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  • Poppert, geborene Schönborn | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Gertrud `Trude´ Poppert, geborene Schönborn geboren am 29. Juni 1914 in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet im Oktober 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Walter Michel Poppert geboren am 26. März 1914 in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet im Oktober 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Vater: Anton Schönborn geboren am 9. April 1875 in Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 17. Dezember 1944 in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Mutter: Selma Schönborn, geborene Rosenbaum geboren am 23. Dezember 1882 in Warburg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 6. April 1966 in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Schwester Hilde Fränkel, geborene Schönborn geboren am 19. Mai 1910 in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 22. August 2002, bei Boston, USA Lebensdaten 1914 Geburt in Dortmund 1920 Schulbesuch 1938 Auswanderung mit Familie in die Niederlande 1938 Heirat mit Walter Poppert in den Niederlanden 1941 Zwangsumsiedlung der übrigen Familie ihres Mannes von Zaandam nach Amsterdam 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Deportation nach Sobibor 1943 Zwangsarbeit und Tod in Sobibor 1943 Verhaftung und Verschleppung des Schwagers nach Sobibor 1943 Zwangsarbeit und Tod des Schwagers in Dorohucz/Sobibor 1943 Verhaftung und Zwangsarbeit der Schwägerin Herta in Vught 1944 Verschleppung und Zwangsarbeit der Schwägerin in Auschwitz nächste Stolpersteine für Gertrud und Walter Poppert vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Hohe Straße 61a in Dortmund Gertrudes Ehemann Walter Brief den Gertud und Walter Poppert im August 1943 aus dem Lager Sobibor an Gertrudes Vater Anton Schönborn in Dortmund geschrieben haben Brief den Walter Poppert im Juni 1943 aus dem Lager Sobibor an Gertrudes Vater Anton Schönborn in Dortmund geschrieben hat Biografie Gertrude Trude Poppert wurde 1914 in Dortmund als jüngste Tochter von Anton und Selma Schönborn geboren. Ihr Vater Anton war Kaufmann und katholischen Glaubens, ihre Mutter Selma war Jüdin. Gertrud hatte eine drei Jahre ältere Schwester, sie hieß Hilde. Beide Schwestern arbeiteten nach ihrem Schulabschluss als Kontoristinnen. Gertrud lernte ihren späteren Ehemann Walter Michel in Dortmund kennen. Flucht in die Niederlande Als die Verfolgung und Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung immer bedrohlicher wurde, entschloss sich 1938 ihr Bräutigam Walter Poppert in die Niederlande auszuwandern. Sein älterer Bruder lebte bereits in Zaandam. Sein Vater, seine Stiefmutter und seine Stiefschwester zogen ebenfalls nach Zaandam zu Walters Bruder. Walter ließ sich in Amsterdam nieder. Gertud kam wenige Wochen später nach. Im Dezember 1938 heirateten die beiden. Walter betrieb in Amsterdam ein Konfektionsgeschäft. Im Mai 1940 besetzten die Nationalsozialisten die Niederlande. So wurden die Jüdinnen und Juden auch in den Niederlanden verfolgt und ihrer Rechte beraubt. Walters Familie in Zaandam musste 1941 ihre Häuser verlassen und nach Amsterdam ziehen. Die letzte Meldeadresse von Walter und Trude Poppert war in der Utrechtschedwarsstraat 113 in Amsterdam. Ende 1943 wurden Gertrud und Walter verhaftet und nach Westerbork verschleppt. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt.19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Deportation nach Sobibor Am 18. Mai 1943 mussten sie in Westerbork mit weiteren 2009 Jüdinnen und Juden, in einen Deportationszug steigen. Nach einer dreitägigen Fahrt in Viehwaggons erreichte der Zug die Mordstätte Sobibor im heutigen Ostpolen. An der Rampe im Mordlager wurden alle aus den Waggons getrieben und ermordet. Einige wenige der Deportierten wurden zur Zwangsarbeit im Lager ausgesucht, unter ihnen waren auch Gertrud und Walter. Aus Postkarten, die beide im Juni und August 1943 an Gertruds Vater nach Dortmund schickten, weiß man, dass Gertrud im Lager die Kaninchen versorgen musste und Walter als Vorarbeiter im Waldkommando im Lager eingesetzt wurde. Die beiden Karten sind das letzte Lebenszeichen von Gertrud und Walter Poppert. Sie erreichten den Vater vermutlich erst nach dem Tod Von Getrud und Walter. Es sind nur wenige Postkarten aus den Mordlagern der Aktion Reinhardt erhalten. Meistens gingen sie an Empfänger in die Niederlande oder ins Deutsche Reich. Ihr Weg führte über die Reichsvereinigung der Juden in Berlin, die sie dann weiterleiteten. Diese Postkarten mussten in deutscher Sprache verfasst sein und durften keine Hinweise auf die widrigen Lebensbedingungen oder die Morde in den Lagern enthalten. Es sind vier weitere Postkarten von Trude und Walter erhalten, die an Freunde in Amsterdam gerichtet waren. Wann Gertrud Poppert und ihr Mann genau verstarben oder ermordet wurden, ist nicht bekannt. In Gedenkbuch des Bundesarchivs ist als Todesdatum der 30.11.1943 angegeben. Die Postkarte bleibt das letzte persönliche Lebenszeichen des Ehepaars aus Dortmund. In einer Aussage von Selma Engel, einer Überlebendes des Mordlagers, kurz nach dem Krieg, werden die beiden erwähnt, dass sie zum Zeitpunkt des Aufstandes noch lebten. Am 14. Oktober verlieren sich die Spuren von Gertrud und Walter Poppert. Die Familie Gertrudes Mutter und ihr Vater lebten in Dortmund. Der Status der „Mischehe“ half ihnen eine gewisse Zeit lang, dass ihre Mutter von Verhaftung und Deportation verschont blieb. Dies änderte sich im Spätsommer 1944. Am 30.September 1944 wurde auch ihre Mutter verschleppt. Zum Ziel der Deportation gibt es unterschiedliche Angaben. Sie kehrte nach Kriegsende nach Dortmund zurück, wo sie 1966 verstarb. Gertruds Vater Anton wurde zum 1. Oktober 1944 von seiner Wohnung abgemeldet. Wenige Wochen später starb Anton Schönborn an den Folgen einer Herzerkrankung. Gertruds Schwester Hilde heiratete den aus Dortmund stammenden Erich Fränkel, dessen Eltern zu christliche Glaubensvereinigungen konvertiert waren. Das Paar überlebte den Krieg. Sie wanderten 1951 in die USA aus. Text der Postkarte vom 20.6.1943 an Gertruds Vater Meine Lieben! Trude sowie ich schreiben hier aus einem Arbeitslager und hoffen wir, dass es Euch lb. Eltern etc. gesundheitlich etc. genau so geht wie uns. Wir arbeiten hier, doch macht euch keine Sorgen. Essen & Behandlung ist sehr gut und korrekt. Selbst Sport betreiben wir. Hoffentlich empfangen wir bald Post von Euch. Was soll ich weiter schreiben. Ihr wisst von alles Belangreiche & verbleiben wir mit vielen herzl. Grüssen & Küssen Euer Walter Text der Postkarte vom 31.8.1943 an Gertrudes Vater Lieber Vater! Hoffentlich hast d[…] vorigen Bericht empfangen[…] wollen wünchen, dass[…] heutigen Zeit Dich[…] erreichen. Es geht uns[…] zufriedenstellend[…] dasselbe. Ich arbeite[…] Wochen auf einem[…] […]Kaninchen ver[…] ist interessant[…] habe die Tiere gerne & verrichte ich die Arbeit mit liebe. Walter ist Vorarbeiter von einem Waldarbeiterkkommando & sind wir jeden Mittag & Abend zusammen. Ich & wir hoffen, von Euch bald zu Hören. Trude & Walter Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Jüdisches Dortmund NaturFreunde Ortsgruppe Kreuzviertel Hg., Erinnern und Gedenken an Opfer des Terrors der Nationalsozialisten im Kreuzviertel, zusammengestellt von Georg Bückle

  • Juchenheim | Gedenkweg in Sobibor

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  • Boas-Hamme | Gedenkweg in Sobibor

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  • Isenberg | Gedenkweg in Sobibor

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  • Weksler | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Samuel Weksler geboren am 6. Oktober 1940 in Stary Święciany, Litauische Sozialistische Sowjetrepublik, heute Švenčionių, Litauen ermordet im September 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Batia Wekslera, geborene Wojkunska geboren am 10. April 1908 in Stary Święciany, Kaiserreich Russland, heute Švenčionių, Litauen ermordet im September 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Vater: Jakub Weksler geboren am 4. Mai 1914 in Szarkowszczyzna, Polen, heute Šarkaŭščyna, Weissrussland umgekommen 1945, vermutlich auf einem der Todesmärsche aus Stutthof Bruder: Ramuald Jakub Weksler-Waszkinel geboren am 28. Februar 1943 in Stary Święciany Litauische Sozialistische Sowjetunion, heute Švenčionių, Litauen lebt in Polen Lebensdaten 1940 Geburt in Stary Święciany 1941 zwangsweiser Umzug der Familie ins Ghetto Święciany 1943 Geburt des jüngeren Bruders Ramuald 1943 Unterbringung des Bruders Ramuald bei Pflegeeltern 1943 Verlegung ins Ghetto Wilna 1943 Verschleppung des Vaters nach Riga und später Stutthof 1943 Deportation und Ermordung in der deutschen Mordstätte Sobibor zusammen mit seiner Mutter Batia Wekslera 1945 Ermordung des Vaters auf dem Todesmarsch von Stutthof nächste Biografie Samuel Weksler wurde am 6. Oktober 1940 in Stary Święciany, einer Kleinstadt in der Nähe von Wilna, heute Hauptstadt von Litauen, geboren. Seine Mutter Batia Wekslera wurde ebenfalls in Stary Święciany geboren. Sie hatte seinen Vater Jakub Weksler geheiratet. Jakub Weksler war ein angesehener Schneider in der Stadt. Die Mutter Batia Wekslera kümmerte sich vermutlich um den Haushalt. Samuel war der Erstgeborene. Der jüngere Ramuald wurde später nach ihrer Verschleppung ins Ghetto von Święciany geboren, das nach Kriegsbeginn eingerichtet worden war. 1939 fiel das Gebiet um Wilna an Litauen, das sich 1940 an die UdSSR anschloss und sich nun Litauische Sozialistische Sowjetrepublik nannte. Dazu gehörte auch die Stadt Stary Święciany. Schon nach der Eingliederung in die UdSSR, noch vor dem Einmarsch der Deutschen, wurden im Land über vierzig Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung durch antisemitische litauische Banden und Organisationen verübt. Im Ghetto von Święciany Zu Beginn der Deutschen Besatzung 1941 lebten etwa 220.000 Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet von Litauen. Im Juni begannen die Deutschen mit Unterstützung von litauischen Helfern ihre brutalen Mordaktionen gegen die jüdische Bevölkerung. Diesen Aktionen fielen bis Ende des Jahres weit über 150.000 Jüdinnen und Juden zum Opfer. In einer makabren Liste eines deutschen Kommandoführers., dem sogenannten „Jäger-Bericht“, listete dieser auch die Ermordeten aus dem Bezirk „Svenciani“ auf: 1169 jüdische Männer, 1840 Frauen, 717 Kinder. Die deutschen Besatzer ließen vorerst etwa 560 arbeitsfähige, für sie nützliche jüdische Menschen am Leben, die im Ghetto in Swiecany eingesperrt wurden. Sein Vater Jakub Weksler war einer von ihnen. Er musste für die deutschen Besatzer schneidern und konnte so seine Familie vorerst vor dem Tod bewahren. Im Ghetto Wilna In den ersten Monaten des Jahres 1943 wurde das Ghetto Święciany aufgelöst und die wenigen übriggebliebenen jüdischen Menschen wurden in die großen Ghettos oder Arbeitslager in Wilna und Kaunas verbracht. Ein Großteil der aus Święciany Verschleppten wurde allerdings in den Wäldern von Ponar ermordet, einer großen Erschießungsstätte außerhalb Wilnas. Die Familie Weksler wurde ins Ghetto Wilna verschleppt. Ein anderer Überlebender des Wilnaer Ghettos erinnerte sich später an die Familie Weksler: Sein Vater Jakub lebte zusammen mit seiner Mutter und ihm, dem dreijährigen Sohn, in derselben Wohnung wie er im Ghetto. Bevor die Familie Weksler im April 1943 nach Vilnius verschleppt wurde, gab Samuels Mutter Batia den wenige Wochen alten kleinen Bruder Ramuald an das polnische Ehepaar Pjotr und Emilia Waszkinel. Sie appellierte an das polnische Ehepaar mit der Bitte: „Retten sie dieses jüdische Baby im Namen des Juden Jesus, an den Sie glauben. Wenn der Kleine groß ist, werden Sie erleben, dass er Priester wird.“ Verschleppung und Tod des Vaters Im Juli 1943 wurde sein Vater Jakub Weksler aus dem Wilnaer Ghetto in das im März desselben Jahres errichtete deutsche Konzentrationslager Riga-Kaiserwald verbracht. Im September 1944 wurden die Häftlinge des Lagers vor der vorrückenden Roten Armee in das deutsche Konzentrationslager Stutthof bei Danzig verschleppt. Dort wurde sein Vater Jakub Weksler Anfang 1945, vermutlich auf einem der Todesmärsche kurz vor Befreiung, ermordet. Ermordung in Sobibor Seine Mutter Batia Weksler und er selbst wurde als 3-Jähriger wahrscheinlich im September 1943 aus dem Ghetto von Wilna in die deutsche Mordstätte Sobibor verschleppt. Dort wurde er zusammen mit seiner Mutter unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. Der überlebende Bruder Ramuald Ramuald, sein jüngerer Bruder war, ein halbes Jahr vor Samuels Verschleppung und Ermordung, im März 1943 in Pflege gegeben worden. Er überlebte den Krieg bei dem polnischen Ehepaar Piotr und Emilia Waszkinel. Für sie war er wie ein eigener Sohn. Er ergriff tatsächlich den Beruf des Priesters. Bis ins Jahr 1978 wusste er nichts von seinen jüdischen Wurzeln. Die Ziehmutter konnte sich allerdings nicht an den Namen der Eltern erinnern. Aber sie erinnerte sich daran, dass sein Vater Schneider war und er einen Bruder namens Samuel hatte. Erst nach dem politischen Umbruch in Polen war es möglich weitere Nachforschungen anzustellen. Die befreundete Ordensfrau Klara Jaroszyńska arrangierte bei einem Israelbesuch ein Treffen von Überlebenden aus Swiecany. Bei diesem Anlass fand sie einen Bruder und eine Schwester von Jakub Weksler, die beide in Israel lebten. Im Museum „Polin“ für die Geschichte der polnischen Juden in Warschau sind zwei Ausstellungsstücke aus dem Eigentum der Familie Weksler erhalten. Es handelt sich um eine Waage und einen Samowar. Verwendete Dokumente und Literatur Website TeatrNN Lublin

  • Karlsberg, geborene Simon | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Bertha Emilie Karlsberg geboren am 12. November 1872 in Mainz, Rheinland Pfalz, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann:Moses, Rufname Moritz, Karlsberg geboren am 26. April 1865 in Fränkisch Crumbach, Hessen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Tochter: Ilse Karlsberg, verh. Unna geboren am 16. Dezember 1893 in Hamburg, Deutschland verstorben am 21. Juni 1984 in Givat Haim, Israel Sohn: Ernst Karlsberg geboren am 29. März 1895 in Hamburg, Stadt Hamburg, Deutschland verstorben am 8. Oktober 1935 in Hamburg, Deutschland Sohn: Bernhard Karlsberg geboren am 11. Oktober 1899 in Hamburg, Deutschland verstorben am 18. Januar 1985 in Hoofddorp, Provinz Nordholland, Niederlande Lebensdaten 1872 Geburt in Mainz 1893 Heirat mit Moses Moritz Karlsberg 1893 Geburt der Tochter Ilse 1895 Geburt des Sohnes Ernst Karlsberg 1897 Ehemannes übernimmt Postens seines Vaters 1897 Kauf eines Hauses als Familienwohnsitz 1899 Geburt des Sohnes Bernhard 1913 Heirat der Tochter Ilse, verheiratete Unna 1917 Notabitur des Sohnes Bernhard 1917 Teilnahme des Sohnes Bernhard am Ersten Weltkrieg 1921 Sohn Bernhard promoviert in Jura 1922 Eintritt von Sohn Bernhard in den väterlichen Betrieb 1922 Heirat des Sohnes Ernst mit Nanette Lanzkorn 1922 Heirat des Sohnes Bernhard mit Ilse Heilbronn 1922 Geburt der Enkelin Luise 1923 Geburt der Enkelin Rachel 1925 Geburt der Enkelin Ruth 1926 Geburt des Enkels Walter 1933 Unterbringung der Kinder von Sohn Bernhard in der Schweiz >1933 Sohn Bernhard verteidigt als Jurist KPD-Mitglieder bei Gericht 1935 Haftbefehl gegen Sohn Bernhard wegen Hochverrats 1935 Flucht von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse in die Schweiz 1935 Tod des Sohnes Ernst Karlsberg 1936 Haftbefehl gegen Schwiegertochter Ilse wegen KPD-Mitgliedschaft 1936 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft von Sohn Bernhard und Ehefrau Ilse 1936 Auswanderung von Schwiegertochter Nanette Karlsberg mit den beiden Kindern nach Palästina 1937 Flucht des Sohnes Bernhard in die Niederlande 1937 Nachzug der Schwiegertochter Ilse und der drei Enkelkinder in die NL 1938 Ehemann kündigt seine Posten als Mitinhaber und Direktor seiner Firma 1938 Verteilung des Vermögens an die Kinder und Geschwister 1938 Nichtinanspruchnahme des englischen Dauervisums 1938 Auswanderung in die Niederlande, zusammen mit Ehemann Moses 1938 Emigration der Tochter Ilse mit ihrem Ehemann nach Palästina 1940 Sohn Bernhard geht in den niederländischen Untergrund 1940 Verhaftung der Schwiegertochter Ilse Karlsberg 1941 Die Kinder von Bernhard und Ilse Karlsberg gehen in den Untergrund 1941 Ihre Schwester Alice wird mit ihrem Ehemann nach Litzmannstadt verschleppt, das weitere Schicksal ist unbekannt 1942 Verschleppung der Schwiegertochter Ilse nach Theresienstadt 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Tod der Schwiegermutter von Sohn Bernhard in Sobibor 1943 Deportation und Tod in der Mordstätte Sobibor 1944 Verschleppung und Tod der Schwiegertochter Ilse in der Mordstätte Auschwitz - Birkenau nächste Moses Karlsberg, Berthas Ehemann Schwiegertochter Ilse Mathilde Karlsberg Biografie Bertha Emilie Simon wurde 1872 in Mainz geboren. Sie war die älteste Tochter des Weingroßhändlers Heinrich Simon und dessen Ehefrau Antonie geborene Strauss. An ihrem 18. Geburtstag lernte Emilie bei einer Reise nach Hamburg ihren späteren Mann Moses Karlsberg kennen. Die beiden hielten Briefkontakt und verlobten sich 1892. In Hamburg grassierte zu dieser Zeit Cholera, die Familie Karlsberg verbrachte deshalb einige Zeit in Frankfurt am Main. Am 19. März 1893 heiratete das Paar dort. Sie kehrten nach Hamburg zurück und wohnten drei Jahre am Hansaplatz gegenüber den Eltern Karlsberg. Danach wohnten sie fünf Jahre in der Grindelallee. 1893 wurde ihre Tochter Ilse geboren, 1895 Sohn Ernst, 1899 Sohn Bernhard. Ihr Ehemann Moses hatte Jura studiert. Er arbeitete im väterlichen Betrieb, der deutschen Vertretung der Cunard Stream Ship Company, die seit 1849 in den Händen der Familie Karlsberg lag. Nach dem Tod des Schwiegervaters übernahm ihr Ehemann dessen Position. Nach dem Tod ihres Schwiegervaters, kauften sie ein Haus für die Familie in der Klosterallee 8, wo sie mit ihrer Familie 28 Jahre lang lebten. Dort wuchsen die drei Kinder der Familie auf. Moritz und Emilie engagierten sich unter anderem in der Henry-Jones-Loge, dem Humanitären Frauenverein und in der jüdischen Gemeinde. Soziales Engagement war schon in der Familie ihres Ehemannes wichtig und man setzte dies fort. Ihr Ehemann Moritz Karlsberg baute eine der größten Passagier-Agenturen auf dem europäischen Kontinent für die britische Cunard-Linie aus. Ihr Sohn Bernhard arbeitete ab 1922 ebenfalls in der Firma. Flucht in die Niederlande Ehemann Moritz leitete die Agentur bis ins Frühjahr 1938. Nach der Anfrage der Nationalsozialisten bei der Cunard-Line Gesellschaft ob die Leitung des Betriebes in arischen Händen sei, kündigte Moritz seine Stellung als Mitinhaber und Direktor. Von seinem Dezernenten aus Liverpool erhielt er Unterstützung. Man plante gemeinsam seine Auswanderung nach England. Ihr Vermögen verteilten sie unter ihren Kindern und Geschwistern auf. Emilie und ihr Ehemann hatten ein Dauer-Visum für England. Im August 1938 verließen sie Hamburg. Moritz und Emilie gingen aber nicht in das letztlich sichere England, sondern zogen zu ihrem Sohn Bernhard in die Niederlande. Bertha und Moses Karlsberg wurden am 1. Juni 1943 in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Sie wurden am 20. Juli 1943 mit dem 19. Transport, der das Lager Westerbork in Richtung der deutschen Mordstätte Sobibor im heutigen Polen verließ, deportiert. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 71 und 78 Jahre alt. In diesem Transport befanden sich weitere 2007 Menschen, keiner dieser Menschen überlebte. Moses und Bertha Karlsberg wurden in Sobibor am 23. Juli 1943 unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Tochter Ilse Karlsberg heiratete 1913 den 1888 in Altona geborenen Zahnarzt Alfred Unna. Dem Paar gelang es, im September 1938 nach Palästina auszuwandern. Ilse Unna verstarb 1984 in Israel. Sohn Ernst Karlsberg heiratete vermutlich 1922 Nanette Lanzkorn aus Hamburg. Sie bekamen zwei Kinder, Luise und Lina. Ernst Karlsberg starb am 8. Oktober 1935 eines natürlichen Todes. Seine Witwe und die beiden Kinder emigrierten 1936 nach Palästina. Sie erhielten hebräische Namen, aus Luise wurde Lea, aus Lina Rivka. Lea heiratete Aharon Chefetz und lebte bis 1948 im Kibbuz Beit Arava und später im Kibbuz Kabri im Norden von Galiläa. Das Paar bekam drei Kinder. Zu ihrer Familie zählten letztlich ebenso mehrere Enkel und Urenkel. Lea verstarb 2001 in Israel. Zum Schicksal von Rivka ist weiter nichts bekannt. Sohn Bernhard Karlsberg Er legte 1917 seinem Notabitur ab und diente noch im 1. Weltkrieg, unter anderem als Übersetzer. Nach dem Krieg begann er sein Studium in Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Berlin, Kiel, München und Hamburg. 1921 promovierte er und nahm eine Anstellung in der Firma seines Vaters an. Er betätigte sich politisch in der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1922 heiratete die ebenfalls aus Hamburg stammende Kindergärtnerin Ilse Heilbronn. Das Paar bekam in den nächsten vier Jahren drei Kinder, Rahel wurde 1923 geboren, Ruth 1925 und Walter 1926. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verteidigte Bernhard Karlsberg politische Gefangene. 1934 wurde wegen des Verdachts des Hochverrats ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Seine 10-, 8- und 7-jährigen Kinder hatte er bereits vorsorglich in die Schweiz geschickt. Er selbst floh im Januar 1935 und seine Frau wenige Monate später ebenfalls in die Schweiz. Ehefrau und Kinder flohen weiter nach Prag. Bernhard versuchte währenddessen eine Arbeitsgenehmigung in Frankreich oder in den Niederlanden zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde ihm und seiner Frau die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Auch gegen seine Ehefrau Ilse wurde Haftbefehl erlassen, ihr wurde die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zur Last gelegt. 1937 gelang es Bernhard eine Arbeitserlaubnis als Rechtsanwalt in den Niederlanden zu bekommen. Er zog nach Amsterdam und wenige Monate später konnten auch seine Frau und die drei Kinder nachkommen. Seine Schwiegermutter Franziska Heilbronn zog im Februar 1939 ebenfalls nach Amsterdam. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten ging Bernhard in den Untergrund, da der Haftbefehl von 1935 noch immer galt, er engagierte sich im Widerstand. Er überlebte. Die Ehefrau Ilse Mathilde Karlsberg lebte weiter in der Legalität, sie wollte für ihre Mutter und die Schwiegereltern sorgen. Im September 1940 wurde Ilse verhaftet und 1941 ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel gebracht. Nach einigen Wochen wurde sie unter der Auflage von Hausarrest entlassen und wohnte in Hamburg. Am 20. Juli 1942 wurde sie von dort nach Theresienstadt verschleppt und am 19. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie starb. Die drei Kinder wurden 1940 in ein Flüchtlingslager für deutsch-jüdische Kinder nach Wieringen gebracht. Als das Lager 1941 geschlossen wurde, lebten die Kinder im Untergrund. 1943 wurden die beiden Mädchen Ruth und Rachel an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten verhaftet und nach Westerbork verschleppt. Mit der Hilfe des Vaters und von Freunden konnten sie jedoch fliehen und lebten anschließend wieder im Untergrund, wo auch ihr Bruder Walter den Krieg überlebte. (Eine Aussage der Enkelin Rachel zeigt, wie dramatisch sich für sie die Realität tatsächlich gestaltete. Siehe unten.) Die Schwiegermutter von Ilse Karlsberg, Franziska Heilbronn, wurde über Westerbork nach Sobibor verschleppt, wo sie am 16. Juli 1943 ermordet wurde. Aussage der Enkelin Rachel zu ihrer geplanten Deportation aus Westerbork: Rachel stand für den 4. Februar 1944 auf der Transportliste von Westerbork nach Auschwitz. Sie hatte bereits den Waggon bestiegen, sprang aber wieder hinaus und landete direkt vor den Füßen des Kommandanten von Westerbork. Sie bat ihn höflich nicht mitfahren zu müssen. Der Kommandant schickte sie tatsächlich wieder zurück in ihre Baracke. Beim nächsten Transport, für den sie vorgesehen war, versteckte sie sich in einer nahegelegenen Toilette. Danach konnte sie für zwei Tage im Lager untertauchen. Mit Hilfe anderer Menschen konnte sie fliehen und in den Untergrund gehen. Aus: Interview USC Shoa Foundation mit Rachel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website zu Stolpersteinen aus Hamburg Website Joods Monument Interview USC Shoa Foundation mit Rachel Raven am 19. Januar 1996 in Clifton, New Jersey

  • Bialowitz | Gedenkweg in Sobibor

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  • Minde van-Content | Gedenkweg in Sobibor

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  • Lieberg | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Wilhelm Lieberg geboren am 19. Dezember 1893 in Kassel, Hessen, Deutschland umgekommen am 8. September 1942 im Konzentrations- und Todeslager Majdanek Familie Ehefrau: Hertha Lieberg geboren am 26. Oktober 1898 in Berlin, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Tochter: Marion Lieberg geboren am 16. Februar 1924 in Kassel, Hessen, Deutschland ausgewandert im Mai 1939 nach Groß England gestorben am 19. Juni 1996 in den USA Sohn: Wolfgang Lieberg geboren am 5. Juni 1927 in Kassel, Hessen, Deutschland gestorben am 5. Juni 1929 in Kassel, Hessen, Deutschland Sohn: Ralf Michael Lieberg geboren am 16. Juni 1933 in Kassel, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im Mordlager Sobibor Lebensdaten 1893 Geburt in Kassel 1922 Heirat mit Berta-Hertha Hirsch aus Berlin 1924 Geburt der Tochter Marion 1927 Geburt des Sohnes Wolfgang 1927 Übernahme des Betriebs seines Vaters 1929 Tod des Sohnes Wolfgang 1933 Geburt des Sohnes Ralf-Michael 1938 Inhaftierung im Konzentrationslager Buchenwald 1938 Zwangsverkauf des Betriebes und Berufsverbot 1938 Flucht beider Schwestern in die Schweiz bzw. nach Palästina 1938 Schulverbot für die Tochter Marion 1939 Tochter Marion geht auf Kindertransport nach England 1940 Zwangsarbeit in seinem eigenen ehemaligen Betrieb 1942 Deportation gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn 1942 Ermordung seiner Ehefrau und seines Sohnes im Sobibor 1942 Inhaftierung und Tod im Konzentrations- und Mordlager Majdanek nächste Wilhelms Ehefrau Hertha mit den beiden Kindern Marion und Wolfgang, 1927 Wilhelm mit seinem Sohn Ralf Michael Hochzeitsfoto, Kassel 1922 Ralf Lieberg, 1935 Biografie Wilhelm Lieberg wuchs in Kassel auf. Kassel war eine der größten städtischen jüdischen Gemeinden des Reiches, Ende des 19. Jahrhunderts mit fast 3000 Mitgliedern. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner trugen entscheidend zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Das städtische Judentum setzte sich vor allem aus assimilierten und liberalen, aber auch streng gläubigen Juden zusammen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine große Synagoge und eine für orthodox orientierte Juden.Viele Gemeindemitglieder engagierten sich in zahlreichen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen und Einrichtungen. Zum jüdischen Leben in Kassel gehörten u.a. ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderhort. Im Ersten Weltkrieg fielen 62 jüdische Männer. 1933 lebten noch 2300 Jüdinnen und Juden in Kassel. Die jüdische Schule besuchten in diesem Jahr 176 Kinder. Bis 1936 wanderten 400 Kasseler Jüdinnen und Juden aus. 1922 heiratete Wilhelm Lieberg Berta Hertha Hirsch aus Berlin. Das Paar lebte bis 1926 in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße 78 und zog dann in die Lessingstraße 18 um. Sie bekamen drei Kinder, die älteste Tochter Marion wurde 1924 geboren, der Sohn Wolfgang 1927, der an seinem zweiten Geburtstag verstarb, 1933 wurde der Sohn Ralf Michael geboren. Wilhelm Lieberg wuchs in einer weit verzweigten gutbürgerlichen Unternehmerfamilie auf. Der Familienbetrieb war in der Metallverarbeitung tätig und hatte seinen Firmensitz im Messinghof im Industriegebiet Bettenhausen, das später nach Kassel eingemeindet wurde. Von 1922 bis 1935 waren bei den „Metallwerke Lieberg & Co. GmbH Kassel-Bettenhausen“ etwa 140 Menschen beschäftigt. Wilhelm Lieberg übernahm 1927 nach dem Tod seines Vaters Moritz Lieberg den Betrieb. Mitgesellschafterinnen waren seine beiden Schwestern Erna, verheiratete Sander, und Margarethe, verheiratete Garthe und Kurt Kaufmann, ein Verwandter aus der Schweiz. Ausgrenzung, Raub, Vertreibung Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten begann die sukzessive Ausgrenzung, Verfolgung und der Raub an den jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern in Kassel. Wilhelm Liebergs Familie und das Unternehmen erfuhren von Anfang an eine besondere Aufmerksamkeit durch die Nationalsozialisten. Schon am 26. August 1933 wurde ein Neffe von Wilhelm Lieberg von einer aufgebrachten Menschenmenge durch Kassels Straßen geführt. Er war mit einem nicht-jüdischen Mädchen befreundet. Nach diesen Übergriffen kehrte der Mitgeschäftsführer der Firma von Wilhelm Lieberg, Kurt Kaufmann, dem Deutschen Reich den Rücken und zog zurück in die Schweiz, die Geschäfte leitete er von dort aus. Am 12.11.1938 verordnete Hermann Göring das Ende der wirtschaftlichen Betätigung der Juden. Damit wurde der Betrieb in der dritten Generation enteignet und „arisiert“.Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde Wilhelm Lieberg - wie weitere 250 Kasseler jüdische Männer - verhaftet und in das 200 Kilometer entfernte Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und für mehrere Wochen festgehalten. Während seiner Haftzeit wurde der Messinghof weit unter Wert verkauft. Wilhelm Lieberg wurde 1938 zudem eine beträchtliche „Judenvermögensabgabe“ von annähernd 50.000 Reichsmark auferlegt. (In einem Entschädigungsverfahren nach dem Krieg wurde der Verkaufspreis als fair eingestuft, Treuhänder in diesem Verfahren war allerdings der Geschäftsführer eines Nachfolgebesitzers.) Die beiden Schwestern von Wilhelm Lieberg wanderten 1938 in die Schweiz bzw. nach Israel aus. Die wertvolle Gemäldesammlung von Carl Lieberg, Onkel von Wilhelm Lieberg und früherer Mitinhaber der Firma, wurde 1939 einer Sicherungsanordnung unterworfen und später für 40.000 RM versteigert. (Teile der Kunstsammlung befinden sich heute im Besitz der Museumslandschaft Hessen Kassel.) Nach dem Schulverbot für jüdische Kinder war es der Tochter Marion Lieberg nicht mehr möglich, in Kassel eine angemessene Schulausbildung zu machen. Ihren Eltern gelang es, für die Fünfzehnjährige einen Platz in einem der Kindertransporte nach Großbritannien zu bekommen. So konnte sie im Mai 1939 ins rettende Ausland flüchten. 1946 heiratete sie einen US-Bürger und emigrierte mit ihm in die USA. Wilhelm Lieberg arbeitete ab Beginn des 2. Weltkrieges als einfacher Arbeiter gegen geringes Entgelt in seiner ehemaligen eigenen Firma. Deportation nach Majdanek Zum 31.5.1942 wurden Wilhelm Lieberg, seine Frau Berta und der 9-jährige Sohn Ralf in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren fünfzig Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte noch vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Die Familie Lieberg wurde am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Geheimen Staatspolizei-Bezirk Kassel von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten vor allem aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohner*innen, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt. Unter diesen Männern befand sich auch Wilhelm Lieberg. Unter der Häftlingsnummer 10177 wurde sein Tod am 8. September 1942 im Todes- und Konzentrationslager Majdanek registriert. Der Sonderzug „Da 57“ fuhr vom Anschlussgleis „Alter Flughafen“ direkt nach Sobibor weiter. Ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto, auch nicht nach Izbica. „Da 57“ kam am 3. Juni 1942 in Sobibor an. Berta Lieberg und ihr Sohn Ralf wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Website Stolpersteine Kassel Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kammler, Jörg u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933-1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986 Lilienthal, Marion u.a. Hg., Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Matthäus, Wolfgang, Kaiserstraße 13. Geschichten vom jüdischen Leben im Vorderen Westen, in Kassel und Region, 2014

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  • Beck | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Walter Beck geboren am 6. April 1932 in Magdeburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Gerda Beck, geborene Meissner geboren am 2. September 1911 in Berlin, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Vater: Karl Beck geboren am 27. Mai 1899 in Wien, Oesterreich-Ungarn ermordet am 16. Juli 1936 im Gefängnis in Berlin-Moabit Stiefvater: Franz-Otto Seligsohn geboren am 28. Oktober 1899 in Berlin, Deutschland verstorben am 29. Mai 1945 bei Tröbitz, Brandenburg, Deutschland Lebensdaten 1932 Geburt in Magdeburg 1933 Verhaftung und Verurteilung der Eltern 1933 Walter lebt bei seinen Großeltern mütterlicherseits 1935 Haftentlassung der Mutter 1935 Ermordung des Vaters 1937 Tod der Großmutter mütterlicherseits 1938 Verhaftung des Großvaters mütterlicherseits 1938 Flucht in die Niederlande 1938/39 lebt in Quarantäneunterkunft/ Kinderheimen in Amsterdam 1939 seine Mutter heiratet Franz-Otto Seligsohn 1939 wohnt bei seiner Mutter und seinem Stiefvater 1942 Deportation und Ermordung des Großvaters mütterlicherseits 1943 Walter und seine Mutter werden deportiert und in Sobibor ermordet 1945 Stiefvater Franz-Otto Seligsohn stirbt kurz nach Kriegsende nächste Biografie Walter Beck war der Sohn von Karl und Gerda Beck. Die Familie wohnte in Magdeburg, der Vater war Handelsgehilfe, arbeitete aber als Gleisarbeiter bei der Reichsbahn. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 waren Mutter und Vater im kommunistischen Widerstand engagiert; wegen einer Flugblattaktion wurden beide zu Gefängnisstrafen verurteilt. Während ihrer Inhaftierung kümmerten sich die Großeltern um den kleinen Walter. Kurz vor der Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau wurde sein Vater in das Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in Berlin-Moabit überstellt, zwei Tage später war er tot, nach Aussagen von Mithäftlingen wurde er bei einem Verhör erschlagen. Die Mutter war bereits einige Wochen vorher aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie musste nicht nur die Nachricht über den Tod ihres Mannes verkraften, in den nächsten beiden Jahren starben auch ihre Mutter und ihre Großmutter. Während des Novemberpogroms 1938 wurde der Großvater Leopold Meissner verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Flucht in die Niederlande In dieser verzweifelten Situation verließ Gerda mit ihrem Sohn Walter Magdeburg in Richtung Amsterdam. Bis zu 50.000 deutsche Jüdinnen und Juden flohen bis zur deutschen Besetzung in die Niederlande, legal oder illegal. Das Leben der Flüchtlinge war schwierig. Emigranten erhielten keine Arbeitserlaubnis und waren von Hilfsorganisationen abhängig. Für den 6-jährigen Walter Beck ist einem Eintrag vom 28.11.1938 in der Quarantäneunterkunft in der Amsterdamer Zeeburgerdijk 321 zu entnehmen: „legal, zu klein zu antworten, keine Papiere“. Bis September 1939 war Walter Beck in verschiedenen Kinderheimen in Amsterdam untergebracht. Diphtherieerkrankungen in seinem Heim führten dazu, dass er erneut von September bis Mitte Dezember 1939 in seiner alte Quarantäneunterkunft im Zeeburgerdijk untergebracht wurde. Der Aufenthaltsort seiner Mutter Gerda in diesem ersten Jahr in den Niederlanden ist unbekannt. Bekannt ist, dass sie den Berliner Emigranten Franz-Otto Seligsohn kennenlernte, im Mai 1939 das Aufgebot bestellt wurde und Mitte September desselben Jahres heiratete. Erst ab 14. Dezember 1939 konnte Walter Beck endlich wieder bei seiner Mutter leben. Die kleine Familie wohnte in der Dintelstraat 84 in Amsterdam. Mit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 verschärfte sich die Situation der deutschen Flüchtlinge zusehends durch Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung und Verfolgung. Die Familie zog in Amsterdam noch zweimal um, 1941 in die Biesboschstraat 67 III und kurz vor ihrer Deportation in die Amstelkade 3. Verhaftung und Deportation Im Frühjahr 1943 erhielten Walter Beck und seine Mutter die Aufforderung, sich in der Hollandse Schouwburg zu melden. Dieses ehemalige Theater diente den deutschen Besatzern ab Sommer 1942 als Sammelstelle für Jüdinnen und Juden aus Amsterdam. Wenn sie sich nicht freiwillig meldeten, wurden sie bei Razzien in ihren Wohnungen, an ihren Arbeitsplätzen oder auf der Straße von deutschen oder auch niederländischen Polizisten aufgegriffen und zur Sammelstelle gebracht und in das Lager Westerbork verschleppt. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Am 25. Mai 1943 mussten der mittlerweile zehnjährige Walter und seine Mutter Gerda im 13. Transport zusammen mit insgesamt 2860 Jüdinnen und Juden die Fahrt nach Sobibor antreten. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. Walter und seine Mutter wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft, am 28. Mai 1943, in Sobibor ermordet. Walters Großvater Leopold Meissner, bei dem Walter Beck als Baby während der Haftzeit seiner leiblichen Eltern lebte, wurde am 14. April 1942 in das Warschauer Ghetto deportiert und von dort aus in das Mordlager Treblinka verschleppt und ermordet. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Der Stiefvater Franz-Otto Seligsohn wurde im April 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Nur einen Tag vor der Befreiung durch die britische Armee wurde er am 10. April 1945 noch in einen Zug mit 2400 Menschen gemeinsam in Richtung Konzentrationslager Theresienstadt gepfercht. Nach einer Irrfahrt durch die noch unbesetzten Teile Deutschlands ließ man den Zug auf offener Strecke nahe der brandenburgischen Gemeine Tröbitz stehen. Erst am 23. April 1945 befreite die vorrückende Rote Armee die Insassen des Zuges. Etwa 200 Menschen waren in den Waggons bereits verstorben, viele waren an Typhus erkrankt. Franz Otto Seligsohn starb wenige Wochen später am 29. Mai 1945 in einem Krankenrevier an Typhus. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Dokin - Informationen zu Kinder aus Kindertransporten in die Niederlande Website der Stadt Magdeburg zum Schicksal der Familie Beck

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