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< zurück vorherige Julius Dalberg geboren am 21. Mai 1882 in Essentho, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau: Bella Dalberg, geborene Nussbaum geboren am 28. Januar 1883 in Bad Hersfeld, Hessen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1882 geboren in Essentho ca 1900 Umzug nach Kassel 1904 Reifeprüfung in Bad Hersfeld ca 1910 Abschluss Jura Studium 1911 Heirat mit Bella Nussbaum aus Bad Hersfeld 1933 Schwerste Misshandlungen durch die Kasseler SA 1933 Einlieferung ins Konzentrationslager Breitenau bei Kassel 1934 Flucht in die Niederlande; Gründung eines eigenen Antiquariats 1941 Schließung des Antiquariats durch die deutschen Besatzer 1940 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Biografie Julius Dalberg stammte aus Essentho bei Marsberg im westfälischen Sauerland, wo es seit dem 18. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde gab. Seine Familie verzog siedelte Ende des 19. Jahrhunderts nach Kassel um. Julius Dalberg besuchte in Kassel die Albert-Schweitzer-Schule und später das Oberstufen-Gymnasium in Bad Hersfeld und legte 1904 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er Jura. Später arbeitete Julius Dalberg in Kassel als Rechtsanwalt. Julius Dalberg war vielseitig interessiert und engagiert. So war er u.a. Gemeindeältester der Jüdischen Gemeinde. Er arbeitete als Redakteur für die „Jüdische Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck“ und veröffentlichte Aufsätze zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Kassel. Zudem war er Sammler antiker Kunst und antiquarischer Bücher, vor allem aus jüdischem Kontext. Zusammen mit Alexander Lewinsohn war er federführend an der Schaffung des jüdischen Museums beteiligt. Julius Dalberg hatte seine Frau bereits während seines Schulbesuchs in Bad Hersfeld kennen gelernt. Sie war die Tochter des jüdischen Lehrers Moses Nussbaum. Im Jahr 1911 heirateten Julius Dalberg und Bella Nussbaum. Ab 1911 wohnte die Familie in der Hohenzollernstraße in Kassel und blieb kinderlos. Julius Dalberg hatte immer wieder berufliche Auseinandersetzungen mit dem Kasseler Rechtsanwalt und späteren Präsidenten des nationalsozialistischen Volksgerichtshofes Roland Freisler. Dieser war Sprecher und der führende Kopf der Kasseler Nationalsozialisten. Am 24. März 1933 wurde Julius Dalberg im SA-Lokal „Bürgersäle“ auf schwerste Weise- mit bleibenden körperlichen Schäden - misshandelt und als demütigende Maßnahme sein Vollbart abgeschnitten. Am 1. September 1933 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Breitenau in Guxhagen nahe Kassel eingeliefert. Flucht in die Niederlande Nach seiner zwei Wochen später stattfindenden Freilassung flüchteten er und seine Frau Bella nach Amsterdam. Bella und Julius Dalberg waren in Amsterdam zwischen 8. Januar 1934 und 1. Juni 1943 in der Noorder Amstellaan 31 A III polizeilich gemeldet. Dort gründete er mit zwei Gulden in einer Garage in der Spuistraat das jüdisch-wissenschaftliche Antiquariat „Pampiere Wereld“. In der ‚Het Parool‘ vom 14. Juli 1984 beschrieb ihn sein ehemaliger Mitarbeiter Salo Meyer so: „Ein sehr distinguierter Mann, ehrlich, weltoffen. Vor dem Krieg bestand die Winkler-Prins-Enzyklopädie aus sechzehn Bänden – Dalberg wurde als siebzehnter Band bezeichnet. Ein zuverlässiger, sehr engagierter Mann. Beeindruckend von Statur und Vollbart. Hier – ich trage immer noch sein Foto bei mir. Ein sehr gebildeter Mann mit einem beeindruckenden Gedächtnis. Das Buch „Die Geschichte der Juden in den Niederlanden“ enthält zwei von ihm verfasste Kapitel, die er aus dem Gedächtnis aufschrieb. Denn er hatte nichts bei sich, als er aus Deutschland floh.“ Mit der Besetzung der Niederlande am 10. Mai 1940 durch die Deutschen verschärfte sich sowohl die Situation der niederländischen Jüdinnen und Juden als auch der aus Deutschland Geflüchteten dramatisch. Dem von den Nazis erlassenen Arbeitsverbotes für Juden entsprechend wurde das Antiquariat von Julius Dahlberg am 10.10.1941 geschlossen Verhaftung und Deportation Anfang April 1943 wurden Bella und Julius Dalberg bei einer Razzia verhaftet und in das Zentrale Flüchtlingslager Westerbork, später „Polizeiliches Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ gebracht. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Menschen in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Julius und Bella Dalberg wurden am 20. Juli 1943 mit dem 19. Transport aus dem Lager Westerbork ins Todeslager Sobibor deportiert. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. In diesem Transport befanden sich weitere 2007 Menschen, keiner dieser Menschen überlebte. Julius und Bella Dalberg wurden direkt nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor am 23. Juli 1943 ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website zur Geschichte jüdischer Gemeinden in Deutschland Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, Hg. Susanne Freund u.a., 2016 Kamler u.a., Hg., Volksgemeinde und Volksfeinde, Kassel 1933 – 1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang Prinz, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986
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< zurück vorherige Rosi Hanna Ochs geboren am 26. Juni 1929 in Herleshausen, Hessen, Deutschland ermordet am 7. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Recha Ochs, geborene Hirnheimer geboren am 1. August 1900 in Bamberg, Bayern, Deutschland ermordet am 1. Oktober 1944 im deutschen Konzentrationslager Stutthof Vater: Karl Kallmann Ochs geboren am 7. Mai 1896 in Herleshausen, Hessen, Deutschland ermordet 1942 im Ghetto von Riga Großmutter: Gitta (Gitla) Hirnheimer geboren am 14. Dezember 1862 in Greussenheim, Bayern, Deutschland ermordet am 2. Juli 1943 im Mordlager Sobibor Großvater:Max Hirnheimer geboren am 6. August 1861 in Reichmannsdorf, Bayern, Deutschland gestorben am 31. Mai 1938 in Oss, Niederlande Tante: Mathilde Kahn-Hirnheimer geboren am 24. Oktober 1893 in Bamberg, Bayern, Deutschland ermordet am 6. Oktober 1944 im deutschen Konzentrations- und Mordlager Auschwitz-Birkenau Onkel: Josef Hirnheimer geboren am: 3. Mai 1904 in Bamberg, Bayern, Deutschland ermordet am 7. Mai 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Tante: Estera Hirnheimer geboren am 18. März 1897 in Bamberg, Bayern, Deutschland ermordet am 14. Oktober 1944 im deutschen Konzentrations- und Mordlager Auschwitz-Birkenau Tante: Selma Hirnheimer, verheiratete Neumark geboren am: 26. Februar 1899 geboren in: Bamberg, Bayern, Deutschland ermordet: 13. Mai 1942 im deutschen Mordlager Chelmno Lebensdaten 1929 Geburt in Herleshausen 1933 Besuch des Kindergartens in Herleshausen 1935 Besuch der Volksschule Herleshausen 1937 Auswanderung der Großeltern und der Tante Estera in die Niederlande 1938 Großvater Max Hirnheimer verstirbt in den Niederlanden 1938 Ausschluss vom Schulbesuch in Herleshausen 1938 Vater Karl Ochs wird im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert 1938 Verschickung in die Niederlande zur Großmutter 1939 Umzug der Eltern nach Berlin 1940 Rückkehr der Eltern nach Herleshausen 1941 Verschleppung der Eltern ins Ghetto Riga 1941 Schulbesuch in Herzogenbusch 1942 Einweisung in ein jüdisches Waisenhaus in Amsterdam 1942 Tod der Tante Selma Hirnheimer im Mordlager Chelmno 1942 Tod des Vaters im Ghetto Riga 1943 Verschleppung nach Sobibor und Ermordung 1943 Verschleppung und Ermordung des Onkels Josef Hirnheimer in Sobibor 1943 Verschleppung und Ermordung der Großmutter in Sobibor 1944 Tod der Mutter im Konzentrationslager Stutthof 1944 Tod der Tante Mathilde Kahn-Hirnheimer in Auschwitz-Birkenau 1944 Tod der Tante Estera Hirnheimer in Auschwitz-Birkenau nächste Gedenktafel Rosi Ochs Herleshausen Kindergartenfoto von Rosi Recha Ochs, Rosis Mutter Biografie Seit dem 17. Jahrhundert lebten Jüdinnen und Juden in Herleshausen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine Synagoge, die 1938 in der Reichspogromnacht zerstört wurde, es gab eine jüdische Schule, eine Mikwe und einen jüdischen Friedhof. 1933 lebten 60 jüdische Gemeindeglieder in Herleshausen, viele von ihnen zogen in der Folgezeit wegen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weg oder wanderten aus. Im Herbst 1938 lebten noch 34 jüdische Personen im Ort, von denen niemand den Holocaust überlebte. Rosi Ochs wurde am 26. Juni 1929 in Herleshausen geboren. Ihre Eltern waren Recha und Karl (auch Kallmann genannt) Ochs, die seit 1928 verheiratet waren. Rosi besuchte den evangelischen Kindergarten in Herleshausen, auf einem erhaltenen Gruppenfoto ist sie 1933 zu sehen. Rosis Vater Karl Ochs war Viehhändler und betrieb mit seiner Frau ein Geschäft in Herleshausen. Nach dem Sabbat Gottesdienst trafen sich die jüdischen Männer oft im Hause Ochs. Das Geschäft blieb nicht von den antijüdischen Übergriffen verschont. Unter anderem 1935 wurde ihnen eine Fensterscheibe eingeschlagen. Rosis Mutter Recha Ochs stammte aus einer großen Familie, sie hatte noch weitere elf Geschwister. Drei Geschwister starben bereits im Kindesalter, zwei Geschwister konnten rechtzeitig emigrieren, Schwester Ida überlebte in den Niederlanden. Vier Geschwister kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Nach 1938 Karl Ochs wurde nach der Reichspogromnacht im November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, aus dem er am 23.11.1938 entlassen wurde. Rosi besuchte zu dieser Zeit die örtliche Schule im Ort. Nach der Pogromnacht wurde ein Gesetz erlassen, das jüdischen Mädchen und Jungen den Besuch von öffentlichen Schulen untersagte. Im Herbst 1938 kamen Männer in Rosis Schule. Die Klassenlehrer der Schule wurden aufgefordert, die Namen der jüdischen Schülerinnen und Schüler anzugeben. Diese wurden daraufhin aus dem Schulbesuch ausgeschlossen und aufgefordert, die Schule sofort zu verlassen. Eine ehemalige christliche Schulkollegin beschrieb die damals neunjährige Rosi Ochs als intelligente Schülerin mit einer auffallend schönen Handschrift. Ihre Eltern beschlossen noch im Dezember 1928, Rosi zur Großmutter in die Niederlande in Sicherheit zu bringen. Ihre Großeltern, Gitta Hirnheimer und deren Ehemann Max, waren schon 1937 in die Niederlande ausgewandert. Auch weitere Geschwister von Rosis Mutter lebten bereits in den Niederlanden. Rosis Großeltern wohnten in Oss in der Ridderstraat 38, ihr Großvater Max verstarb im Mai 1938. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 waren Rosi und ihre Großmutter erneut den Schikanen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Nach und nach wurden in den Niederlanden antijüdische Gesetze eingeführt. Rosi Ochs besuchte zuerst die öffentliche Grundschule in Eikenboomgaard,wurde erneut der Schule verwiesen und musste ab Oktober 1941 das jüdische Gymnasium im zwanzig Kilometer entfernten Den Bosch besuchen. Am 6. Dezember 1942 wurde sie in das Niederländisch-israelische Mädchenwaisenhaus in Amsterdam aufgenommen, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Verschleppung nach Westerbork Im Februar 1943 wurden die Kinder des Waisenhauses `evakuiert´, die meisten der Mädchen, so auch Rosi Ochs, kamen in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Deportation nach Sobibor Am 4. Mai 1943 musste Rosi Ochs mit weiteren 1187 Menschen einen Deportationszug besteigen. Dies war der 10. Transport, der Westerbork in Richtung des deutschen Vernichtungslagers Sobibor in Polen verließ. Rosi Ochs wurde am 7. Mai 1943 unmittelbar nach ihrer Ankunft im Mordlager Sobibor ermordet. Sowohl in Herleshausen, Am Anger 2, als auch in Oss in der Ridderstraat 38 erinnern Stolpersteine an Rosi Ochs. Ihr Onkel Josef Hirnheimer, geboren am 3. Mai.1904 in Bamberg, war in den Niederlanden im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv und wurde verraten. Er war von Beruf Hopfenhändler und hatte in Vlijmen in der Wolput 12 gelebt. Er wurde im selben Transport wie Rosi Ochs ebenfalls von Westerbork aus nach Sobibor deportiert, wo er am 7.Mai 1943 ermordet wurde. Ihre Großmutter Gitta wurde wenige Wochen später, am 29. Juni von Westerbork nach Sobibor gebracht und am 2. Juli 1943 dort ermordet. Rosis Eltern Die Eltern von Rosi Ochs zogen Ende 1939 nach Berlin, kamen aber schon im Februar 1940 zurück nach Herleshausen. Ihre Bemühungen um eine Emigration ins rettende Ausland blieben vergebens. Am 8. Dezember 1941 mussten sich die Eltern von Rosi Ochs in Kassel in die Turnhalle am Schulkomplex Schillerstrasse melden. Sie wurden durchsucht und ihre Wertsachen konfisziert. Am nächsten Tag, am 9. Dezember 1941, wurden sie zusammen mit 1032 weiteren Menschen in das Ghetto in Riga im heutigen Lettland deportiert. Ihr Vater Karl Ochs starb vermutlich im Ghetto Riga, sein Todesdatum ist mit dem 1. Januar 1942 angegeben. 1942 erwarb die Gemeinde das „Judenhaus“ Karl Ochs, Herleshausen, Am Anger 2, noch bevor seine rechtmäßige Erbin ausfindig gemacht werden konnte. Ihre Mutter Recha Ochs wurde von Riga aus weiter in das Konzentrationslager Stutthof gebracht, sie starb dort am 1. Oktober 1944. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Webssite Statistik des Holocaust Website Alemannia Judaica - Herleshausen Gedenkbuch der jüdischen Bürgern Bambergs Pdf zur Stolpersteinverlegung des Werratalvereins
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< zurück vorherige Wilhelm Lieberg geboren am 19. Dezember 1893 in Kassel, Hessen, Deutschland umgekommen am 8. September 1942 im Konzentrations- und Todeslager Majdanek Familie Ehefrau: Hertha Lieberg geboren am 26. Oktober 1898 in Berlin, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Tochter: Marion Lieberg geboren am 16. Februar 1924 in Kassel, Hessen, Deutschland ausgewandert im Mai 1939 nach Groß England gestorben am 19. Juni 1996 in den USA Sohn: Wolfgang Lieberg geboren am 5. Juni 1927 in Kassel, Hessen, Deutschland gestorben am 5. Juni 1929 in Kassel, Hessen, Deutschland Sohn: Ralf Michael Lieberg geboren am 16. Juni 1933 in Kassel, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im Mordlager Sobibor Lebensdaten 1893 Geburt in Kassel 1922 Heirat mit Berta-Hertha Hirsch aus Berlin 1924 Geburt der Tochter Marion 1927 Geburt des Sohnes Wolfgang 1927 Übernahme des Betriebs seines Vaters 1929 Tod des Sohnes Wolfgang 1933 Geburt des Sohnes Ralf-Michael 1938 Inhaftierung im Konzentrationslager Buchenwald 1938 Zwangsverkauf des Betriebes und Berufsverbot 1938 Flucht beider Schwestern in die Schweiz bzw. nach Palästina 1938 Schulverbot für die Tochter Marion 1939 Tochter Marion geht auf Kindertransport nach England 1940 Zwangsarbeit in seinem eigenen ehemaligen Betrieb 1942 Deportation gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn 1942 Ermordung seiner Ehefrau und seines Sohnes im Sobibor 1942 Inhaftierung und Tod im Konzentrations- und Mordlager Majdanek nächste Wilhelms Ehefrau Hertha mit den beiden Kindern Marion und Wolfgang, 1927 Wilhelm mit seinem Sohn Ralf Michael Hochzeitsfoto, Kassel 1922 Ralf Lieberg, 1935 Biografie Wilhelm Lieberg wuchs in Kassel auf. Kassel war eine der größten städtischen jüdischen Gemeinden des Reiches, Ende des 19. Jahrhunderts mit fast 3000 Mitgliedern. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner trugen entscheidend zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Das städtische Judentum setzte sich vor allem aus assimilierten und liberalen, aber auch streng gläubigen Juden zusammen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine große Synagoge und eine für orthodox orientierte Juden.Viele Gemeindemitglieder engagierten sich in zahlreichen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen und Einrichtungen. Zum jüdischen Leben in Kassel gehörten u.a. ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderhort. Im Ersten Weltkrieg fielen 62 jüdische Männer. 1933 lebten noch 2300 Jüdinnen und Juden in Kassel. Die jüdische Schule besuchten in diesem Jahr 176 Kinder. Bis 1936 wanderten 400 Kasseler Jüdinnen und Juden aus. 1922 heiratete Wilhelm Lieberg Berta Hertha Hirsch aus Berlin. Das Paar lebte bis 1926 in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße 78 und zog dann in die Lessingstraße 18 um. Sie bekamen drei Kinder, die älteste Tochter Marion wurde 1924 geboren, der Sohn Wolfgang 1927, der an seinem zweiten Geburtstag verstarb, 1933 wurde der Sohn Ralf Michael geboren. Wilhelm Lieberg wuchs in einer weit verzweigten gutbürgerlichen Unternehmerfamilie auf. Der Familienbetrieb war in der Metallverarbeitung tätig und hatte seinen Firmensitz im Messinghof im Industriegebiet Bettenhausen, das später nach Kassel eingemeindet wurde. Von 1922 bis 1935 waren bei den „Metallwerke Lieberg & Co. GmbH Kassel-Bettenhausen“ etwa 140 Menschen beschäftigt. Wilhelm Lieberg übernahm 1927 nach dem Tod seines Vaters Moritz Lieberg den Betrieb. Mitgesellschafterinnen waren seine beiden Schwestern Erna, verheiratete Sander, und Margarethe, verheiratete Garthe und Kurt Kaufmann, ein Verwandter aus der Schweiz. Ausgrenzung, Raub, Vertreibung Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten begann die sukzessive Ausgrenzung, Verfolgung und der Raub an den jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern in Kassel. Wilhelm Liebergs Familie und das Unternehmen erfuhren von Anfang an eine besondere Aufmerksamkeit durch die Nationalsozialisten. Schon am 26. August 1933 wurde ein Neffe von Wilhelm Lieberg von einer aufgebrachten Menschenmenge durch Kassels Straßen geführt. Er war mit einem nicht-jüdischen Mädchen befreundet. Nach diesen Übergriffen kehrte der Mitgeschäftsführer der Firma von Wilhelm Lieberg, Kurt Kaufmann, dem Deutschen Reich den Rücken und zog zurück in die Schweiz, die Geschäfte leitete er von dort aus. Am 12.11.1938 verordnete Hermann Göring das Ende der wirtschaftlichen Betätigung der Juden. Damit wurde der Betrieb in der dritten Generation enteignet und „arisiert“.Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde Wilhelm Lieberg - wie weitere 250 Kasseler jüdische Männer - verhaftet und in das 200 Kilometer entfernte Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und für mehrere Wochen festgehalten. Während seiner Haftzeit wurde der Messinghof weit unter Wert verkauft. Wilhelm Lieberg wurde 1938 zudem eine beträchtliche „Judenvermögensabgabe“ von annähernd 50.000 Reichsmark auferlegt. (In einem Entschädigungsverfahren nach dem Krieg wurde der Verkaufspreis als fair eingestuft, Treuhänder in diesem Verfahren war allerdings der Geschäftsführer eines Nachfolgebesitzers.) Die beiden Schwestern von Wilhelm Lieberg wanderten 1938 in die Schweiz bzw. nach Israel aus. Die wertvolle Gemäldesammlung von Carl Lieberg, Onkel von Wilhelm Lieberg und früherer Mitinhaber der Firma, wurde 1939 einer Sicherungsanordnung unterworfen und später für 40.000 RM versteigert. (Teile der Kunstsammlung befinden sich heute im Besitz der Museumslandschaft Hessen Kassel.) Nach dem Schulverbot für jüdische Kinder war es der Tochter Marion Lieberg nicht mehr möglich, in Kassel eine angemessene Schulausbildung zu machen. Ihren Eltern gelang es, für die Fünfzehnjährige einen Platz in einem der Kindertransporte nach Großbritannien zu bekommen. So konnte sie im Mai 1939 ins rettende Ausland flüchten. 1946 heiratete sie einen US-Bürger und emigrierte mit ihm in die USA. Wilhelm Lieberg arbeitete ab Beginn des 2. Weltkrieges als einfacher Arbeiter gegen geringes Entgelt in seiner ehemaligen eigenen Firma. Deportation nach Majdanek Zum 31.5.1942 wurden Wilhelm Lieberg, seine Frau Berta und der 9-jährige Sohn Ralf in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren fünfzig Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte noch vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Die Familie Lieberg wurde am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Geheimen Staatspolizei-Bezirk Kassel von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten vor allem aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohner*innen, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt. Unter diesen Männern befand sich auch Wilhelm Lieberg. Unter der Häftlingsnummer 10177 wurde sein Tod am 8. September 1942 im Todes- und Konzentrationslager Majdanek registriert. Der Sonderzug „Da 57“ fuhr vom Anschlussgleis „Alter Flughafen“ direkt nach Sobibor weiter. Ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto, auch nicht nach Izbica. „Da 57“ kam am 3. Juni 1942 in Sobibor an. Berta Lieberg und ihr Sohn Ralf wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Website Stolpersteine Kassel Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kammler, Jörg u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933-1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986 Lilienthal, Marion u.a. Hg., Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Matthäus, Wolfgang, Kaiserstraße 13. Geschichten vom jüdischen Leben im Vorderen Westen, in Kassel und Region, 2014
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