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- Karlsberg | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Moses Karlsberg geboren am 26. April 1865 in Fränkisch Crumbach, Hessen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau: Bertha Emilie Karlsberg geboren am 12. November 1872 in Mainz, Rheinland Pfalz, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Tochter: Ilse Karlsberg, verh. Unna geboren am 16. Dezember 1893 in Hamburg, Deutschland verstorben am 21. Juni 1984 in Givat Haim, Israel Sohn: Ernst Karlsberg geboren am 29. März 1895 in Hamburg, Stadt Hamburg, Deutschland verstorben am 8. Oktober 1935 in Hamburg, Deutschland Sohn: Bernhard Karlsberg geboren am 11. Oktober 1899 in Hamburg, Deutschland verstorben am 18. Januar 1985 in Hoofddorp, Provinz Nordholland, Niederlande Lebensdaten 1865 Geburt in Fränkisch Crumbach 1868 Umzug der Familie nach Hamburg 1882 Ausbildung im Betrieb seines Vaters 1893 Heirat mit Bertha Emilie Simon 1893 Geburt der Tochter Ilse 1895 Geburt des Sohnes Ernst Karlsberg 1897 Übernahme des Postens des Vaters 1897 Kauf eines Hauses als Familienwohnsitz 1899 Geburt des Sohnes Bernhard 1913 Heirat der Tochter Ilse, verheiratete Unna 1917 Notabitur des Sohnes Bernhard 1917 Teilnahme des Sohnes Bernhard am Ersten Weltkrieg 1921 Promotion des Sohnes Bernhard in Jura 1922 Eintritt von Sohn Bernhard in den väterlichen Betrieb 1922 Heirat des Sohnes Ernst mit Nanette Lanzkorn 1922 Heirat des Sohnes Bernhard mit Ilse Heilbronn 1922 Geburt der Enkelin Luise 1923 Geburt der Enkelin Rachel 1925 Geburt der Enkelin Ruth 1926 Geburt des Enkels Walter 1933 Unterbringung der Kinder von Sohn Bernhard in der Schweiz >1933 Sohn Bernhard verteidigt als Jurist KPD-Mitglieder bei Gericht 1935 Haftbefehl gegen Sohn Bernhard wegen Hochverrats 1935 Flucht von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse in die Schweiz 1935 Tod des Sohnes Ernst Karlsberg 1936 Haftbefehl gegen Schwiegertochter Ilse wegen KPD-Mitgliedschaft 1936 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse 1936 Auswanderung von Schwiegertochter Nanette Karlsberg mit den beiden Kindern nach Palästina 1937 Flucht des Sohnes Bernhard in die Niederlande 1937 Nachzug der Schwiegertochter Ilse und der drei Enkelkinder in die NL 1938 Kündigung des Postens als Mitinhaber und Direktor 1938 Verteilung des Vermögens an die Kinder und Geschwister 1938 Nichtinanspruchnahme des englischen Dauervisums 1938 Auswanderung in die Niederlande, zusammen mit Ehemann Moses 1938 Emigration der Tochter Ilse mit ihrem Ehemann nach Palästina 1940 Sohn Bernhard geht in den niederländischen Untergrund 1940 Verhaftung der Schwiegertochter Ilse Karlsberg 1941 Die Kinder von Bernhard und Ilse Karlsberg gehen in den Untergrund 1941 Ihre Schwester Alice wird mit ihrem Ehemann nach Litzmannstadt verschleppt, das weitere Schicksal ist unbekannt 1942 Verschleppung der Schwiegertochter Ilse nach Theresienstadt 1942Tod seiner Schwester Bella im Altersheim in Bremen 1942Deportation seiner Schwester Leopoldine nach Theresienstadt, später nach Treblinka 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Tod der Schwiegermutter von Sohn Bernhard in Sobibor 1943 Deportation und Tod in der Mordstätte Sobibor 1944 Verschleppung und Tod der Schwiegertochter Ilse in der Mordstätte Auschwitz - Birkenau nächste Schwiegertochter Ilse Mathilde Karlsberg Biografie Moses, Rufname Moritz, Karlsberg wurde 1865 im südhessischen Fränkisch-Krumbach als einziger Sohn des Kaufmanns Bernhard Karlsberg und seiner Ehefrau Louise, geb. Moos, geboren. Er hatte drei Schwestern, Bella, Ida und Leopoldine. Bella starb im Februar 1942 im jüdischen Altersheim in Bremen. Leopoldine wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt und später nach Treblinka verschleppt und dort ermordet. Ida Karlsberg starb bereits im Alter von etwa 20 Jahren. 1868 zog die Familie in die norddeutsche Großstadt Hamburg. Hier besuchte er die jüdische Schule und später die Gelehrtenschule des Johanneums, zusätzlich erhielt er Unterricht in Hebräisch und Religion. Anschließend trat er mit 17 Jahren die Lehre im väterlichen Geschäft an. Die deutsche Vertretung der Cunard Steam Ship Company, der ältesten Nordatlantikroute, lag seit 1849 in den Händen der Familie. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Moritz 1897 dessen Position. Gründung der eigenen Familie 1890 lernte Moritz Karlsberg seine spätere Ehefrau Bertha Emilie aus Mainz in Hamburg kennen. Zwei Jahre später verlobten sie sich und heirateten 1893 in Frankfurt. Im selben Jahr erblickte auch ihre Tochter Ilse das Licht der Welt. Nach dem Tod seines Vaters Bernhard, kaufte er ein Haus für die Familie in der Klosterallee 8, wo er mit seiner Familie 28 Jahre lang lebte. Dort wuchsen die drei Kinder der Familie auf. Moritz und Emilie engagierten sich unter anderem in der Henry-Jones-Loge, dem Humanitären Frauenverein und in der jüdischen Gemeinde. Soziales Engagement war schon seinem Vater wichtig und er setzte dies fort. Moritz Karlsberg baute eine der größten Passagier-Agenturen auf dem europäischen Kontinent für die britische Cunard-Linie aus. Sein Sohn Bernhard arbeitete ab 1922 ebenfalls in der Firma. Flucht in die Niederlande und Deportation Moritz leitete die Agentur bis ins Frühjahr 1938. Nach der Anfrage der Nationalsozialisten an die Cunard-Line Gesellschaft ob die Leitung des Betriebes in arischen Händen sei, kündigte Moritz seine Stellung als Mitinhaber und Direktor. Von seinem Dezernenten aus Liverpool erhielt er Unterstützung. Man plante gemeinsam seine Auswanderung nach England. Sein Vermögen verteilte er unter seinen Kindern und Geschwistern. Moritz und seine Frau hatten ein Dauer- Visum für England. Im August 1938 verließen sie Hamburg. Moritz und Emilie gingen aber nicht in das letztlich sichere England, sondern zogen zu ihrem Sohn Bernhard in die Niederlande. Moses Moritz und Bertha Emilie Karlsberg wurden am 20. Juni 1943 in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Sie wurden mit dem 19. Transport, der das Lager Westerbork in Richtung der deutschen Mordstätte Sobibor im heutigen Polen verließ, am 20. Juli 1943 deportiert. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 71 und 78 Jahre alt. In diesem Transport befanden sich weitere 2007 Menschen, keiner dieser Menschen überlebte. Moses und Bertha Karlsberg wurden am 23. Juli 1943 unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Tochter Ilse Karlsberg Sie heiratete 1913 den 1888 in Altona geborenen Zahnarzt Alfred Unna. Dem Paar gelang es, im September 1938 nach Palästina auszuwandern. Ilse Unna verstarb 1984 in Israel. Sohn Ernst Karlsberg Er legte 1917 seinem Notabitur ab und diente noch im 1. Weltkrieg, unter anderem als Übersetzer. Nach dem Krieg begann er sein Studium in Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Berlin, Kiel, München und Hamburg. 1921 promovierte er und nahm eine Anstellung in der Firma seines Vaters an. Er betätigte sich politisch in der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1922 heiratete die ebenfalls aus Hamburg stammende Kindergärtnerin Ilse Heilbronn. Das Paar bekam in den nächsten vier Jahren drei Kinder, Rahel wurde 1923 geboren, Ruth 1925 und Walter 1926. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verteidigte Bernhard Karlsberg politische Gefangene. 1934 wurde wegen des Verdachts des Hochverrats ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Seine 10-, 8- und 7-jährigen Kinder hatte er bereits vorsorglich in die Schweiz geschickt. Er selbst floh im Januar 1935 und seine Frau wenige Monate später ebenfalls in die Schweiz. Ehefrau und Kinder flohen weiter nach Prag. Bernhard versuchte währenddessen eine Arbeitsgenehmigung in Frankreich oder in den Niederlanden zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde ihm und seiner Frau die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Auch gegen seine Ehefrau Ilse wurde Haftbefehl erlassen, ihr wurde die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zur Last gelegt. 1937 gelang es Bernhard eine Arbeitserlaubnis als Rechtsanwalt in den Niederlanden zu bekommen. Er zog nach Amsterdam und wenige Monate später konnten auch seine Frau und die drei Kinder nachkommen. Seine Schwiegermutter Franziska Heilbronn zog im Februar 1939 ebenfalls nach Amsterdam. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten ging Bernhard in den Untergrund, da der Haftbefehl von 1935 noch immer galt, er engagierte sich im Widerstand. Er überlebte. Die Ehefrau Ilse Mathilde Karlsberg lebte weiter in der Legalität, sie wollte für ihre Mutter und die Schwiegereltern sorgen. Im September 1940 wurde Ilse verhaftet und 1941 ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel gebracht. Nach einigen Wochen wurde sie unter der Auflage von Hausarrest entlassen und wohnte in Hamburg. Am 20. Juli 1942 wurde sie nach Theresienstadt verschleppt und am 19. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam. Die drei Kinder wurden 1940 in ein Flüchtlingslager für deutsch-jüdische Kinder nach Wieringen gebracht. Als das Lager 1941 geschlossen wurde, lebten die Kinder im Untergrund. 1943 wurden die beiden Mädchen Ruth und Rachel an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten verhaftet und nach Westerbork verschleppt. Mit der Hilfe des Vaters und von Freunden konnten sie jedoch fliehen und lebten anschließend wieder im Untergrund, wo auch ihr Bruder Walter den Krieg überlebte. (Eine Aussage der Enkelin Rachel zeigt, wie dramatisch sich für sie die Realität tatsächlich gestaltete. Siehe unten) Die Schwiegermutter von Ilse Karlsberg, Franziska Heilbronn wurde über Westerbork nach Sobibor verschleppt, wo sie am 16. Juli 1943 ermordet wurde. Aussage der Enkelin Rachel zu ihrer geplanten Deportation aus Westerbork Rachel stand für den 4. Februar 1944 auf der Transportliste von Westerbork nach Auschwitz. Sie hatte bereits den Waggon bestiegen, sprang aber wieder hinaus und landete direkt vor den Füßen des Kommandanten von Westerbork. Sie bat ihn höflich nicht mitfahren zu müssen. Der Kommandant schickte sie tatsächlich wieder zurück in ihre Baracke. Beim nächsten Transport, für den sie vorgesehen war, versteckte sie sich in einer nahegelegenen Toilette. Danach konnte sie für zwei Tage im Lager untertauchen. Mit Hilfe anderer Menschen konnte sie fliehen und in den Untergrund gehen. Aus: Interview USC Shoa Foundation mit Rahel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website zu Stolpersteinen aus Hamburg Website Joods Monument Interview USC Shoa Foundation mit Rachel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey
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- Michel, geborene Meyerhoff | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Erna Rosa Michel geboren am 4. November 1894 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet: 03. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Michel, Siegmund geboren am 20. August 1888 in Vetzberg, Hessen, Deutschland begeht Selbstmord am 1. März 1934 in Korbach Tochter: Michel, Lieselotte geboren am 5. Juli 1926 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 26. März 1943 in der Mordstätte Sobibor Mutter: Betty Meyerhoff, geborenen Oppenheimer geboren am 8. Mai 1868 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 2. Oktober 1942 in der deutschen Mordstätte Treblinka Vater: Albert Abraham Meyerhoff geboren am 7. April 1866 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 2. Oktober 1942 in der Mordstätte Treblinka Lebensdaten 1894 Geburt in Volkmarsen 1925 Heirat mit Siegmund Michel aus Vetzberg 1926 Geburt der Tochter Lieselotte 1926 wohnen und arbeiten im Haus ihrer Eltern 1932 Einschulung der Tochter Lieselotte 1934 Selbstmord des Ehemannes Siegmund 1938 Überfall der SA auf ihr Haus 1938 Berufsverbot und Enteignung 1938 Einquartierung in einer Sammelunterkunft 1939 Tochter Lieselotte fährt mit einem Kindertransport in die Niederlande und lebt u.a. bei Pflegeeltern 1942 Deportation und Ermordung in der Mordstätte Sobibor 1942 Deportation und Ermordung der Eltern von Erna Michel in Treblinka 1943 Deportation und Ermordung der Tochter Lieselotte und der Großmutter ihrer Pflegefamilie in Sobibor 1943 Deportation und Ermordung der Pflegeeltern und deren Tochter in Sobibor nächste 3 Generationen der Familie Michel, Mutter Betty, Erna und ihre Tochter Lieselotte Halskette von Lieselotte Michel, ihre Mutter hatte sie kurz vor der Deportation dem Nachbarkind, Lieselottes Freundin, Josephine Langer geschenkt Biografie Die Familie Meyerhoff gab es seit Anfang des 18. Jahrhunderts im nordhessischen Volkmarsen. Seit den 1830er Jahren gab es am Ort eine Synagoge, die 1936 verkauft wurde. 1932 existierten zwei jüdische Wohltätigkeitsvereine und es gab einen Lehrer für jüdische Religion.1933 lebten noch 34 Jüdinnen und Juden in Volkmarsen. Sie trieben Handel oder waren Handwerker. Fünf jüdische Männer aus Volkmarsen fielen im Ersten Weltkrieg. Erna Meyerhoff heiratete am 23. Oktober 1925 den Witwer Siegmund Michel aus Vetzberg. Sie wohnten in Volkmarsen bei ihren Eltern in der Geilingstrasse 11. Dort betrieben die Eltern in ihrem eigenen Haus seit vielen Jahren einen Gemischtwarenladen. 1926 wurde ihre Tochter Lieselotte geboren. Acht Jahre später, am 1. März 1934, beging Siegmund Michel Selbstmord im dreißig Kilometer entfernten Korbach im „Hotel Zur Post“. Die nun verwitwete Erna Michel und ihre Tochter Lieselotte blieben bei den Eltern wohnen. Lieselotte wurde 1932 in die Katholische Volksschule Volkmarsen eingeschult. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und den damit einhergehenden Boykottmaßnahmen, Handels-, Arbeitsverboten und Zwangsabgaben gegen Jüdinnen und Juden, verschlechterte sich die finanzielle Situation der Familie Michel/Meyerhoff schnell. Immer weniger Kunden wagten es, in ihrem Laden einzukaufen. Der Familie wurde die Existenzgrundlage entzogen Nach 1938 In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde ihr Haus von der SA überfallen, demoliert und ausgeraubt, unterstützt von Volkmarser Nachbarn. In den Wochen nach diesen Übergriffen wurde ihr Haus staatlich konfisziert. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Volkmarsens, auch die Familie Michel und Meyerhoff, wurden beengt im ehemaligen jüdischen Schulhaus einquartiert. Für die hier zusammen gepferchten Menschen galten eine Reihe von Einschränkungen. Es gab ein nächtliches Ausgangsverbot. Ihnen wurden nur sehr knappe Lebensmittelmarken zugeteilt, sie erhielten weder Milch, noch Fleisch, noch Eier. Einige wenige christliche Volkmarser Bürgerinnen und Bürger unterstützten ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn. Einige europäische Länder nahmen nach der Pogromnacht schnell und unbürokratisch jüdische Kinder auf. Von einer befreundeten Familie am Ort hörte Erna Michel von den Kindertransporten in die Niederlande, wo die Kinder sogar eine Schule besuchen könnten. Am 3. Januar 1939 fuhr die 13-jährige Lieselotte, zusammen mit insgesamt 150 jüdischen Kindern ins niederländische Bergen aan Zee. Unter ihnen befanden sich Ilse und Inge Lichtenstein, ebenfalls aus Volkmarsen. Bergen aan Zee war nicht Lieselottes letzte Station: ab März 1939 kam sie in ein Kinderheim in Amsterdam, danach lebte sie in verschiedenen Pflegefamilien in Amsterdam und Haarlem. Deportation der Mutter und der Großeltern Ab November 1941 setzten die Deportationen von Jüdinnen und Juden in den Osten ein. Den Betroffenen wurde eine „Umsiedlung“ mit einer möglichen Existenzgründung vorgegaukelt. Aus Kassel fuhren insgesamt drei große Deportationszüge in den Osten. Die in Volkmarsen verbliebene Mutter Rosa Erna Michel wurde Ende Mai 1942 in die „Sammelstelle“ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Kurz vor ihrer Abfahrt hatte sie eine Kette ihrer Tochter Lieselotte an deren Freundin verschenkt, die erhalten blieb. Rosa Erna Michel wurde in der „Sammelstelle“ registriert und ihr Gepäck durchsucht. Am Morgen des 1. Juni 1942 wurde sie mit insgesamt 508 Jüdinnen und Juden aus dem Bezirk der Geheimen Staatspolizei Kassel zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten vor allem aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohner*innen, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und hier wurden die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Der Sonderzug „Da 57“ fuhr vom Anschlussgleis „Alter Flughafen“ nicht wie angegeben nach Izbica, sondern auf direktem Weg nach Sobibor, wo er am 3. Juni 1942 ankam. Rosa Erna Michel aus Volkmarsen wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft in der deutschen Mordstätte Sobibor ermordet. Die Eltern von Rosa Erna Michel, Albert und Betty Meyerhoff, wurden drei Monate später, am 8. September 1942, von Kassel aus nach Theresienstadt und am 29. September 1942 ins Todeslager Treblinka deportiert und dort ermordet. Sie waren 74 und 76 Jahre alt. Deportation nach Sobibor Ein dreiviertel Jahr nach ihrer Mutter, am 23. März 1943, musste Lieselotte Michel in den Niederlanden zusammen mit insgesamt 1250 Jüdinnen und Juden vom „Polizeilichen Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ aus ebenfalls die Fahrt nach Sobibor antreten. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. Lieselotte Michel wurde direkt nach ihrer Ankunft, am 26. März 1943, im Todeslager ermordet. Lieselotte Michel fand ihren Tod zusammen mit der Großmutter ihrer niederländischen Pflegefamilie. Sie fuhren im selben Zug nach Sobibor. Einige Wochen später wurden auch ihre Pflegeeltern mit ihrer kleinen Tochter nach Sobibor verschleppt. Sie wurden am 16. Juli 1943 in Sobibor ermordet Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Dokin - Informationen zu Kinder aus Kindertransporten in die Niederlande Website Statistik des Holocaust Website Alemmannia Judaica-Volkmarsen Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang Prinz, Ein Gedenkbuch, 1982 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013
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< zurück vorherige Gertrude Emilie Jastrow geboren am 25. Dezember 1895 in Döbeln, Sachsen, Deutschland ermordet am 4. Juni 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Joseph Jastrow geboren am 12. Januar 1881 in Hamburg, Deutschland ermordet am 4. Juni 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Mutter: Selma Ikenberg, geborenen Auerbach geboren am 23. Mai 1865 in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 28 Dezember 1939 in Berlin-Schöneberg, Deutschland Vater: Adolf Ikenberg geboren am 5. November 1862 in Vlotho, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 14. September 1942 im Ghetto Theresienstadt Lebensdaten 1895 Geburt in Döbeln ca. 1897 Umzug der Familie nach Leipzig ca. 1913 Umzug der Familie nach Berlin 1923 Ehemann gründet Verlagsbuchhandlung 1924 Heirat mit Joseph Jastrow in Berlin 1939 Enteignung bzw. Liquidierung der Buchhandlung 1939 Tod der Mutter Selma Ikenberg in Berlin 1942 Verschleppung des Vaters Adolf Ikenberg ins Ghetto Theresienstadt, 1942 Tod des Vaters im Ghetto Theresienstadt 1943 Deportation und Ermordung von Gertrud Emilie und ihrem Ehemann Joseph in Sobibor nächste Biografie Leben in Sachsen Gertrud Emilie Ikenberg wurde 1895 in der sächsischen Kleinstadt Döbeln als Tochter von Adolf und Selma Anna Ikenberg geboren. Ihr Vater war Kaufmann und die Familie wohnte in der Königstraße 14, der heutigen Straße des Friedens. Gertrud war noch ein Kleinkind , als die Familie nach Leipzig zog, eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1897 bewarb das Kaufhaus Ikenberg, ein Geschäft für Putz- und Weißwaren am Lindenauer Markt in Leipzig, das der Vater betrieb. Anfang der 1910er Jahre zog die Familie dann nach Berlin. Leben in Berlin In Berlin lernte Gertrud ihren späteren Ehemann Joseph Jastrow kennen, den sie 1924 heiratete. In der Heiratsurkunde war für sie „ohne Beruf“ angegeben. Gertrud lebte mit ihrem Ehemann in Berlin-Schöneberg, ihr letzter Wohnsitz war die Kaiserallee 21. Die Ehe blieb kinderlos. Ihr Ehemann Joseph war in Hamburg als ältestes Kind von Jenny und Joseph Jastrow geboren. Sein Vater verstarb bereits ein halbes Jahr vor seiner Geburt. Seine Mutter musste Joseph und die älteren Schwestern Rebekka und Amelie allein großziehen. Mit 42 Jahren zog Joseph Jastrow nach Berlin und gründete 1923 eine Verlagsbuchhandlung in Kreuzberg in der Ritterstraße 36. Unter den Nationalsozialisten wurde es Joseph Jastrow immer schwerer gemacht seinen Verlagsbuchhandel erfolgreich zu führen. 1939 wurde seine Buchhandlung schließlich enteignet oder liquidiert. Ende des Jahres 1939 starb Gertrudes Mutter Selma in Berlin. Am 19. August 1942 wurde Gertrudes Vater Adolf im Alter von 79 Jahren von Berlin, zuletzt wohnhaft in der Barbarossasstrasse 40, ins Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo er einen Monat später verstarb. Deportation und Ermordung Ende Mai 1943 erhielten Gertrud Jastrow und ihr Ehemann die Aufforderung, sich für einen „Umsiedlungstransport“ in den Osten bereitzuhalten. Anfang Juni mussten sie sich in der „Sammelstelle“ in der Synagoge Levetzowstraße melden. Hier wurden sie registriert, sie mussten ihre Wohnungsschlüssel und Wertgegenstände abgeben. In einem Verzeichnis der Staatspolizei-Leitstelle in Berlin ist das Vermögen von Joseph Jastow als „eingezogen“ deklariert. Am 2. Juni wurden sie zum Bahnhof Berlin-Grunewald gebracht. Mit etwa 1.000 weiteren Jüdinnen und Juden wurden sie von hier aus in Personenwagen dritter Klasse in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen verschleppt. Nach einer zweitägigen Fahrt erreichte der Zug zuerst Lublin, wo etwa 40 arbeitsfähige Männer zwischen 15 und 50 Jahren zur Arbeit ausgesucht wurden. Anschließend fuhr der Zug weiter in das Mordlager. Josef und Gertrud Emilie Jastrow wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet.Ende Mai 1943 erhielten Gertrud Jastrow und ihr Ehemann die Aufforderung, sich für einen „Umsiedlungstransport“ in den Osten bereitzuhalten. Anfang Juni mussten sie sich in der „Sammelstelle“ in der Synagoge Levetzowstraße melden. Hier wurden sie registriert, sie mussten ihre Wohnungsschlüssel und Wertgegenstände abgeben. In einem Verzeichnis der Staatspolizei-Leitstelle in Berlin ist das Vermögen von Joseph Jastow als „eingezogen“ deklariert. Am 2. Juni wurden sie zum Bahnhof Berlin-Grunewald gebracht. Mit etwa 1.000 weiteren Jüdinnen und Juden wurden sie von hier aus in Personenwagen dritter Klasse in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen verschleppt. Nach einer zweitägigen Fahrt erreichte der Zug zuerst Lublin, wo etwa 40 arbeitsfähige Männer zwischen 15 und 50 Jahren zur Arbeit ausgesucht wurden. Anschließend fuhr der Zug weiter in das Mordlager. Josef und Gertrud Emilie Jastrow wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website zu Deportationen aus dem Deutschen Reich Website zu Stolpersteinen aus Hamburg Treibhaus Döbeln, Niemand kam zurück - Jüdisches Leben im Altkreis Döbeln bis 1945; 2017











