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Ludwig Neu

geboren am 27. November 1865 in Fürth, Bayern, Deutschland
ermordet am 28. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor

Familie

Ehefrau Therese Neu, geb. Bauer geboren am 21. Juni 1876 geboren in Ermreuth, Bayern, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Sohn Kurt Max Neu geboren am 19. Oktober 1899 in Nürnberg, Bayern, Deutschland gestorben im Juni 1882 in New York, USA Schwiegertochter Ruth Anna Warburg geboren am 22. März 1904 in Hamburg, Deutschland gestorben am 25. März 1957 in New York, USA Enkelin Rene Eva Neu geboren am 7. Februar 1932 in Berlin, Deutschland gestorben am 15. September 2025 in Californien, USA Bruder Martin Neu geboren am 10. Januar 1862 in Fürth, Bayern, Deutschland ermordet am 20. März 1943 in Sobibor Schwägerin Hermine Hechinger geboren am 11. September 1868 in Fürth, Bayern, Deutschland ermordet am 20. März 1943 in Sobibor

Lebensdaten

1865 Geburt in Fürth ? Ausbildung zum Drucker 1898 Heirat mit Therese Bauer 1899 Umzug nach Nürnberg 1899 Geburt des Sohnes Kurt Max 1918 Reifeprüfung des Sohnes Kurt Max 1918 Teilnahme von Sohn Kurt Max am 1. Weltkrieg 1930 Hochzeit des Sohnes in Berlin 1932 Geburt von Enkelin Rene 1936 Flucht der Familie des Sohnes in die Niederlande 1938 Flucht in die Niederlande 1941 Flucht der Familie des Sohnes in die USA 1943 Ermordung des Bruders Martin Neu und seiner Ehefrau Hermine in Sobibor 1943 Verhaftung, Verschleppung und Ermordung von Ludwig und Therese Neu in Sobibor
Porträtfoto
Porträtfoto


letzte bekannte Postkarte von Ludwigs Ehefrau Therese aus Westerbork vom April 1943


Porträtfoto


letzte bekannte Postkarte von Ludwigs Ehefrau Therese aus Westerbork vom April 1943


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Therese Neu, Ludwigs Ehefrau


Porträtfoto

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Gedenkstein für Ludwig und Therese Neu


Biografie

Ludwig Neu war das vierte von insgesamt sieben Kindern von Babette und Max Meier Neu. Die Familie lebte in Fürth in Mittelfranken.


Er ist in einer Stadt geboren, die einst als das „fränkische Jerusalem“ galt. In Fürth lebten seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts jüdische Bürgerinnen und Bürger. Die Gemeinde wuchs schnell. Bereits im 17. Jahrhunderts gab es eine Synagoge, ein jüdisches Krankenhaus, einen jüdischen Friedhof und eine Jeschiwa am Ort. Bis zu 400 Studenten wurden in Hochzeiten an der Talmund-Hochschule unterrichtet. Die jüdische Gemeinde trug wesentlich zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Ende des 19. Jahrhunderts lebten und arbeiteten in Fürth über 3300 jüdische Bürgerinnen und Bürger, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausmachten. 1933 lebten noch 2000 Jüdinnen und Juden in Fürth, über Tausend von ihnen wurden zu Opfern des Holocaust.


Mit 34 Jahren lernte Ludwig Neu die in Ermreuth geborene Therese Bauer kennen und sie heirateten am 10.5.1898. Für kurze Zeit wohnten sie in Fürth und zogen 1899 nach Nürnberg in den Spittlertorgraben 13. Ludwig Neu hatte eine Ausbildung zum Drucker gemacht. In Nürnberg baute er einen Buntpapier- und Pappengroßhandel auf, die Firma Ludwig Neu & Co. mit Sitz in der Höfener Straße 53.




Sohn Kurt

Sohn Kurt Max kam am 19. Oktober 1899 zur Welt. Er legte 1918 sein Abitur ab und nahm noch für kurze Zeit als Soldat am 1. Weltkrieg teil. Danach studierte er und arbeitete in einer gehobenen Position in einer Regierungsbank in Berlin. Später war er Manager eines großen Eisenerzkonzerns. 1936 floh er mit Frau und Tochter in die Niederlande. 1940, nach der deutschen Besetzung der Niederlande. flüchtete die Familie nach Lissabon, von dort aus in die USA.




Flucht in die Niederlande

Ludwig und Therese Neu blieben vorerst in Nürnberg. Kurz nach den Anschlägen und Übergriffen gegen die jüdische Bevölkerung in der Pogromnacht im November 1938 beschloss das mittlerweile 73 und 62 Jahre alte Ehepaar, ebenfalls in die Niederlande zu emigrieren. Sie wohnten in Bussum, einer kleinen Stadt im Südosten von Amsterdam. Während ihrer Zeit in den Niederlanden schrieb Therese oft Briefe an ihre Enkelin Renée, die zu dieser Zeit in Den Haag lebte.


In den Niederlanden lebten zu diesem Zeitpunkt bis zu 50.000 deutsche Jüdinnen und Juden, sie waren seit 1933 legal oder illegal eingewandert. Mit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 verschärfte sich die Situation der Flüchtlinge zusehends. Die Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung und Verfolgung, die die deutschen Juden und Jüdinnen bereits im Deutschen Reich mitgemacht hatten, mussten sie nun ein zweites Mal in den Niederlanden erleben.




Verschleppung

Für das Jahr 1941 ist für Ludwig und Therese Neu ihr Wohnsitz mit Lepenlaan 37 in Bussum angegeben. Vermutlich wurden sie zu Beginn des Jahres 1943 verhaftet und nach Westerbork gebracht. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. 


Thereses letztes Lebenszeichen ist eine Karte, die sie mit dem Absender „Baracke 55 Westerbork“ am 16. April 1943 an die Schwester ihrer Schwiegertochter Ruth schickte. In dieser Karte bedankte sie sich für die Lebensmittel, die sie von ihr erhalten hatten. 


Am 25. Mai 1943 wurden Ludwig und Therese Neu, mit weiteren 2860 jüdischen Kindern, Frauen und Männern in einen Zug gepfercht. Es war der 13. Transport, der Westerbork in Richtung des deutschen Vernichtungslagers Sobibor im heutigen Polen verließ. Nach einer dreitägigen Fahrt in den Viehwaggons erreichte der Zug am 28. Mai 1943 das Mordlager. Der 77-jährige Ludwig Neu und seine Frau Therese wurden direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Keiner der jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus diesem Transport überlebte die Zeit des Krieges.




Verwendete Dokumente und Literatur

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