
Baruch Cukierman
geboren 1935 in Kurów, Woiwodschaft Lublin, Polen
ermordet im Mai 1942 in Sobibor
Familie
Lebensdaten


Vater Hersz und Bruder Josef Cukierman, Foto kurz nach dem Krieg




Biografie
Baruch Cukierman wurde 1935 in Kurów geboren. Er hatte drei Geschwister: Seinen älteren Bruder Josef (1930) und die jüngeren Schwestern Khanale (1936) und Rivka (1937). Seine Eltern Sara und Hershel Cukierman wohnten mit ihrer Familie in Kurów, wo sein Vater als fahrender Händler in den umliegenden Gemeinden seine Waren verkaufte.
Besatzung, Verschleppung und Deportation
Der Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen im September 1939 führte zunächst dazu, dass ihr Dorf bombardiert wurde. Die Familie musste in das nur wenige Kilometer entfernte WóƗka Kątna umziehen.
In den folgenden Jahren wurden nach und nach antijüdische Repressionen spürbar, die im Jahre 1941 dazu führten, dass die Familie in das Ghetto Opole Lubelski verschleppt wurde. Dort lebten auf engstem Raum etwa 100.000 Menschen. Im März 1942 begannen die ersten Deportationen in das Todeslager BeƗzec. Im Mai 1942 folgte eine weitere Deportation nach Sobibor. Zu den 2.000 Deportierten zählte auch die Familie Cukierman. Sie wurden zunächst in das dreißig Kilometer entfernte NaƗęczov verschleppt, die Männer zu Fuss, die Frauen und Kinder auf Fuhrwerken. Vom dortigen Bahnhof aus wurden sie in Viehwaggons nach Sobibor transportiert.
Bei der Ankunft an der Rampe wurde die Familie getrennt. Der siebenjährige Baruch, seine Mutter Sara und die beiden sechs- und fünfjährigen Schwestern Khanale und Rivka wurden sofort in den Gaskammern ermordet.
Das Schicksal von Vater Hershel und seinem Bruder Josef
Josef und sein Vater mussten zunächst im Lager I in Sobibor warten. Als einer der SS-Männer nach einem Koch fragte, meldete sich Hershel Cukierman und bat darum, seinen 12-jährigen Sohn als Gehilfen mitzunehmen, was ihm erlaubt wurde. Beide arbeiteten anderthalb Jahre im Lager, Hershel als Koch, Josef in der Kantine der SS und als Schuhputzer für die Aufseher.
Beim Aufstand in Sobibor im Oktober 1943 gelang beiden die Flucht aus dem Lager, sie schlugen sich bis zu ihrem Heimatort Kurów durch. Dort konnten sie sich gegen Bezahlung bei polnischen Bauern verstecken. Josef schloss sich 1944 der Partisanenbewegung an.
Nach dem Krieg trafen sich Vater und Sohn in Lublin wieder. Sie gingen später zusammen nach Ƚodż und weiter nach Deutschland. Beide sagten in Prozessen gegen die Verbrecher von Sobibor aus. Hershel, der in den 1950er Jahren in die USA ausgewandert war, kam 1965 kurzzeitig als Zeuge im Hagener Sobiborprozess nach Deutschland zurück. Josef wohnte in Karlsruhe, wo er im Juni 1963 starb. Sein Vater starb 1979 in New Jersey.
Verwendete Dokumente und Literatur