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  • Beck | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Walter Beck geboren am 6. April 1932 in Magdeburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Mutter: Gerda Beck, geborene Meissner geboren am 2. September 1911 in Berlin, Deutschland ermordet am 28. Mai 1943 in der Mordstätte Sobibor Vater: Karl Beck geboren am 27. Mai 1899 in Wien, Oesterreich-Ungarn ermordet am 16. Juli 1936 im Gefängnis in Berlin-Moabit Stiefvater: Franz-Otto Seligsohn geboren am 28. Oktober 1899 in Berlin, Deutschland verstorben am 29. Mai 1945 bei Tröbitz, Brandenburg, Deutschland Lebensdaten 1932 Geburt in Magdeburg 1933 Verhaftung und Verurteilung der Eltern 1933 Walter lebt bei seinen Großeltern mütterlicherseits 1935 Haftentlassung der Mutter 1935 Ermordung des Vaters 1937 Tod der Großmutter mütterlicherseits 1938 Verhaftung des Großvaters mütterlicherseits 1938 Flucht in die Niederlande 1938/39 lebt in Quarantäneunterkunft/ Kinderheimen in Amsterdam 1939 seine Mutter heiratet Franz-Otto Seligsohn 1939 wohnt bei seiner Mutter und seinem Stiefvater 1942 Deportation und Ermordung des Großvaters mütterlicherseits 1943 Walter und seine Mutter werden deportiert und in Sobibor ermordet 1945 Stiefvater Franz-Otto Seligsohn stirbt kurz nach Kriegsende nächste Biografie Walter Beck war der Sohn von Karl und Gerda Beck. Die Familie wohnte in Magdeburg, der Vater war Handelsgehilfe, arbeitete aber als Gleisarbeiter bei der Reichsbahn. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 waren Mutter und Vater im kommunistischen Widerstand engagiert; wegen einer Flugblattaktion wurden beide zu Gefängnisstrafen verurteilt. Während ihrer Inhaftierung kümmerten sich die Großeltern um den kleinen Walter. Kurz vor der Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau wurde sein Vater in das Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in Berlin-Moabit überstellt, zwei Tage später war er tot, nach Aussagen von Mithäftlingen wurde er bei einem Verhör erschlagen. Die Mutter war bereits einige Wochen vorher aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie musste nicht nur die Nachricht über den Tod ihres Mannes verkraften, in den nächsten beiden Jahren starben auch ihre Mutter und ihre Großmutter. Während des Novemberpogroms 1938 wurde der Großvater Leopold Meissner verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Flucht in die Niederlande In dieser verzweifelten Situation verließ Gerda mit ihrem Sohn Walter Magdeburg in Richtung Amsterdam. Bis zu 50.000 deutsche Jüdinnen und Juden flohen bis zur deutschen Besetzung in die Niederlande, legal oder illegal. Das Leben der Flüchtlinge war schwierig. Emigranten erhielten keine Arbeitserlaubnis und waren von Hilfsorganisationen abhängig. Für den 6-jährigen Walter Beck ist einem Eintrag vom 28.11.1938 in der Quarantäneunterkunft in der Amsterdamer Zeeburgerdijk 321 zu entnehmen: „legal, zu klein zu antworten, keine Papiere“. Bis September 1939 war Walter Beck in verschiedenen Kinderheimen in Amsterdam untergebracht. Diphtherieerkrankungen in seinem Heim führten dazu, dass er erneut von September bis Mitte Dezember 1939 in seiner alte Quarantäneunterkunft im Zeeburgerdijk untergebracht wurde. Der Aufenthaltsort seiner Mutter Gerda in diesem ersten Jahr in den Niederlanden ist unbekannt. Bekannt ist, dass sie den Berliner Emigranten Franz-Otto Seligsohn kennenlernte, im Mai 1939 das Aufgebot bestellt wurde und Mitte September desselben Jahres heiratete. Erst ab 14. Dezember 1939 konnte Walter Beck endlich wieder bei seiner Mutter leben. Die kleine Familie wohnte in der Dintelstraat 84 in Amsterdam. Mit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 verschärfte sich die Situation der deutschen Flüchtlinge zusehends durch Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung und Verfolgung. Die Familie zog in Amsterdam noch zweimal um, 1941 in die Biesboschstraat 67 III und kurz vor ihrer Deportation in die Amstelkade 3. Verhaftung und Deportation Im Frühjahr 1943 erhielten Walter Beck und seine Mutter die Aufforderung, sich in der Hollandse Schouwburg zu melden. Dieses ehemalige Theater diente den deutschen Besatzern ab Sommer 1942 als Sammelstelle für Jüdinnen und Juden aus Amsterdam. Wenn sie sich nicht freiwillig meldeten, wurden sie bei Razzien in ihren Wohnungen, an ihren Arbeitsplätzen oder auf der Straße von deutschen oder auch niederländischen Polizisten aufgegriffen und zur Sammelstelle gebracht und in das Lager Westerbork verschleppt. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Am 25. Mai 1943 mussten der mittlerweile zehnjährige Walter und seine Mutter Gerda im 13. Transport zusammen mit insgesamt 2860 Jüdinnen und Juden die Fahrt nach Sobibor antreten. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. Walter und seine Mutter wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft, am 28. Mai 1943, in Sobibor ermordet. Walters Großvater Leopold Meissner, bei dem Walter Beck als Baby während der Haftzeit seiner leiblichen Eltern lebte, wurde am 14. April 1942 in das Warschauer Ghetto deportiert und von dort aus in das Mordlager Treblinka verschleppt und ermordet. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Der Stiefvater Franz-Otto Seligsohn wurde im April 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Nur einen Tag vor der Befreiung durch die britische Armee wurde er am 10. April 1945 noch in einen Zug mit 2400 Menschen gemeinsam in Richtung Konzentrationslager Theresienstadt gepfercht. Nach einer Irrfahrt durch die noch unbesetzten Teile Deutschlands ließ man den Zug auf offener Strecke nahe der brandenburgischen Gemeine Tröbitz stehen. Erst am 23. April 1945 befreite die vorrückende Rote Armee die Insassen des Zuges. Etwa 200 Menschen waren in den Waggons bereits verstorben, viele waren an Typhus erkrankt. Franz Otto Seligsohn starb wenige Wochen später am 29. Mai 1945 in einem Krankenrevier an Typhus. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Dokin - Informationen zu Kinder aus Kindertransporten in die Niederlande Website der Stadt Magdeburg zum Schicksal der Familie Beck

  • Hellmann | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Bernhard Wolfgang Hellmann Geboren am 7. November 1903 in Wien, Österreich ermordet am 02. April 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehefrau: Clarissa Hellmann, geborene Hauchmann geboren am 16. Januar 1909 in Rotterdam, Niederlande verstorben 1974 in Nordwijk, Niederlande Sohn: Paul Hellmann Geboren am 06.Mai 1935 Geboren in Rotterdam, Niederlande Mutter: Irene Hellmann-Redlich, geborene Redlich Geboren am 3. November 1882 in Göding heute Hodonín, Tschechien ermordet am 6. März 1944 im Konzentrations- und Mordlager Auschwitz-Birkenau Vater: Paul Hellmann geboren am 19. April 1876 in Wien, Oesterreich gestorben am 8. Dezember 1938 in Wien, Oesterreich Lebensdaten 1903 geboren in Wien 1922 Matura in Wien 1920ger Jurastudium 1930 Fortbildung in Textilbetrieben in England und den Niederlanden 1932 Heirat mit Clarissa Hauchmann 1935 Geburt des Sohnes Paul 1938 Tod des Vaters 1939 Flucht der Geschwister nach England bzw. Australien 1942 Scheidung zum Schutz der Ehefrau, die überlebt 1942 versuchte Flucht mit Sohn Paul 1942 übergibt Sohn Paul einer Pflegefamilie, in der er überlebt 1942 geht selbst in den Untergrund 1943 Verhaftung 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor 1944 Verschleppung und Ermordung der Mutter in Auschwitz nächste Bernhard Hellmann mit seinem Jugendfreund Konrad Lorenz Biografie Bernhard Hellmann wurde am 7. November 1903 in Wien im Bezirk „Am Alsergrund“ geboren. Er hatte zwei jüngere Geschwister, Ernst Richard und Ilse Rosa. Bernd Hallmann wuchs in einem wohlhabenden und angesehenen Elternhaus auf. Die Eltern Paul und Irene Hellmann besaßen in Wien eine Textilfabrik. Sie spielten eine wichtige Rolle im österreichischen Kulturwesen, unterstützten die Salzburger Festspiele und förderten zahlreiche KünstlerInnen und Institutionen. Bernhard wurde protestantisch getauft und besuchte später eine katholische Privatschule. Er studierte Rechtswissenschaften, um später die Firma übernehmen zu können. Sein Interesse galt allerdings mehr der Zoologie. Er experimentierte zusammen mit seinem damaligen Freund, Konrad Lorenz, über die Verhaltensweisen von Tieren. Dieser bezeichnete ihn später als verlorenes Genie. Eine weitere Leidenschaft der beiden Jugendfreunde waren ihre Motorräder, mit denen sie durch halb Europa fuhren. Umzug in die Niederlande Zur beruflichen Fortbildung ging Bernhard Hellmann Anfang der 30er Jahre nach England und später nach Rotterdam in die Niederlande. In Rotterdam 1932 heiratete er Clarissa Hauchmann. Ihre Mutter kam aus Groningen in den Niederlanden, ihr Vater stammte aus einer russisch-jüdischen Familie. Am 6. März 1935 kam Clarissas und Bernhards Sohn Paul in Rotterdam zu Welt, er wurde nicht im jüdischen Glauben erzogen. Der Vater war seinem Faible für Tiere treu geblieben, die Familie hatte viele Haustiere. 1938 starb der Vater Paul Hellmann in Wien und die Mutter Irene Hellmann zog zur Familie ihres Sohnes nach Rotterdam. Wegen der zunehmenden Bedrohung erwog die gesamte Familie auszuwandern. Ihr Vermögen war mittlerweile bereits so weit zusammengeschmolzen, dass die finanziellen Mittel zur -Auswanderung nicht mehr reichten. Im Mai 1940 besetzten die Deutschen die Niederlande. Zu diesem Zeitpunkt lebten bis zu 50.000 deutsche Jüdinnen und Juden in den Niederlanden. Sie waren seit 1933 legal oder illegal eingewandert. Auch für die Familie Hellman verschlechterte sich die Situation noch einmal deutlich. Das Ehepaar Hellman ließ ihren Sohn Paul taufen und sie ließen sich scheiden in der Hoffnung, so die Überlebenschancen der Ehefrau Clarissa und des Sohnes zu verbessern. Bernhard Hellmann versuchte mit seinem Sohn nach Belgien zu fliehen, was aber misslang. Daraufhin versteckte er ihn bei verschiedenen Familien in den Niederlanden. Letztendlich brachte der Vater den 7-jährigen Paul bei einer Familie in Veluwe unter. Mit der Aufforderung, sich zu benehmen, verabschiedete er sich von seinem Sohn. Die Pflegefamilie gab ihn als „Neffen aus Rotterdam“ aus und er konnte unbehelligt die Schule besuchen und überlebte. Verhaftung und Deportation nach Sobibor Bernhard Hellmann versteckte sich auf einem Bauernhof in Lunteren. Im Frühjahr 1943 wurde er verraten, verhaftet und in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Westerbork diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die deutschen Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Jüdinnen und Juden verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. Bernd Hellmann wurde am 30. März 1943 mit dem 5. Transport, der Westerbork in Richtung des deutschen Mordlagers Sobibor verließ, deportiert. Er und weitere 1254 Menschen wurden direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor am 2. April 1943 ermordet. Die weitere Familie Seine Mutter Irene Hellmann wurde ebenfalls verraten und am 3. März 1944 von Westerbork aus nach Auschwitz deportiert, wo sie in den Gaskammern ermordet wurde. Bernhard Hellmanns geschiedene Ehefrau Clarissa wurde in ihrem Versteck in einem Hausboot verhaftet. Sie wurde nach Auschwitz deportiert, überlebte und kehrte 1945 zurück in die Niederlande. Sie verstarb 1974 in Noordwijk. Der gemeinsame Sohn Paul Hellmann, Journalist und Autor seiner Familiengeschichte, trat als Nebenkläger im Prozess gegen den Trawniki-Täter Demjanjuk von Sobibor auf, der in den Jahren 2009 bis 2011 in München stattfand. Bernhard Hellmanns Geschwister Ernst Richard und Ilse Rosa gelang rechtzeitig die Flucht mit ihren Familien nach Australien und England. Ernst Richard verstarb 1980 im Alter von 75 Jahren in Sydney. Ilse Rosa verstarb 1998 im Alter von 90 Jahren in London. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Artikel im Der Standard Artikel in Die Presse

  • Mansbach, geborene Eichengrün | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Rosa Rosalie Mansbach geboren am 18. Februar 1885 in Beringhausen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 21. Mai 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Familie Ehemann: Leopold Louis Mansbach geboren am 18. Juli 1918 in Dordrecht, Niederlande ermordet am 30. April 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Sohn: Erwin Mansbach geboren am 21. August 1909 in Gudensberg, Hessen, Deutschland umgekommen am 14. Mai 1940 bei einem Bombenangriff in Rotterdam Sohn: Julius Mansbach geboren am 13. September 1913 in Gudensberg, Hessen, Deutschland verstorben am 27. Dezember 2015 in San Francisco, Carlifornien, USA Tochter: Beate Hildegard Leviticus-Mansbach geboren am 4. Februar 1916 in Gudensberg, Hessen, Deutschland ermordet am 30. April 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Schwiegersohn: Louis Leviticus geboren am 18. Juli 1918 in Dordrecht, Niederlande ermordet am 30. April 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Lebensdaten 1885 Geburt in Beringhausen 1908 Heirat mit Leopold Louis Mansbach 1909 Geburt von Sohn Erwin 1913 Geburt von Sohn Julius 1914 Weltkriegsteilnahme des Ehemanns 1916 Geburt von Tochter Beate Hildegard 1933 Emigration der Kinder in die Niederlande 1934 Emigration in die Niederlande mit ihrem Ehemann 1940 Tod des Sohnes Erwin beim Bombenangriff auf Rotterdam 1942 Untertauchen der Kinder Julius und Hildegard 1943 Verhaftung der Tochter Hildegard 1943 Deportation und Ermordung der Tochter Hildegard in Sobibor 1943 Verhaftung zusammen mit ihrem Ehemann 1943 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Leopold, Rosas Ehemann Beate, Rosas Tochter Biografie Rosa Rosalie Mansbach wurde 1885 in Beringhausen bei Marsberg im Sauerland geboren. Ihre Eltern waren Simon und Wilhelmine Eichengrün. Sie hatte sechs Geschwister. Erstmals wurden jüdische Bewohner in Beringhausen im 17. Jahrhundert erwähnt. Es gab ab Mitte des 18. Jahrhunderts einen Betraum, zeitweise existierte eine jüdische Schule und es gab einen jüdischen Friedhof. Am 12. Oktober 1908 heiratete Rosa Eichengrün Leopold Louis Mansbach aus Gudensberg in Niedermarsberg. Das Paar ließ sich in Gudensberg nieder und bekam drei Kinder: Erwin, Julius und Beate Hildegard. Ihr Ehemann Leopold diente als Soldat im Ersten Weltkrieg und erhielt 1917 das Eiserne Kreuz verliehen. Leopold Mansbach führte zusammen mit seinem Bruder einen Viehhandel in der Bahnhofstraße in Gudensberg, er war im Aufsichtsrat der Gewerbebank des Ortes. Sohn Julius Mansbach berichtete in späteren Jahren von seiner schönen Kindheit in Gudensberg. Noch vor 1933 begann er eine Lehre in einem Kaufhaus im Rheinland. Nach 1933 Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten änderte sich das Alltagsleben für die jüdische Bevölkerung schnell. Das vorher scheinbar friedliche Zusammenleben zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Einwohnern der Gemeinde endete bereits 1933, als jüdische Geschäfte und Häuser geplündert und jüdische Bürger misshandelt und verprügelt wurden. Unter dem Eindruck dieser Übergriffe entschied sich die Familie in die Niederlande auszuwandern, ihre zwei Schwägerinnen wohnten bereits dort. Nach dem Aufruf zum Boykott der jüdischen Geschäfte im Frühjahr 1933, wanderte Sohn Julius nach Rotterdam aus. Auch seine Schwester Beate und sein Bruder Erwin flüchteten ebenfalls in die Niederlande. Wenige Monate später verließen auch Rosa und ihr Ehemann Leopold Gudensberg und flohen ebenfalls nach Rotterdam. Leopold verdiente dort sein Geld als Metzger, sein Sohn Erwin arbeitete bei ihm im Geschäft. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande Beim Überfall der Deutschen auf die Niederlande wurde am 14. Mai 1940 Rotterdam bombardiert. Sohn Erwin wurde, wie viele Deutsche Emigranten, von den Niederländern verhaftet und in einem Untergrund-Theater in Rotterdam festgehalten, das Gebäude wurde von Bomben getroffen. Sohn Erwin starb bei diesem Angriff. Mit der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 verschärfte sich sowohl die Situation der niederländischen Jüdinnen und Juden als auch der aus Deutschland Geflüchteten dramatisch. Die jüdische Bevölkerung musste Rotterdam verlassen, die Familie zog nach Gorinchem in die Zuisterhuis 9. Als man immer mehr junge Frauen und Männer zur Zwangsarbeit abholte, entschieden sich ihre beiden Kinder Beate und Julius unterzutauchen. Julius fand Unterschlupf bei einer Familie auf einem Dorf in der Nähe von Osterhaut. Die Familie hatte fünf eigene kleine Kinder und versteckte Julius über zwei Jahre auf dem Dachboden des Hauses. Mit ihrer Hilfe gelang es ihm zu überleben. 1947 wanderte er in die USA aus. Er verstarb im Alter von 102 Jahren 2015 in San Francisco. Auch Tochter Beate tauchte in Hardinxveld-Giessendam unter, vermutlich zusammen mit ihrem Freund Louis Leviticus. Louis hatte in der Nähe der Mansbachs gewohnt und dort mit seiner Schwester ein Optikergeschäft betrieben. Die beiden Untergetauchten wurden verraten. Am 10. März 1943 wurden Beate und Louis in ihrem Versteck von der Sicherheitspolizei verhaftet. Beide kamen in Arrest in Rotterdam und wurden am 14. April 1943 in das „Polizeiliche Durchgangslager Westerbork“ gebracht. Deportation von Westerbork nach Sobibor Von Westerbork wurden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107.000 Menschen in den Osten verschleppt - 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen das Lager mit dem Ziel Mordstätte Sobibor. In Westerbork heirateten die beiden noch, bevor sie am 27. April 1943 den Deportationszug nach Sobibor besteigen mussten. Die Fahrt im Viehwaggon dauerte drei Tage. Beate Hildegard und ihr Mann Louis Leviticus wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft am 30. April 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor ermordet. In diesem Transport befanden sich weitere 1202 Menschen, niemand von ihnen überlebte. Rosa und Leopold wurden ebenfalls im April verhaftet und in das deutsche Konzentrationslager Herzogenbosch (Camp Vught) eingewiesen. Nach zwei Wochen wurden sie in das „Polizeiliche Durchgangslager Westerbork“ gebracht. Rosa und ihr Ehemann wurden am 18. Mai 1943 mit dem 12. Transport aus dem Lager Westerbork nach Sobibor deportiert. In diesem Transport befanden sich weitere 2509 Menschen, keiner dieser Menschen überlebte. Rosa und Leopold Mansbach wurden direkt nach ihrer Ankunft am 21. Mai 1943 in Sobibor ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website Alemannia-Judaica zu Gudensberg Website Stolpersteine Dordrecht Interview: Julius Mansbach - United States Holocaust Memorial Museum Collection, 2.12.1986 in San Francisco

  • Pardis | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Selma Pardis geboren am 24. April 1880 in Hannover, Niedersachsen, Deutschland ermordet am 17. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Wolf Willy Pardis geboren am 5. Februar 1870 in Hamburg, Deutschland verstorben am 22. Januar 1942 in Düsseldorf Sohn: Emil Pardis gefallen/ gefallen am 27. Oktober 1918 Lebensdaten 1880 Geburt in Hannover ? Heirat mit Wolf Willi Pardis 1906 Umzug nach Düsseldorf 1918 Sohn Emil fällt im 1. Weltkrieg 1942 Tod des Ehemannes Wolf Willy in Düsseldorf 1942 Flucht nach Köln und München 1942 Rückkehr nach Düsseldorf und Festnahme 1942 Deportation und Ermordung in Sobibor nächste Biografie Selma Pardis wurde in Hannover geboren. Über ihr Leben vor dem Zweiten Weltkrieg ist nicht viel bekannt. Sie war verheiratet mit Wolf Willy Pardis, der 1870 in Hamburg geboren wurde. Seit 1906 lebten die beiden in Düsseldorf mit ihrem Sohn Emil. Emil fiel 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg, er war Träger des Eisernen Kreuzes mit Band. Das Paar wohnte in den Jahren 1941/1942 in der Worringstraße 80. In Düsseldorf lebten 1933 rund 5500 Jüdinnen und Juden. Bis 1938 halbierte sich durch Wegzug und Auswanderung ihre Einwohnerzahl. Bereits ab Herbst 1941 wurden die zurückgeblieben Jüdinnen und Juden aus Düsseldorf in Transportzügen „In den Osten“ gebracht. Der Großteil von ihnen starb in den Ghettos, Mordlagern und bei Erschießungen. Am 22. Januar 1942 verstarb Selma Pardis‘ Ehemann Willy mit 72 Jahren und sie blieb allein zurück. Kurz darauf erhielt die trauernde Witwe im Frühjahr 1942 die Aufforderung, sich zur Deportation bereit zu halten. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten Für sie begann damit eine zugleich mutige, verzweifelte und aussichtslose Odyssee, sich zu verstecken um den Nationalsozialisten zu entrinnen. Im späteren Verhörprotokoll der Geheimen Staatspolizei vom 21. Mai 1942 gab sie an, dass sie für den 13. April 1942 vorgeladen war und sich für einen Transport ab Düsseldorf bereithalten sollte. Sie wurde angehalten, am 21. April 1942 sich am städtischen Schlachthof einzufinden. Selma Pardis, 62 Jahre alt, hatte Angst, einen solchen Transport nicht überstehen zu können. So verließ sie am 20. April 1942 ihre Wohnung mit dem Plan, sich in den Rhein zu stürzen, wozu ihr letztlich der Mut fehlte. Sie fuhr nach Köln. Um unbehelligt eine Fahrkarte lösen zu können, hatte sie den Judenstern von ihrem Mantel entfernt. In Köln wusste sie nicht, wohin sie sich wenden sollte. Dort saß sie nun nach ihrer Aussage laut weinend in der Bahnhofshalle, wo sie ein Münchner ansprach. Mit ihm fuhr sie noch in derselben Nacht nach München und hielt sich zwölf Tage lang in dessen Wohnung auf. Dann fuhr sie zurück nach Düsseldorf. Sie wurde festgenommen und von der Gestapo verhört. Deportation nach Sobibor Am 23. Mai 1942 wurde sie wieder aus dem Gerichtsgefängnis entlassen. Auf der Deportationsliste ist als letzter Wohnsitz eine Adresse der jüdischen Gemeinde angegeben, wahrscheinlich bekam sie dort Unterkunft. Am 15. Juni 1942 musste sie sich am städtischen Schlachthof einfinden. Dieser diente als Sammelpunkt für die Jüdinnen und Juden die verschleppt werden sollte. Hier wurden auch Selma registriert und beraubt, bevor sie den Deportationszug am Güterbahnhof Düsseldorf Derendorf besteigen musste. Nach einer dreitägigen Fahrt erreichte der Zug mit weiteren 1000 Jüdinnen und Juden das deutsche Mordlager Sobibor im heutigen Polen. Selma Pardis wurde im Alter von 62 Jahren direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Statistik des Holocaust Fleermann, Bastian u.a., Düsseldorfer Deportationen: Massenverschleppungen von 1933 bis zur Befreiung 1945, 2015 Verhörprotokoll der Geheimen Staatspolizei Düsseldorf, Ausstellung im Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf

  • Mordstätte Widerstand | Gedenkweg in Sobibor

    Am 14. Oktober 1943 fand in Sobibor der Aufstand der Gefangenen statt. Einzelne SS-Männer wurden zu einem verabredeten Zeitpunkt unter einem Vorwand in Werkstätten gelockt und dort getötet. Insgesamt fanden elf deutsche Täter an diesem Tag den Tod. Kurz vor dem täglichen Appell in Lager I begann der Aufstand. Die Gefangenen stürmten unter den Gewehrsalven der Wachen aus dem Lager in Richtung des rettenden Waldes. Viele starben beim Versuch, den Zaun und das Minenfeld zu überwinden. < zurück Abraham Margulies. Foto: Ghetto Fighter’s House Archive Catalog Number 11758 Leon Felhendler. Foto: Ghetto Fighter’s House Archive Catalog Number 11763 Flucht und Widerstand Die ständige Androhung und Erfahrung von Gewalt sollten sowohl die im Lager neu Eintreffenden als auch die jüdischen Zwangsarbeiter*innen davon abhalten, Widerstand zu leisten. Dennoch kam es immer wieder zu Vorfällen, bei denen Einzelne nach ihrer Ankunft in Sobibór angesichts ihrer verzweifelten Situation ihre Bewacher angriffen oder beschimpften. Zu den ersten jüdischen Gefangen in Sobibor gehörte der Überlebende Abraham Margulies. Er wurde im Mai 1942 von Zamosc in das Lager verschleppt. 1965 erinnerte er sich: „Wir zählten knapp über zehn Jahre und wollten so sehr leben. Es ist also nicht verwunderlich, dass vom ersten Tage des Aufenthalts im Lager an verschiedene Gedanken und Kombinationen über die Möglichkeit einer Flucht sich in den Kopf drängten.“ Trotz der angedrohten Strafen kam es immer wieder zu Fluchten und Fluchtversuchen. So hatten beispielsweise die jüdischen Gefangenen im Lager III einen Tunnel gegraben, durch den sie fliehen wollten. Unmittelbar vor dessen Fertigstellung wurde er entdeckt und in der Folge die Mehrzahl der Gefangenen im Lager III ermordet. Wegen Verrats misslang ein weiterer Fluchtplan holländischer Gefangener. Es gab auch erfolgreiche Fluchten. Kurz nach Weihnachten 1942 flüchteten fünf Jüdinnen und zwei Trawniki aus dem Lager III. Von einer Frau und den beiden Trawniki ist das weitere Schicksal bekannt: Sie wurden in einem vierzig Kilometer entfernten Dorf gestellt und erschossen. Im Juli 1943 floh ein Teil des Waldkommandos, nachdem sie einen ihrer Bewacher überwältigen und töten konnten. Der Aufstand in Sobibor Im späten Frühjahr 1943 entstand eine Widerstandsgruppe unter den jüdischen Gefangenen. Leon Felhendler soll einer der führenden Köpfe dieser Gruppe gewesen sein. Mit einem Aufstand wollten die Gefangenen den Mord in Sobibór beenden. Als im September 1943 ein Transport von Jüdinnen und Juden aus Minsk in Sobibór eintraf, befanden sich unter ihnen auch jüdische sowjetische Kriegsgefangene, die zur Zwangsarbeit ins Lager gebracht wurden. Leon Felhendler nahm Kontakt zu ihnen auf und sie planten nun gemeinsam einen Aufstand. Am 14. Oktober 1943 wurde der Plan umgesetzt. Einzelne SS-Männer wurden zu einem verabredeten Zeitpunkt unter einem Vorwand in Werkstätten gelockt und dort getötet. Insgesamt fanden elf deutsche Täter an diesem Tag den Tod durch jüdische Gefangene. Kurz vor dem täglichen Appell in Lager I begann der Lageraufstand. Die Gefangenen stürmten unter den Gewehrsalven der Wachmannschaften aus dem Lager in Richtung des rettenden Waldes. Viele starben beim Versuch, den Zaun und das Minenfeld zu überwinden. Nicht alle Gefangenen ergriffen die Flucht. Einige wollten den Ort nicht verlassen, an dem ihre Familie vergraben war, andere sahen in der Flucht keine Perspektive. Die jüdischen Gefangenen aus den Lagern III und IV konnten sich den Flüchtenden nicht anschließen. Etwa 300 Jüdinnen und Juden konnten am 14. Oktober 1943 in die Wälder flüchten. Die Deutschen verfolgten sie mit einer gnadenlosen Hetzjagd. Für die Geflohenen gab es keinen sicheren Ort. Zur Beschaffung von Essen und Unterkunft mussten sie sich Fremden anvertrauen, die sie jederzeit denunzieren konnten. Nur wenige fanden einen sicheren Unterschlupf bei alten Freunden oder neuen Bekannten, um die Zeit im Versteck bis zur Befreiung zu überleben. Der Krieg war noch nicht vorbei und der lange Winter stand bevor. Von über 60 Jüdinnen und Juden ist bekannt, dass sie das Kriegsende überlebten. In den Tagen nach dem Aufstand wurden alle in Sobibor verbliebenen jüdischen Gefangenen ermordet. Die Endphase der Mordstätte Ende Oktober 1943 wurden 100 jüdische Gefangene der Mordstätte Treblinka nach Sobibor gebracht. Sie mussten bei den Abriss- und Verladearbeiten helfen. Die Gaskammern wurden gesprengt und die Massengräber eingeebnet und mit Bäumen bepflanzt. Nachdem diese Arbeiten beendet waren, wurden auch diese letzten jüdischen Gefangenen ermordet. Im Juli 1944 befreite die Rote Armee die Gegend um Sobibór.

  • Rothschild, geborene Katz | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige Hermine Rothschild, geborene Katz geboren am 4. August 1877 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 03. Juni 1942 in der deutschen Mordstätte Sobibor Familie Ehemann: Rothschild, Alfred geboren am 04. Oktober 1871 in Vöhl, Hessen, Deutschland gestorben am 13. September 1939 in Korbach Sohn: Rothschild, Richard Moritz geboren am 12. Mai 1905 in Vöhl, Hessen, Deutschland verstorben 23. Januar 2006 in Rehovot in Israel Vater: Salomon Katz geboren am 7. Oktober 1844 in Goddelsheim, Hessen, Deutschland gestorben am 13. November 1929 in Korbach, Hessen, Deutschland Mutter: Johanna Katz geboren am 15. März 1855 in Korbach, Hessen, Deutschland umgekommen am 26. September 1942 im Ghetto Theresienstadt Bruder: Siegfried Katz geboren am 20. Juli 1879 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Schwester: Emma Hirsch, geborene Katz geboren am 2. Januar 1882 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 3. Juni 1942 im deutschen Mordlager Sobibor Schwester: Meta Neuhahn, geborene Katz geboren am 11. September 1883 in Korbach, Hessen, Deutschland gestorben am 10. April 1923 in Grebenstein, Hessen, Deutschland Schwester: Margarethe Katz geboren am 29. November 1885 in Korbach, Hessen, Deutschland ermordet am 24. Januar 1943 im Konzentrations- und Mordlager Auschwitz-Birkenau Lebensdaten 1877 Geburt in Korbach 1879 Geburt des Bruders Siegfried 1882 Geburt der Schwester Emma 1883 Geburt der Schwester Meta 1885 Geburt der Schwester Margarete 1904 Heirat mit Alfred Rothschild 1905 Geburt des Sohnes Richard ab 1910 ihr Ehemann ist Mitglied des Gemeinderats 1914 ihr Ehemann nimmt als Soldat am 1. Weltkrieg teil 1923 Tod der Schwester Meta, verheiratete Neuhahn 1933 Inhaftierung von Sohn Richard für zwei Wochen 1934 Flucht der Nichte Else Hirsch nach Palästina 1934 Hochzeit des Sohnes Richard 1934 Schwager Maximilian Hirsch stirbt am 27. April in Sachsenhausen 1935 Flucht des Sohnes und der Schwiegertochter nach Palästina 1937 Rückkehr der Schwester Emma aus Sachsenhausen 1937 Flucht des Neffen Bernhard Hirsch nach Palästina 1938 ‚Verkauf‘ ihres Gasthauses und zweier Grundstücke unter Preis 1938 Inhaftierung des Ehemanns im Konzentrationslager Buchenwald 1939 Tod des Ehemanns infolge der Konzentrationslagerhaft 1941 Zwangsunterbringung bei ihren jüdischen Nachbarn in Vöhl 1941 Verhaftung des Bruders Siegfried und seiner Ehefrau in Wrexen 1942 Deportation des Schwagers Moritz Neuhahn nach Theresienstadt 1942 Deportation und Ermordung in Sobibor, gemeinsam mit Schwester Emma, Bruder Siegfried und Schwägerin Hedwig 1942 Deportation von Mutter und der Schwester Margarete nach Theresienstadt 1942 Tod der Mutter in Theresienstadt 1943 Verschleppung der Schwester Margarete von Theresienstadt nach Auschwitz, Tod in Auschwitz – Birkenau 1944 Tod des Schwagers Moritz Neuhahn in Auschwitz - Birkenau nächste Das Gasthaus der Familie in Vöhl Hermine mit ihrem Ehemann Alfred und Gästen vor dem Gästehaus Richard Rothschild, Hermines Sohn Biografie Hermine Katz wurde am 4. August 1877 als älteste Tochter von Salomon Katz und seiner Ehefrau Johanna in Korbach geboren. Salomon Katz betrieb einen Getreidehandel und eine Kornbrennerei in Korbach. Zusammen mit ihren vier jüngeren Geschwistern Siegfried, Jahrgang 1879, Emma, Jahrgang 1882, Meta, Jahrgang 1883 und Margarete, Jahrgang 1885, wuchs sie im Haus der Eltern in der Lengefelder Straße 11 auf. Ihre Schwester Meta, verheiratete Neuhahn, verstarb 1923. Am 4. Juli 1904 heiratete Hermine in Korbach den Kaufmann Alfred Rothschild. Das Paar wohnte zunächst im Haus der Eltern in Korbach und zog später ins benachbarte Vöhl. Die Familie lebte in der Arolser Straße 87 bzw. 88, später Hausnummer 2. Ehemann Alfred ist 1936 als Eigentümer des Hauses Nr. 88 registriert. In Vöhl bewirtschafteten sie zusammen den stattlichen Gasthof „Prinz Wilhelm“ in der Basdorfer Str. 1 und führten ein Geschäft mit Kolonialwaren im selben Haus. Die jüdische Religion spielte für sie eine untergeordnete Rolle. Nach späteren Aussagen ihres Sohnes waren sie sogenannte „3-F-Juden“, die nur die drei großen jüdischen Feiertage begingen, das waren Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit wurde ihr Sohn Richard geboren. Die Familie scheint völlig in den dörflichen Alltag integriert gewesen zu sein. Alfred Rothschild beispielsweise war in den Gemeinderat gewählt worden. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der Reichswehr und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. 1921 beteiligt er sich als Stifter am Kriegerdenkmal Vöhl. Hermine kümmerte sich in der Zeit der Abwesenheit ihres Ehemannes allein um den Gasthof, das Geschäft und den Sohn. Luise Siegmann, eine Angestellte, berichtete nach dem Krieg, dass Hermine das Regiment in der Küche führte und ausgezeichnet kochte. Die jungen Mädchen hätten viel von ihr lernen können. Ehemann Alfred Rothschild war Mitglied in mehreren Vöhler Vereinen. Unter anderem war er einer der Regisseure einer Laienschauspielgruppe. Der Sohn Richard Rothschild besuchte das Fürstliche Landesgymnasium in Korbach. Als Anfang 1933 den Nationalsozialisten die Macht übergeben wurde, hatte dies bald Auswirkungen auf die Familie Rothschild. Bei den Kommunalwahlen am 5. März 1933 erhielt ihr Ehemann Alfred zu wenige Stimmen von seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern für einen Sitz im Gemeinderat. Sohn Richard Im Juni 1933 wurde Sohn Richard verhaftet und für zwei Wochen im Frankenberger Gefängnis eingesperrt. Einen Monat später wurde eine Liste von 35 Personen zu beobachtenden Personen aus dem Kreisgebiet erstellt, zu diesen zählte auch Richard Rothschild. Er entschied sich für eine Emigration nach Palästina. In einer „Hachschara“, einem Vorbereitungslager für die Auswanderung nach Palästina, bereitete er sich in Grüsen auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit in Palästina vor. In Grüsen lernte er seine Frau Gerda kennen und sie heirateten am 1. Dezember 1934. Im Januar 1935 verließ er seine Eltern, Vöhl und Deutschland und ging zusammen mit seiner Frau nach Palästina. Beide starben im hohen Alter in Israel. Nach 1938 Hermine und Alfred Rothschild spürten die Ablehnung ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger auch in ihrem Gasthaus sehr schnell, die Kunden blieben weg. Schließlich musste 1939 ihr Gasthof und zwei ihrer Grundstücke abgegeben werden. In einer Vermögensaufstellung wurde unter dem 3. Oktober 1947 als letztes verbliebenes Vermögen von Hermine Rothschild ein Ackergrundstück von eineinhalb Hektar zum Wert von 7.000 RM angegeben. Im August 1938 verkaufte die jüdische Gemeinde gezwungenermaßen die Synagoge am Ort. Von den verbliebenen 13 jüdischen Gemeindemitgliedern waren drei Männer, es konnte kein Gottesdienst mehr stattfinden. Alfred Rothschild wurde beauftragt, die Verhandlungen für die jüdische Gemeinde zu führen. Für ein Spottgeld wurde die Synagoge veräußert. Das Geld ging auf ein Sperrkonto, über das die jüdische Gemeinde nicht mehr verfügen konnte. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde der inzwischen 67-jährige Ehemann Alfred Rothschild verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Erst am 5. September 1939 kehrte Alfred Rothschild schwer krank zurück nach Vöhl. Der Hausarzt konnte keine äußerlichen Verletzungen feststellen. Hermine Rothschild zog vorübergehend mit ihrem Mann nach Korbach ins Hinterhaus des elterlichen Anwesens. Am 13. September 1939 verstarb ihr Mann Alfred Rothschild. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Korbach beigesetzt. Hermine zog zurück nach Vöhl. Vermutlich wurde sie zwangsweise bei ihren Nachbarn untergebracht. Die letzte Anschrift vor ihrer Deportation war die Mittelgasse 7, das Haus der jüdischen Familie Mildenberg. Hermines Schwester Emma Katz hatte am 30.1.1901 den im hessischen Sachsenhausen geborenen Kaufmann Maximilian Hirsch geheiratet. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor. 1934 verstarb ihr Mann im Dorf Sachsenhausen. Die drei Kinder wanderten nach Palästina und Schweden aus und entkamen so der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1937 zog Emma Hirsch nach Korbach zurück ins elterliche Anwesen. Im Herbst des Jahres 1941 mussten Hermines Mutter Johanna Katz, ihre Schwester Emma Hirsch und ihre unverheiratete Schwester Margarete das Anwesen in Korbach in der Lengefelder Straße 11 verlassen und in das „Judenhaus“ Kirchstraße 13 umziehen. Deportation nach Sobibor Anfang April 1942 erfuhren die Schwestern Hermine Rothschild und Emma Hirsch von ihrer geplanten „Umsiedlung in den Osten“. Am 29. Mai 1942 begaben sich die beiden Schwestern nach Kassel. Dort wurden sie in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht. Hier wurden sie registriert und auf Wertsachen durchsucht. Hermine Rothschild und ihre Schwester Emma Hirsch wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit 506 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus dem Geheimen Staatspolizei Bezirk Kassel mit dem Sonderzug „Da 57“, über Halle und Chemnitz, wo weitere hunderte Menschen in den Zug zusteigen mussten, deportiert. Der Zug erreichte am 3. Juni 1942 Sobibor. Die beiden Schwestern wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Der Bruder Siegfried Katz hatte am 11.6.1911 die in Göttingen geborene Hedwig Plaut geheiratet. Nach dem Tod seines Vaters hatte Salomon Katz dessen Betrieb in Korbach übernommen. Die Eheleute wurden am 26. September 1941 in das Sammellager Wrexen gebracht. Von hier aus wurden sie Ende Mai 1942 in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht und mussten denselben Deportationszug wie Hermine und Emma besteigen. Der Zug erreichte am 3. Juni 1942 Sobibor, wo auch Siegfried und Hedwig Katz unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Mutter Johanna und Schwester Margarete Katz Die Schwester Margarete Katz und die Mutter Johanna Katz wurden etwa drei Monate später, am 7.9.1942, von Kassel aus mit weiteren 753 jüdischen Menschen nach Theresienstadt deportiert. Johanna Katz starb im Konzentrationslager Theresienstadt am 26.9.1942. Ihre Tochter Margarete wurde am 23. Januar 1943 in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Es ist davon auszugehen, dass die 58-Jährige direkt nach ihrer Ankunft am 24. Januar 1943 ermordet wurde. Verwendete Dokumente und Literatur Bundesarchiv Gedenkbuch ITS Archiv Arlosen Statistik des Holocaust Website Synagoge Voehl Gottwald, Alfred und Schulle, Diane, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005 Hänschen, Steffen, Das Transitghetto Izbica im System des Holocaust, 2018 Kingreen, Monika u.a., Hanauer Juden 1933-1945, Entrechtung, Verfolgung, Deportation, 1998

  • Valk | Gedenkweg in Sobibor

    < zurück vorherige 'Leni' Magdalena Valk geboren am 28. September 1933 in Goch, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 21. Mai 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Familie Mutter: Erna Valk, geborene Stern geboren am 29. Januar 1905 in Goch, Nordrhein-Westfalen, Deutschland gestorben am 10. August 1993 in Goch, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Vater: Walter Valk geboren am 3. Juni 1897 in Emden, Niedersachsen, Deutschland gestorben am 30. Juli 1962 in Goch, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Onkel: Otto Stern geboren am 24. Januar 1889 in Goch, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 2. November 1942 in der deutschen Mordstätte Auschwitz-Birkenau Tante: Sophie Stern geboren am: 7. Februar 1889 in Odenkirchen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland ermordet am 2. November 1942 in der deutschen Mordstätte Auschwitz-Birkenau Onkel: Isaak Valk geboren am 4. September 1889 in Emden, Niedersachsen, Deutschland ermordet am 21. Mai 1943 im deutschen Mordlager Sobibor Tante: Hertha Valk, geborene Hoffmann geboren am 11. Juni 1898 in Jever, Niedersachsen, Deutschland ermordet am 21. Mai 1943 in der deutschen Mordstätte Sobibor Cousine: Hildegart Susanne Valk geboren am 12. Mai 1923 in Emden, Niedersachsen, Deutschland ermordet am 25. Januar 1943 in der deutschen Mordstätte Auschwitz-Birkenau Cousin: Josef Valk geboren am 19. Mai 1925 in Emden, Niedersachsen, Deutschland ermordet am 18. Februar 1943 in der deutschen Mordstätte Auschwitz-Birkenau Lebensdaten 1933 Geburt 1936 Emigration ihres Onkels Isaak Valk in die Niederlande 1938 zwangsweiser Umzug der Familie in Goch 1938 Verhaftung des Vaters nach der Reichspogromnacht 1938 Leni wird zu ihrer scheinbaren Sicherheit in die Niederlande gebracht 1939 Besuch der Grundschule in Leeuwarden 1941 Besuch der Jüdischen Schule in Leeuwarden 1942 Verschleppung von Onkel Isaak und Cousin Josef Valk nach Westerbork 1942 Verschleppung nach Westerbork zusammen mit Tante Hertha 1942 sie trifft Onkel Otto Stern und Tante Sophie Stern in Westerbork 1942 Ermordung von Onkel Otto Stern und Tante Sophie Stern in Auschwitz 1943 Tod ihrer Cousine Hildegart in Auschwitz 1943 Verschleppung und Ermordung in Sobibor, zusammen mit Onkel Isaak und Tante Hertha 1943 Tod des Cousins Josef in Auschwitz 1962 Tod des Vaters in Goch 1993 Tod der Mutter in Goch nächste Sophie und Otto Stern sowie Erna und Walter Valk mit Leni Portät von Leni Leni mit ihrer Mutter Erna Der Gedenkstein für Leni in der Gedenkallee wurde von der Realschule in Goch gespendet, die Schule trägt Lenis Namen Biografie Leni Valk wohnte zusammen mit ihren Eltern in der Hindenburgstraße, heute Brückenstraße 37, in Goch. Ihr Vater betrieb seit 1930 ein Geschäft für Herren- und Knabenbekleidung im `de Witt-Haus´ am Gocher Marktplatz. In Goch lebten schon seit Ende des 13. Jahrhundert Jüdinnen und Juden. Die Synagoge im Ort wurde 1812 erbaut und mehrmals erweitert und renoviert. 1933 wohnten rund 70 Jüdinnen und Juden in der Stadt. Viele von ihnen verließen in den kommenden Jahren Goch, nur wenige Menschen kehrten nach Kriegsende zurück, zwei von ihnen waren Lenis Eltern. Als jüdisches Kind war Leni Valk der Besuch des Kindergartens verboten. Eine Gocher Mitbürgerin hatte sich zudem laut Aussage ihrer Mutter für Lenis Ausschluss engagiert, sie wollte nicht, dass ihre Kinder mit einem jüdischen Mädchen spielten. Leni fehlten Spielkameraden und Spielkameradinnen. Sie war sehr einsam. So tröstete sie sich mit Vorliebe damit, im Gocher Stadtpark oder am Schwanensee zu sitzen. Jahre später erzählte ihre Mutter Erna Valk von dieser Zeit: „Vor allem durfte Leni nicht mit zum St. Martins-Zug gehen wie die anderen Kinder. Das tat ihr furchtbar weh und sie stellte mir die Frage, ob sie später zur Schule gehen dürfe. Als die Mutter verneinte, war sich Leni sicher: „Dann will ich nicht hierbleiben, dann will ich nach Holland.“ Auch das Geschäft des Vaters lief immer schlechter, nur noch wenige Leute trauten sich bei dem jüdischen Händler einzukaufen. Er gab das Geschäft im Sommer 1938 auf. Zu dieser Zeit musste die Familie ihre Mietwohnung verlassen und sie kamen bei Lenis Onkel und Tante in der Herzogenstraße 36 unter. Nach 1938 Am 8. November 1938 sah Leni Valk, sie war fünf Jahre alt, wie die Gocher Synagoge in Flammen aufging. Am Abend der Reichspogromnacht wurde die Wohnung der Valks von Nazis durchsucht, selbst Lenis Puppenwagen blieb nicht verschont und wurde umgeworfen. Am nächsten Morgen wurde ihr Vater verhaftet und erst ins Gocher und später ins Klever Gefängnis gebracht. Vier Tage später verschleppte man ihn ins Konzentrationslager Dachau, aus dem er erst einige Monate später wieder entlassen wurde. Am 15. November 1938 erließen die Nationalsozialisten ein Schulverbot für jüdische Kinder in öffentlichen Schulen. Die Mutter beschloss, ihre Tochter Leni nach Leeuwarden in die Niederlande zu schicken und bei Lenis Tante Hertha und Onkel Isaak Valk in Sicherheit zu bringen. Ein nicht-jüdischer Nachbar mit niederländischer Staatsangehörigkeit brachte das Mädchen im Dezember 1938 über die Grenze bis zur Bahnstation in Boxmeer in der Provinz Limberg. Dort kaufte er ihr eine Fahrkarte und hängte dem fünfjährigen Mädchen ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: „Bitte helft diesem Kind, Zielort Leeuwarden“. Leni lebte fortan bei der Familie ihres Onkels Isaak, die schon 1936 in die Niederlande emigriert war. Isaak Valk wohnte in Leeuwarden mit seiner Frau und den beiden Kindern Josef und Hildegart Susanne. Hier ging Lenis Wunsch in die Schule gehen zu dürfen, endlich in Erfüllung. Sie besuchte anfangs die Grundschule und wechselte später in die Jüdische Schule in Leeuwarden. Leni lernte schnell die niederländische Sprache und schrieb ihren Eltern Briefe, denen sie manchmal Fotos beilegte. Im Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande, dadurch wurde auch die Situation für die Familie von Lenis Onkel schwieriger. In einem Brief vom November 1941 schrieb ihre Tante Hertha an Lenis Mutter: „Leni hilft uns über das Trübsal hinweg. Ihre sonnige Natur sieht natürlich noch keine Schwierigkeiten ... Gestern hatte Leni einen besonders guten Tag, mittags gab es Kartoffelpfannkuchen, am Nachmittag war sie zur Religionsstunde, die sie besonders liebt, abends gab es Steckrüben, die sie als ihr Leibgericht angibt. Also an einem Tag dreimal geboft“ (Glück gehabt). Ab dem 2. Mai 1942 mussten jüdische Menschen auch in den Niederlanden den ausgrenzenden gelben Stern tragen. Verhaftung und Deportation Am 5. Oktober 1942 wurde Leni mit ihrer Tante Hertha in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Das „Polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ diente als Konzentrationslager in Vorbereitung der Deportationen v.a. der jüdischen Flüchtlinge und niederländischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Von hier wurden zwischen 1942 und 1944 107.000 Jüdinnen und Juden in den Osten verschleppt – 19 Transporte mit über 34.000 Menschen verließen Westerbork mit dem Ziel Sobibor. 65 Transporte mit 57.000 Jüdinnen und Juden verließen Westerbork mit dem Ziel Auschwitz-Birkenau. Lenis Cousin Josef Valk und ihr Onkel Isaak Valk waren bereits drei Tage vorher nach Westerbork verschleppt worden. Dort traf sie am 15. Oktober 1942 auch ihren Onkel Otto und ihre Tante Sophie Stern wieder, bei der sie eine Zeit lang in Goch gelebt hatte. Otto und Sophie Stern wurden schon zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Westerbork, am 30. Oktober 1942, in die deutsche Mordstätte Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie wurden am 2. November, direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau, ermordet. Lenis Cousine Hildegart Susanne Valk arbeitete als Krankenschwester in der Apeldoornse Bos, einer jüdischen psychiatrischen Einrichtung in Amsterdam. In der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 1943 wurden alle Patienten und das Personal der Klinik verhaftet und in einem Transport nach Auschwitz-Birkenau im heutigen Polen verbracht. Nach ihrer Ankunft in Auschwitz wurden Hildegart Susanne Valk und alle weiteren Menschen dieses Transportes ermordet. Lenis Cousin Josef Valk wurde nur wenige Wochen später, am 16. Februar, nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Es ist davon auszugehen, dass auch er am 18. Februar 1943, direkt nach der Ankunft in Auschwitz – Birkenau, ermordet wurde. Am Morgen des 18. Mai 1943 mussten Leni, ihre Tante Hertha und ihren Onkel Isaak zusammen mit weiteren 2508 Menschen einen Deportationszug besteigen. Sie wurden mit dem 12. Transport von Westerbork aus in die Mordstätte Sobibor verschleppt. Leni, ihre Tante und ihr Onkel wurden am 21. Mai 1943, unmittelbar nach ihrer Ankunft dort ermordet. Niemand aus diesem Transport überlebte. Die Eltern Lenis Eltern, Erna und Walter Valk, wurden bereits am 10. Dezember 1941 verhaftet, für sie begann ein langer und fürchterlicher Weg durch verschiedene deutsche Arbeits- und Konzentrationslager. Es ist davon auszugehen, dass Lenis Abwesenheit zum Überleben der Mutter beigetragen hat, da Kinder meist eine Selektion in den Tod mit sich brachten. Am 30. Juni 1945 kehrte Erna Valk zurück nach Goch, wo zehn Tage später auch ihr Mann eintraf. Sie suchten nach ihrer Tochter Leni, ihre Spur verlor sich vorerst in Westerbork. Erst später erhielten sie Auskunft darüber, was ihrer kleinen Tochter Leni widerfahren war und wo sie ermordet wurde. Walter Valk eröffnete sein Bekleidungsgeschäft in Goch erneut. Er starb am 30. Juli 1962 in Goch. Erna Valk setzte sich nach dem Krieg in ihrer Heimatstadt als Zeitzeugin dafür ein, das Gedenken an ihre Tochter Leni aufrecht zu erhalten, für ihren Einsatz erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. 1979 wurde die Realschule in Goch nach Leni Valk benannt. Erna Valk verstarb 88-jährig am 10. August 1993 in Goch. Erinnerung an Leni Valk in Goch Verwendete Dokumente und Literatur Website des Archivs ITS Arolsen Website Gedenkbuch des Bundesarchivs Website Joods Monument Website einer Initiative aus Goch zu Leni Valk Erinnerungen: Die Mutter von Leni, Erna Valk, hat die Zeit ihres Leidens in Ghettos und Konzentrationslagern festgehalten. Ihre Erinnerungen sind hier in deutscher Sprache nachzulesen: http://wp.ge-mittelkreis.de/webfrie05/webinsch/jupage/valkernabe.htm

  • Quellen | Gedenkweg in Sobibor

    Informationen zu den auf der Website 'Gedenkweg in Sobibor' verwendeten Quellen Quellen Die bereitgestellten Informationen auf dieser Web Site wurden sorgfältig geprüft und werden regelmäßig aktualisiert. Jedoch kann keine Garantie dafür übernommen werden, dass alle Angaben zu jeder Zeit vollständig, richtig und in letzter Aktualität dargestellt sind. Haben Sie Fehler gefunden oder verfügen Sie über Informationen, die wir unserem Projekt hinzufügen können, bitte kontaktieren sie uns unter info@bildungswerk-ks.de Datenbanken zu Holocaustopfern/-überlebenden Bundesarchiv Gedenkbuch Joods Monument Dokin – jüdische deutsche Kinder in den Niederlanden ITS Archiv Arlosen Yad Vashem Oorlogsbronnen Holocaustopfer Theresienstadt Auschwitz Museum Memorial Mechelen Statistik des Holocaust Archive in den Niederlanden Openarchives Niederlande – Belgien Stadsarchief Rotterdam Stadsarchief Amsterdam Genealogiewebsites My Heritage Yizkor Book Projekt Geneanet Geni JRI-Poland Elli Island Foundation – Passagierlisten Website zu Friedhöfen in Deutschland und weltweit Steinheim Institut Project Het Stenen Archief Niederlande Billion Graves Find a Grave Websiten zu Stolpersteinen Stolpersteine Hamburg Stolpersteine Dortmund Stolpersteine Kassel Stolpersteine Dresden Zeitungsarchive Niederländisches Zeitungsarchiv Delpher Zeitungsarchiv NRW Unibibliothek Kassel Websiten zu deutsch-jüdischer Geschichte Alemannia Judaica Jewish Places Geschichte der Jüdischen Gemeinden

  • Bildungswerk | Gedenkweg in Sobibor

    Informationen zur Arbeit des Bildungswerks Stanisław Hantz Bildungswerk Stanisław Hantz Stanisław Hantz 1995 fuhren wir erstmals mit unserem Namensgeber Stanisław Hantz zu den Gedenkstätten in Auschwitz-Birkenau. In beeindruckender Offenheit erinnerte sich der Überlebende an das Lagerleben und brachte uns Geschichte auf seine sehr persönliche Art nahe. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen, seinen Erinnerungen an die Zeit in Auschwitz. Von Hunger und Durst, von Trauer und Todesangst. Und auch von Hilfe und Solidarität. vom Lachen, von den Witzen und Scherzen in seinem Arbeitskommando. Von den Menschen, denen er in Auschwitz begegnete, von Freunden und Peinigern. Frei von einfachen Freund- und Feindbildern. So konnten bei ihm Täter auch Angst haben und Opfer sich von ihren dunkelsten Seiten zeigen. Und dennoch blieb die Klarheit, dass sich die Grenzen zwischen Tätern und Opfern niemals aufheben. Und er erzählte uns davon, wie er mit der Vergangenheit lebte, und wie diese seine Gegenwart prägte. Mit seinem besonderen Weg seine Vergangenheit zu betrachten, hat Stanislaw Hatz uns sehr schnell für sich eingenommen. Seine Sichtweise hat uns und unsere Arbeit geprägt. Im Sommer 2008 starb Stanisław Hantz nach einer schweren Herzoperation in Krakau. Auf dem Weg in die Klinik besuchte er ein letztes Mal Auschwitz. Unsere Schwerpunkte Seit 1995 unternehmen wir Bildungsreisen mit Interessierten zu Stätten des Holocaust: Auschwitz-Birkenau, Lodz, Treblinka, Belzec, Sobibor, Majdanek, Izbica Lemberg, Wilna und Bialystok. Unsere Bildungsreisen geben Antworten und werfen gleichzeitig Fragen auf. Von großer Bedeutung für unsere Bildungsarbeit waren und sind die Kontakte zu Überlebenden deutscher Konzentrations- und Vernichtungslager. Die meisten der Häftlinge, mit denen wir Kontakt hatten, sind mittlerweile verstorben. Unsere Bildungsreise nach Lodz und zur Mordstätte Chelmno wird von dem ehemaligen Häftling Leon Weintraub begleitet. Leon Weintraub ist 97Jahre alt und eine große Bereicherung für diese Veranstaltung. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit sind unsere Veröffentlichungen von Autobiografien und Ausstellungen zu Aspekten des Holocausts. Mit den Veröffentlichungen der Überlebendenberichte wollen wir dazu beitragen ihre Erfahrungen zu erhalten. Im Rahmen unserer Arbeit, vor allem unserer Bildungsreisen, haben sich in verschiedenen Orten des Holocaust zahlreiche Kontakte zu Museen, Vereinen und Schulen ergeben. Daraus resultierten und resultieren vielfältige Formen der Zusammenarbeit, wie gemeinsame Veranstaltungen und Veröffentlichungen oder Unterstützung bei der Installation von neuen Gedenkorten. So haben wir in BeƗzec die Renovierung der ehemaligen SS-Kommandantur mit unterstützt. In Sobibor haben wir den Weg mit Gedenksteinen. In Treblinka waren wir an der Schaffung eines Gedenkortes am ehemaligen Bahnhof beteiligt. In Izbica, Chełm, Zamość und Auschwitz gibt es Kooperationen mit Schülerinnen und Schülern, die sich mit der Geschichte ihrer Orte befassen. Unsere Aufgaben für die Zukunft Eine große Aufgabe ist und bleibt für uns die Erinnerungsarbeit. Immer mehr steht dabei im Mittelpunkt, wie dies ohne Überlebende gut und überzeugend umgesetzt werden kann. Als Weg dorthin zeichnet sich ein solides Fachwissen unserer Referentinnen ab, immer kombiniert mit den Biografien der Überlebenden. Wir sehen die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht als Geschichtsunterricht, sondern vor allem als Möglichkeit, die Welt zu verstehen, daraus Schlüsse zu ziehen und sein Verhalten zu entwickeln. Wir sehen uns als Nachkriegsgeborene nicht in der Schuld, sondern in der Verpflichtung Verantwortung für unsere deutsche Geschichte zu übernehmen. Wir wollen die Erinnerung und das Wissen wachhalten und in der Gegenwart nutzen. Unsere Bildungsarbeit lebt zum einen von unserem ehrenamtlichen Engagement. Zum anderen lebt sie von zahlreichen Spenden. Vor allem aber lebt sie aufgrund eines weit verzweigten Netzes von UnterstützerInnen, die unsere Arbeit erst möglichen machen. Für das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. ist der Umgang mit der Vergangenheit im Land der Täter von damals und der Nazi Ideen von besonderem Interesse und nimmt uns in die Verantwortung. Als Nachkriegsgeborene geht es bei uns nicht um persönliche Schuld und Verstrickungen. Im Vordergrund steht für uns Verantwortung für die deutsche Geschichte zu übernehmen, die Erinnerung wach zu halten und dieses Wissen in die Gegenwart einfließen zu lassen. Weitere Informationen finden sich auf unserer Homepage Januar 2024

  • Mordstätte Lager | Gedenkweg in Sobibor

    Das Areal der Mordstätte Sobibor war anfänglich etwa 600 Meter lang und 400 Meter breit, im Sommer 1943 wurde das Gelände auf 1000 mal 400 Meter erweitert. Das Lagergebiet war von einem drei Meter hohen, mit Zweigen durchflochtenen doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Der Zaun sollte nicht nur die Flucht von jüdischen Gefangenen verhindern, sondern auch vor neugierigen Blicken schützen, beispielsweise aus den vorbeifahrenden Zügen. < zurück Frühjahr 1943: Das Lagertor von Sobibor. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühjahr 1943: Blick vom Wachturm am Lagereingang auf das Vorlager. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühsommer 1943: Von einem Wachturm aufgenommene Übersicht über das Lager I und das Vorlager im Hintergrund. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Frühjahr 1943: Blick aus dem Vorlager Richtung Lager I und II. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Sommer 1943: Das Eingangstor zum sogenannten Erbhof. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Sommer 1943: Das neugebaute Kasino für die deutschen Täter im Vorlager. Foto: Archiv Bildungswerk Stanislaw Hantz Die Lagerbereiche Das Gelände der Mordstätte Sobibor Das Areal der Mordstätte Sobibor war anfänglich etwa 600 Meter lang und 400 Meter breit, im Sommer 1943 wurde das Gelände auf 1000 mal 400 Meter erweitert. Das Lagergebiet war von einem drei Meter hohen, mit Zweigen durchflochtenen doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Der Zaun sollte nicht nur die Flucht von jüdischen Gefangenen verhindern, sondern auch vor neugierigen Blicken schützen, beispielsweise aus den vorbeifahrenden Zügen. Während der gesamten Zeit seines Bestehens befand sich das Lager im Aus- oder Umbau. Die Deutschen ließen weitere Unterkünfte, Magazine und Werkstätten erbauen. Das eingezäunte Terrain von Sobibor war zunächst in vier, ab Sommer 1943 in fünf Bereiche unterteilt, wie der nebenstehenden Karte zu entnehmen ist. Das Vorlager Im sogenannten Vorlager der Mordstätte befand sich der Wohn- und Freizeitbereich für die deutschen Täter und die Trawniki. Die sogenannten Trawniki waren zumeist sowjetische Kriegsgefangene, bevorzugt Volksdeutsche und Ukrainer, die in einem Ausbildungslager in der Ortschaft Trawniki eine kurze militärische Ausbildung durchliefen. Ab Mitte 1943 meldeten sich auch Zivilisten aus dem Distrikt Lublin freiwillig zu diesen Einheiten. Die Trawniki wurden u.a. bei der Auflösung der Ghettos und in den Mordlagern der „Aktion Reinhardt“ als Wachmänner eingesetzt. Im Vorlager mussten jüdische Gefangene u.a. auch Blumenbeete anlegen und pflegen. Die Täter wollten in einer gepflegten Anlage und in unverfänglicher Atmosphäre leben und ihre Freizeit verbringen. Dazu sagte Jahrzehnte später die Sobibor-Überlebende Eda Lichtman: „Wenn man in das Lager hineinkam, machte es den Eindruck eines Erholungsortes. Ästhetisch gebaute Villen, Kasino, Gärten, mit Kies bedeckte Pfade, Rasenflächen, Blumenbeete, Rosen- und Sonnenblumenalleen vertuschten sorgfältig und täuschten das Auge fremder Ankömmlinge darüber hinweg, dass dort die Todesfabrik war.“ Das Lager I An das Vorlager grenzte das Lager I, abgetrennt durch Stacheldrahtzäune. In diesem Bereich befanden sich die Unterkunftsbaracken der jüdischen Gefangenen und Werkstätten: Schusterei, Schreinerei, Tischlerei und andere Werkstätten. Unter Franz Stangl, dem ersten Kommandanten des Lagers, gab es auch einen Goldschmied, der für die deutschen Täter u.a. aus Zahngold Schmuck herstellen musste. Das Lager II Das Lager II war der „Aufnahmebereich“ des Lagers, in dem sich die ankommenden Jüdinnen und Juden auf einem Auskleideplatz ausziehen und ihr Gepäck abgeben mussten. In diesem Bereich wurde die geraubte Habe der Ermordeten nach Wertgegenständen durchsucht, sortiert und aufbewahrt. Hier befand sich zudem der sogenannte Erbhof, ein abgeschlossenes Areal u.a. mit Pferde-, Schweine-, Gänse- und Kaninchenställen. Das ehemalige Forsthaus innerhalb des Lagers II nutzten die Deutschen als Verwaltungs- und Wohngebäude. Das Lager III Ein mehrere hundert Meter langer Weg verband das Lager II mit dem Tötungsbereich im Lager III. Dieser Verbindungsweg war mit einem Stacheldrahtzaun mit eingeflochtenen Zweigen eingefasst. Am Ende dieses von den deutschen Tätern als „Schlauch“ benannten Weges befand sich das Lager III mit den Gaskammern und Leichengruben. Die Gaskammern befanden sich in einem Gebäude aus Stein, das im Sommer 1942 erweitert wurde. Im April 1942 wurde zur Erzeugung des tödlichen Gases ein 200 PS-Motor aus dem 200 Kilometer entfernten Lemberg (heute Ukraine) geholt. Jede Kammer hatte einen Eingang und einen Ausgang. Durch den Ausgang schleppte man die Körper der Ermordeten zu den riesigen Leichengruben. In diesen wurden die Leichen verscharrt. Ab Spätherbst 1942 begann man, die Leichen zu verbrennen. Zu diesem Zweck wurden riesige Scheiterhaufen mit Eisenbahnschienen mit Brennholz errichtet. Für die Gefangenen, die in diesem vom restlichen Lager isolierten Bereich arbeiten mussten, gab es einen eigenen abgeteilten, eingezäunten Unterkunftsbereich. Das Lager IV Ab Sommer 1943 begann man mit dem Bau von Lager IV im nördlichen Bereich der Mordstätte. Es gab den Plan, in Sobibor Beutemunition für die Wehrmacht zu lagern und aufzuarbeiten. Dafür wurde das Lagergelände großzügig erweitert und mehrere bunkerähnliche Gebäude in errichtet. Die Arbeiten am Lager IV dauerten bis zum Aufstand der jüdischen Gefangenen im Oktober 1943 an, danach wurde das Vorhaben der Munitionsverwertung aufgegeben.

  • Mitgliederseite | Gedenkweg in Sobibor

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