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  • Gruber-Kac | Gedenkweg in Sobibor

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  • Karlsberg | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Moses Karlsberg geboren am 26. April 1865 in Fränkisch Crumbach, Hessen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau: Bertha Emilie Karlsberg geboren am 12. November 1872 in Mainz, Rheinland Pfalz, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Tochter: Ilse Karlsberg, verh. Unna geboren am 16. Dezember 1893 in Hamburg, Deutschland verstorben am 21. Juni 1984 in Givat Haim, Israel Sohn: Ernst Karlsberg geboren am 29. März 1895 in Hamburg, Stadt Hamburg, Deutschland verstorben am 8. Oktober 1935 in Hamburg, Deutschland Sohn: Bernhard Karlsberg geboren am 11. Oktober 1899 in Hamburg, Deutschland verstorben am 18. Januar 1985 in Hoofddorp, Provinz Nordholland, Niederlande Lebensdaten 1865 Geburt in Fränkisch Crumbach 1868 Umzug der Familie nach Hamburg 1882 Ausbildung im Betrieb seines Vaters 1893 Heirat mit Bertha Emilie Simon 1893 Geburt der Tochter Ilse 1895 Geburt des Sohnes Ernst Karlsberg 1897 Übernahme des Postens des Vaters 1897 Kauf eines Hauses als Familienwohnsitz 1899 Geburt des Sohnes Bernhard 1913 Heirat der Tochter Ilse, verheiratete Unna 1917 Notabitur des Sohnes Bernhard 1917 Teilnahme des Sohnes Bernhard am Ersten Weltkrieg 1921 Promotion des Sohnes Bernhard in Jura 1922 Eintritt von Sohn Bernhard in den väterlichen Betrieb 1922 Heirat des Sohnes Ernst mit Nanette Lanzkorn 1922 Heirat des Sohnes Bernhard mit Ilse Heilbronn 1922 Geburt der Enkelin Luise 1923 Geburt der Enkelin Rachel 1925 Geburt der Enkelin Ruth 1926 Geburt des Enkels Walter 1933 Unterbringung der Kinder von Sohn Bernhard in der Schweiz >1933 Sohn Bernhard verteidigt als Jurist KPD-Mitglieder bei Gericht 1935 Haftbefehl gegen Sohn Bernhard wegen Hochverrats 1935 Flucht von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse in die Schweiz 1935 Tod des Sohnes Ernst Karlsberg 1936 Haftbefehl gegen Schwiegertochter Ilse wegen KPD-Mitgliedschaft 1936 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse 1936 Auswanderung von Schwiegertochter Nanette Karlsberg mit den beiden Kindern nach Palästina 1937 Flucht des Sohnes Bernhard in die Niederlande 1937 Nachzug der Schwiegertochter Ilse und der drei Enkelkinder in die NL 1938 Kündigung des Postens als Mitinhaber und Direktor 1938 Verteilung des Vermögens an die Kinder und Geschwister 1938 Nichtinanspruchnahme des englischen Dauervisums 1938 Auswanderung in die Niederlande, zusammen mit Ehemann Moses 1938 Emigration der Tochter Ilse mit ihrem Ehemann nach Palästina 1940 Sohn Bernhard geht in den niederländischen Untergrund 1940 Verhaftung der Schwiegertochter Ilse Karlsberg 1941 Die Kinder von Bernhard und Ilse Karlsberg gehen in den Untergrund 1941 Ihre Schwester Alice wird mit ihrem Ehemann nach Litzmannstadt verschleppt, das weitere Schicksal ist unbekannt 1942 Verschleppung der Schwiegertochter Ilse nach Theresienstadt 1942Tod seiner Schwester Bella im Altersheim in Bremen 1942Deportation seiner Schwester Leopoldine nach Theresienstadt, später nach Treblinka 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Tod der Schwiegermutter von Sohn Bernhard in Sobibor 1943 Deportation und Tod in der Mordstätte Sobibor 1944 Verschleppung und Tod der Schwiegertochter Ilse in der Mordstätte Auschwitz - Birkenau nächste Schwiegertochter Ilse Mathilde Karlsberg Biografie Moses, Rufname Moritz, Karlsberg wurde 1865 im südhessischen Fränkisch-Krumbach als einziger Sohn des Kaufmanns Bernhard Karlsberg und seiner Ehefrau Louise, geb. Moos, geboren. Er hatte drei Schwestern, Bella, Ida und Leopoldine. Bella starb im Februar 1942 im jüdischen Altersheim in Bremen. Leopoldine wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt und später nach Treblinka verschleppt und dort ermordet. Ida Karlsberg starb bereits im Alter von etwa 20 Jahren. 1868 zog die Familie in die norddeutsche Großstadt Hamburg. Hier besuchte er die jüdische Schule und später die Gelehrtenschule des Johanneums, zusätzlich erhielt er Unterricht in Hebräisch und Religion. Anschließend trat er mit 17 Jahren die Lehre im väterlichen Geschäft an. Die deutsche Vertretung der Cunard Steam Ship Company, der ältesten Nordatlantikroute, lag seit 1849 in den Händen der Familie. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Moritz 1897 dessen Position. Gründung der eigenen Familie 1890 lernte Moritz Karlsberg seine spätere Ehefrau Bertha Emilie aus Mainz in Hamburg kennen. Zwei Jahre später verlobten sie sich und heirateten 1893 in Frankfurt. Im selben Jahr erblickte auch ihre Tochter Ilse das Licht der Welt. Nach dem Tod seines Vaters Bernhard, kaufte er ein Haus für die Familie in der Klosterallee 8, wo er mit seiner Familie 28 Jahre lang lebte. Dort wuchsen die drei Kinder der Familie auf. Moritz und Emilie engagierten sich unter anderem in der Henry-Jones-Loge, dem Humanitären Frauenverein und in der jüdischen Gemeinde. Soziales Engagement war schon seinem Vater wichtig und er setzte dies fort. Moritz Karlsberg baute eine der größten Passagier-Agenturen auf dem europäischen Kontinent für die britische Cunard-Linie aus. Sein Sohn Bernhard arbeitete ab 1922 ebenfalls in der Firma. Flucht in die Niederlande und Deportation Moritz leitete die Agentur bis ins Frühjahr 1938. Nach der Anfrage der Nationalsozialisten an die Cunard-Line Gesellschaft ob die Leitung des Betriebes in arischen Händen sei, kündigte Moritz seine Stellung als Mitinhaber und Direktor. Von seinem Dezernenten aus Liverpool erhielt er Unterstützung. Man plante gemeinsam seine Auswanderung nach England. Sein Vermögen verteilte er unter seinen Kindern und Geschwistern. Moritz und seine Frau hatten ein Dauer- Visum für England. Im August 1938 verließen sie Hamburg. Moritz und Emilie gingen aber nicht in das letztlich sichere England, sondern zogen zu ihrem Sohn Bernhard in die Niederlande. Moses Moritz und Bertha Emilie Karlsberg wurden am 20. Juni 1943 in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Sie wurden mit dem 19. Transport, der das Lager Westerbork in Richtung der deutschen Mordstätte Sobibor im heutigen Polen verließ, am 20. Juli 1943 deportiert. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 71 und 78 Jahre alt. In diesem Transport befanden sich weitere 2007 Menschen, keiner dieser Menschen überlebte. Moses und Bertha Karlsberg wurden am 23. Juli 1943 unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Tochter Ilse Karlsberg Sie heiratete 1913 den 1888 in Altona geborenen Zahnarzt Alfred Unna. Dem Paar gelang es, im September 1938 nach Palästina auszuwandern. Ilse Unna verstarb 1984 in Israel. Sohn Ernst Karlsberg Er legte 1917 seinem Notabitur ab und diente noch im 1. Weltkrieg, unter anderem als Übersetzer. Nach dem Krieg begann er sein Studium in Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Berlin, Kiel, München und Hamburg. 1921 promovierte er und nahm eine Anstellung in der Firma seines Vaters an. Er betätigte sich politisch in der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1922 heiratete die ebenfalls aus Hamburg stammende Kindergärtnerin Ilse Heilbronn. Das Paar bekam in den nächsten vier Jahren drei Kinder, Rahel wurde 1923 geboren, Ruth 1925 und Walter 1926. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verteidigte Bernhard Karlsberg politische Gefangene. 1934 wurde wegen des Verdachts des Hochverrats ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Seine 10-, 8- und 7-jährigen Kinder hatte er bereits vorsorglich in die Schweiz geschickt. Er selbst floh im Januar 1935 und seine Frau wenige Monate später ebenfalls in die Schweiz. Ehefrau und Kinder flohen weiter nach Prag. Bernhard versuchte währenddessen eine Arbeitsgenehmigung in Frankreich oder in den Niederlanden zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde ihm und seiner Frau die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Auch gegen seine Ehefrau Ilse wurde Haftbefehl erlassen, ihr wurde die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zur Last gelegt. 1937 gelang es Bernhard eine Arbeitserlaubnis als Rechtsanwalt in den Niederlanden zu bekommen. Er zog nach Amsterdam und wenige Monate später konnten auch seine Frau und die drei Kinder nachkommen. Seine Schwiegermutter Franziska Heilbronn zog im Februar 1939 ebenfalls nach Amsterdam. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten ging Bernhard in den Untergrund, da der Haftbefehl von 1935 noch immer galt, er engagierte sich im Widerstand. Er überlebte. Die Ehefrau Ilse Mathilde Karlsberg lebte weiter in der Legalität, sie wollte für ihre Mutter und die Schwiegereltern sorgen. Im September 1940 wurde Ilse verhaftet und 1941 ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel gebracht. Nach einigen Wochen wurde sie unter der Auflage von Hausarrest entlassen und wohnte in Hamburg. Am 20. Juli 1942 wurde sie nach Theresienstadt verschleppt und am 19. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam. Die drei Kinder wurden 1940 in ein Flüchtlingslager für deutsch-jüdische Kinder nach Wieringen gebracht. Als das Lager 1941 geschlossen wurde, lebten die Kinder im Untergrund. 1943 wurden die beiden Mädchen Ruth und Rachel an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten verhaftet und nach Westerbork verschleppt. Mit der Hilfe des Vaters und von Freunden konnten sie jedoch fliehen und lebten anschließend wieder im Untergrund, wo auch ihr Bruder Walter den Krieg überlebte. (Eine Aussage der Enkelin Rachel zeigt, wie dramatisch sich für sie die Realität tatsächlich gestaltete. Siehe unten) Die Schwiegermutter von Ilse Karlsberg, Franziska Heilbronn wurde über Westerbork nach Sobibor verschleppt, wo sie am 16. Juli 1943 ermordet wurde. Aussage der Enkelin Rachel zu ihrer geplanten Deportation aus Westerbork Rachel stand für den 4. Februar 1944 auf der Transportliste von Westerbork nach Auschwitz. Sie hatte bereits den Waggon bestiegen, sprang aber wieder hinaus und landete direkt vor den Füßen des Kommandanten von Westerbork. Sie bat ihn höflich nicht mitfahren zu müssen. Der Kommandant schickte sie tatsächlich wieder zurück in ihre Baracke. Beim nächsten Transport, für den sie vorgesehen war, versteckte sie sich in einer nahegelegenen Toilette. Danach konnte sie für zwei Tage im Lager untertauchen. Mit Hilfe anderer Menschen konnte sie fliehen und in den Untergrund gehen. Aus: Interview USC Shoa Foundation mit Rahel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website zu Stolpersteinen aus Hamburg Website Joods Monument Interview USC Shoa Foundation mit Rachel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey

  • Glasbeek-Fles | Gedenkweg in Sobibor

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  • Veernan-Sjouwerman | Gedenkweg in Sobibor

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  • Braunsberg, geborene Stern | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Emilie Braunsberg geboren am 1. Juni 1892 in Betziesdorf, bei Kirchhain/Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann Braunsberg, Viktor geboren am 29. März 1887 in Breuna, Kreis Kassel, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1892 Geburt in Betziesdorf 1919 Heirat mit Viktor Braunsberg aus Breuna 1930ger Flucht zwei ihrer Brüder in die USA 1938 Inhaftierung für einen Tag 1938 Einquartierung der Familie Hamberg in ihrem Haus 1939 Selbstmord ihres Vater Moses Stern 1942 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Viktor Braunsberg, Emilies Ehemann Biografie In Betziesdorf bei Kirchhain, dem Geburtsort von Emilie Braunsberg, lebten Juden bereits ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Eltern von Emilie Braunsberg waren Moses und Emma Stern, geborene Katz. Emilie Braunsberg hatte mindestens zwei Brüder, Julius und Henry/Harry, die in die USA ausgewandert sind. Emilie Braunsberg wohnte mit ihrem Ehemann Viktor im Geismarweg 42 in Breuna; sie besaßen ein Wohnhaus, ein Gartengrundstück und einen Acker. Die Familie Braunsberg betrieb ein Stoff- und Kurzwarengeschäft. Ihr Ehemann Viktor Braunsberg engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde und leitete bis 1932 den Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chevroth. Von ihrer Nichte Hannah Altbush wurde Emmi Braunsberg als intelligente und warmherzige Frau beschrieben, sie hatte die Tante hin und wieder besucht. Beim Abschiedsbesuch vor ihrer Auswanderung schenkte ihr Emmi einen Diamantring. Die Reichspogromnach 1938 In Breuna, dem Wohnort des Ehepaares, lebten zwei jüdische Familien. Am Tag der Reichspogromnacht versteckten sich Emmi Braunsberg und ihre alten Schwiegereltern bei ihren jüdischen Nachbarn, der Familie Hamberg im Kirchweg 6 vor den gewalttätigen Nazi-Horden. Das Haus der Hambergs wurde verwüstet und demoliert. Hermann Hamberg, konnte durch einen Hinterausgang in die Felder flüchten. Die Verbliebenen wurden im benachbarten Volkmarsen für einen Tag in Schutzhaft genommen. Am nächsten Tag wurden Frauen und Kinder entlassen, die Väter der beiden Familien, Viktor Braunsberg und Moritz Hamberg in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Von dort kehrten sie nach einigen Wochen in ihr Dorf zurück. 1938 wurde die Familie Hamberg aus dem Kirchweg 6 bei der Familie Braunsberg im Geismarweg 42 einquartiert, ihr eigenes Haus war wegen eines Feuerschadens für Jahre nur noch teilweise bewohnbar. Viktor Braunsberg und Moritz Hamberg hatten sich zur Zwangsarbeit im Straßenbau in Kassel zu melden. Emilies Vater Moses Stern beging am 24. Mai 1939 Selbstmord. Viktor und Emilie Braunsberg wollten bei Viktors alten Eltern in Breuna bleiben, erst nach deren Tod 1939/1940, bemühten sie sich um ein Visum für die USA. Die Deportation von Kassel nach Sobibor Für die zweite von den drei großen zentral organisierten Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel standen sechs Personen aus Breuna auf der Deportationsliste. Neben der Familie Hamberg waren das Viktor Braunsberg und seine Frau Emilie. Zum 31.5.1942 wurden die Familien Hamberg und Braunsberg in die ‚Sammelstelle‘ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren fünfzig Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Die Braunsbergs wurden am Morgen des 1. Juni 1942, Emmis 50. Geburtstag, mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem-Bezirk Kassel der Geheimen Staatspolizei von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Jüdinnen und Jude für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und hier wurden die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Dieser Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor weiter, wo er am 3. Juni 1942 ankam; ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto. Emmi und Viktor Braunsberg aus Breuna wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Website Alemmannia Judaica Breuna Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Magistrat der Stadt Kassel – Stadtarchiv, Hg., Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945 Lebenserinnerungen Irmgard Meyer, geborene Hamberg, 1988 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang Prinz, Ein Gedenkbuch, 1982 Die Familie Hamberg aus Breuna, jimh.lima-city.de Interviews: Interview mit Hannah Altbush, USC Shoa Foundation; 20.3.1996 in Rye Brook, New York, USA Interview mit Ilse Greening, USC Shoa Foundation; 21.4.1996 in Sarasota, Florida, USA Interview mit Irma Meyer, geb. Hamberg, USC Shoah Foundation; 21.5.1997, Pennsylvania, USA - online verfügbar

  • Bruinvels-van Gelder | Gedenkweg in Sobibor

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  • Mordstätte | Gedenkweg in Sobibor

    Sobibór ist ein kleines Dorf in Ostpolen. Es liegt nicht weit vom Bug entfernt, dem Grenzfluss zwischen Polen, der Ukraine und Weißrussland. Die Bahnstation Sobibór liegt etwa acht Kilometer vom Dorf Sobibór entfernt an der Bahnlinie zwischen Chełm und Włodawa. Zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 wurden im deutschen Mordlager Sobibor 180.000 Jüdinnen und Juden in durch Motorabgase ermordet. Das Mordlager Sobibor Geschichte der Mordstätte Lagebereiche Die Täter Ermordung der Jüd*innen Die jüdischen Gefangenen Transporte Öffentlichkeit und Bereicherung Flucht und Widerstand Nachkriegsprozesse Lagebereiche Die Täter Ermordung der Jüd*innen Die jüdischen Gefangenen Transporte Öffentlichkeit und Bereicherung Geschichte der Mordstätte Sobibor Sobibór ist ein kleines Dorf in Ostpolen. Es liegt nicht weit vom Bug entfernt, dem Grenzfluss zwischen Polen, der Ukraine und Weißrussland. Die Bahnstation Sobibór liegt etwa acht Kilometer vom Dorf Sobibór entfernt an der Bahnlinie zwischen Chełm und Włodawa. Bis 1942 befand sich in diesem abgelegenen, waldreichen und sumpfigen Gebiet eine kleine Wohnsiedlung für Beschäftigte der polnischen Eisenbahngesellschaft und der Forstverwaltung. Aufbau des Mordlagers Im Spätherbst 1941 beobachteten polnische Eisenbahner wiederholt, dass sich die deutschen Besatzer für das Gebiet interessierten. Sie untersuchten das Gelände und nahmen Vermessungen vor. Tatsächlich begannen dann im Februar 1942 auf dem Gelände gegenüber dem Bahnhof Sobibór Bauarbeiten. Sie dienten der Errichtung des zweiten Mordlagers der „Aktion Reinhardt“. Das erste Mordlager existierte bereits: Ab Mitte März 1942 wurden im 160 Kilometer entfernten Bełżec Jüdinnen und Juden in Gaskammern ermordet. Nach Belzec und Sobibor entstand eine dritte Mordstätte der „Aktion Reinhardt“. Diese lag in Treblinka. Das Morden begann dort, ebenfalls mit Gas, wenige Monate später im Juli 1942. In diesen drei Mordlagern der Aktion Reinhardt wurden insgesamt mindestens 1,5 Millionen Jüdinnen und Juden getötet. Die ersten Bauarbeiten zur Errichtung der Mordstätte Sobibor beaufsichtigte Richard Thomalla, Leiter der SS-Zentralbauleitung in Zamość. Die deutsche Zivilverwaltung des Kreises Cholm (deutsche Bezeichnung für die polnische Stadt Chełm) stellte das Material zur Verfügung: Pfähle, Barackenteile, Ziegel und Stacheldraht. Weitere Baustoffe wurden durch den Abriss jüdischer Wohnhäuser beschafft. Bei den Aufbauarbeiten wurden Juden eingesetzt, die man aus den Ghettos und Zwangsarbeitslagern der Umgebung heranzog. Die Bauern der Umgebung wurden beauftragt, mit ihren Fuhrwerken das Baumaterial ins spätere Lager zu transportieren. Einige wenige Gebäude nahe der Bahnstation wurden ins Lager integriert. Ein als Postamt dienendes Haus wurde zur Unterkunft für die deutschen Täter genutzt, ein Forsthaus als Verwaltungsgebäude. Auf dem Gelände der Mordstätte befand sich zudem eine katholische Holzkapelle, die zuvor von den Anwohnerinnen und Anwohnern der Umgebung genutzt wurde. Lager III 1 Gebäude mit den Gaskammern 2 Wohnbaracke jüd. Sonderkommando Lager III 3 Küche Lager III 4 Leichenverbrennung 5 Bereich der Massengräber Lager III Weitere Bauten S 1 Bahnhofsgebäude S 2 Wachtürme S 3 Kapelle aus der Vorkriegszeit (Erschießungsstelle) weitere Bauten Vorlager 1 Wache 2 Z ahnarzt/Arrestzelle Trawniki 3 Neu es Kasino 4 Garage/Friseur der Lager-SS 5 Waschraum der Lager-SS 6 Wäscherei 7 Altes Kasino 8 'Schwalbennest', diente als Unterkunft 9 Magazin und Bügelstube der Lager-SS 10 Unterkunft Trawniki 11 Altes Posthaus (existiert noch) 12 Munitionslager 13 – 15 Unterkunft Trawniki 16 Kasino Trawniki 17 Unterkunft für Zugführer Trawniki Vorlager Lager II 1 Ehemaliges Forsthaus 2, 3 Lebensmittelmagazine 4 Schweinestall 5 Pferdestall 6 Scheune 7 Wirtschaftsgebäude 8 Schuhmagazin 9 Feuermeldeturm 10 – 15 Sortierbaracken 16 Abgabe Handgepäck 17 Haarschneidebaracke 18 Wachturm 19 Auskleideplatz 20 „Schalter“ am Eingang zum „Schlauch“ Lager II Lager I 1 evtl. Werkstatt oder Toiletten 2 – 4 Werkstätten 5 Bäckerei 6 Schusterei Trawniki 7 Werkstatt 8 Baracke Frauen 9 Küche Lager I 10, 11 Baracken Männer 12 Malerwerkstatt Lager I Die Lagerbereiche Das Areal der Mordstätte Sobibor war anfänglich etwa 600 Meter lang und 400 Meter breit, im Sommer 1943 wurde das Gelände auf 1000 mal 400 Meter erweitert. ... mehr ... mehr über Die Täter Mitte April 1942 wurden etwa zwanzig Deutsche unter der Leitung von Franz Stangl von Berlin nach Sobibor abkommandiert. ... mehr ... mehr über Die Ermordung der Jüdinnen und Juden Die Mordaktionen in Sobibor begannen ab Anfang Mai 1942. Die Züge mit den in den Güterwaggons eingepferchten Jüdinnen und Juden beendeten ihre Fahrt auf dem öffentlichen Bahnhof Sobibór. Die Waggons wurden auf ein Nebengleis rangiert und abgestellt. Da die Bahnrampe an der Mordstätte zu kurz war, mussten die Züge auf diesem Nebengleis geteilt werden: Es wurden jeweils fünfzehn Waggons abgekoppelt und in das Lager geschoben. Dort wurden die Türen der Waggons geöffnet und die Menschen mit Gewalt und Geschrei auf die Rampe gejagt. Sie sollten keine Möglichkeit haben, sich zu orientieren, ihre Situation zu erfassen, das Geschehen bewusst wahrnehmen und einordnen können. Es wurde künstlich eine gehetzte, aufgeregte Situation geschaffen. Die Familien wurden auseinandergerissen, die Männer von Frauen und Kindern getrennt. Oft hielt ein deutscher Täter dann eine beruhigende heimtückische Rede. Nach dem Krieg schilderte der Sobibór-Überlebende Dov Freiberg den Wortlaut einer solchen Rede: „Da es zurzeit Krieg gibt, müssen alle arbeiten und sie werden alle zu Arbeit gefahren. Es wird ihnen gutgehen. Alte und Kinder werden nicht arbeiten, aber sie werden trotzdem genug zu essen haben. Sie müssen alle auf Reinlichkeit achtgeben und deshalb müssen sie zunächst baden. Die Ausländer pflegten dann mit den Händen zu klatschen. In späterer Zeit, als Transporte von polnischen Juden ankamen, die gewusst haben, dass sie umgebracht werden, haben sie laut geklagt und geschrien. Da hat er gesagt; 'Ruhe, ich weiß, dass ihr schon sterben wollt, aber es wird euch nicht so leicht gemacht, vorher müsst ihr noch arbeiten…' und auf diese Art hat er sie durcheinandergebracht.“ Zuerst wurden die Frauen mit den Kindern von der Bahnrampe zum Auskleideplatz im Lager II eskortiert, wo sie ihre Kleidung und Schuhe ablegen mussten. Danach wurden sie auf dem umzäunten Weg zu den Gaskammern getrieben. In den Gaskammern wurden sie mit den Abgasen eines Dieselmotors erstickt. Jüdische Gefangenen mussten die Körper der Ermordeten aus den Kammern ziehen, ihnen die Goldzähne entfernen und zu riesigen Leichengruben tragen. Menschen, die nicht mehr aus eigener Kraft von der Bahnrampe zu den Gaskammern gehen konnten, wurden anfänglich mit Fuhrwerken in die Nähe der auf dem Lager befindlichen Holzkapelle gefahren und dort an einer Grube erschossen. Im Juni 1942 wurde eine Schmalspurbahn gebaut, mit der die nicht mehr gehfähigen Menschen ins Lager III gebracht wurden. Ebenso wurden schwere Gepäckstücke mit dieser Bahn in das Lager II transportiert. Zwei bis drei Stunden nach Ankunft auf der Rampe war die Mordaktion abgeschlossen., die Jüdinnen und Juden ermordet und in den Leichengruben verscharrt. Währenddessen mussten die jüdischen Gefangenen des „Bahnhofskommandos“ bereits die leeren Waggons reinigen. Die jüdischen Gefangenen Von den in Sobibor eingetroffenen Jüdinnen und Juden suchten die SS-Männer einzelne Deportierte zur Arbeit aus. Bis zu 650 Gefangene mussten in verschiedenen Arbeitskommandos arbeiten. ... mehr ... mehr über Transporte Von den etwa 180.000 Jüdinnen und Juden, die in Sobibor ermordet wurden, kamen etwa 100.000 aus dem sogenannten Generalgouvernement, der von Deutschland besetzte Teil Polens ... mehr ... mehr über Die Öffentlichkeit und deren Bereicherung Das Mordgeschehen in Sobibór war in der Region nicht zu verheimlichen. Unter den jüdischen Ghettobewohner*innen, der polnischen Zivilbevölkerung und den deutschen Besatzern verbreiteten sich schnell Informationen und Gerüchte. Auf der öffentliche Bahnstation Sobibór hielten turnusmäßig vier Mal täglich Personenzüge. Nur wenige Meter von der Station entfernt begann die Umzäunung des Mordlagers. Ein Buffet im Bahnhofsgebäudes wurde auch von den deutschen Tätern und Trawniki besucht. Als ab Herbst 1942 die Körper der Ermordeten auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, legte sich ein furchtbarer Gestank über die gesamte Umgebung. Je nach Windrichtung war er noch in der zehn Kilometer entfernten Stadt Włodawa wahrnehmbar. Der dort lebende Reichsdeutsche Paul Winkler sagte später dazu: „Dass sich in Sobibór ein Vernichtungslager befand, war mir, wie auch jedem anderen in Wlodawa bekannt. Wenn man von Cholm nach Wlodawa mit der Bahn fuhr, konnte man die Judentransporte, tausende und zehntausende nach Sobibór fahren sehen. Nachts sah man von Wlodawa aus dem Feuerschein von Sobibór, außerdem bemerkte man einen eigenartigen Geruch. Es war bekannt, dass die Juden dort vernichtet wurden." Der Handel mit den geraubten Wertsachen der Ermordeten bescherte der Region um Sobibór einen plötzlichen Wohlstand. Vor allem die Trawniki tauschten in den umliegenden Orten das Raubgut aus dem Lager gegen Alkohol, Lebensmittel. Sie waren gerne gesehene Gäste. Es entstanden sogar Liebschaften zwischen Anwohnerinnen und Trawniki. Es tauchten Händler auf, um von den Trawniki Gold, Geld und Schmucksachen zu erwerben. Prostituierte boten ihre Dienste an. Auch die deutschen Täter bereicherten sich an den geraubten Gegenständen der ermordeten Jüdinnen und Juden. Stand ein Heimaturlaub bevor, organisierten sie sich Koffer voll mit Wertsachen, Schmuck, Geld, Kleidung und Spielzeug. Sie ließen sich von Gefangenen Gemälde und Zeichnungen als Mitbringsel anfertigen. Inhaftierte Jüdinnen mussten für die Kinder der SS-Männer Kleidung nähen und Puppen anfertigen. Eda Lichtman beschrieb das so: „Wir haben Pakete vorbereitet, Kleiderpakete, fast für alle Offiziere und unter den Paketen gab es sehr schöne Sachen, auch Puppen für ihre Kinder, die die Kinder mit sich nach Sobibór genommen hatten um danach mit ihren Eltern zusammen in den Tod zu gehen. Sie nahmen alle Puppen, sie sagten uns, alles aus den Lagerhallen heraus zu holen, in Ordnung zu bringen, schöne Kleidung für die Puppen zu nähen, und sie anzuziehen, das war das Einzige, was Ihnen noch gefehlt hatte…. Wir taten natürlich alles was sie sagten, aber zum Schluss hatten wir sehr viel Leid und ein großer Schmerz erfüllte unsere Herzen. Wir sahen aber, dass sie großes Interesse daran hatten, Pakete mit nach Hause zu nehmen. Jeder Deutsche, der zu einem Heimaturlaub gefahren ist, wollte für sich schöne Sachen mitbringen und diese waren bei uns in den Lagerhallen. Wir haben für sie Uniformen der Hitlerjugend genäht und sie waren so sehr glücklich und jeder deutsche Offizier hat sich mit guten Paketen ausgerüstet.“ Bei einigen deutschen Tätern, wie z.B. Hubert Gomerski und Johann Niemann ließ sich nach dem Krieg nachweisen, dass sich auf ihren Sparkonten ungewöhnlich viel Geld angesammelt hatte. Flucht und Widerstand Die ständige Androhung und Erfahrung von Gewalt sollten sowohl die im Lager neu Eintreffenden als auch die jüdischen Zwangsarbeiter*innen davon abhalten, Widerstand zu leisten. ... mehr ... mehr über Nachkriegsprozesse Der deutsche Täter Erich Bauer aus Sobibor wurde im August 1949 von den Überlebenden Ester Raab und Samuel Lerer in Berlin auf einem Rummelplatz erkannt. Das Berliner Landgericht verurteilte ihn ... mehr ... mehr über Flucht und Widerstand Nachkriegsprozesse

  • Klijn de | Gedenkweg in Sobibor

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  • Quellen | Gedenkweg in Sobibor

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  • Bildungswerk | Gedenkweg in Sobibor

    Informationen zur Arbeit des Bildungswerks Stanisław Hantz Bildungswerk Stanisław Hantz Stanisław Hantz 1995 fuhren wir erstmals mit unserem Namensgeber Stanisław Hantz zu den Gedenkstätten in Auschwitz-Birkenau. In beeindruckender Offenheit erinnerte sich der Überlebende an das Lagerleben und brachte uns Geschichte auf seine sehr persönliche Art nahe. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen, seinen Erinnerungen an die Zeit in Auschwitz. Von Hunger und Durst, von Trauer und Todesangst. Und auch von Hilfe und Solidarität. vom Lachen, von den Witzen und Scherzen in seinem Arbeitskommando. Von den Menschen, denen er in Auschwitz begegnete, von Freunden und Peinigern. Frei von einfachen Freund- und Feindbildern. So konnten bei ihm Täter auch Angst haben und Opfer sich von ihren dunkelsten Seiten zeigen. Und dennoch blieb die Klarheit, dass sich die Grenzen zwischen Tätern und Opfern niemals aufheben. Und er erzählte uns davon, wie er mit der Vergangenheit lebte, und wie diese seine Gegenwart prägte. Mit seinem besonderen Weg seine Vergangenheit zu betrachten, hat Stanislaw Hatz uns sehr schnell für sich eingenommen. Seine Sichtweise hat uns und unsere Arbeit geprägt. Im Sommer 2008 starb Stanisław Hantz nach einer schweren Herzoperation in Krakau. Auf dem Weg in die Klinik besuchte er ein letztes Mal Auschwitz. Unsere Schwerpunkte Seit 1995 unternehmen wir Bildungsreisen mit Interessierten zu Stätten des Holocaust: Auschwitz-Birkenau, Lodz, Treblinka, Belzec, Sobibor, Majdanek, Izbica Lemberg, Wilna und Bialystok. Unsere Bildungsreisen geben Antworten und werfen gleichzeitig Fragen auf. Von großer Bedeutung für unsere Bildungsarbeit waren und sind die Kontakte zu Überlebenden deutscher Konzentrations- und Vernichtungslager. Die meisten der Häftlinge, mit denen wir Kontakt hatten, sind mittlerweile verstorben. Unsere Bildungsreise nach Lodz und zur Mordstätte Chelmno wird von dem ehemaligen Häftling Leon Weintraub begleitet. Leon Weintraub ist 97Jahre alt und eine große Bereicherung für diese Veranstaltung. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit sind unsere Veröffentlichungen von Autobiografien und Ausstellungen zu Aspekten des Holocausts. Mit den Veröffentlichungen der Überlebendenberichte wollen wir dazu beitragen ihre Erfahrungen zu erhalten. Im Rahmen unserer Arbeit, vor allem unserer Bildungsreisen, haben sich in verschiedenen Orten des Holocaust zahlreiche Kontakte zu Museen, Vereinen und Schulen ergeben. Daraus resultierten und resultieren vielfältige Formen der Zusammenarbeit, wie gemeinsame Veranstaltungen und Veröffentlichungen oder Unterstützung bei der Installation von neuen Gedenkorten. So haben wir in BeƗzec die Renovierung der ehemaligen SS-Kommandantur mit unterstützt. In Sobibor haben wir den Weg mit Gedenksteinen. In Treblinka waren wir an der Schaffung eines Gedenkortes am ehemaligen Bahnhof beteiligt. In Izbica, Chełm, Zamość und Auschwitz gibt es Kooperationen mit Schülerinnen und Schülern, die sich mit der Geschichte ihrer Orte befassen. Unsere Aufgaben für die Zukunft Eine große Aufgabe ist und bleibt für uns die Erinnerungsarbeit. Immer mehr steht dabei im Mittelpunkt, wie dies ohne Überlebende gut und überzeugend umgesetzt werden kann. Als Weg dorthin zeichnet sich ein solides Fachwissen unserer Referentinnen ab, immer kombiniert mit den Biografien der Überlebenden. Wir sehen die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht als Geschichtsunterricht, sondern vor allem als Möglichkeit, die Welt zu verstehen, daraus Schlüsse zu ziehen und sein Verhalten zu entwickeln. Wir sehen uns als Nachkriegsgeborene nicht in der Schuld, sondern in der Verpflichtung Verantwortung für unsere deutsche Geschichte zu übernehmen. Wir wollen die Erinnerung und das Wissen wachhalten und in der Gegenwart nutzen. Unsere Bildungsarbeit lebt zum einen von unserem ehrenamtlichen Engagement. Zum anderen lebt sie von zahlreichen Spenden. Vor allem aber lebt sie aufgrund eines weit verzweigten Netzes von UnterstützerInnen, die unsere Arbeit erst möglichen machen. Für das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. ist der Umgang mit der Vergangenheit im Land der Täter von damals und der Nazi Ideen von besonderem Interesse und nimmt uns in die Verantwortung. Als Nachkriegsgeborene geht es bei uns nicht um persönliche Schuld und Verstrickungen. Im Vordergrund steht für uns Verantwortung für die deutsche Geschichte zu übernehmen, die Erinnerung wach zu halten und dieses Wissen in die Gegenwart einfließen zu lassen. Weitere Informationen finden sich auf unserer Homepage Januar 2024

  • Gedenkstätte | Gedenkweg in Sobibor

    Nach dem Aufstand und der Flucht von etwa 360 jüdischen Gefangenen am 14. Oktober 1943 begannen die deutschen Täter das Mordlager Sobibor unverzüglich aufzulösen und die Spuren des Massenmordes zu verwischen. Viele Jahre nach dem Krieg blieb das Gelände sich selbst überlassen. Besucher*innen fanden vor Ort keine Informationen darüber, dass hier in der Zeit zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 etwa 180.000 Jüdinnen und Juden ermordet worden waren. Die Geschichte der Gedenkstätte Die Gedenkstätte Die Geschichte der Gedenkstätte Erste Untersuchungen Das Gelände bleibt sich überlassen Der lange Weg zu einer Gedenkstätte Die Gedenktätte wird eröffnet Das Verschweigen der Jüdinnen und Juden Die vergessene Gedenkstätte? Neuanfang in den 1990er Jahren Um- und Neugestaltung der Gedenkstätte Die neue Gedenkstätte Die Geschichte der Gedenkstätte Nach dem Aufstand und der Flucht von etwa 360 jüdischen Gefangenen am 14. Oktober 1943 begannen die deutschen Täter das Mordlager Sobibor unverzüglich aufzulösen und die Spuren des Massenmordes zu verwischen. Die im Lager zurückgebliebenen etwa 280 Gefangenen wurden von Deutschen unmittelbar nach dem Aufstand ermordet. Für die Arbeiten zur Auflösung des Lagers wurden jüdische Gefangene aus dem Mordlager Treblinka herangeschafft. (I) Sie wurden nach Beendigung der Abbrucharbeiten Ende November oder Anfang Dezember 1943 ebenfalls erschossen. Die Gebäude im Lager III, also dem Bereich, in dem die Jüdinnen und Juden ermordet und verscharrt worden waren, waren abgerissen und die Gaskammern gesprengt worden. Im Lager II, in dem sich die großen Magazine mit der geraubten Habe befunden hatten, standen jetzt nur noch die Gebäude des sogenannten Erbhofs. Als „Erbhof“ bezeichneten die Deutschen landwirtschaftliche Gebäude, wie die Schweine- und Pferdeställe und die Scheune. Auch die Baracken, die sich in Lager I befunden hatten, waren abgetragen worden. Hier waren die Werkstätten und Unterkünfte für die jüdischen Gefangenen. Lediglich im ehemaligen Wohn- und Freizeitbereich der deutschen Täter, dem sogenannten Vorlager, blieben alle 17 Gebäude erhalten. Danach folgte die letzte Phase der Tarnung der Mordstätte: sie wurde bepflanzt. Der polnische Bahnarbeiter Jan Krzowski beobachtete damals: „Dort wo das Lager sich befunden hatte, wurde der Boden umgepflügt, anschließend geeggt […] und dann wurde ein Nadelwald gepflanzt.“ (II) 28. Mai 1944: Auf der Luftaufnahme der Wehrmacht ist zu erkennen, das auf dem Areal von Sobibor noch Gebäude stehen. Das ehemalige Lagergelände ist rot umrandet. Die unterbrochene Linie markiert den Bereich des Lager IV. Foto: United States National Archives and Records, Administration, College Park/Maryland, GX 8102 Ab Januar 1944 wurden dann einige Dutzend Zwangsarbeiter des „Baudienstes“ in die Gebäude der ehemaligen Mordstätte einquartiert. Am 20. Juli 1944 erreichte die 1. Weißrussische Front der Roten Armee den Fluss Bug. In den folgenden Tagen befreiten sie die gesamte Region um Sobibór. Schon am 22. und 23. Juli 1944 begannen Angehörige der sowjetischen Armee die Bewohner*innen aus den umliegenden Dörfern zu den Geschehnissen in der Mordstätte zu befragen und erstellten Berichte. In den darauffolgenden Monaten gab es weitere Begehungen des ehemaligen Mordlagers durch Angehörige der Roten Armee. 19. August 1944: Eine Untersuchungskommission der Roten Armee besuchte Sobibor und machte Aufnahmen von dem ehemaligen Lagergelände. Das Bild zeigt die Reste des Nebengleises in das Mordlager und die Rampe, auf der Jüdinnen und Juden aus den Waggons getrieben wurden. Foto: Russische Historische Gesellschaft – www.historyrussia.org 19. August 1944: Eine Untersuchungskommission der Roten Armee besucht Sobibor und macht Aufnahmen von dem ehemaligen Lagergelände. Das Bild zeigt das Wachhaus am Eingangstor zum Mordlager. Foto: Russische Historische Gesellschaft – www.historyrussia.org Kurz nach der Befreiung wurde das Gelände um den Bahnhof von Sobibór ab Oktober 1944 zu einem Sammelplatz für Angehörige der ukrainischen Minderheit, die von hier aus mit Zügen in die UdSSR umgesiedelt wurden. Die noch bestehenden Gebäude des ehemaligen Mordlagers wurden von Umsiedler*innen für Brennmaterial zum Heizen und Kochen zerlegt. Auch andere Materialien wie Holz wurden als Baumaterial mit in die UdSSR genommen. Die lokale Bevölkerung nutzte die ehemaligen Lagergebäude als Baustoffdepot. Letztendlich blieben nur zwei Häuser im Bereich des ehemaligen „Vorlagers“, dem Wohnbereich der deutschen Wachmannschaft, stehen. Zum einen war dies das sogenannte „Alte Casino“, das u. a. dem Lagerkommandanten Franz Reichleitner als Unterkunft gedient hatte, sowie das Gebäude, in dem in der Vorkriegszeit die örtliche Post untergebracht war. In diesem Haus hatten zur Lagerzeit ebenfalls deutsche Täter gewohnt. (III) Das Gebäude, das die Deutschen als Casino bezeichneten, wurde erst nach 1984 abgerissen. Das ehemalige Postgebäude ging wie das restliche Gelände des „Vorlagers“ in private Hand über, während das bewaldete Gelände und die Freifläche mit den Massengräbern den lokalen Forstbehörden übergeben wurden. Die ersten Untersuchungen in Sobibór Am 28. September 1945 bat die „Hauptkommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen in Polen“ die Kreisstaatsanwaltschaft in Lublin, Ermittlungen zum ehemaligen Mordlager im Kreis Włodawa einzuleiten. Am 4. Oktober 1945 begannen daraufhin der Staatsanwalt des Wojewodschaftsgerichts in Lublin, Kazimierz Schnierstein, und der Ermittlungsrichter Sergiusz Urban aus Włodawa mit den Untersuchungen der Verbrechen in Sobibor. Am 23. November 1945 schrieb Richter Schnierstein im Auftrag des polnischen Innenministeriums einen Zwischenbericht an die „Hauptkommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen in Polen“ in Krakau. Darin wurde unter anderem festgestellt, dass „die Baracken [auf dem Lagergelände] verbrannt oder abgebaut wurden, die Asche und Knochenstücke der verbrannten Leichen in flachen über das Gelände verteilten Gruben lagen, die mit Sand zugeschüttet waren“ . An dem Ort, so stellte der Bericht fest, gab es „nur noch das Gebälk der Wohnhäuser (der Gestapo- und Wachmänner), aus denen Türen, Fenster und Reste der Einrichtungsgegenstände von der umliegenden Bevölkerung ausgebaut“ wurden. (IV) Endgültig abgeschlossen wurden die Untersuchungen zum Mordlager Sobibor im Oktober 1946. Das Gelände bleibt sich überlassen Nach Abschluss der Untersuchungen blieb das Gelände für viele Jahre sich selbst überlassen. Besucher*innen fanden vor Ort keine Informationen darüber, dass hier in der Zeit zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 etwa 180.000 Jüdinnen und Juden ermordet worden waren. Das Gelände blieb ohne Umzäunung und war für jedermann frei zugänglich. Wer in den ersten Dekaden der Nachkriegszeit das ehemalige Lager in Sobibór aufsuchte, fand ein durchwühltes Gelände vor. Überreste menschlicher Knochen lagen an der Erdoberfläche und es waren tiefe Gräben ausgehoben worden. Wie an den meisten Orten des Massenmordes an Juden und Jüdinnen, kamen auch nach Sobibór Grabräuber*innen, in polnischen Medien auch „Hyänen“ genannt, die das Gelände durchwühlten, um nach Wertgegenständen oder Geld der jüdischen Opfer zu suchen. Der jüdische Journalist Mordechaj Tsanin aus Palästina besuchte Sobibór Ende der 1940er Jahre. Er gab sich als britischer Journalist aus. So gewann er das Vertrauen eines Bauern, der ihn zum ehemaligen Mordlager führte. Der Zustand des Geländes hinterließ bei ihm einen tiefen Eindruck: „Die Spuren dieses Golgathas sind bis heute zu sehen. Nach einem zwanzig-minütigen Marsch erreichen wir eine leere Waldlichtung, die auf den ersten Blick den Eindruck macht, als ob hier einmal ein Dorf gestanden hätte, das jedoch abbrannte und die Einwohner geflüchtet waren. Auf dem gesamten Gelände ragen aus dem Gras zerschlagene Ziegelsteine, Lumpen, Papierfetzen. Die Erde ist grau, vermischt mit Asche. Das Gras ist durchgewühlt, es haben sich kleine Erhebungen und Vertiefungen gebildet. Die Oberfläche dieser Niemandswiese erscheint um einiges kleiner als die in Treblinka. […] Wie an allen Orten, wie an allen Vernichtungslagern, war auch durch Sobibór die Welle des Goldfiebers gerollt. Jedes Stück Erde auf dem Gelände des ehemaligen Lagers und des Wegs von der Eisenbahnlinie war von der lokalen Bevölkerung umgegraben worden. Der Bauer, der mir davon mit einfachen Worten eines primitiven Menschen berichtete, glaubte weiterhin, dass wenn man sich ‘gut an die Arbeit mache‘, man noch irgendwelche Schätze finden würde. Um diese potenziellen 'Schätze‘ drehen sich alle Gedanken dieses Bauern. Alle Fragen, die er mir später stellte, gingen in diese Richtung. Zu einem bestimmten Zeitpunkt bekam ich sogar den Eindruck, dass der Bauer mich verdächtigte, dass auch ich hier zum Graben hingekommen war, um diese ’Schätze‘ zu suchen.“ (V) Bis in die 1960er Jahre interessierten sich in erster Linie die „Hyänen“ für das Terrain. Auf der Suche nach Wertgegenständen durchwühlten die Grabräuber*innen die Erde und durchsiebten die Menschenasche aus den Massengräbern. Mitglieder des „Wojewodschaftskomitees der Juden“ in Lublin berichteten nach einem Besuch am 26. September 1950, sie hätten vor Ort „ausgehobene Gräber [gesehen], um die herum menschliche Überreste verstreut sind“. Ihnen sei gesagt worden, hier hätten „Plünderer nach Goldzähnen gesucht“. (VI) Anfang des Jahres 1960 wurden vierzehn Männer aus Złobek, einem Dorf in der unmittelbaren Nähe von Sobibór, beim Suchen nach Wertgegenständen auf dem ehemaligen Gelände der Mordstätte gestellt. Dreizehn von ihnen wurden zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht in Warschau setzte die Haftstrafen zur Bewährung auf drei Jahre aus. (VII) Im selben Jahr wurden in Sobibor Schilder aufgestellt, die darauf hinwiesen, das dies „ein Ort der Hinrichtung von Opfern des Hitlerischen Lagers“ ist und das Betreten des Geländes bei Strafe verboten ist. Im März 1960 kam ein Staatsanwalt aus Włodawa zu einer Ortsbegehung nach Sobibór. Es wurden Fotos von dem umgegrabenen Areal gemacht. In seinem Bericht stellte der Staatsanwalt fest: „In den Vertiefungen wie auch auf dem gesamten Gelände verteilt sind verbrannte und nicht verbrannte Knochen zu sehen, menschliche Totenschädel und Kiefer mit Gebissen, lange menschliche Haare. An manchen Knochen und Schädeln ist der sich in weit fortgeschrittenem Stadium der Zersetzung befindende Körper zu erkennen. Überall sieht man durchsiebte Erdhaufen und getrennt davon Knochen. Am Rand eines Lochs liegt eine Beinprothese, die aus der Erde gezogen wurde, wovon der Rost der Metallteile zeugt und das Leder, an dem Erde haftet. In der Luft liegt über dem gesamten Lager ein sehr starker, unangenehmer, in den Atemwegen beißender Geruch.“ (VIII) Weder die strafrechtliche Verfolgung noch die aufgestellten Warnschilder konnten jedoch verhindern, dass die Hyänen weiterhin aktiv waren. Der Grabraub auf dem ehemaligen Gelände der Mordstätte Sobibor ist bis in die 1980er Jahre dokumentiert. Im Jahr 2015 wurden Reste der ungeheuerlichen und jahrelang andauernden Grabungen in den Massengräbern gefunden. Ein Anwohner hatte dem in Sobibór arbeitenden Archäologen Wojciech Mazurek einen Hinweis auf zwei Plätze mit menschlicher Asche im Wald in der unmittelbaren Nähe der Gedenkstätte gegeben. Eine Untersuchung der Aufschüttungen bestätigte, dass sich hier tatsächlich menschliche Überreste in der Erde befanden. Später wurde noch eine dritte Stelle mit Menschenasche bekannt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Stellen aufgefunden werden. Zwei der bekannt gewordenen „Aschefelder“ liegen nicht unmittelbar auf dem Gelände der Gedenkstätte Sobibor. Dennoch stellt sich die Frage, wie die Überreste der Ermordeten würdevoll in die Konzeption der Gedenkstätte einbezogen werden können. Der lange Weg bis zu einer Gedenkstätte Am 2. Juli 1947 wurde vom polnischen Parlament per Gesetz der Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums ins Leben gerufen. Die Aufgabe des Rates war es, „die Aktivitäten der staatlichen Behörden, Organisationen und gesellschaftlichen Institutionen im Bereich des Gedenkens an den Orten des Kampfs und des Märtyrertums des Polnischen Volks und anderer Völker [zu] koordinieren“. (IX) Damit war dem Rat auch die Verantwortung für die Errichtung von Gedenkorten auf dem Areal der ehemaligen Mordstätten der „Aktion Reinhard“ zugesprochen worden. Bis in die 1960er Jahre entstanden jedoch weder in Sobibór noch an den Stätten der beiden anderen ehemaligen Mordlagern der „Aktion Reinhard“ Gedenkstätten in Bełżec und Treblinka. In Sobibór gab es keinen Gedenkstein, keine Installation, kein Denkmal, das in dieser Zeit den über Hunderttausend ermordeten Jüdinnen und Juden an diesen Orten gedachte. Dabei hatte der Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums schon zwei Jahre nach seiner Entstehung im Jahr 1949 entschieden, eine Fachkommission nach Sobibór zu entsenden, um vor Ort den gegenwärtigen Zustand des Geländes der ehemaligen Mordstätte zu begutachten. (X) Zwei weitere Jahre dauerte es, bis sich im Sitzungsprotokoll des Präsidiums der Hinweis findet, dass im Jahr 1951 erste Projektplanungen für ein Gedenken in Sobibór vorgesehen seien. Zwar wurde im Jahr darauf auch die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung der Einrichtung einer Gedenkstätte in Sobibór beschlossen (XI), eine tatsächliche Konkretisierung dieses Vorhabens ließ jedoch bis Ende der 1950er Jahre auf sich warten. Im April 1959 wurden in Anwesenheit des polnischen Vizeministers für Kultur und Kunst die Resultate der Arbeit des Schutzrats der vergangenen Jahre besprochen. Unzufrieden stellten die Teilnehmer*innen fest, dass die Gelände der drei ehemaligen Vernichtungslager der „Aktion Reinhard“, Treblinka, Sobibor und Belzec, nicht aufgeräumt worden waren, sondern weiterhin geschändet wurden, was ihrer Meinung nach „schädliche gesellschaftliche Folgen“ hätte. Ein radikales Umdenken wurde gefordert und eingeleitet. Die Debatte um die Errichtung einer Gedenkstätte in Sobibór nahm endlich Gestalt an. Der Nationalrat der Wojewodschaft Lublin legte dem Kultusministerium in Warschau im Jahr 1960 einen Plan zur Absicherung und Erschließung des Geländes der ehemaligen Mordstätte Sobibor vor. Nach diesem Plan sollte die Realisierung der Gedenkstätte 400.000 Złoty kosten. (XII) Im Jahr 1961 wurde das Konzept zur Errichtung der Gedenkstätte Sobibór akzeptiert. (XIII) Bei einer Ortsbegehung schlugen im Mai 1962 Vertreter des Rats für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums vor, dass „ein sehr dichter Zaun mit Stacheldraht es einem Aufseher ermöglichen [würde], mithilfe eines aufmerksamen Hunds das Gelände zu beaufsichtigen. Die Lichtung des ehemaligen Krematoriums und die aufgewühlte direkte Umgebung davon sollte entsprechend mit einem Gedenken und einem Schutz beispielsweise von Betonplatten versehen werden.“ Bei der Begehung sahen die Besucher*innen frische Spuren von zehn Erdlöchern, die Grabschänder*innen hinterlassen hatten. (VIV) Noch im selben Jahr entschied das Präsidium des Schutzrates, die Errichtung der Gedenkstätte bis 1963 zum Abschluss zu bringen und äußerte die Notwendigkeit einer ständigen Beaufsichtigung des Geländes. (XV) Die Errichtung sollte laut Planung im September 1963 abgeschlossen sein, es kam jedoch zu Verzögerungen. Die Gedenkstätte wird eröffnet Es dauerte schließlich bis zum 27. Juni 1965, bis die Gedenkstätte in Sobibor schließlich eröffnet werden konnte. Damit war Sobibor das letzte der drei ehemaligen Lager der „Aktion Reinhard“, an dem eine Gedenkstätte entstand. Zu der feierlichen Eröffnung hatten die Komitees von Lublin und Włodawa für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums geladen. Angekündigt wurde eine „Rede des ehemaligen und am Aufstand beteiligten Häftlings des Lagers Sobibor“, Alexander Petscherski. Die Anwesenheit von Petscherski am 27. Juni 1965 in Sobibor ist aber nicht dokumentiert. (XVI) 27. Juni 1965: Veranstaltung zur Eröffnung der Gedenkstätte Sobibór. Foto: Kurier Lubelski. 28.06.1965 27. Juni 1965: Eine Delegation von Jüdinnen und Juden, ehemals wohnhaft in Włodawa, legt einen Kranz bei den Eröffnungsfeierlichkeiten nieder. Foto: Yizkor book in memory of Vlodava and region, 1974. Die von dem Lubliner Architekten und Stadtplaner Romuald Dylewski konzipierte Gedenkstätte bestand aus verschiedenen Elementen – einem symbolischen Aschehügel (XVII) am Ort der Massengräber, einem steinernen Obelisken, der den Ort der Gaskammer kennzeichnete, und einer Skulptur des Bildhauers Mieczysław Welter. Sie stellte eine sterbende Mutter mit einem Kind in ihren Armen dar. Die Inschrift auf dem Sockel der Skulptur lautete: „In Gedenken an die von den Deutschen zwischen den Jahren 1942 und 1943 Ermordeten.“ Bei der Gestaltung der Gedenkstätte wurde eine Erschießungsgrube auf dem Gelände der Mordstätte, das sogenannte „Lazarett“, nicht berücksichtigt. In den 1920er Jahren war für die katholischen Einwohner*innen der Gegend eine Holzkapelle errichtet worden. Auf dem Terrain unmittelbar hinter der Kapelle befand sich in den ersten Monaten des Lagerbestehens das „Lazarett“. Der Sobibor-Überlebende Moshe Bahir berichtete: „Im Lazarett war eine große Grube; das war in der Nähe der Kapelle. An diese Grube wurden die sogenannten Kranken geführt und nach dem Erschießen dort begraben.“ (XVIII) Nach dem Abzug der Deutschen 1944 wurde die Kapelle wieder für Gottesdienste genutzt. Im Jahr 1987 wurde die Holzkapelle schließlich durch ein Steingebäude ersetzt. Mit dem Neubau wollten die Bauherren der Kapelle auch die Deutungshoheit über den Ort Sobibór neu auslegen. An einer Außenwand wurde das hölzerne Relief eines Symbols des christlichen Märtyrertums angebracht – eine lebensgroße Darstellung von Maximilian Kolbe, einem Franziskaner-Mönch, der in Auschwitz für einen anderen nicht-jüdischen Häftling freiwillig in den Hungertod ging. (XIX) Die Umgestaltung der Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Mordlagers Sobibor und das Holzrelief erregten Aufsehen und wurde kontrovers diskutiert. (XX) Der Überlebende Thomas Blatt meinte: „Der Holzschnitt vermittelte den unglücklichen und irrtümlichen Eindruck, dass Nichtjuden, insbesondere Katholiken, die Opfer von Sobibor gewesen waren.“ (XXI) Zu der vom Schutzrat beschlossenen Beaufsichtigung des Geländes und der Errichtung eines Forsthauses kam es jedoch nicht. (XXII) Das Verschweigen der Jüdinnen und Juden als Opfergruppe Entsprechend den politischen Vorgaben der Zeit wurde bei der Eröffnung der Gedenkstätte im Jahr 1965 nicht erwähnt, dass es sich bei den Opfern der Deutschen um Jüdinnen und Juden gehandelt hatte. Am Eingang des Gedenkorts wurde eine massive Granitmauer errichtet. Neben dem Schriftzug „Sobibór“ war eine Tafel befestigt, auf der man lesen konnte: „An diesem Ort befand sich von Mai 1942 bis Oktober 1943 ein hitlerisches Vernichtungslager. In diesem Lager wurden 250 000 sowjetische Kriegsgefangene, Juden, Polen, Zigeuner ermordet. Am 14. Oktober 1943 brach im Lager ein bewaffneter Aufstand aus. Nach einem Kampf mit den hitlerischen Wachmännern flüchteten mehrere Hundert Häftlinge.“ Diese Beschreibung des Lagers thematisierte zwar, dass Jüdinnen und Juden zu den Opfern des Lagers gehörten. Gleichzeitig wurde jedoch der eigentliche Zweck des Lagers nicht nur nicht benannt, sondern verfälscht. Es diente nicht der Ermordung von Kriegsgefangenen, Polen oder Roma und Sinti, sondern war zur Ermordung von Jüdinnen und Juden errichtet worden. (XXIII) Im Jahr 1987 wandte sich das US-amerikanische „Holocaust Sites Preservation Committee “ mit ihrem Vorsitzenden, dem Sobibor-Überlebenden Thomas Blatt, an die Hauptkommission für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums mit der Bitte, eine neue Gedenktafel an der Granitwand zu befestigen. Im Jahr 1991 wurde die inkriminierte Tafel abgenommen und eine neue angebracht. (XXIV) Auf ihr war jetzt von „250.000 Juden und 1.000 Polen“ zu lesen, die in Sobibor ermordet wurden. (XXV) 1979: Obwohl Sobibor ein Mordlager für Jüdinnen und Juden war, wurden als Opfer auf auf der Gedenktafel „250.000 sowjetische Kriegsgefangene, Juden, Polen, Zigeunern“ benannt. Foto: Archiv Bildungswerk Stanisław Hantz e.V. 1991: Die bisherige Tafel wurde abgenommen und eine neue angebracht. Auf ihr war von „250.000 Juden und 1.000 Polen“ zu lesen, die in Sobibor ermordet wurden. Foto: Sammlung Thomas Toivi Blatt Zum 50. Jahrestag des Aufstands von Sobibor wurde dieser Text dann am 14. Oktober 1993 auf Tafeln in fünf Sprachen nebeneinander an der Mauer angebracht – in Englisch, Hebräisch, Polnisch, Jiddisch und Niederländisch. Unter den Rednern auf der feierlichen Einweihung war auch Marek Edelmann, einer der Kommandeure des Warschauer Ghettoaufstands.XXVI Im Jahr 2003 kam eine Tafel in deutscher Sprache hinzu und in den Jahren danach noch auf Slowakisch und Französisch – so dass der Text schließlich in acht verschiedenen Sprachen zu lesen war. Im Zuge der Neugestaltung der Gedenkstätte Sobibór wurde die Mauer mit dem Schriftzug „Sobibór“ im Jahr 2013 abgerissen und die Tafeln abmontiert und eingelagert. Die vergessene Gedenkstätte? Auch nach der Errichtung der Gedenkstätte im Jahr 1965 blieben die lokalen Forstbehörden für den Unterhalt und die Pflege des Geländes in Sobibór zuständig. Bei der Errichtung der Gedenkstätte Sobibór wurden keine hochwertigen Materialien verwendet und das Gelände stand weiterhin nicht unter ständiger Aufsicht. Nach fünf Jahren war bereits eine Instandsetzung notwendig, die etwa eine Millionen Złoty kostete. (XXVII) 1974 stieg die Zahl der Besucher*innen an und die Forstverwaltung entschied, auf dem ehemaligen Lagergelände einen Parkplatz und ein Holzgebäude mit einem Aufenthaltsraum zu errichten. Zwei Räume waren für Übernachtungen vorgesehen. Später diente dieses Holzhaus als Schulungsgebäude der Forstbehörden, später als Kindertagesstätte mit einem Außenspielplatz. Im Herbst 2014 wurde das Holzgebäude im Zuge der Neugestaltung der Gedenkstätte abgerissen. Datum unbekannt: “Kindergarten built at the place of execution of the Jews.” Bildbeschreibung des Sobibor-Überlebenden Thomas Toivi Blatt. Foto: Sammlung Thomas Toivi Blatt Datum unbekannt: “Kindergarten built at the place of execution of the Jews.” Bildbeschreibung des Sobibor-Überlebenden Thomas Toivi Blatt. Foto: Sammlung Thomas Toivi Blatt Neuanfang in den 1990er Jahren Im Jahr 1993 wurde die Gedenkstätte Sobibór dem Kreismuseum im benachbarten Włodawa angegliedert. Zum 50. Jahrestag des Aufstands der jüdischen Gefangenen in Sobibor wurde eine erste Ausstellung über die Geschichte des Mordlagers eingerichtet. Sie befand sich in dem Holzhaus, das vorher u. a. als Kindertagesstätte genutzt worden war. Das Museum war nur halbtags und nur in den Sommermonaten geöffnet. Im Jahr 2003 wurde in einer gemeinsamen Initiative des Bildungswerks Stanisław Hantz e.V. und der Gedenkstätte Sobibór die Gedenkallee eingeweiht. Im Jahr 2000 begannen umfassende archäologische Bodenuntersuchungen auf dem Gelände des ehemaligen Mordlagers Sobibor. Archäologenteams öffneten in verschiedenen Abschnitten große Teile des Bodens und fanden dabei etwa 11.000 Gegenstände, die von den ermordeten Jüdinnen und Juden stammten. Im Jahr 2014 wurden die Fundamente der acht ehemaligen Gaskammern freigelegt. Bei den archäologischen Arbeiten konnte schließlich auch der Weg der Jüdinnen und Juden zu den Gaskammern lokalisiert werden. Um- und Neugestaltung der Gedenkstätte Sobibór 2008 vereinbarte eine Kommission, an der Regierungsvertreter*innen aus Polen, der Slowakei, Israel und den Niederlanden teilnahmen, eine Umgestaltung des Gedenkorts beim ehemaligen deutschen Mordlager Sobibor. Das Gelände sollte nicht nur neugestaltet, sondern es sollte auch ein Museum gebaut werden. Die Kommission erarbeitete in den kommenden Jahren eine Konzeption für die Neugestaltung und beaufsichtigte die archäologischen Arbeiten. Im Juni 2011 wurde die Gedenkstätte Sobibór aufgrund finanzieller Probleme für kurze Zeit geschlossen, bis sie im Jahr 2012 schließlich in der polnischen Museumslandschaft aufgewertet wurde – aus dem Kreismuseum wurde eine staatliche Institution. Sie wurde als Abteilung der Gedenkstätte Majdanek zugeordnet. Die neue Gedenkstätte Im Rahmen der Neugestaltung der Gedenkstätte wurde das Gelände auf 25 Hektar erweitert, dennoch wurde nicht das gesamte Areal der ehemaligen Mordstätte in die Planungen mit einbezogen. Die ehemalige Lagerrampe, das Gelände der Erschießungsstätte bei der katholischen Kapelle und der Wohnbereich der deutschen Täter wurden in der Neukonzeption der Gedenkstätte nicht berücksichtigt. So stehen bis heute private Wohnhäuser auf dem Terrain der ehemaligen Mordstätte Sobibor. Man entschied zudem, das Museumsgebäude innerhalb des ehemaligen Lagergeländes zu bauen. Zum Teil befindet sich es auf dem Platz, an dem sich die Jüdinnen und Juden sammeln und entkleideten mussten, bevor sie in die Gaskammern getrieben wurden. Am 29. Oktober 2020 wurde schließlich die Ausstellung im neu errichteten Museum für die Besucher*innen eröffnet. Sobibór, 2023: Die neugestaltete Gedenkstätte. Foto: Museum Sobibór Im Oktober 2023 wurden auch die neugestalteten Außenanlagen der Gedenkstätte Sobibór eröffnet. Eine mehrere Meter hohe Mauer läuft vom Museumsgebäude entlang des Weges, den die Jüdinnen und Juden zu den Gaskammern gehen mussten. Die Fundamente der Gaskammern sind teilweise freigelegt worden und für die Besucher*innen sichtbar. Die Massengräber erstrecken sich weitflächig hinter den ehemaligen Gaskammern bis zum Waldrand und sind mit hellen Steinen gekennzeichnet. Mit unterschiedlichem Sand ist der Wohnbereich der Arbeitshäftlinge im Mordareal gekennzeichnet. Am zentralen Zuweg vom Parkplatz vor dem Museumsgebäude liegen zu beiden Seiten in Stahlbänder gefasst Gedenksteine mit Namen der Ermordeten. In diesem neuen Gedenkweg sind derzeit etwa 400 Gedenksteine abgelegt. Sie wurden von Nachkommen der Opfer, von Vereinen, von ehemaligen Nachbarn gespendet. Sie verweisen stellvertretend auf die 180.000 verlorenen Leben von Sobibor. Oktober 2023: Der Gedenkweg. Foto: Archiv Bildungswerk Stanisław Hantz e.V. Bildungwerk StanisƗaw Hantz e.V. November 2023 I Jules Schelvis hat die Zahl der geflohenen und erschossenen jüdischen Gefangenen berechnet. Siehe: Schelvis, Jules. Vernichtungslager Sobibor. Berlin 1998. S. 201. II Vernehmung Jan Krzowski v. 7.8.1974. Bezirkskommission zur Untersuchung deutscher Verbrechen in Lublin, OKL DS. 1373. Aus: Jules Schelvis Dokumente, NIOD 804 3.2.21. III Dies berichteten Esther Raab am 10.1 0.1977. LNW Münster, Q 234 Nr. 4572 und Eda Lichtmann am 23.2.1966. LNW Münster, Q234, Nr. 4457. IV Bericht des Staatsanwalts des Kreisgerichts in Lublin, A. Schnierstein, an die Hauptkommission zur Untersuchung der Deutschen Verbrechen in Polen in Krakau v. 23.11.1945, zitiert nach: Marek Bem, Wojciech Mazurek, Sobibór. Archöologische Untersuchungen, die in den Jahren 2000-2011 auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibor stattfanden. Warszawa/Wlodawa 2012, S: 31. V Mordechaj Canin [Tsanin], Sobibór. Erschienen in: Przez ruiny i zgliszcza. Podróż po stu zgładzonych gminach żydowskich w Polsce [Durch Ruinen und Schutt. Eine Reise durch hundert vernichtete jüdische Gemeinden Polens], Warszawa 2018, S. 459–466, hier S. 459-460. Übersetzung aus dem Polnischen: Steffen Hänschen. VI Wojewodzki Komitet Żydow w Lublinie do Centralnego Komitetu Żydow w Polsce [Wojewodschafts-Komitee der Juden in Lublin an das Zentralkomitee der Juden in Polen], 26. 9. 1950, ŻIH, 355/38, 22.1.9. VII Zu der Information siehe: Pawel Piotr Reszka, Pluczki [Schürfstellen], S. 160. VIII Bericht der Ortsbegehung Sobibor, Kreisstaatsanwalt Stanisław Matysiak in Włodawa v. 27.2.1960, Staatsarchiv Lublin (APL) Bestand 988 (Sąd Wojewódzki w Lublinie [Wojewodschaftsgericht Lublin]), Sign. 4/711 (IVK 90/60), Bl. 25. Übersetzung von Steffen Hänschen. IX Zitiert aus dem Tätigkeitsbericht der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] für den Zeitraum 15.11.1960-15.11.1962. AMMP-IV-55/9 (ROPWIM 1/97). X Protokoll Präsidiumssitzung der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 21.5.1949. AMMP-IV-55/2 (ROPWIM 1/25). XI Protokoll Fachsitzung der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 25.6.1951. AMMP-IV-55/5 (ROPWIM 1/43). XII Referat über die Arbeit der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 8.11.1960. AMMP-IV-55/11 (ROPWIM 1/100). XIII Präsidiumssitzung der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa in Lublin [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 29.9.1961. AMMP-IV-55/12 (ROPWIM 1/109). XIV Bericht von Stefan Guirard und Jozef Kowalik von einer Ortsbesichtigung in Sobibor und Belzec, 4.-5.5.1962, AMMP-IV-55/14 (ROPWIM 1/134). XV Sitzungsprotokoll des Präsidiums der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 18.5.1962. AMMP-IV-55/12 (ROPWIM 1/109). Die Zeitangabe wurde am 1. März 1963 von dem Schutzrat bestätigt, als auf der Präsidiumssitzung angegeben wurde, der Bau sollte bis zum 15.9.1963 abgeschlossen werden. XVI Auf dem Plan, in dem die Veranstalter den genauen Tagesablauf in Sobibor am 27. Juni festlegten, wurde der geplante Auftritt Petscherskis durchgestrichen. Außerdem berichtete lediglich die Zeitung, „Za wolnosc i lud“ [Für Freiheit und Volk, Nr. 13 1.-15.7.1965] davon, dass der Ehrengast Petscherski tatsächlich in Sobibor war. In allen anderen Berichten von den Feierlichkeiten wurde er nicht erwähnt. Vgl. Mappe „Sobibor“, Archiv Muzeum Pod Zegarem, Lublin. XVII Jahrzehnte lang bestand die Information, dass im „Aschehügel“ die Asche der ermordeten Jüdinnen und Juden gesammelt war. Eine Untersuchung des Instituts für Archäologie und Ethnologie der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruñ im Oktober 2000 sowie im Mai 2001 hatte das Ergebnis, das sich im „Aschehügel“ keine menschliche Asche bzw. Knochen vorhanden waren. XVIII Aussage Moshe Bahir v. 14.12.1965, Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, Münster, Q 234/4464 XIX Kolbe wurde im Mai 1941 in das Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert. Dort ging er anstelle eines Vaters von 2 Söhnen freiwillig in den „Hungerbunker“. Als er nach 2 Wochen noch nicht gestorben war wurde er mit einer Phenolspritze ermordet. Im Oktober 1982 wurde Kolbe als Märtyrer vom Papst heiliggesprochen. Kolbe haftete auch der Ruf eines Antisemiten an. In zwei katholischen Massenblättern schrieb er gegen die Juden: Da Polen das „biologische Hauptreservoir“ des Weltjudentums sei, das „sich wie ein Krebsgeschwür in den Volkskörper frißt“, gebe es nur eine Lösung: „Die Juden müssen emigrieren“. XX Vgl. Pacyfik Antoni Dydycz, O kaplicy w Sobiborze [Um die Kapelle in Sobibor], Tygodnik Powszechny v. 4.1.1987, S. 2. XXI Thomas „Toivi“ Blatt, Sobibór – der vergessene Aufstand, Hamburg/Münster 2004, S. 181. Verschiedene Persönlichkeiten, wie unter anderem Simon Wiesenthal, schickten deshalb Protestbriefe an die verantwortliche katholische Kirche. Vgl. Simon Wiesenthal in Frankfurter Rundschau, 2.9.1986., vgl. Jules Schelvis, Sobibor, S. 77; Thomas Blatt, Sobibor. A Forgotten Revolt. A survivor‘s report. Issaquah 1997, S. 130. XXII Vgl. Sitzungsprotokoll des Präsidiums der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 18.5.1962. AMMP-IV-55/12 (ROPWIM 1/109). XXIII Der Richter der Hauptkommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen in Polen, Zdzisław Łukaszkiewicz, hatte im Jahr 1947 behauptet, Zeugen hätten davon gesprochen, dass auch „eine gewisse Anzahl Zigeuner und Polen“ in Sobibor umgekommen sei. Siehe Z. Łukaszkiewicz: Obóz zagłady w Sobiborze. „Biuletyn Głównej Komisji Badania Zbrodni Niemieckich w Polsce” [Das Vernichtungslager Sobibor. Bulletin der Hauptkommission zur Untersuchung deutscher Verbrechen in Polen], Bd. III (1947), S. 49-58, hier S. 57. Konkrete Belege dafür, dass und wie viele christliche Polen oder Roma und Sinti in Sobibor ermordet wurden sind jedoch nie aufgetaucht. Vgl. dazu Robert Kuwałek, Obozy koncentracyjne i ośrodki zagłady jak miejsca pamięci [Konzentrationslager und Vernichtungszentren als Erinnerungsorte], in: Feliks Tych / Monika Adamczyk-Garbowska (Hrsg.), Następstwa zagłady Żydów. Polska 1944-2010 [Konsequenzen des Judenmords. Polen 1944-2010], Lublin 2011, S. 493-525, hier S. 497. XXIV Vgl. Jacek E. Wilczur, Sobibór – fałsz i prawda [Sobibór – Lüge und Wahrheit], Życie Warszawy, 13.12.1991. XXV Für die Ermordung von 1000 christlichen Polen gibt es keine Belege. XXVI Siehe Thomas Blatt, Sobibór – der vergessene Aufstand, Hamburg/Münster 2004, S. 182. XXVII Die Instandsetzungsarbeiten fanden in den Jahren 1971 und 1972 statt. Vgl. Berichte der Rada Ochrony Pomników Walk i Męczeństwa [Rat für den Schutz der Denkmäler des Kampfs und Märtyrertums] v. 19.7.1970, AMMP-IV-55/12 (ROPWIM 1/109), 21.9.1971, 20.6.1972 (AMMP-IV-55/12 ( ROPWIM 1/109). Das Verschweigen der Jüdinnen und Juden Die vergessene Gedenkstätte? Neuanfang in den 1990er Jahren Um- und Neugestaltung der Gedenkstätte Die neue Gedenkstätte Erste Untersuchungen Das Gelände bleibt sich überlassen Der lange Weg zu einer Gedenkstätte Die Gedenktätte wird eröffnet

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