
Dorothea Pappenheim
geboren am 22. Oktober 1875 in Sobernheim, Rheinland-Pfalz, Deutschland
ermordet am 23. Juli 1943 im deutschen Mordlager Sobibor
Familie
Lebensdaten


Dorothea und Albert Pappenheim

Albert Pappenheim

Gedenkstein für Dorothea und Albert Pappenheim
Biografie
Dorothea Klein wurde 1875 in Sobernheim geboren. Ihre Eltern waren Sigmund und Jeanette Klein, geborene Meyer. Sie hatte (mindestens) einen älteren Bruder Markus, der am 15. November 1868 ebenfalls in Sobernheim geboren wurde.
In Sobernheim wohnten bereits im Mittelalter Jüdinnen und Juden. Die jüdische Gemeinde unterhielt eine Elementar- und eine Religionsschule, sie verfügte über eine Mikwe und einen jüdischen Friedhof. Eine Synagoge gab es ab 1858. Ende der 1920er Jahren wohnten in Sobernheim noch etwa achtzig Jüdinnen und Juden. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht im November 1938 verwüstet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie als Wehrmachtslager genutzt, danach als Lagerhalle. 2010 restaurierte ein Verein die Räume, die nun als „Kulturhaus Synagoge“ genutzt werden.
1900 heiratete Dorothea Klein Albert Pappenheim, gebürtig aus Eschwege. Der Wohnort der Familie war Trier. Aus der Ehe gingen die Söhne Helmuth-Louis, geboren 1901, und Carl-Heinz, geboren 1913, hervor. Beide wurden in Trier geboren. Albert Pappenheim gründete 1896 zusammen mit Felix Kaufmann in Trier ein Bankhaus. Vermutlich als die Bank in finanzielle Schieflage geriet, sorgte Albert Pappenheim dafür, dass das Bankhaus von der Darmstädter Bank übernommen wurde, er blieb Geschäftsführer. Albert engagierte sich in einem jüdischen Wohltätigkeitsverein in Trier. Allerdings spielte das religiöse Leben in der Familie eine untergeordnete Rolle. Nur an wichtigen Feiertagen besuchte man die Synagoge.
Ihr Sohn Helmut-Louis wanderte bereits 1925 nach Amsterdam aus und arbeitete ebenfalls als Bankier. Auch ihr jüngster Sohn Carl-Heinz lebte ab 1933 in Amsterdam.
Als 1933 nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten Juden aus den führenden Positionen verdrängt wurden, verlor Albert Pappenheim seine Anstellung bei der Bank.
Nach 1938
Nach der Reichspogromnacht im November 1938 musste die Familie ihr Haus räumen. Auch ihre Einrichtungsgegenstände mussten sie zurücklassen. Albert erkrankte in der Folgezeit und verlor nach einer schweren Entzündung im Fuß ein Bein und musste eine Prothese tragen.
Im Januar 1939, zwei Monate nach der Pogromnacht, emigrierten Dorothea und Albert Pappenheim in die Niederlande. Sie wohnten in Amsterdam im Willemsparkweg, unweit der Wohnung ihres Sohnes Helmuth-Louis und ihrer Schwiegertochter Else.
Die Sicherheit, in der sie sich in den Niederlanden wähnten, hielt nicht lange an. Im Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande und führte Stück für Stück auch dort die antijüdischen Gesetze ein. Sohn Carl-Heinz gilt in den Archiven von 1940 bis 1945 als „unbekannt verzogen“, erst im Dezember 1946 ist er wieder in Amsterdam gemeldet. Ob er während dieser Zeit mit falschen Papieren lebte oder die Niederlande verließ, ist nicht nachvollziehbar. Sohn Helmuth-Louis arbeitete 1942 für den Jüdischen Rat im Durchgangslager in Westerbork.
Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Mordlager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. 65 Deportationszüge fuhren zwischen 1942 und 1944 in die Mordstätte Auschwitz – Birkenau. Trotz seiner Stellung im Lager gelang es ihm nicht, seine Eltern Dorothea und Albert Pappenheim vor der Deportation zu bewahren.
Deportation nach Sobibor
Dorothea und Albert Pappenheim wurden Anfang Juli 1943 in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork verschleppt. Wenige Tage später, am 20. Juli, mussten sie in Westerbork in einen der Viehwaggons steigen. Der Zug mit weiteren 2207 Jüdinnen und Juden erreichte nach drei Tagen das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen. Dorothea Pappenheim und ihr Ehemann Albert wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet.
Ihr Bruder Markus Klein und seine Frau Babette Elsa Klein, geborene Odenheimer, waren bereits am 13. März 1943 ins Mordlager Sobibor deportiert und dort ermordet worden. Für die beiden existiert ebenfalls ein Gedenkstein in Sobibor.
Die Söhne
Ihrem Sohn Helmuth-Louis und seiner Ehefrau Else gelang es die Zeit der Verfolgung zu überleben. Nach 1945 blieben sie in den Niederlanden wohnen. Allerdings wurden Elses Eltern Louise und Abraham Emanuel Joachimsthal am 28. Mai 1943 ebenfalls in Sobibor ermordet.
Carl-Heinz Pappenheim, Dorotheas jüngster Sohn, heiratete nach dem Krieg in Amsterdam Gabrielle van Perlstein. Carl-Heinz Pappenheim verstarb 2003 in Haarlem in den Niederlanden.
Verwendete Dokumente und Literatur