top of page

Jeanette Gutmann

geboren am 26. Mai 1888 in Mühlheim a.d.R., Nordrhein-Westfalen, Deutschland
ermordet 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor

Familie

Ehemann: Salomon Max Gutmann geboren 1877 gestorben im August 1928 in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Sohn: Hans-Josef Gutmann geboren am 18. August 1922 in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet 1942 in Sobibor Sohn: Fritz Gutmann (Frank Goodman) geboren am 11. März 1924 in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben im Oktober 2002 in Mendip, England Sohn: Kurt Gutmann geboren am 18. Februar 1927 in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben 2017 in Berlin, Deutschland

Lebensdaten

1888 Geburt in Mühlheim an der Ruhr 1921 Heirat mit Salomon Max Gutmann 1928 Tod des Ehemanns 1934 Umzug von Krefeld nach Mühlheim a.d.R. 1934 Verschickung ihres Sohnes Fritz in ein Waisenhaus nach Glasgow, Schottland 1939 Verschickung ihres Sohnes Kurt mit einem Kindertransport nach Glasgow 1940 Vertreibung aus ihrer Wohnung nach Mühlheim a.d.R. 1942 Deportation gemeinsam mit ihrem Sohn Hans-Josef in das Ghetto Izbica; 1942 Verschleppung und Ermordung in der Mordstätte Sobibor
Porträtfoto
Porträtfoto

​

Porträtfoto


Jeanette Gutmann mit ihren drei Söhnen Hans-Josef, Kurt und Fritz


Porträtfoto


Sohn Hans-Josef, der ebenfalls in Sobibor ermordet wurde


Porträtfoto


Kurt Gutmann bei der Verlegung des Gedenksteins für seine Mutter und seinen Bruder im April 2007

Porträtfoto

​

Biografie

​

Jeanette Gutmann wurde 1888 als zweitältestes von sieben Kindern in Mühlheim an der Ruhr geboren. Ihre Eltern waren Lina und Simon Kann. Ihr Vater war Metzger.
Nach dem Besuch des Lyzeums erfolgte ihre weitere schulische Bildung an einem jüdischen Mädchenpensionat. 1920 heiratete sie den Samt- und Seidenhändler Salomon Max Gutmann. Das Ehepaar lebte in der Markstraße 297 in Mülheim. Jeanette gebar in den folgenden Jahren drei Söhne. Schon früh, im August 1928, starb ihr Mann in Folge einer Lungenentzündung. Zwischen 1928 und 1934 versuchte sie durch Strickarbeiten die kümmerliche Witwen- und Waisenrente aufzustocken, um den Lebensunterhalt für die Familie zu sichern. Als ihr Vater 1934 starb, zog die Familie in die Wohnung ihrer Mutter, die ebenfalls in Mülheim an der Ruhr lebte.




Sorge um die Söhne

Schon früh nahm Jeanette Gutmann die antisemitischen Diskriminierungen ihrer drei Söhne wahr: Hans, der 1936 das Realgymnasium in Mühlheim verlassen musste, weil er Jude war und nach der Pogromnacht eine Elektrikerlehre beenden musste; Fritz, dem jede Möglichkeit genommen wurde, eine solide Schulbildung zu bekommen; Kurt, noch Volksschüler, den seine Mitschüler drangsalierten und schlugen.

Es gelang ihr, den 10jährigen Fritz schon 1934 in einem jüdischen Waisenhaus in Glasgow unterzubringen. 1938, nach der Pogromnacht, versuchte Jeanette Gutmann für ihre beiden anderen Söhne in den Niederlanden einen Kindertransport nach England zu finden, was aber misslang, weil ihr die finanziellen Mittel fehlten. Erst ein Jahr später fand sie für Kurt einen Kindertransport nach Schottland, wo er in demselben Waisenhaus unterkam wie sein Bruder Fritz. Hans verblieb bei ihr in Mühlheim.




Verschleppung und Deportation

1940 wurden Jeanette und Hans aus dem Haus der Großmutter vertrieben und wohnten zusammen mit einem Onkel nunmehr für kurze Zeit in einem Haus für Jüdinnen und Juden in Delle 29. Im April erhielt sie die Aufforderung, sich für den ‚Transport in den Osten‘ bereitzuhalten. Ihr Sohn Hans stand nicht auf der Liste, wollte aber seine Mutter nicht verlassen. Beide wurden von Düsseldorf aus am 22. April 1942 nach Izbica deportiert.


Izbica war ein jüdisches Sztetl mit etwa 7.000 Einwohnern, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von insgesamt 20 „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Jüdinnen und Juden für die geplante Ermordung konzentriert und in neuen Transporten zusammengefasst. Zugleich wurden sie ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg.
In Izbica verlieren sich die Spuren von Hans und seiner Mutter Jeanette. Es ist davon auszugehen, dass Jeanette Gutmann zusammen mit ihrem Sohn in die Mordstätte Belzec oder Sobibor verschleppt  und dort ermordet wurde. 




Kurt Gutmann

Kurt Gutmann kam 1939 in dasselbe Waisenhaus in Schottland wie sein Bruder fünf Jahre zuvor. Als Erstes nahm man ihm dort das Fotoalbum ab, das seine Mutter ihm mitgegeben hatte. Nichts sollte die Kinder an ihr Elternhaus erinnern. Nachdem die ersten deutschen Bomben auf Glasgow gefallen waren, wurden die Kinder in das Fischerdorf Annan an der schottisch-englischen Grenze evakuiert. Über weitere Einrichtungen für jüdische Emigranten gelangte Kurt später wieder nach Glasgow, wo er die Schule nach der 10. Klasse abschloss. Anschließend arbeitete er als Werkzeugmacher in einem Betrieb, der Marinegeschosse und Windungen für Landungsboote herstellte. Ende 1944 meldete er sich zur britischen Armee und war als Übersetzer in Triest sowie später auf einem britischen Militärstützpunkt in Mülheim tätig. 1948 zog er nach Berlin, wo er heiratete und eine Familie gründete.

Kurt Gutmann recherchierte viele Jahre lang, um herauszufinden, was mit seiner Mutter und seinem Bruder geschehen war. Er ließ in Sobibór einen Gedenkstein errichten, weil es ihm eine Herzensangelegenheit war, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen seiner Mutter und seines Bruders gedenken können.




​

​

​

Verwendete Dokumente und Literatur

bottom of page