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- Verständig | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Erna Verständig geboren am 16. August 1924 in Kassel, Hessen, Deutschland ermordet am 16. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Verständig, Hedwig, geborene Wekshendler geboren am: 4. April 1884 in Lublin, Polen (damals Russisches Reich) ermordet Mitte September 1942 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Vater: Verständig, Josef geboren am 3. Dezember 1877 in Sieniawa, Przeworski, Polen (damals Doppelmonarchie Österreich-Ungarn) ermordet Mitte September 1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Bruder: Leo Verständig geboren am 30. August 1922 in Kassel, Hessen, Deutschland ermordet im Ende September 1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Halbbruder: Markus Verständig geboren am 5. Juni 1901 in Sieniawa, Przeworski, Polen (damals Doppelmonarchie Österreich-Ungarn) ermordet am 21. August 1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Halbbruder: Max Mendel Verständig geboren am 18. Juli 1903 in Halberstadt, Sachsen, Deutschland umgekommen am 10. Februar 1945 im Konzentrationslager Buchenwald Halbbruder: Hermann Verständig geboren 1906 in Halberstadt, Sachsen, Deutschland emigriert in die USA Halbbruder: Siegmund Verständig geboren am 28. Dezember 1907 in Halberstadt, Sachsen, Deutschland ermordet am 9. März 1943 im Mordlager Sobibor Lebensdaten 1924 Geburt in Kassel 1938 Zwangsausweisung und Verschleppung des Vaters nach Polen 1939 Rückkehr des Vaters zu seiner Familie 1939 Flucht der beiden Kinder in die Niederlande ab 1939 Erna lebt in unterschiedlichen Waisenhäusern in Amsterdam 1939 Flucht der Eltern nach Belgien 1940 Inhaftierung des Bruders in Westerbork 1942 Deportation und Ermordung des Bruders in Auschwitz 1942 Deportation des Stiefbruders Markus und seiner Familie in Auschwitz 1942 Deportation und Ermordung der Eltern in Auschwitz 1942 Deportation und Ermordung des Bruders Leo in Auschwitz 1943 Inhaftierung in Westerbork 1943 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Josef Verständig, Ernas Vater Leo Verständig, Ernas Bruder Biografie Erna Verständig wurde 1924 als zweites Kind von Hedwig und Josef Verständig geboren, ihr Bruder Leo war bereits 1922 geboren worden. Die Familie wohnte anfangs in der Kasseler Druselgasse 8, 1929 zogen sie in die Kasernenstraße 5. Ernas Vater war 1911 nach Kassel gekommen. Davor lebte er mit seiner ersten Frau Serka und ihren gemeinsamen vier Söhnen Markus, Max Hendel, Hermann und Siegmund seit 1903 in Plauen und Halberstadt. Kurz nach ihrer Ankunft in Kassel starb die Ehefrau Serka. Die vier gemeinsamen Söhne wuchsen nach dem Tod der Mutter im Israelitischen Waisenhaus in Kassel auf. Drei von ihnen kamen später in den Todesstätten Auschwitz, Majdanek und Buchenwald ums Leben, nur Sohn Hermann überlebte durch seine Flucht in die USA den Holocaust. Ernas Vater Josef diente als Soldat im 1. Weltkrieg. 1920 heiratete er erneut. Aus der Ehe mit Hedwig Wekshendler gingen die beiden Kinder Erna und Leo hervor. Im Haus in der Kasernenstraße 5 betrieb Vater Josef ein Manufakturwarengeschäft, hauptsächlich handelte er mit Textilien.Sein ältester Sohn Markus aus erster Ehe arbeitete ebenfalls bei ihm im Geschäft. In Kassel gab es vor 1933 eine der größten städtischen jüdischen Gemeinden des Reiches mit fast 3.000 Mitgliedern. Die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner trugen zum wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben der Stadt bei. Das städtische Judentum setzte sich vor allem aus assimilierten und liberalen Jüdinnen und Juden, aber auch streng Gläubigen zusammen. In Kassel gab es seit Mitte des 19. Jahrhundert eine große Synagoge und eine kleine für orthodox orientierte Juden. Zum jüdischen Leben in Kassel zählten u.a. ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderhort und eine jüdische Schule, die 1933 noch von 176 Kindern besucht wurde. Viele Gemeindemitglieder engagierten sich in zahlreichen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen und Einrichtungen. Auf Befehl von Reinhard Heydrich wurden Ende Oktober 1938 etwa 17.000 jüdische Menschen polnischer Herkunft und ohne deutschen Pass an die deutsch-polnische Grenze verschleppt, um nach Polen abgeschoben zu werden. Auch Josef Verständig musste Kassel verlassen und wurde in Bentschen (Zbąszyń) in einem Internierungslager auf der polnischen Seite inhaftiert. Erst im Sommer 1939 konnte er nach Kassel zurückkehren. Mit Kindertransport in die Niederlande Hedwig Verständig bemühte sich darum, ihre beiden Kinder mit Kindertransporten in den Niederlanden in Sicherheit zu bringen. Ende Juni 1939 konnten Erna und Leo Kassel Richtung Niederlande verlassen. Dort wurden die beiden Geschwister getrennt untergebracht. Leo wohnte bis März 1940 in Amsterdam in der New Kerkstraat 119 bei der Familie Still. Am 20 März 1940 wurde er in das von der niederländischen Regierung eingerichtete Flüchtlingslager Westerbork gebracht. Das spätere polizeiliche Durchgangslager Westerbork war ab Oktober 1939 als Flüchtlingslager für aus Deutschland und Österreich geflohene verfolgte Menschen errichtet worden. Erna lebte anfangs bei verschiedenen Familien in Bloemendaal und Amsterdam. Im Juli 1940 wurde sie in das Mädchenwaisenhaus in der Rapenburgerstraat 171 in Amsterdam eingewiesen. Das Waisenhaus wurde im Februar 1943 geschlossen. Erna wohnte noch für eine kurze Zeit in der Retiefstraße 18, wurde aber noch im Frühjahr 1943 in das polizeiliche Durchgangslager Westerbork eingewiesen. Verschleppung nach Westerbork und Deportation Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Erna traf in Westerbork ihren Bruder Leo nicht mehr an. Er war bereits am 28. September 1942 in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, im heutigen Polen, deportiert und dort ermordet worden. Auch Erna musste am 13. Juli 1943 mit 1987 anderen jüdischen Kindern, Frauen und Männern einen Zug besteigen. Dies war der 18. Transport, der das polizeiliche Durchgangslager Westerbork mit dem Ziel Sobibor verließ. Nach einer dreitägigen Fahrt in Viehwaggons erreichte der Zug am 16. Juli 1943 das deutsche Mordlager Sobibor, im heutigen Ostpolen. Erna Verständig wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft getötet. Keiner der 1988 jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus diesem Transport überlebte die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Das Schicksal ihrer Eltern Die Eltern von Erna und Leo flüchteten noch im Sommer 1939 nach Belgien, wie auch der Stiefbruder Max mit seiner Frau und ihrer kleinen Tochter. Am 8. September 1942 wurden ihre Eltern Hedwig und Josef Verständig aus dem SS-Sammellager Mechelen in Belgien in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. In diesem Transport befanden sich insgesamt 1.000 Menschen. Nach mehrtägiger Fahrt erreichte der Zug Auschwitz-Birkenau, wo sie ermordet wurden. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Dokin. nl Website Stolpersteine Kassel Website zu jüdischen Gemeinden in Deutschland - Kassel
- Mordstätte Lager | Gedenkweg in Sobibor
Das Areal der Mordstätte Sobibor war anfänglich etwa 600 Meter lang und 400 Meter breit, im Sommer 1943 wurde das Gelände auf 1000 mal 400 Meter erweitert. Das Lagergebiet war von einem drei Meter hohen, mit Zweigen durchflochtenen doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Der Zaun sollte nicht nur die Flucht von jüdischen Gefangenen verhindern, sondern auch vor neugierigen Blicken schützen, beispielsweise aus den vorbeifahrenden Zügen. < zurück Frühjahr 1943: Das Lagertor von Sobibor. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühjahr 1943: Blick vom Wachturm am Lagereingang auf das Vorlager. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühsommer 1943: Von einem Wachturm aufgenommene Übersicht über das Lager I und das Vorlager im Hintergrund. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühjahr 1943: Blick aus dem Vorlager Richtung Lager I und II. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Sommer 1943: Das Eingangstor zum sogenannten Erbhof. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Sommer 1943: Das neugebaute Kasino für die deutschen Täter im Vorlager. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Die Lagerbereiche Das Gelände der Mordstätte Sobibor Das Areal der Mordstätte Sobibor war anfänglich etwa 600 Meter lang und 400 Meter breit, im Sommer 1943 wurde das Gelände auf 1000 mal 400 Meter erweitert. Das Lagergebiet war von einem drei Meter hohen, mit Zweigen durchflochtenen doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Der Zaun sollte nicht nur die Flucht von jüdischen Gefangenen verhindern, sondern auch vor neugierigen Blicken schützen, beispielsweise aus den vorbeifahrenden Zügen. Während der gesamten Zeit seines Bestehens befand sich das Lager im Aus- oder Umbau. Die Deutschen ließen weitere Unterkünfte, Magazine und Werkstätten erbauen. Das eingezäunte Terrain von Sobibor war zunächst in vier, ab Sommer 1943 in fünf Bereiche unterteilt, wie der nebenstehenden Karte zu entnehmen ist. Das Vorlager Im sogenannten Vorlager der Mordstätte befand sich der Wohn- und Freizeitbereich für die deutschen Täter und die Trawniki. Die sogenannten Trawniki waren zumeist sowjetische Kriegsgefangene, bevorzugt Volksdeutsche und Ukrainer, die in einem Ausbildungslager in der Ortschaft Trawniki eine kurze militärische Ausbildung durchliefen. Ab Mitte 1943 meldeten sich auch Zivilisten aus dem Distrikt Lublin freiwillig zu diesen Einheiten. Die Trawniki wurden u.a. bei der Auflösung der Ghettos und in den Mordlagern der „Aktion Reinhardt“ als Wachmänner eingesetzt. Im Vorlager mussten jüdische Gefangene u.a. auch Blumenbeete anlegen und pflegen. Die Täter wollten in einer gepflegten Anlage und in unverfänglicher Atmosphäre leben und ihre Freizeit verbringen. Dazu sagte Jahrzehnte später die Sobibor-Überlebende Eda Lichtman: „Wenn man in das Lager hineinkam, machte es den Eindruck eines Erholungsortes. Ästhetisch gebaute Villen, Kasino, Gärten, mit Kies bedeckte Pfade, Rasenflächen, Blumenbeete, Rosen- und Sonnenblumenalleen vertuschten sorgfältig und täuschten das Auge fremder Ankömmlinge darüber hinweg, dass dort die Todesfabrik war.“ Das Lager I An das Vorlager grenzte das Lager I, abgetrennt durch Stacheldrahtzäune. In diesem Bereich befanden sich die Unterkunftsbaracken der jüdischen Gefangenen und Werkstätten: Schusterei, Schreinerei, Tischlerei und andere Werkstätten. Unter Franz Stangl, dem ersten Kommandanten des Lagers, gab es auch einen Goldschmied, der für die deutschen Täter u.a. aus Zahngold Schmuck herstellen musste. Das Lager II Das Lager II war der „Aufnahmebereich“ des Lagers, in dem sich die ankommenden Jüdinnen und Juden auf einem Auskleideplatz ausziehen und ihr Gepäck abgeben mussten. In diesem Bereich wurde die geraubte Habe der Ermordeten nach Wertgegenständen durchsucht, sortiert und aufbewahrt. Hier befand sich zudem der sogenannte Erbhof, ein abgeschlossenes Areal u.a. mit Pferde-, Schweine-, Gänse- und Kaninchenställen. Das ehemalige Forsthaus innerhalb des Lagers II nutzten die Deutschen als Verwaltungs- und Wohngebäude. Das Lager III Ein mehrere hundert Meter langer Weg verband das Lager II mit dem Tötungsbereich im Lager III. Dieser Verbindungsweg war mit einem Stacheldrahtzaun mit eingeflochtenen Zweigen eingefasst. Am Ende dieses von den deutschen Tätern als „Schlauch“ benannten Weges befand sich das Lager III mit den Gaskammern und Leichengruben. Die Gaskammern befanden sich in einem Gebäude aus Stein, das im Sommer 1942 erweitert wurde. Im April 1942 wurde zur Erzeugung des tödlichen Gases ein 200 PS-Motor aus dem 200 Kilometer entfernten Lemberg (heute Ukraine) geholt. Jede Kammer hatte einen Eingang und einen Ausgang. Durch den Ausgang schleppte man die Körper der Ermordeten zu den riesigen Leichengruben. In diesen wurden die Leichen verscharrt. Ab Spätherbst 1942 begann man, die Leichen zu verbrennen. Zu diesem Zweck wurden riesige Scheiterhaufen mit Eisenbahnschienen mit Brennholz errichtet. Für die Gefangenen, die in diesem vom restlichen Lager isolierten Bereich arbeiten mussten, gab es einen eigenen abgeteilten, eingezäunten Unterkunftsbereich. Das Lager IV Ab Sommer 1943 begann man mit dem Bau von Lager IV im nördlichen Bereich der Mordstätte. Es gab den Plan, in Sobibor Beutemunition für die Wehrmacht zu lagern und aufzuarbeiten. Dafür wurde das Lagergelände großzügig erweitert und mehrere bunkerähnliche Gebäude in errichtet. Die Arbeiten am Lager IV dauerten bis zum Aufstand der jüdischen Gefangenen im Oktober 1943 an, danach wurde das Vorhaben der Munitionsverwertung aufgegeben.
- Kar van der | Gedenkweg in Sobibor
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- Karlsberg | Gedenkweg in Sobibor
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- Klein-Odenheimer | Gedenkweg in Sobibor
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- Klafter | Gedenkweg in Sobibor
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- Seelenfreund | Gedenkweg in Sobibor
< zurück vorherige Yvonne Seelenfreund geboren am 22. November 1936 in Leipzig, Sachsen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Gertrud Seelenfreund, geborene Marcus geboren am 2. Mai 1899 in Wien, Österreich ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Vater: Fritz Seelenfreund geboren am 14. Oktober 1901 in Leipzig, Sachsen, Deutschland geflüchtet 1939 nach Shanghai eingewandert 1947 in die USA gestorben im März 1983 in den USA Bruder: Robert-Hermann Seelenfreund geboren am 18. Januar 1935 in Leipzig, Sachsen, Deutschland ermordet am 23. Juli 1943 in der Mordstätte Sobibor Lebensdaten 1936 Geburt 1938 Kindertransport in die Niederlande zusammen mit ihrem Bruder 1939 Scheidung der Eltern 1939 Flucht der Mutter in die Niederlande 1939 Vater flieht nach Shanghai ab 1940 Familie wohnt mit den Kindern in Amsterdam 1943 Verhaftung und Verschleppung nach Westerbork 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor zusammen mit Mutter und Bruder nächste Die Namen von Yvonne, ihrem Bruder Robert und ihrer Mutter Gertrud auf dem Holocaust Monument der Namen in Amsterdam Biografie Yvonne Seelenfreund wurde 1936 in Leipzig geboren. Sie verbrachte die ersten Lebensjahre im Borkumerweg 7 in Leipzig, wo sie zusammen mit ihrem Bruder Robert-Hermann und ihren Eltern Fritz und Gertrud wohnte. Erste Ansiedlungen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern gab es in Leipzig bereits im Mittelalter. Ab 1430 war es für Jüdinnen und Juden auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten verboten in der Stadt zu wohnen, sie durften die Stadt nur zum Handeln betreten. Dies blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts so. Erst dann war es jüdischen Bürgerinnen und Bürgern erlaubt sich dauerhaft in der Stadt niederzulassen. Es wurden Synagogen und jüdische Schulen errichtet und es entwickelte sich ein vielfältiges jüdisches Leben in der Stadt. In den 1920ger Jahren zählte die Gemeinde mit 13.000 Mitgliedern zu den sechs größten in Deutschland. 1938 Yvonne und ihr kleiner Bruder erlebten die Schrecken der Reichspogromnacht im November 1938 noch in Leipzig. Ihr Vater Fritz und ihr Onkel Benno wurde festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Erst einige Wochen später wurden sie wieder entlassen. Nach den gewalttätigen Vorkommnissen in der Reichspogromnacht versuchten viele Eltern, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Zehntausend Kinder wurden von November 1938 bis zu Kriegsbeginn im September 1939 – man hoffte nur für vorübergehend - in Gebiete außerhalb des damaligen Deutschen Reiches verschickt.10.000 Kinder kamen so u.a. nach Großbritannien. In den Niederlanden wurden 1.500 jüdische Kinder aufgenommen. Allerdings gerieten mit der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 diese Kinder erneut in Gefahr. Die meisten Kinder der Kindertransporte sahen ihre Eltern das letzte Mal, wenn sie am Bahnhof von ihnen Abschied nahmen. Viele der Kinder dieser Hilfsaktion wurden durch die Trennung von ihren Familien und dem Verlust der Eltern traumatisiert. Fritz und Gertrud Seelenfreund wollten ihre Kinder ebenfalls nicht länger in dieser bedrohlichen Situation in Deutschland leben lassen. Bereits am 6. Dezember 1938 wurden die beiden kleinen Geschwister, zwei und drei Jahre alt, mit einem Kindertransport in die Niederlande verschickt. In den Unterlagen der niederländischen Archive befindet sich der Hinweis, dass sich die Mutter in psychiatrischer Behandlung befände und der Vater nach Shanghai ausgewandert sei. Yvonne und ihr Bruder Robert Hermann waren zusammen in jüdischen Kinderheimen in Amsterdam, Rotterdam und Scheveningen untergebracht. Yvonne und Hermann-Robert sahen ihre Mutter Gertrud im Herbst 1939 wieder, als auch sie in die Niederlande flüchtete. Sie hatte sich vorher scheiden lassen. Über die genaueren Umstände dieser Scheidung ist nichts bekannt. 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Niederlande und die erhoffte Sicherheit war verloren. Gertrud und ihre beiden Kinder wohnten in einer Wohnung im Amsterdamer Süden. Der Vater bemühte sich um Visa für Japan. Das bestätigen Unterlagen des Judenrates von Amsterdam. Denen ist zu entnehmen, dass sich Fritz Seelenfreund um Auswanderungspapiere für seine Kinder und seine geschiedene Frau bemühte. Leider vergeblich, denn Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert wurden Anfang März 1943 verhaftet und in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork verschleppt. Deportation nach Sobibor Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Am 20 Juli mussten auch Gertrud, Yvonne und Hermann-Robert einen der Waggons eines Deportationszuges besteigen, der sie und weitere 2006 Jüdinnen und Juden in das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Ostpolen brachte. Nach einer dreitägigen Fahrt in den engen und überfüllten Waggons erreichte der Zug am 23. Juli Sobibor. Gertrud, ihr 8-jähriger Sohn Hermann-Robert und ihre 6-jährige Tochter Yvonne, wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor ermordet. Curt Marcus Yvonnes Onkel Curt Marcus, Bruder von Gertrud, geboren am 10. Juli 1896, wurde im September 1942 nach Theresienstadt und von dort weiter in die Mordstätte Auschwitz-Birkenau verschleppt. Er kam dort am 20. Januar 1944 ums Leben. Überleben im Ausland Vater Fritz Seelenfreund flüchtete 1939 zusammen mit seinem Bruder Benno nach Shanghai. Während der Zeit in Shanghai starb sein Bruder 1943. Seine Bemühungen, Tochter, Sohn und Exfrau zu sich zu holen, blieben vergebens Fritz emigrierte 1947 in die USA. Er heiratete 1950 in Kalifornien erneut, seine Frau Margaret stammte aus Wroclaw, dem früheren Breslau. Er starb 1983 in Kalifornien. Drei Familienangehörige mütterlicherseits überlebten die Shoa. Großmutter Ida Herzfeld wurde 1875 in Wien geboren und wanderte über Lissabon/Portugal nach Montevideo/Uruguay aus. Ihr Onkel Helmut Marcus, 1907 in Berlin geboren, verstarb am 10. Mai 1992 in Montevideo/Uruguay. Ihre Tante Käthe Schoeninger, geboren 1905 in Berlin, verstarb in Brasilien. Verwendete Dokumente und Literatur Website Dokin – jüdische deutsche Kinder in den Niederlanden Website ITS Archiv Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Susanne Heim (Hg,), Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, München, 2009
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