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  • Braunschild | Gedenkweg in Sobibor

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  • Friedheim | Gedenkweg in Sobibor

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  • Roeg-Plotske | Gedenkweg in Sobibor

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  • Frank | Gedenkweg in Sobibor

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  • Steinberg | Gedenkweg in Sobibor

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  • Goldstern | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige 'Jenia' Eugenie Goldstern geboren am 1. März 1884 in Odessa, Russisches Kaiserreich ermordet am 8. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Marie Goldstern geboren am 19. Dezember 1844 in Odessa, Russisches Kaiserreich verstorben am 24. November1913 in Wien, Österreich Vater: Abraham Goldstern geboren am 22. Januar 1832 in Lemberg, heute Ukraine, damals K&K verstorben am 15. August 1905 in Wien, Österreich Bruder: Salomon Goldstern Geboren am 1. Mai 1880 in Odessa, Russisches Kaiserreich ermordet am 11. Juni 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1884 Geburt in Odessa 1905 Umzug der Familie nach Wien 1905 Tod des Vaters 1913 Tod der Mutter 1921 Promotion in Fribourg/Schweiz 1921? Rückkehr nach Wien 1938 'Arisierung' des Betriebes ihres Bruders Salomon 1939 Tod des Bruders Samuel 1942 Deportation und Ermordung in Sobibor 1943 Deportation und Ermordung des Bruders Salomon in Sobibor nächste Jenia in Südtirol Porträt Eugenie Dissertation von Eugenie Goldstern Der Gedenkstein für Eugenie Goldstern in der Gedenkstätte Sobibór wurde von der Gemeinde Silbertal im Montafon/ Österreich gestiftet. Biografie Kindheit in Odessa Eugenie Goldstern wurde als jüngstes Kind einer kinderreichen Familie mit vermutlich dreizehn Geschwistern in Odessa im damaligen russischen Kaiserreich geboren. Der Vater Abraham Goldstern war Getreidegroßhändler. Die Familie war wohlhabend und assimiliert. Die Eltern konnten ihren Kindern eine gute Schulbildung bieten. Eugenie Goldstern besuchte das Mädchengymnasium in Odessa. Wegen des wachsenden Antisemitismus und der Pogrome in ihrer Heimatstadt verließ die Familie Odessa 1905 in Richtung Wien. Hilfreich war dabei, dass der in Lemberg (Lviv) geborene Vater die österreichische Staatsbürgerschaft hatte. Einige von Eugenies Brüdern waren schon in den Jahren zuvor nach Wien ausgewandert und arbeiteten dort. Flucht nach Wien Auf dem Gebiet Österreichs gab es schon seit dem 12. Jahrhundert jüdische Gemeinden. Mit der Industrialisierung, der eine Gleichstellung der Juden folgte, zog es im 19. Jahrhundert viele Juden nach Österreich, vor allem nach Wien. Sie spielten in Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft eine wichtige Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg lebten etwa 200.000 jüdische Bürger in Wien. 65.000 Wiener Jüdinnen und Juden fielen der Shoa zum Opfer. Noch im Jahr des Umzugs nach Wien verstarb Eugenie Goldsterns Vater Abraham im Alter von 73 Jahren, die Mutter Marie verstarb acht Jahre später mit 68 Jahren. Studium der Ethnologie Eugenie beschloss, Volkskunde in Wien bei dem angesehenen Ethnologen Michael Haberlandt zu studieren. Wegen ihrer russischen Herkunft konnte sie allerdings nur als Gasthörerin teilnehmen. Im Rahmen ihrer Studien war sie mehrere Jahre in den österreichischen, französischen und schweizerischen Alpenregionen zu Feldstudien tätig. Sie legte 1921 im schweizerischen Fribourg im Üechtland ihre Promotion zum Thema Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden ab. Eugenie Goldstern war in ihrem Denken und der Rezeption ihrer Studien ihrer Zeit weit voraus. Ihre Arbeiten werden bis heute beachtet und genutzt. Der Name Goldstern ist im Gebiet Maurienne in den französischen Westalpen auch aktuell ein Begriff. Nach ihrer Promotion kehrte Eugenie Goldstern nach Wien zurück, konnte beruflich am männerdominierten ethnologischen Institut allerdings nicht Fuß fassen. Die aufsteigende rassistische und antisemitische Ideologie im Umfeld der Volkskundeforschung an der Wiener Universität ließ ihr keine Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Arbeit in Wien fortzusetzen. Sie litt zeitweise unter Depressionen. Die unverheiratete Eugenie Goldstern lebte in Wien bei der Familie ihres Bruders Samuel Goldstern, der ein Sanatorium leitete und sie finanziell unterstützte. Ausgrenzung und Verfolgung Mit dem ‚Anschluss‘ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 verschlimmerte sich die Situation für die jüdische Bevölkerung in Österreich. Die Klinik ihres Bruders Samuel wurde 1938 arisiert, er verstarb im Jahr darauf. Schon zu Beginn des Jahres 1941 begann eine große Deportationswelle aus Wien. Eugenie Goldstern musste am 5. Juni 1942 mit weiteren 1.000 Jüdinnen und Juden am Wiener Aspangbahnhof in einen Deportationszug steigen. Nach einer dreitätigen Fahrt erreichte der Zug das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen am 8. Juni 1942. Es ist davon auszugehen das Jenia Eugenie Goldstern in Sobibor direkt nach ihrer Ankunft ermordet wurde. Ermordung des Bruders in Sobibor Ihr Bruder Salomon, von Beruf Ingenieur, war bereits 1933 in die Niederlande ausgewandert. Er war verheiratet mit Edith Kunke. Das Paar hatte drei Kinder. Die Ehefrau Edith Goldstern war im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz inhaftiert und überlebte. Die drei Kinder haben den Holocaust in den Niederlanden überlebt. Salomon Goldstern wurde von Westerbork aus deportiert und am 11. Juni 1943 unmittelbar nach seiner Ankunft in Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Keintzel, Brigitta, Wissenschaftlerinnen in und aus Österreich: Leben-Werk-Wirken, 2002 Website Albert Ottenbacher zur Geschichte von Eugenie Goldstern Website Dokumentationsarchiv österreichischen Widerstands Website Hohenems Genealogie - Jüdische Familiengeschichten in Voralberg und Tirol

  • Lichtenstein, geborene Frankenthal | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Käthe Lichtenstein geboren am 18. März 1892 in Altenlotheim, Hessen, Deutschland ermordet am 03. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Meinhard Lichtenstein geboren am 05. Juni 1886 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Sohn: Arthur Lichtenstein geboren am 7. Februar 1920 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert 1938 in die USA gestorben am 8. September 1971 in den USA Tochter: Ilse Lichtenstein geboren am 24. Februar 1923 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ausgewandert im Frühjahr 1940 in die USA gestorben am 26. April 2006 in den USA Tochter: Inge Lichtenstein geboren am 4. Februar 1930 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1892 Geburt in Altenlotheim 1916 Kriegstod ihres Bruders Siegfried 1919 Heirat mit Meinhard Lichtenstein aus Kassel 1920 Tod ihres Bruders Levy als Kriegsfolge 1920 Geburt ihres Sohnes Arthur 1923 Geburt ihrer Tochter Ilse 1930 Geburt ihrer Tochter Inge 1936 Flucht ihres Bruders Adolf in die USA 1937 Flucht ihrer Eltern in die USA 1938 Flucht ihres Bruders Julius in die USA 1938 Flucht des Sohnes Arthur in die USA 1938 Inhaftierung in Volkmarsen zusammen mit der Tochter Ilse 1938 Zerstörung ihrer Schneiderwerkstatt und Berufsverbot 1938 Inhaftierung ihres Ehemannes im Konzentrationslager Buchenwald 1939 Beschlagnahme ihres Hauses und Zwangseinquartierung in die Volksschule 1939 Verschickung ihrer Töchter mit einem Kindertransport in die Niederlande 1940 Flucht ihrer Tochter Ilse in die USA 1941 Rückkehr der jüngeren Tochter Inge nach Volkmarsen zurück 1942 Verschleppung und Ermordung in Sobibor nächste Familienfoto mit den Töchter und ihren Eltern Foto zur Bar Mitzwah von Sohn Arthur Telegram von Meinhard an die Kinder in den USA vom 3. Juni 1942 -dem Tag ihrer Deportation von Kassel Ilse, Inge und Arthur Lichtenstein, ca 1936 Biografie Käthe Lichtenstein, geborene Frankenthal, wuchs im hessischen Altenlotheim bei Frankenau auf. Die Familie Lichtenstein lebte seit Anfang des 19. Jahrhunderts in der kleinen Gemeinde. Käthe Lichtensteins Eltern waren Selig und Rosa Frankenthal, sie hatten neben der Tochter Käthe noch vier Söhne: Levy, Siegried, Adolf und Julius. Käthe Lichtenstein und ihre Familie hatten schwere Schläge zu verkraften. Siegfried fiel 1916, da war sie 24 Jahre alt. Ihr Bruder Levy kam krank aus dem 1. Weltkrieg zurück und verstarb in den 20er Jahren in einer psychiatrischen Klinik. Adolf wanderte 1936 mit seiner Familie in die USA aus. Julius floh 1938 über England ebenfalls in die USA. Sogar ihre alten Eltern flohen mit über 70 Jahren 1937 in die USA. Nach ihrer Heirat verzog Käthe Lichtenstein nach Volkmarsen. 1933 hatte Volkmarsen insgesamt 2650 Einwohner, davon 34 jüdischen Glaubens. Sie trieben Handel oder waren Handwerker. Beide Ehepartner waren in die dortige jüdische Gemeinde eingebunden. Es gab zwei Wohltätigkeitsvereine. Käthe Lichtenstein war aktiv in der Gemeindearbeit tätig. Ihr Ehemann war 2. Vorsitzender der Gemeinde und Thora-Vorleser in der Synagoge, bis 1936 die Synagoge verkauft werden musste. Meinhard und Käthe Lichtenstein wohnten mit ihren drei Kindern Arthur, Ilse und der jüngsten Tochter Inge in Volkmarsen in ihrem eigenen Haus an der Oberen Stadtmauer 33.Die zwei älteren Kinder von Meinhard und Käthe Lichtenstein besuchten die Volksschule in Volkmarsen Am Mönchepfuhl, vermutlich wurde auch die Jüngste noch in Volkmarsen eingeschult. Meinhard Lichtenstein erteilte seinen Kindern an Schabbat Religionsunterricht. Er war ein angesehener Schneidermeister und betrieb zusammen mit seiner Frau eine eigene Werkstatt mit Laden in ihrem Wohnhaus. Käthe Lichtenstein gab Klavierunterricht. Die Eheleute Lichtenstein besuchten hin und wieder Aufführungen im Opernhaus Kassel. Nach 1933 Ab 1933 nahm die Hetze, Ausgrenzung, Verfolgung und der Raubzug gegen die jüdische Bevölkerung ständig zu. Der Laden der Familie Lichtenstein wurde bereits 1933 im Zuge der Aktion „Kauft nicht bei Juden“ angegriffen. Im Mai 1938 floh der älteste Sohn Arthur, in die USA, 1941 ging er zur US-Armee und baute sich später eine Schneiderwerkstatt auf. Die zurückgebliebene Familie in Volkmarsen sah für sich keine Zukunft mehr in Deutschland und bemühte sich ebenfalls um Ausreisepapiere. In der Reichspogromnacht waren der Vater und die ältere Tochter nicht in Volkmarsen. Käthe Lichtenstein und ihre achtjährige Tochter wurden in Schutzhaft genommen. Die Wohnung und die Schneiderwerkstatt der Familie Lichtenstein wurden völlig ausgeraubt und demoliert. Auch Stammkunden beteiligten sich daran. Am nächsten Tag erlitt die Mutter, Käthe Lichtenstein, eine Herzattacke, Tochter Ilse kümmerte sich in der Folgezeit um die Mutter und die jüngere Schwester. Meinhard Lichtenstein kam nach seiner Rückkehr in Schutzhaft und wurde im örtlichen Gefängnis im Kellergewölbe des Rathauses eingesperrt, vollzogen von einem Polizisten, der sein bester Freund und Nachbar – selbst kein Freund der Nationalsozialisten und heimlicher Helfer der Familie - war. Zwei Tage später wurde Meinhard Lichtenstein ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, von wo er sechs Wochen später von Misshandlungen gezeichnet, abgemagert und erschöpft zurückkehrte. Das Geschäft durfte nicht wiedereröffnet werden, zusätzlich mussten sie eine „Judenvermögensabgabe“ an den Fiskus entrichten. Die Familie lebte vorerst vom Ersparten und den Erträgen ihres Gartens. Neben dem Wohnhaus, das 1942 beschlagnahmt wurde, besaß die Familie ein Gartengrundstück, das sie bereits Anfang 1939 verkauften, allerdings gestattete ihnen der Käufer – eben jener wohlgesonnene erwähnte Nachbar - das halbe Nutzungsrecht. Die Familie Lichtenstein verarmte weitestgehend. Nach der Reichspogromnacht mussten die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Volkmarsens und mit ihnen die Familie Lichtenstein im jüdischen Schulhaus wohnen - diese Maßnahme zielte schon auf die späteren Deportationen. Es wurden ihnen knappe Lebensmittelmarken zugeteilt, für sie gab es weder Milch, noch Fleisch, noch Eier. Einige wenige christliche Volkmarser Bürgerinnen und Bürger unterstützten sie heimlich. Verschickung der Kinder in die Niederlande Am 3. Januar 1939 verschickten die Eltern schweren Herzens ihre beiden Töchter zu ihrer Sicherheit in ein Kinderheim ins niederländische Bergen aan Zee. Ein Jahr später, am 4. April 1940 verließ die 17-jährige Tochter Ilse die Niederlande ebenfalls in Richtung USA, ihr Bruder hatte das Visum besorgt. Die jüngste Tochter Inge fand Unterschlupf bei einer jüdischen Familie in Rotterdam, sie wurde Ende Juni 1941 nach Volkmarsen zurückgebracht. Der Familie Lichtenstein gelang es nicht, rechtzeitig Ausreisepapiere für die USA zu bekommen. Die Deportation von Kassel nach Sobibor Für die zweite von den drei großen zentral organisierten Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel standen sechs Personen aus Volkmarsen auf der Deportationsliste. Zum 31.5.1942 wurde die Familie Lichtenstein in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle der Wörth-Schule in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Hier wurden sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Für die „Aussiedlung in den Osten“ waren 50 Kilogramm Gepäck und fünfzig Reichsmark pro Person erlaubt. Das gesamte noch vorhandene Hab und Gut wurde – soweit nicht schon geschehen – staatlich konfisziert. Einige für die Lichtensteins wichtige Dinge – Stoffe, Bücher, Nähmaschine und Porzellan – verwahrten Nachbarn vierzig Jahre lang, bis sie diese der überlebenden Tochter Ilse Meyer übergeben konnten. Die Lichtensteins wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit insgesamt 508 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus dem Geheimen Staatspolizei-Bezirk Kassel von der „Sammelstelle“ in der Schillerstraße zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportes war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohnern, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neue Transporte zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und hier wurden die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Dieser Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor weiter, wo er am 3. Juni 1942 ankam; ab Juni 1942 fuhr kein Deportationszug mehr zu einem Transitghetto. Die Familie Lichtenstein wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft im deutschen Mordlager Sobibor ermordet. In Volkmarsen erinnert seit 1999 ein Straßenname an die mit 12 Jahren in Sobibor ermordete Inge Lichtenstein. Brief von Ilse Lichtenstein an ihren Bruder Arthur Ilse Lichtenstein hielt sich zu der Zeit auf Initiative eines jüdischen Wohltätigkeitsvereins in einem Kinderheim in den Niederlanden auf, ihr Bruder Arthur war bereits in die USA ausgewandert: Bergen, den 10.1.1939 Meine Lieben! Heute will ich euch ein paar Zeilen senden. Wir sind hier in Bergen in einem Kinderheim. Am Mittwoch, dem 4. sind wir hierhergekommen. Es gefällt uns sehr gut. 91 Kinder sind wir hier. Jungens und Mädels. Wir haben es gut hier. Stehen morgens um 7 Uhr auf und gehen abends um 8 Uhr zu Bett. Jeden Morgen und auch oft nachmittags gehen wir spazieren. Jetzt haben wir Wolle bekommen für Pullover zu stricken. Jeden Abend werden wir gebadet. Jetzt will ich euch in bisschen von Deutschland erzählen. Aber nicht viel. Wie ihr ja wisst, sind alle Männer im KZ gewesen. Der liebe Papa und Friedel* waren auch da. Papa war 4 Wochen und Friedel 5 Wochen dort. Natürlich kamen sie mit kahlgeschorenen Köpfen zurück. Auch dort haben sie es nicht besonders gehabt. 3 Tage nichts zu essen und überhaupt kein Wasser. Viele Leute sind meschugge geworden. Auch Lehrer Stern aus Frankenberg. Er ist in die Latrine gesprungen. Onkel Isaak ist einen Tag zurückgekommen und dann gleich irr gewesen. Er hatte Eiter in Mund und Nase und konnte gar nicht sprechen. Hugo Wertheim hatte Blutvergiftung und ist verbrannt worden. Die Urne ist zurückgekommen. Auch der Vater von Walter Steinmann ist 3 Tage zu Hause gewesen, hat Lungenentzündung bekommen und ist gestorben. Ach, so manches könnte ich Euch schreiben. Jeden Tag hat man nur andere Todesanzeigen gelesen. Ihr könnt euch ja gar nicht denken, was wir alles mitgemacht haben. An die Demolierung zu Hause darf ich gar nicht denken. Du. Lieber Arthur, würdest die Zimmer kaum wiedererkennen. In Friedels Zimmer ist nichts mehr ganz. Schränke, Betten, Kommode, Stühle und alles was im Zimmer war, sind kaputt. Die langen Matratzen haben auf der Straße gelegen. Auch die Federbetten und Friedels ganze Wäsche. Die Schränke haben auch umgelegen. Keine Tasse und kein Teller waren ganz. Gelee und Eier sind zusammengelaufen. 3 große Fässer Scherben haben wir gehabt. Nur in meinem Zimmer ist der Spiegel noch ganz. Die Wäsche aus den Schränken musste alle gewaschen werden, denn sie war schmutzig und nass. Acht Tage vorher, Ihr werdet es noch wissen, hatten wir Würste gemacht. Von 30 Stück sind noch 5 übriggeblieben. Im Wohnzimmer hat es bunt ausgesehen. Kein Bild, kein Teller und keine Tasse waren mehr ganz. Die Schabbeslampe ist auch kaputt. Der Teppich war mit Mehl, Himbeersaft und Erdbeeren verziert. Daß keine Scheibe im Haus mehr heil war, könnt ihr euch ja denken. Dieses war der Donnerstagabend und des Morgens ist der liebe Papa geholt worden. In der Nacht waren die Lieben noch alle zusammen und am anderen Morgen ist Papa nach Buchenwald gekommen. Was alles gestohlen ist kann ich gar nicht sagen. Friedels 2 Anzüge und Mantel, Papas schwarzer Anzug, meine ganze Wäsche und Kleider. Vom Lager sind 18 Anzüge, 6 gestreifte Hosen, Winterulster und viele Futtersachen. Und dann noch das schönste, 1600 Reichsmark Vermögensabgabe als Buße. Ist das nicht allerhand? Wenn der liebe Papa jetzt arbeiten dürfte, könnte er sich 5 Gesellen halten. Wenn nur das Konsulat schneller arbeiten würde, daß wir fort könnten, denn die ganze Ungewissheit ist entsetzlich. Seht bitte mal zu, ob Ihr nicht etwas machen könnt, denn die lieben Eltern können unmöglich länger in Deutschland bleiben. Denn käme noch einmal eine Trennung, so wäre es sehr schlimm. Auch sorgt bitte dafür, dass wir bald weiter können, denn wir wollen den Leuten hier nicht zur Last fallen. Schreibt bitte mal an das Hilfskomitee in Amsterdam oder in New York, ob nichts zu machen ist. … Ich glaube Euch nun genug geschrieben zu haben, antwortet bald und seid herzlich gegrüßt von Eurer Ilse. *Friedel ist Siegfried Meyer, Schneidergeselle; er lebte und arbeitete im Haus der Lichtensteins Quelle: Ernst Klein, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012, S. 109f Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Statistik des Holocaust Website Alemannia Judaica Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Magistrat der Stadt Kassel – Stadtarchiv, Hg., Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945,ein Gedenkbuch, 1986 Ernst Klein in: Waldecksche Landeszeitung vom 16.8.2012 (Verhaftung durch Nachbarn) Interviews: Interview mit Ilse Meyer, geb. Lichtenstein; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA Interview mit Meinhardt Meyer; USC Shoah Foundation, 29.4.1996 in Louisville, Kentucky, USA

  • Velzen van | Gedenkweg in Sobibor

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  • Rothschild, geborene Katz | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Hermine Rothschild, geborene Katz geboren am 4. August 1877 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 03. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Rothschild, Alfred geboren am 04. Oktober 1871 in Vöhl, Hessen, Deutschland gestorben am 13. September 1939 in Korbach Sohn: Rothschild, Richard Moritz geboren am 12. Mai 1905 in Vöhl, Hessen, Deutschland verstorben 23. Januar 2006 in Rehovot in Israel Vater: Salomon Katz geboren am 7. Oktober 1844 in Goddelsheim, Hessen, Deutschland gestorben am 13. November 1929 in Korbach, Hessen, Deutschland Mutter: Johanna Katz geboren am 15. März 1855 in Korbach, Hessen, Deutschland umgekommen am 26. September 1942 im Ghetto Theresienstadt Bruder: Siegfried Katz geboren am 20. Juli 1879 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Schwester: Emma Hirsch, geborene Katz geboren am 2. Januar 1882 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Schwester: Meta Neuhahn, geborene Katz geboren am 11. September 1883 in Korbach, Hessen, Deutschland gestorben am 10. April 1923 in Grebenstein, Hessen, Deutschland Schwester: Margarethe Katz geboren am 29. November 1885 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 24. Januar 1943 im Konzentrations- und Mordlager Auschwitz-Birkenau Lebensdaten 1877 Geburt in Korbach 1879 Geburt des Bruders Siegfried 1882 Geburt der Schwester Emma 1883 Geburt der Schwester Meta 1885 Geburt der Schwester Margarete 1904 Heirat mit Alfred Rothschild 1905 Geburt des Sohnes Richard ab 1910 ihr Ehemann ist Mitglied des Gemeinderats 1914 ihr Ehemann nimmt als Soldat am 1. Weltkrieg teil 1923 Tod der Schwester Meta, verheiratete Neuhahn 1933 Inhaftierung von Sohn Richard für zwei Wochen 1934 Flucht der Nichte Else Hirsch nach Palästina 1934 Hochzeit des Sohnes Richard 1934 Schwager Maximilian Hirsch stirbt am 27. April in Sachsenhausen 1935 Flucht des Sohnes und der Schwiegertochter nach Palästina 1937 Rückkehr der Schwester Emma aus Sachsenhausen 1937 Flucht des Neffen Bernhard Hirsch nach Palästina 1938 ‚Verkauf‘ ihres Gasthauses und zweier Grundstücke unter Preis 1938 Inhaftierung des Ehemanns im Konzentrationslager Buchenwald 1939 Tod des Ehemanns infolge der Konzentrationslagerhaft 1941 Zwangsunterbringung bei ihren jüdischen Nachbarn in Vöhl 1941 Verhaftung des Bruders Siegfried und seiner Ehefrau in Wrexen 1942 Deportation des Schwagers Moritz Neuhahn nach Theresienstadt 1942 Deportation und Ermordung in Sobibor, gemeinsam mit Schwester Emma, Bruder Siegfried und Schwägerin Hedwig 1942 Deportation von Mutter und der Schwester Margarete nach Theresienstadt 1942 Tod der Mutter in Theresienstadt 1943 Verschleppung der Schwester Margarete von Theresienstadt nach Auschwitz, Tod in Auschwitz – Birkenau 1944 Tod des Schwagers Moritz Neuhahn in Auschwitz - Birkenau nächste Das Gasthaus der Familie in Vöhl Hermine mit ihrem Ehemann Alfred und Gästen vor dem Gästehaus Richard Rothschild, Hermines Sohn Biografie Hermine Katz wurde am 4. August 1877 als älteste Tochter von Salomon Katz und seiner Ehefrau Johanna in Korbach geboren. Salomon Katz betrieb einen Getreidehandel und eine Kornbrennerei in Korbach. Zusammen mit ihren vier jüngeren Geschwistern Siegfried, Jahrgang 1879, Emma, Jahrgang 1882, Meta, Jahrgang 1883 und Margarete, Jahrgang 1885, wuchs sie im Haus der Eltern in der Lengefelder Straße 11 auf. Ihre Schwester Meta, verheiratete Neuhahn, verstarb 1923. Am 4. Juli 1904 heiratete Hermine in Korbach den Kaufmann Alfred Rothschild. Das Paar wohnte zunächst im Haus der Eltern in Korbach und zog später ins benachbarte Vöhl. Die Familie lebte in der Arolser Straße 87 bzw. 88, später Hausnummer 2. Ehemann Alfred ist 1936 als Eigentümer des Hauses Nr. 88 registriert. In Vöhl bewirtschafteten sie zusammen den stattlichen Gasthof „Prinz Wilhelm“ in der Basdorfer Str. 1 und führten ein Geschäft mit Kolonialwaren im selben Haus. Die jüdische Religion spielte für sie eine untergeordnete Rolle. Nach späteren Aussagen ihres Sohnes waren sie sogenannte „3-F-Juden“, die nur die drei großen jüdischen Feiertage begingen, das waren Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit wurde ihr Sohn Richard geboren. Die Familie scheint völlig in den dörflichen Alltag integriert gewesen zu sein. Alfred Rothschild beispielsweise war in den Gemeinderat gewählt worden. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der Reichswehr und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. 1921 beteiligt er sich als Stifter am Kriegerdenkmal Vöhl. Hermine kümmerte sich in der Zeit der Abwesenheit ihres Ehemannes allein um den Gasthof, das Geschäft und den Sohn. Luise Siegmann, eine Angestellte, berichtete nach dem Krieg, dass Hermine das Regiment in der Küche führte und ausgezeichnet kochte. Die jungen Mädchen hätten viel von ihr lernen können. Ehemann Alfred Rothschild war Mitglied in mehreren Vöhler Vereinen. Unter anderem war er einer der Regisseure einer Laienschauspielgruppe. Der Sohn Richard Rothschild besuchte das Fürstliche Landesgymnasium in Korbach. Als Anfang 1933 den Nationalsozialisten die Macht übergeben wurde, hatte dies bald Auswirkungen auf die Familie Rothschild. Bei den Kommunalwahlen am 5. März 1933 erhielt ihr Ehemann Alfred zu wenige Stimmen von seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern für einen Sitz im Gemeinderat. Sohn Richard Im Juni 1933 wurde Sohn Richard verhaftet und für zwei Wochen im Frankenberger Gefängnis eingesperrt. Einen Monat später wurde eine Liste von 35 Personen zu beobachtenden Personen aus dem Kreisgebiet erstellt, zu diesen zählte auch Richard Rothschild. Er entschied sich für eine Emigration nach Palästina. In einer „Hachschara“, einem Vorbereitungslager für die Auswanderung nach Palästina, bereitete er sich in Grüsen auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit in Palästina vor. In Grüsen lernte er seine Frau Gerda kennen und sie heirateten am 1. Dezember 1934. Im Januar 1935 verließ er seine Eltern, Vöhl und Deutschland und ging zusammen mit seiner Frau nach Palästina. Beide starben im hohen Alter in Israel. Nach 1938 Hermine und Alfred Rothschild spürten die Ablehnung ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger auch in ihrem Gasthaus sehr schnell, die Kunden blieben weg. Schließlich musste 1939 ihr Gasthof und zwei ihrer Grundstücke abgegeben werden. In einer Vermögensaufstellung wurde unter dem 3. Oktober 1947 als letztes verbliebenes Vermögen von Hermine Rothschild ein Ackergrundstück von eineinhalb Hektar zum Wert von 7.000 RM angegeben. Im August 1938 verkaufte die jüdische Gemeinde gezwungenermaßen die Synagoge am Ort. Von den verbliebenen 13 jüdischen Gemeindemitgliedern waren drei Männer, es konnte kein Gottesdienst mehr stattfinden. Alfred Rothschild wurde beauftragt, die Verhandlungen für die jüdische Gemeinde zu führen. Für ein Spottgeld wurde die Synagoge veräußert. Das Geld ging auf ein Sperrkonto, über das die jüdische Gemeinde nicht mehr verfügen konnte. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde der inzwischen 67-jährige Ehemann Alfred Rothschild verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Erst am 5. September 1939 kehrte Alfred Rothschild schwer krank zurück nach Vöhl. Der Hausarzt konnte keine äußerlichen Verletzungen feststellen. Hermine Rothschild zog vorübergehend mit ihrem Mann nach Korbach ins Hinterhaus des elterlichen Anwesens. Am 13. September 1939 verstarb ihr Mann Alfred Rothschild. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Korbach beigesetzt. Hermine zog zurück nach Vöhl. Vermutlich wurde sie zwangsweise bei ihren Nachbarn untergebracht. Die letzte Anschrift vor ihrer Deportation war die Mittelgasse 7, das Haus der jüdischen Familie Mildenberg. Hermines Schwester Emma Katz hatte am 30.1.1901 den im hessischen Sachsenhausen geborenen Kaufmann Maximilian Hirsch geheiratet. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor. 1934 verstarb ihr Mann im Dorf Sachsenhausen. Die drei Kinder wanderten nach Palästina und Schweden aus und entkamen so der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1937 zog Emma Hirsch nach Korbach zurück ins elterliche Anwesen. Im Herbst des Jahres 1941 mussten Hermines Mutter Johanna Katz, ihre Schwester Emma Hirsch und ihre unverheiratete Schwester Margarete das Anwesen in Korbach in der Lengefelder Straße 11 verlassen und in das „Judenhaus“ Kirchstraße 13 umziehen. Deportation nach Sobibor Anfang April 1942 erfuhren die Schwestern Hermine Rothschild und Emma Hirsch von ihrer geplanten „Umsiedlung in den Osten“. Am 29. Mai 1942 begaben sich die beiden Schwestern nach Kassel. Dort wurden sie in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht. Hier wurden sie registriert und auf Wertsachen durchsucht. Hermine Rothschild und ihre Schwester Emma Hirsch wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit 506 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus dem Geheimen Staatspolizei Bezirk Kassel mit dem Sonderzug „Da 57“, über Halle und Chemnitz, wo weitere hunderte Menschen in den Zug zusteigen mussten, deportiert. Der Zug erreichte am 3. Juni 1942 Sobibor. Die beiden Schwestern wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Der Bruder Siegfried Katz hatte am 11.6.1911 die in Göttingen geborene Hedwig Plaut geheiratet. Nach dem Tod seines Vaters hatte Salomon Katz dessen Betrieb in Korbach übernommen. Die Eheleute wurden am 26. September 1941 in das Sammellager Wrexen gebracht. Von hier aus wurden sie Ende Mai 1942 in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht und mussten denselben Deportationszug wie Hermine und Emma besteigen. Der Zug erreichte am 3. Juni 1942 Sobibor, wo auch Siegfried und Hedwig Katz unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Mutter Johanna und Schwester Margarete Katz Die Schwester Margarete Katz und die Mutter Johanna Katz wurden etwa drei Monate später, am 7.9.1942, von Kassel aus mit weiteren 753 jüdischen Menschen nach Theresienstadt deportiert. Johanna Katz starb im Konzentrationslager Theresienstadt am 26.9.1942. Ihre Tochter Margarete wurde am 23. Januar 1943 in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Es ist davon auszugehen, dass die 58-Jährige direkt nach ihrer Ankunft am 24. Januar 1943 ermordet wurde. Verwendete Dokumente und Literatur Bundesarchiv Gedenkbuch ITS Archiv Arlosen Statistik des Holocaust Website Synagoge Voehl Gottwald, Alfred und Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998

  • Rosenstock | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Rosa Rosenstock geboren am 1. April 1882 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland ermordet 3. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Schwester: Maria (Minna) Rosenstock geboren am 15. März 1879, Volkmarsen, Hessen, Deutschland gestorben 10. Februar 1907, Volkmarsen, Hessen, Deutschland Bruder: Albert Rosenstock geboren am 4. Juli 1880 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland gestorben am 15. September 1919 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland Mutter: Ricke Rika Rosenstock geboren am 21. August 1841 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland gestorben am 15. April 1899 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland Vater: Hermann Rosenstock geboren am 18. April 1846 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland gestorben am 7. Juli 1897 in Volkmarsen, Hessen, Deutschland Lebensdaten 1882 Geburt in Volkmarsen 1897 Tod des Vaters 1899 Tod der Mutter 1907 Tod der Schwester 1919 Tod des Bruders 1934 Selbstmord ihres Schwagers 1938 Flucht der Witwe des Bruders in die USA 1938 Verkauf ihres Hauses , Erlös geht auf ein Sperrkonto 1938 Einweisung in ‚Judenhaus‘ 1939 Zwangszahlung an Finanzamt wg. Hausverkauf 1942 Zwangszahlung für die Deportation in den Osten 1942 Deportation in den Osten und Ermordung in der Mordstätte Sobibor 1942 Auflösung ihres Kontos durch das Finanzamt Kassel nächste Biografie Die Familie Rosenstock gab es seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Volkmarsen. Seit den 1830er Jahren gab es am Ort eine Synagoge, die 1936 verkauft wurde. 1932 existierten zwei jüdische Wohltätigkeitsvereine, ein Lehrer unterrichtete am Ort jüdische Religion. Die jüdischen Familien trieben Handel oder waren Handwerker. 1933 lebten noch 34 Jüdinnen und Juden in Volkmarsen. Rosa Rosenstock wurde in Volkmarsen als jüngste Tochter von Hermann und Rike (Rufname Rika) Rosenstock geboren. Sie hatte zwei Geschwister, ihre drei Jahre ältere Schwester Maria (Rufname: Minna) wurde 1879 geboren, ihr Bruder Albert 1880. Schon in jungen Jahren war sie mit Todesfällen in ihrer Familie konfrontiert. Ihre Mutter verstarb, als Rosa 17 Jahre alt war, ihr Vater, als sie 15 Jahre alt war. Ihre Schwester verstarb 1907 als 28-Jährige, der nun verwitwete Schwager beging 1934 Selbstmord. Rosa Rosenstocks Bruder Albert war Weltkriegsteilnehmer und verstarb 1919 an seinen Kriegsverletzungen. Seine Witwe und ihre Tochter emigrierten 1938 bzw. 1940 in die USA. Rosa Rosenstock bewohnte ihr kleines Haus in der Wittmarstraße 10 in Volkmarsen. Ihren Lebensunterhalt verdiente die allein stehende Frau als Putzmacherin. Sie fertigte, reparierte und verkaufte Damenhüte. Am 4. Juli 1938 lieferte Rosa Rosenstock beim Landesleihhaus Kassel “Edelmetalle“ ab, die in einer Nachkriegsaufstellung des Regierungspräsidiums Kassel in der Rubrik „hinterlassenes persönliches Eigentum“ erfasst waren. Raub, Bevormundung und Einschränkungen In der Reichspogromnacht, am 9. November 1938, wurde auch ihr Haus angegriffen und die Haustür eingeschlagen. Fünf Tage danach verkaufte sie das Haus unter Wert zum Preis von 2.500 Reichsmark. Ein halbes Jahr später erteilte das Regierungspräsidium Kassel die Genehmigung des Kaufvertrags, allerdings mit Auflagen. Es mussten 600 RM als „Ausgleichszahlung zu Gunsten des Reiches“ geleistet werden. Der Verkaufspreis musste auf das Sperrkonto 1781 bei der Kreissparkasse, auf dem sich ihr gesamtes Erspartes befand, eingezahlt werden. Von diesem Konto durfte Erna Rosenstock monatlich 100 Reichsmark für ihren Lebensunterhalt abheben. Nach der Reichspogromnacht wurden die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Volkmarsens, auch Rosa Rosenstock, beengt im ehemaligen jüdischen Volkmarser Schulhaus konzentriert - diese Maßnahme zielte schon auf die späteren Deportationen ab. Für die Bewohnerinnen und Bewohner dieses „Judenhauses“ gab es eine Reihe von Einschränkungen. Es gab ein nächtliches Ausgangsverbot. Ihnen wurden nur sehr knappe Lebensmittelmarken zugeteilt, sie erhielten weder Milch noch Fleisch noch Eier. Einige wenige christliche Bürgerinnen und Bürger aus Volkmarsen unterstützten sie. Ende 1941 setzten die Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Nordhessen in den Osten ein. Den Betroffenen wurde eine Umsiedlung in den Osten vorgegaukelt, wo sie sich eine neue Existenz aufbauen könnten. Aus Kassel fuhren insgesamt drei große Deportationszüge in den Osten. Rosa muss ihre Deportation selbst bezahlen Am 27.5.1942 wurden auf Veranlassung der Finanzbehörde, vom Sperrkonto von Rosa Rosenstock 1.700 Reichsmark an die „Reichsvereinigung der Juden“ für ihren Abtransport in den Osten überwiesen. Rosa Rosenstock wurde zum 30.5.1942 in die „Sammelstelle“ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße bestellt. Dort wurde sie registriert und ihr Gepäck durchsucht. Am Morgen des 1. Juni 1942 wurde sie mit insgesamt 508 Jüdinnen und Juden aus dem Bezirk der Geheimen Staatspolizei Kassel zum nahen Hauptbahnhof geführt, wo der Sonderzug „Da 57“ bereitstand. Die Streckenführung von „Da 57“ verlief von Hanau u.a. über Kassel und Halle nach Sobibor. Mit diesem Deportationszug wurden etwa 1.000 Juden und Jüdinnen aus über siebzig verschiedenen Orten v.a. aus Hessen und Sachsen-Anhalt in den Osten verschleppt. Der Zielbahnhof des Transportzuges, in dem sich Rosa Rosenstock befand, war Izbica. Izbica war ein jüdisches Sztetl im „Distrikt Lublin“, mit etwa 7.000 Einwohner*innen, davon 80 Prozent jüdischen Glaubens. Izbica war für insgesamt 27.000 Jüdinnen und Juden eines von über zwanzig „Durchgangsghettos“ im „Distrikt Lublin“ im Generalgouvernement. Hier wurden die verschleppten Menschen für die geplante Ermordung konzentriert und in neuen Transporten zusammengefasst, damit einhergehend wurden hier die Todgeweihten ihrer letzten kläglichen Habe beraubt. In Izbica kamen etwa 7.500 Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an, etwa 20.000 kamen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Luxemburg. Allerdings war das erste Ziel des Sonderzugs „Da 57“ nicht wie angegeben Izbica, sondern das Anschlussgleis zum Zwangsarbeitslager „Alter Flughafen“ in Lublin. Dort wurden aus dem Transport etwa 115 junge, starke Männer zur Zwangsarbeit für das Todes- und Konzentrationslager Majdanek ausgewählt und die Gepäckwagen mit dem schweren Gepäck abgekoppelt. Der Sonderzug „Da 57“ fuhr vom Anschlussgleis“ Alter Flughafen“ auf direktem Weg nach Sobibor, wo er am 3. Juni 1942 ankam. Die sechzigjährige Rosa Rosenstock aus Volkmarsen wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Zwei Wochen nach Rosas Deportation zog das Finanzamt Kassel-Innenstadt die restlichen 2.572,30 RM vom Sperrkonto von Rosa Rosenberg ein. (Im Wiedergutmachungsverfahren 1954 wurden der Erbin 340 DM als Entschädigung für die geleisteten Transportkosten in den Tod von Rosa Rosenstock zugestanden.) Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Website Alemannia Judaica - Volkmarsen Gottwald, Alfred/ Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998 Klein, Ernst, Verschwundene Nachbarn – verdrängte Geschichte, 2012 Klein, Ernst, Volkmarsen, Was geschah mit dem Eigentum der Rosa Rosenstock?, unveröffentlichtes Manuskript, ohne Datumsangabe Kammler, Jörg u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933 – 1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Klein, Ernst in: Waldecksche Landeszeitung vom 16.8.2012 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986 Lilienthal, Marion u.a. (Hg.), Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P., Die gewaltsame Verschleppung von Juden aus Waldeck-Frankenberg 1941/1942, Riga, Sobibor/Majdanek, Theresienstadt, 2013 Kammler, Jörg u.a., Hg., Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933 – 1945, Bd. I und II, 1984 und 1987 Kleinert, Beate und Prinz, Wolfgang, Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945, Ein Gedenkbuch, Hg. Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, 1986 Verwendete Dokumente und Literatur

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