Jahre alt, in Bielefeld. Flucht ins Ausland In den 30er Jahren floh die gesamte Familie ins Ausland. Vier Töchter der Familie gingen in die Niederlande. Alma und Rosalie, beide über vierzig Jahre alt, emigrierten wenige Monate nach der Reichspogromnacht 1938 nach Enschede in die Niederlande. Dort wohnte bereits ihre ältere Schwester Dina mit ihrer Familie. Vermutlich floh die Schwester Gretchen 1939 in die Niederlande. Drei Brüder aus der Familie setzten sich ebenfalls ins Ausland ab, sie flohen in die USA, nach Großbritannien und nach Israel. Die mit der Flucht in die Niederlande erhoffte Sicherheit vor den Nationalsozialisten dauerte nur kurze Zeit. Im Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Die nationalsozialistischen Besetzer führten innerhalb kurzer Zeit auch hier antijüdischen Gesetze ein und setzten sie sukzessive um. Verhaftung und Deportation nach Sobibor Anfang Mai 1943 wurden Alma und Rosalie verhaftet und in das deutsche Konzentrationslager s´Hertogenbusch verschleppt. Schwester Rosalie wurde am 8. Mai in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht, Alma einen Monat später, am 7. Juni 1943. Die Schwester Dina Rosenthal heiratete in Witten David Zilversmit, der 1888 in den Niederlanden geboren wurde. Zuerst lebte das Paar in Castrop-Rauxel. 1937 entschlossen sie sich, in die Niederlande zu emigrieren. Sie bewohnten ebenfalls eine Wohnung in Enschede. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Am Montag, dem 11. Mai 1943, musste ihre Schwester Rosalie einen Viehwaggons besteigen, der von Westerbork in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen fuhr. Nach der dreitägigen Fahrt erreichte der Zug Sobibor. Rosalie wurde direkt nach ihrer Ankunft im Lager ermordet. Vier Wochen später, am 8. Juni 1943, ereilte Alma dasselbe Schicksal. Auch sie wurde in einer dreitägigen Fahrt in einem Viehwaggon in die Mordstätte Sobibor deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Die Geschwister Dina und David Zilversmit wurden im Oktober 1942 verhaftet und im polizeilichen Durchgangslager in Westerbork interniert. Fünf Monate später, am 16. Februar 1943, wurden sie in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zusammen mit weiteren 1108 Jüdinnen und Juden verschleppt, von denen 200 Männer und 61 Frauen zur Arbeit ins Lager aufgenommen wurden. Sie und alle anderen Deportierten wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Grete Rosenthal blieb ledig und arbeitete bis 1933 als Buchhalterin in verschiedenen Firmen. Nach 1933 fand sie nur noch Anstellung in jüdischen Haushalten. 1939 emigrierte sie in die Niederlande zu ihrer Schwester Dina. Sie versuchte in die USA auszuwandern. Ihre Bemühungen zu emigrieren waren jedoch vergebens. Eine gute Freundin, die Bibliothekarin Hendrika Hondius, versteckte Grete bis zur Befreiung, als einziges weibliches Kind der Großfamilie überlebte sie die Zeit der Verfolgung. Sie starb 1955 in Enschede. Karl Rosenthal wurde Rabbi in der jüdischen Gemeinde in Dortmund, wo er auch seine spätere Ehefrau Gertrude Schuster kennenlernte. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges heirateten sie. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Ab 1924 war Karl Rosenthal Rabbiner der Jüdischen Reformgemeinde in Berlin und Vorsitzender mehrerer "B’nai Brith-Logen", sowie des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens und Mitglied im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Karl Rosenthal verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach drei Monaten wurde er mit der Auflage Deutschland sofort zu verlassen, aus der Haft entlassen und flüchtete nach Oxford in Großbritannien. Die Familie von Karl Rosenthal lebte nach Kriegsende in den USA. Karl Rosenthal war Rabbiner u.a. in Wilmington, North Carolina, wo er 1952 starb. Leopold Rosenthal heiratete 1920 Meta Stern. Sie wohnten mit ihren beiden Söhnen in Montabaur in Rheinland-Pfalz, Deutschland. Von Beruf war er Schuhmacher. Während der Reichspogromnacht im November 1938 wurde er verhaftet und musste mehrere Wochen im Konzentrationslager Buchenwald verbringen. Unter der Auflage auszuwandern wurde er entlassen. Die Familie emigrierte im Mai 1939 in die USA und zog nach Los Angeles. Leopold starb 1950. Hugo Rosenthal wurde am jüdischen Lehrerseminar in Münster zum Lehrer ausgebildet. Er unterrichtete bis 1910 an einer einklassigen jüdischen Volksschule in Gütersloh. Dort erfuhr er erste offene antijüdischen Anfeindungen. Im Fronteinsatz des 1. Weltkriegs starb sein jüngerer Bruder Georg direkt neben ihm. Nach Kriegsende wendete er sich dem Zionismus zu. Hugo Rosenthal heiratete Betty Goldschmidt, sie war ausgebildete Konzertpianistin. Aus ihrer Ehe gingen drei Kindern hervor. Von 1920 bis 1924 wohnte die Familie in Wolfenbüttel. Hugo war in dieser Zeit in der Arbeit der zionistischen Jugendbewegung aktiv. 1925 wanderte die Familie nach Palästina aus. Das Paar arbeitete dort an einer Schule in Haifa. 1929 kamen sie aufgrund wirtschaftlicher Probleme zurück nach Deutschland und wohnten in Berlin. Hugo unterrichtete in Berlin in einer jüdischen Schule und publizierte wissenschaftliche Veröffentlichungen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernahm er die Leitung des jüdischen Landschulheims in Herrlingen in Süddeutschland. Die Schule wurde im März 1939 geschlossen und die Familie wanderte endgültig nach Palästina aus. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Rosenthal, Hugo (Jashuvi, Josef), Lebenserinnerungen, hg. von Prüter-Müller, Micheline und Schmidt, Peter Wilhelm A., 2000
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< zurück vorherige Gerda Höflich geboren am 7. Juni 1932 in Melsungen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Familie Vater: Nathan Höflich geboren am 7. Juni 1894 in Rengshausen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juli 1942 im deutschen Konzentrationslager Lublin/Majdanek Mutter: Hilde Höflich, geborene Rothschild geboren am 25. Februar 1896 in Abterode, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Lebensdaten 1932 Geburt in Melsungen 1938 Einschulung 1938 Inhaftierung des Vaters in Buchenwald für einige Wochen 1938 Aufenthalt im Versteck mit der Mutter 1938 Plünderung und Verlust des Geschäfts und des Hauses 1938 Inhaftierung des Vaters im Konzentrationslager Buchenwald für einen Monat 1939 Zwangsweiser Umzug der Familie nach Kassel 1939 Unterbringung im jüdischen Waisenhaus 1939 Besuch der jüdischen Schule in Kassel 1940 Zwangsarbeit des Vaters u.a. bei der Straßenreinigung 1942 Verschleppung der Familie nach Lublin 1942 Selektion des Vaters in Lublin zur Arbeit in Majdanek 1942 Weiterfahrt von Gerda, ihrer Schwester und ihrer Mutter nach Sobibor, wo sie ermordet werden 1942 Tod des Vaters in Majdanek 1942 Konfiszierung des gesamten Vermögens der Familie nächste Biografie Gerda Höflich wurde 1932 in Melsungen geboren. Ihr Vater Nathan Höflich war in dem kleinen Dorf Rengshausen in der Nähe von Kassel aufgewachsen. Sein Vater, Gerdas Großvater, war früh verstorben. Die Großmutter führte den Familienbetrieb, einen Gemischtwarenladen, den sie später an ihren Sohn übergab. 1930 heiratete er in Abterode Hilde Höflich. Die Familie waren die einzigen jüdischen Bewohner im Dorf. Sie wohnten im Haus Nr. 7. Der Ort war sehr klein, eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof gab es im benachbarten Beiseförth. Der Ehe von Nathan und Hilde Höflich entstammte die Tochter Gerda, sie wurde 1932 im Krankenhaus in Melsungen geboren. Ausgrenzung und Verfolgung Gerda besuchte die öffentliche Schule im Ort, wo sie von ihren Mitschülern wegen ihres jüdischen Glaubens oft gehänselt wurde. In der der Dorfschule gab es nur zwei Schulklassen, Gerda musste von Beginn an die höhere Klasse besuchen, denn der Lehrer der anderen Klasse weigerte sich, ein jüdisches Mädchen zu unterrichten. Der Boykott der jüdischen Geschäfte nach 1933 wirkte sich schnell auf das Geschäft der Familie Höflich aus. Immer weniger Kunden kamen in den Laden. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde das Geschäft der Höflichs überfallen und geplündert, die Familie war zu diesem Zeitpunkt nicht zuhause. Nachbarn hatten sie gewarnt und in der Papiermühle im Dorf versteckt. Ihr Vater Nathan Höflich entging allerdings nicht der Verhaftung. Er wurde im Konzentrationslager Buchenwald bis zum 10. Dezember 1938 interniert. Die Mutter Hilde Höflich blieb mit ihrer Tochter Gerda einige Wochen in einer kleinen Wohnung in ihrem Versteck in der Papiermühle. Ohne ihr Geschäft war es der Mutter nicht möglich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Also verkaufte sie nach und nach ihr Hab und Gut. Die Familie konnte nun nicht mehr zurück in ihr Haus und zog gezwungenermaßen nach Kassel. Auch hier waren sie in verschiedenen Wohnungen gemeldet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sie immer wieder zwangsweise die Wohnung wechseln mussten. Gerda war eine Zeit lang im israelitischen Waisenhaus in Kassel gemeldet. Wahrscheinlich besuchte sie von hier aus die jüdische Schule in Kassel, die sich im benachbarten Gebäude befand. Ihr Vater Nathan Höflich musste Zwangsarbeit leisten. Eine ehemalige Nachbarin aus Rengshausen sah ihn mit einer jüdischen Arbeitskolonne in Kassel beim Straßenkehren. Raub, Deportation Im Frühjahr 1942 erhielt die Familie Höflich die Nachricht über ihre bevorstehende „Umsiedlung in den Osten“. Zum 31. Mai 1942 wurden sie in die ‚Sammelstelle‘ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren fünfzig Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert Vater Nathan Höflich verfügte im Oktober 1939 über 15.015 Reichsmark. Vermutlich bestritt die Familie damit ihren Unterhalt. Im Juni 1942 verfügte Nathan Höflich noch über 1.115,41 Reichsmark. Mutter Hilde Höflich hatte bei der Sparkasse Homberg ein Guthaben von 2354,37 Reichsmark. Das Vermögen fiel mit der Deportation an das Reich. Das bewegliche Inventar und Grundeigentum wurde 1942 ebenfalls konfisziert und in der Folgezeit vermietet bzw. verpachtet. 1958 wurden die Immobilien der Familie Höflich an einen privaten Besitzer verkauft. Die zweite von den drei großen zentral organisierten Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel fand am 1. Juni 1942 statt. Am Morgen des 1. Juni 1942 wurden 508 jüdische Kinder, Frauen und Männern aus dem-Bezirk Kassel von der Geheimen Staatspolizei von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Sobibor, Auschwitz, Treblinka Vom „Alten Flughafen“ fuhr der Zug mit Gerda und ihrer Mutter Hilde direkt nach Sobibor weiter, wo er am 3. Juni 1942 ankam. Gerda wurde kurz vor ihrem 10. Geburtstag zusammen mit ihrer Mutter Hilde unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. In dem Zug befanden sich auch Gerdas Cousin Fritz und ihre Cousine und Margarethe Falkenstein. Fritz starb in Majdanek, Margarethe in Sobibor. Ihre Mutter Hanna, Nathans Schwester, und ihr Ehemann Victor wurden über Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Hildes Eltern wurden in Treblinka ermordet. Ihre Schwester Flora Oppenheimer, ihr Ehemann Isidor und 2 Söhne wurden ebenfalls in demselben Zug aus Kassel verschleppt. Die Söhne starben in Majdanek, Flora und ihr Ehemann in Sobibor. 3 weitere Kindern gelang rechtzeitig die Emigration in die USA. Hildes Schwester Rachel wurde im Frühjahr 1943 ebenso in Sobibor ermordet, ihre Schwester Grete 1942 in Treblinka. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website zu Deportationen aus dem Deutschen Reich Website Hassia Judaica - Jüdisches Kleinstadt- und Landleben in Hessen Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018
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