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Berta Meyer

geboren am 21. April 1927 in Kassel, Hessen, Deutschland
ermordet am 28. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor

Familie

Vater Levi Meyer geboren am 4. Juli 1890 in Grebenau, Hessen, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Mutter Sophie Meyer, geborene Stern geboren am 28. Dezember 1892 in Allendorf, Hessen, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Bruder Meinhard Meyer geboren am 16. Februar 1924 in Kassel, Hessen, Deutschland ausgewandert im Januar 1938 in die USA gestorben 1998 in Louisville, USA

Lebensdaten

1927 Geburt in Kassel 1938 Flucht ihres Bruders Meinhard in die USA 1939 Verschickung mit einem Kindertransport in die Niederlande 1940 missglückte Flucht in die USA 1940 die Familie lässt sich in Amsterdam nieder 1943 Deportation und Ermordung in der Mordstätte Sobibor
Porträtfoto
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Berta und ihr Bruder Meinhard


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Bertas Bruder Meinhard mit den Eltern in Kassel


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Berta, 1938


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Sophie und Levi Meyer, Bertas Eltern


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Gedenkstein Berta Meyer


Biografie

Berta Meyer lebte zusammen mit ihren Eltern und ihrem drei Jahre älteren Bruder Meinhard in Kassel, ab 1934 wohnten sie in der Schillerstraße 12, in einem Wohnviertel mit vielen jüdischen Nachbarn.

Kassel war eine der größten städtischen jüdischen Gemeinden des Reiches mit fast 3.000 Mitgliedern. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner trugen erheblich zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Das städtische Judentum setzte sich aus v.a. assimilierten und liberalen Juden, aber auch streng Gläubigen zusammen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine große Synagoge und eine für orthodox orientierte Juden.Zum jüdischen Leben in Kassel gehörten u.a. ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderhort und eine jüdische Schule, die 1933 noch von 176 Kindern besucht wurde. Viele Gemeindemitglieder engagierten sich in zahlreichen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen und Einrichtungen. Im Ersten Weltkrieg waren in Kassel 62 jüdische Männer gefallen.




Ihr Bruder Meinhard

1938 gelang es ihrem Bruder Meinhard in die USA zu fliehen, ein bereits in den USA lebender Onkel hatte bei der Beschaffung eines Visums geholfen. Meinhard Meyer nahm in der US Army als Marinesoldat im Pazifik am Zweiten Weltkrieg teil. (Nach dem Krieg traf er in den USA Ilse Lichtenstein wieder. Sie kannten sich aus Kindertagen aus Kassel, ihre Eltern waren befreundet und hatten – beide Schneider – geschäftlich miteinander zu tun. Ilse und Meinhard heirateten 1955, sie bekamen einen Sohn. Meinhard Meyer arbeitete nach dem Krieg als Handelsvertreter und seine Frau Ilse war in einem Friseursalon tätig. Meinhard Meyer verstarb 1998 und seine Frau Ilse 2008 in Louisville, Kentucky, USA.




Kindertransport

Einige wenige europäische Länder und u.a. die USA nahmen nach der Pogromnacht 1938 schnell und unbürokratisch jüdische Kinder und Jugendliche bei sich auf. Die Eltern von Berta Meyer entschlossen sich sicherlich schweren Herzens, sich für einen solchen Platz für ihre Tochter zu bewerben. Berta fuhr am 3. Januar 1939 mit dem Kindertransport von Kassel in die Niederlande. Dort lebte sie einige Zeit in einem Kinderheim in Bergen aan Zee, im September kam sie nach Laren. Wie auch die anderen in den Niederlanden aufgenommenen Kinder besuchte sie eine Schule, und sie lernte Niederländisch und Englisch.




ersehntes Visum und gescheiterte Flucht in die USA

Die Eltern von Berta erhielten ein Einreisevisum für die USA. Ende April 1940 verließen sie Kassel in Richtung Rotterdam. Dort sollte es für die gesamte Familie zusammen mit der Tochter Berta am 11. Mai 1940 mit dem Passagierschiff „Volendam“ nach New York gehen. Dazu kam es nicht mehr. Wegen des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf die Niederlande am Tag zuvor, wurde die Transatlantikroute eingestellt.

Die Familie kehrte nicht nach Deutschland zurück, sondern ließ sich in Amsterdam nieder, auch Berta wohnte nun wieder bei ihnen. Ab 1941 waren sie in Amsterdam in der Plantage Badlaan 19 ansässig, ihre letzte Meldeadresse war in der Plantage Kerklaan 3.




Verschleppung nach Sobibor

Sie konnten den Nationalsozialisten letztlich nicht entkommen. Im Februar 1943 erhielt die Familie Meyer den Aufruf, sich in der Hollandsche Schouwburg in Amsterdam zu melden. Dieses ehemalige Theater diente den deutschen Besatzern seit Sommer 1942 als Sammelstelle für die Jüdinnen und Juden aus Amsterdam, bevor man sie zum angeblichen Arbeitseinsatz in den Osten „aussiedelte“. Wenn sich die Jüdinnen und Juden nicht freiwillig in der Schouwburg meldeten, wurden sie bei Razzien in ihren Wohnungen, an ihren Arbeitsplätzen und auf der Straße von deutschen und niederländischen Polizisten aufgegriffen und zur Sammelstelle gebracht. Die Familie musste sich per Bahn von Amsterdam nach Vught begeben und wurde dort am 24. Februar 1943 ins Konzentrationslager Kamp Vught eingewiesen. Am 23. Mai wurden sie von Vught aus in das „Polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ verschleppt. 


Dieses Lager diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen vor allem der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt. 34.000 von Ihnen wurden nach Sobibor deportiert. Am 25. Mai 1943 musste die sechzehnjährige Tochter Berta und ihre Eltern mit dem 13. Transport zusammen mit insgesamt 2859 Jüdinnen und Juden die Fahrt nach Sobibor antreten. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. Berta Meyer und ihre Eltern wurden direkt nach ihrer Ankunft, am 28. Mai 1943, in der Mordstätte Sobibor ermordet.




Verwendete Dokumente und Literatur

Interview:

Interview mit Meinhardt Meyer; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA


Website zu Kindertransporten in die Niederlande

Website Joodsmonument

Website des Archivs ITS Arolsen

Website Gedenkbuch des Bundesarchivs

Website Statistik des Holocaust

Website Geschichte jüdischer Gemeinden - Kassel

Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005

Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018

Kammler, Jörg, u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933 – 1945, Bd. I und II, 1984 und 1987

Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998

Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang ,Namen und Schicksale der Juden Kassels. Ein Gedenkbuch,

Magistrat der Stadt Kassel – Stadtarchiv, Hg.,1986

Thiele, Helmut, Die jüdischen Einwohner zu Kassel, 2006




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